Montag, 12. Oktober 2015

Der Froschmäusekrieg

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 40
Bei Hofe

n

 Pausbacks Seepalast indessen,
Fernab vom Flüchtlingsleid der Schlacht,
Von der königlichen Garde gut bewacht,
Besprachen, im Tone angemessen,
Sich die ranghöchsten Soldaten
Beider Seiten, zu beraten
Wie die dumme Streiterei
Die zwischen den Völkern vor zwei Wochen
Am Froschteiche war ausgebrochen,
Am schnellsten zu beenden sei.

Murks und Hippe, die auf Wache standen
Und hörten, was hinter dem Tor absurd,
Im Froschpalast besprochen wurd,
Das nicht gerade lustig fanden.

  
Direkt hinter dem dicken Eichentor
Besprach der Generalmajor
Von Tümpling, Pausbacks Diplomat,
Ein Frosch mit Adelsprädikat,
Sich drinnen grad im Korridor
Mit dem Mauser Bartehaar,
Der Troxartes Kriegsminister war.

  
"Mir kommt", sprach Tümpling, "es so vor,
Als ob Troxartes euer Rex,
In seinem Ödipuskomplex,
Das kriegerische Trallala
Für seine alte Frau Mama,
Die er noch mehr als Krümeldieb,
Seinen eignen Sohn hat lieb,
Angezettelt hat gar eigen.
Um ihr, dass er sie liebt zu zeigen."

"Wie Bush der Mutter offenbar"
Begann ein Beispiel er zu nennen,
"Durch den Irak-Krieg wollt beweisen,
Ohn' sich die Finger zu verbrennen,
Dass sie sein Ein- und Alles war,
So hat Troxartes Schlacht um Schlacht,
Für seine Mama es gemacht."

"So ist das heut in diesen Kreisen."
Erwiderte der andre drauf.

"Doch oft im Welt-Geschichtsverlauf,"
So fügte er hinzu, "hat es so was schon gegeben.
Denk an Mooshammer, der eben
In München wurde umgebracht!"
(Niederschrift des Manuskriptes Oktober 2005)

"Ja, ja", hat Tümpling da gelacht,
"Aber der war anders rum!

Doch kümmern wir uns lieber drum,
Wie wir, und das ist nicht zum Lachen,
Dem dummen Krieg ein Ende machen,
Der zwischen unsern Völkern nun
Seit Wochen tobt wie ein Taifun!"

Das Gesicht gilt es zu wahren
Nach dem langen dummen Streite,
Darüber war man sich im Klaren.

Jeder dann für seine Seite,
Hat dem anderen erklärt,
Was sich am Besten da bewährt,
Um die Kriegsherrn schnell vom Ringen
Um den Endsieg abzubringen
Und einen Prestigeverlust der beiden
Dabei möglichst zu vermeiden.

***

Einer der zwei, um die es ging,
Vor seinem Palast im grünen Gras
An seinem Lieblingsplatze saß,
Wo er eine Maus empfing
Die um Audienz gebeten hatte.

"Erlauchte Majestät gestatte"
Begann sie, "eine Bitte mir,
Und dass ich was erkläre dir."

Pausback erwiderte gefasst:
"Keine Angst vor mir, nur zu,
Trag vor was auf dem Herzen du
Für Sorgen und Probleme hast."

"Ich hab drei Kinder, zwei der Kleinen,"
Fuhr die Maus, gewitzt im Wort,
In ihrer Sacherklärung fort,
"Siehst du an meinem Rocksaum weinen
Weil sie nichts zu knabbern haben.
Doch bitt ich nicht um milde Gaben.
Nein Durchlaucht, im Gegenteil,
Ich biete dir, du bist ein Mann,
Etwas ganz besond'res an."

Dann bot sie ihm die Tochter feil,
Die daheim im Mauseloch
Sie hatte nebst den beiden noch,
Die an ihrem Rocksaum hingen
Und ihr auf die Nerven gingen.

"Sie ist die schönste Maid im Land,"
Sprach sie weiter auf ihn ein
"Und einen Jungfer, glaube mir,
Die gut passen würd' zu dir.
Wenn du dem Mädel reichst die Hand
Und als die Deine sie erkürst,
Werdet ihr beide glücklich sein.

Und wenn du sie zum Altare führst
Und sie zum Weibe dir erwählst,
Wird, wenn du dich mit ihr vermählst,
Troxartes, unser König dir,
Der das Kind einst schenkte mir,
Nicht gram sein mehr um Krümeldieb.

Er hat das Kind genauso lieb,
Wie er einst hatte seinen Sohn,
Den du, wei er dir fiel zur Last,
Auf deinem Frosch-Gewissen hast."

"Mein Kind hat Anrecht auf den Thron!"
So fuhr mit Nachdruck sie im Wort
In ihrem Bittgesuche fort.

"Und wenn du ihr Gemahl erst bist,"
Sprach weiter sie mit Hinterlist,
"Dann lenkt Troxartes sicher ein
Und bietet dir den Frieden an,
Denn er wird glücklich drüber sein,
Dass ein König wird ihr Ehemann!"

***

Wie die Sache weitergeht
In der nächsten Folge steht

wird fortgesetzt


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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.