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Dienstag, 26. Juni 2012




Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 10 - 108

Froschmedizin und Krötengift
Teil XIII  Krötentest


Dann wurd' er ernst. Sehr sattelfest
Fuhr er in seiner Rede fort:
"Jetzt komme ich zum Krötentest.
Den erfand man zwar nicht dort,
Doch auch Tiroler und Bajuwaren
Begeistert von der Methode waren
Die zur Bestimmung der Schwangerschaft
Medizinisch ganz unzweifelhaft
Den Lurchen zu verdanken ist.
Wie ihr sicher alle wisst,
Erlebte die Kröte ein Comeback.
Im neunzehnten Jahrhundert wurde sie
Weltbekannt. In der Gynäkologie
Diente fortan sie dem Zweck
Medizinisch abzuklären
Ob die Weiber schwanger wären
Oder aber nicht. Doch dann
Musste der Gatte noch mal ran
Um anstatt sich auszuruh'n
Seine Pflicht im Bett zu tun.
Überall in jener Zeit,
Nicht nur in Bayern, nein weltweit,
Mussten sich Kröten mit Urin
Vollpumpen lassen. Mit Disziplin
Ließen die Tiere es geschehen.
Niemals gab es ein Versehen!
Treu taten die Lurche ihre Pflicht.
Millionen Kröten lebenslang
Gefangen, vor den Spritzen bang
Mit denen die Ärzte die verrohten,
Sie täglich im Labor bedrohten,
Dienten angereichert mit Urin
 Zu Testzwecken der Medizin.
Die Frauenärzte rund um die Welt
 Verdienten mittels Kröten Geld.
Der Apothekerfrosch war in




Damals in Sachen Medizin.
Manch Krötenmännchen wurd betrogen.
Die unverschämten Gynäkologen
Narrten es mit dem Urin
Von Schwangeren. Es gab sich hin
Ohne Lust dabei zu spüren.
Ein Krötenweibchen zu verführen,
So wie früher einst zur Laich,
Aus reiner Liebe nur im Teich,
Verwehrte man dem Amphibium.
Die Ärzte scherten sich nicht drum.
Die Kröten haben Angst geschwitzt.
Mit Menschenharn stets voll gespritzt,
Mussten die Kröten ohne zu  klagen
Jeden Morgen es ertragen,
Ohne zu wissen noch warum,
Dass so manche dreist kokette
Praktikantin mit Pipette
Fummelte ihnen am Hintern rum
Um unter Schmerz und zwar extremen
Eine Harnprobe dort zu entnehmen.
Manch Kröte dacht bei sich einst stumm
Die andre wäre anders rum
Und ist vor Angst und vor Verlangen
Bei der Tortour schlicht eingegangen.
Der Fortschritt in der Medizin
Raffte Krott und Kröter hin.
Millionenfach sind sie gestorben.
Den Nobelpreis hat der erworben
Der jahrelang sie einst traktierte
Und mit ihnen experimentierte,
Dass ihnen vor Angst die Augen quollen
Und schmerzhaft ihre Hoden schwollen.
Nicht dass die Kröten neidisch waren.
Der Preis hat sie nie interessiert.
Sie waren drüber sich im Klaren,
Dass das was ihnen ist passiert,
Der Menschheit diente und darum
Steht ihnen im Elysium
Hier bei uns ein Platz auch zu"!
"So ist es" rief Utze Uridu.
Die Parzen, uns stets wohl gesonnen,
Haben die Fäden so gesponnen,
Dass ihre Chefin die Moira hieß,
(Ilias 24/49;  24/209; Schicksalsgöttin)
Uns den Weg hierher all wies,
So wie es sich für uns geziemt.
Wir haben schließlich es verdient
Dass vor Verfolgung nun gefeit
Wir mit euch die Ewigkeit
Hier oben mit so schönen Dingen
Wie Lyrik im Olymp verbringen.
Dann rief sie ein paar Namen auf.
Die andern nahmen es in Kauf.
Sie staunten nur und hörten zu.
"Krott, Lork, Padde, Icke, Trautl, Tutz,
Auke, Unke, Krat; Brotz, Pädde, Utz"
(alle Froschnamen aus der Dissertation von
Ursula Wiepen: Deutscher Wortatlas; Frosch.)
So rief die Seele von Utz Uridu
Und weiter: "Grutschpapp, Hetsch und Höppekratsch,
Däsche, Parre, Hutsche, Pogg und Hockelprotsch,
Krötpack, Poggütsch, Prückel, Hoppekrat".
"Noch Hunderte hätt' ich parat"
Fuhr sie fort, "sie sind nebst mir
Dank unsrer Forschungstaten hier.
So wie ihr es einst spontan
Vor Trojas Mauern habt getan,
Gaben heldenhaft der Medizin
Wir im Labor das Leben hin.
Wie Ihr dereinst euch in der Schlacht
Vor Troja habt verdient gemacht
Hat unsereins sein Leben
Für die Forschung hingegeben".
Und sie fügte an mit List:
"Ich denke es ist nur gerecht
Dass auch unser Frosch-Geschlecht
Im Elysium hier für ewig ist".

Äskulap erwidernd. "Ich bin froh,
Dass Moira euch zur Seite stand,
Denn ich weiß aus erster Hand,
Dass Frosch und Krott als A und O
Gelten unten auf der Erde.
Als der Schöpfer sprach "es werde"
Wurden Frosch und Kröte. Dann
Erst viel später kam der Mann
Lang behaart ins Paradies
Der laut Bibel Adam hieß.
Heut sind wir Helden all hier oben.

Ich gab euch, denk ich, ein paar Proben
Davon wie in der Medizin
Wir alle früher genuin
Uns gegenseitig therapierten
Und unsre Krankheiten kurierten.
Damit bin ich mit dem Lurch
Was mich als Arzt betrifft, schon durch.
Für mich steht fest ganz zweifelsohne,
Das will als letzten Satz ich sagen.
Gäb's für Doktoren eine Krone,
Dann müsst der Schwanzloslurch sie tragen"!

Äskulap verbeugte sich und dann
Ein Beifallsturm sogleich begann
Der wegfegte das Protokoll
Und zum Orkane schnell anschwoll.
Ein Getrampel und Getöse
Als ob Gott Zeus 'nen Donner löse.
Zehn Minuten ohne Pause
Waren nun die heil'gen Hallen
Angefüllt vom Klatschapplause.
Äskulap hat es gefallen.
"Dein Vortrag" sprach schließlich Astynoos
 (Ilias 15/455; Troer, Sohn des Protiaon)
Als er auf dem Podium stand,
"War tatsächlich grandios".
Äskulap hob seine Hand
Und dankte den Heroen froh.
"Ich hoffe ihr klatscht ebenso,
Dem nächsten Redner, diesem hier,
Der an der Reihe ist nach mir".
Astynoos derart vorgestellt,
Stand klar bereits. Die Brust geschwellt
Sprach er: "Ich stelle euch nun vor
Nach Äskulap noch einen Herrn Doktor;
Den mit der großen breiten Gosch
Ihr kennt ihn sicher, Doktor Frosch.



Der Frosch, ein Doktor

Aus einem Teiche voller Rohr
Kroch einst ein dicker Frosch hervor;
Die Zeit ward ihm im Wasser lang,
Er nahm zur Lust d’rum einen Gang
Hin nach dem nächsten grünen Wald,
Dem angenehmen Aufenthalt
Von manchem groß’ und kleinen Thier.
Da stieg er voller Ruhmbegier
Auf einen runden Eichenklotz,
Sah um sich her mit edlem Trotz;
Und als sich auf den Blumenmatten
Viel Thier’ um ihn versammelt hatten,
Blies er die Backen auf und sprach:
Fühlt etwan wer ein Ungemach
An Leber, Lunge, Milz und Herzen;
Hat einer Pein, und große Schmerzen
Von Podagra, von Stein und Gicht;
Hat einer keine Oeffnung nicht;
Ist er von hektischer Natur;
Liegt er am Fieber, an der Ruhr,
An Cachexie, Epilepsie,
An Agrypnie, Hydropisie;
Hat er den Appetit verloren,
Fühlt Sausen, Brausen in den Ohren
Der trete dreist zu mir heran,
Und nehme von mir Tropfen an!
Honnette Herr’n nach Standsgebühr,
Sie sehn den größten Doktor hier!
Ich bin die halbe Welt durchreist,
Und meinen großen Namen preist
Paris und London, Wien und Rom,
Der Rhein, der Main, der Donaustrom,
Denn Alles hab’ ich ausstudirt,
Und Tausende hab’ ich kurirt!

Die Thiere glaubten ihm zum Theil,
Und kamen schon in großer Eil’
Von allen Ecken hergelaufen,
Um Arzenei von ihm zu kaufen;
Da rief der Fuchs: Ihr armen Thoren!
Sagt, habt ihr den Verstand verloren?
Seht euren Doktor doch recht an,
Er ist ja selber übel d’ran!
Die Augen stehn ihm aus dem Kopf,
Die Brustkocht wie ein alter Topf,
Der Mund ist blaß, der Fuß geschwollen;
Der dicke Bauch hervorgequollen;
Kann Er hievon sich nicht befrei’n,
Wie will er And’rer Doktor seyn?

Justus Friedrich Wilhelm Zachariae





***

wird fortgesetzt

Montag, 25. Juni 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 10 – 107

Froschmedizin und Krötengift
Teil XII Votivkröten / Ex Voto-Brauchtum

Vieles im Zusammenhang
Wäre hier noch von Belang.
Zum Beispiel was man wissen muss;
Bereits der Physiologus,
Dereinst die meistgeles’ne Fibel
Im Mittelalter nebst der Bibel,
Bringt Frosch und Krott im Überschwang
Mit Kindern Gottes in Zusammenhang.
„Die edlen Menschen“ heißt es dort
„Gleichen dem grünen Frosch an Land.
Sie ertragen Verfolgung, Feuer, Mord
Denn sie sind mit ihm verwandt.
Die anderen Kinder dieser Welt
Sind Wasserfrösche, mies eingestellt.
Wenn sie  die Versuchung trifft“,
So steht es in der alten Schrift,
"Tauchen in schlüpfriger Begierde
Sie in ihrer Fleischespein
Sogleich in den Pfuhl hinein.



Für Christen sind sie keine Zierde“.
So sprach Äskulap und dann
Fügte das Folgende er an:
„Von einer mir sehr gut bekannten
Heilverfahren-Anverwandten
Habe ich vor vielen Jahren
Über Kröten viel erfahren.
Die Kollegin Hildegard
(gemeint ist Hildegard von Bingen)
Hat manches Weib davor bewahrt,
Dass sie im Kindbett leiden musste.
Mit ihren „Tierischen Arzneien“
Sie schnell und gut zu helfen wusste.
Doch manches; sie möge mir verzeihen,
Was sie hat in ihr Buch geschrieben,
War doch ein wenig übertrieben.
Bisweilen ging in Sachen Lurch
Die Phantasie sehr mit ihr durch.
Ich will es auf den Punkt hier bringen:
„Die Heilige Hildegard aus Bingen
Hat mit den Wölfen einst arg laut
Geheult. Als des Herrn Jesus Braut
Stand sie dem Pontifex sehr nah
Und dem, das wissen wir schon lang,
War vor den Lurchen angst und bang.
Drum schrieb in Alemannia
Sie ohne dabei zu erröten,
Gar hässlich über Frösch‘ und Kröten.
„Die Kröte“ sagte sie, "ist sehr  gemein
Und lässt sich mit dem Teufel ein.
Sie brütet, weil sie böse ist,
Schlangeneier aus mit List,
Aus denen, das hätt sich gezeigt,
Der Anti-Christ hervor dann steigt".
Der Basilisk, gab sie bekannt,
Sei mit den Fröschen eng verwandt.
So manches andre sie noch schrieb
Das bis heut erhalten blieb.
Vom Laubfrosch sagt sie: „Er entsteht
Wenn ein laues Lüftchen weht",
Und mit `nem Nebensatz anbei,
Dass ein böser Geist er sei,
Der, wenn ihrem Wort man glaubt,
Jedem Christ den Glauben raubt.
Sie schrieb noch manches sehr absurde.
Dass heilig sie gesprochen wurde
Liegt daran, dass was sie verfasste
Dem Papst grad in den Kram gut passte.
Ich will ihr nicht zu nahe treten.
Sicher verstand sie auch zu beten
Und damit Politik in Sachen
Verteufelung des Lurch‘s zu machen.
Und dies, ich muss es deutlich sagen,
 Hat lange dazu beigetragen,
Dass Frösche und Kröten wie die Kurden
Lange Zeit verteufelt wurden.
Seit jener Zeit am Rhein zu Bingen
Statt Fröschen nur die Mäus‘ noch singen.
Im Strome steht auf rotem Stein
Der Mäuseturm mitten im Rhein.
Die Grünen zogen all von dort
Durch Hildegard beleidigt fort.
Das hat mit ihrem Schreiben,
So sag ich es spontan,
Sie konnten nicht mehr bleiben,
Die Benediktinerin getan.



Vom Mäuseturm im Rhein bei Bingen
Zurück nach Süddeutschland zu springen
Fällt schwer: Nach einem riesen Sprung
Nehmen wir an der Huldigung
Im Alpenlande sogleich teil
Die dort diente dem Seelenheil.
Opferkröten in Öl gemalt
Haben sich stets ausgezahlt.
Der Gottesmutter Dank zu sagen
Nach flehentlichem um Beistand bitten,
Wenn das Kind war ausgetragen
Und auch die Mama war wohlauf
Nach schwierigem Geburtsverlauf
Gehörte zu den guten Sitten
Die man dereinst im Alpenland
Mit der Kirchenkunst verband.
Man trug der Himmelskönigin
Ein Gemälde schnell zur Kirche hin
Um der Krott für ihr Betragen
Und ihre Hilfe Dank zu sagen.
So wie auch schon im Altertum
Man den Göttern brachte stumm,
Geheilt und aller Sorgen bar,
 Opferkröten zum Altar,
Taten es nach altem Brauch
Die Alpenländer-Frauen auch
Um die Madonna zu lobpreisen“.
Um was er vortrug zu beweisen
Zeigte Äskulap den Seelen
Votivtafeln die in den Landen
Am Alpenrande einst entstanden.






 „Ich will euch“ sprach er, „nicht verhehlen,
Dass manche Frau einst auf der Alp,
Weil Krotolt der böse Krötenalb,
Das garstige rotbauchige Tier

Geschadet hatte der Frucht in ihr,
Sodass verkrottet dann das Kind,
Sie fortwarf samt dem Bild geschwind
Durchs off‘ne Fenster auf den Mist.
Manch Kunstwerk so vergammelt ist,
Das Maria zugeschrieben,
Erhalten wäre uns geblieben
Wenn diese der Schwangeren im Bett
Anstatt nichts zu tun geholfen hätt“.
„Eines bleibt noch nachzutragen“
Ergänzte Äskulap geschwind
„Bevor wir damit fertig sind“.
„In Kärnten, das ließ ich mir sagen,
Wie auch in Bayern und in Schwaben,
Die Frauen Kröten geopfert haben
Damit sie nicht grad dort erkranken
Wo es besonders misslich war.
Auch im Elsass, in Tirol und Franken
Bracht man der Jungfrau Kröten dar.
Worauf der Krötenglauben fußt
Wird einem richtig erst bewusst
Wenn man durch alte Stuben geht
In denen jener Hauch noch weht,
Der im Geschichts- und Zeitenlauf
Aus dem Land der Pyramiden
Zog bis ins Alpenland hinauf
Wo er erhalten ist geblieben.
Die Kröte, das ist längst uns klar,
Ein Symbol dort für die Vulva war.
Sie wurd verherrlicht weil das Leben
Lustvoll sie konnte weitergeben.
Sie bot nebst Phallus Mann und Weib
Den allerschönsten Zeitvertreib.
Eine Kröte feist und fett
Zierte manches Ehebett.

Die Vulva um zu unterhalten
Geil und lustvoll aufgespalten,
Hat animiert, das ist wohl klar,
Zum Sex im Bett das Ehepaar.
Drum hat man sich gar oft geliebt“.
„Weil es solch Kröten nicht mehr gibt“
Lachte Äskulap und sprach,
„Lässt heut der Kindersegen nach“!
Alle Seelen lachten nun.
„Leider kann ich nichts mehr tun“
Grinste Asteropaios arg verlegen
(Ilias 12/102; 21/140; Sohn des Pelegon, Enkel des
Flussgottes Axios, Führer der Paioner, von Achilles getötet)
„Meiner Fruchtbarkeit wohl wegen,
Hat mir, was ich bräucht‘ dazu,
Rhadamanthys der Filou,
Als ich hier ankam, abgenommen“.
„Du wirst es nicht zurückbekommen“
Fiel ihm Äskulap ins Wort
Und fuhr in seiner Rede fort.
„Im Fruchtbarkeits-Zusammenhang
Ist noch was andres von Belang
Das ich bei Walter Hirschberg fand
Wo es aufgeschrieben stand.
„Frosch, Vulva, Leben, Kind, Geburt
Im Mythos stets verbunden wurd.
Eine alte Nabelklemme

Spannt den Bogen hin zur Gemme
Die, Aristoquakes war so lieb,
Uns in seinem Buch beschrieb.
Er zeichnet den Frosch im Zeitenlauf
Durch die Kulturgeschichte auf.
Die Verknüpfung zur Antike ist,
Wie ihr sicher alle wisst,
Diesem „Forscher“ gut gelungen.
Was dem Nilschlamm ist entsprungen,
Erforschte der Apologet.
Was in seinem Werke steht
Ist pure Wahrheit ungelogen
Auf Frosch und Krott zurechtgebogen.
Doch Spaß beiseite, lasst uns nun
`Nen Blick zur Männerwelt hin tun.
Man soll es nicht für möglich halten;
Einst bei Männern Kröten galten
Als Mittelchen gegen das Grimmen.
Auch vor manch anderer gar schlimmen
Krankheit hat sie einst beschützt.
Die Mannsleut‘ haben sie benützt,
So steht bei Nikui es beschrieben,
Um den „Bärvater“ zu stillen
Wenn der es hat zu arg getrieben.
Anstatt der Einnahme von Pillen
Gegen den Schmerz im Bauch und Magen
Hat Kröten man zum Pfaff' getragen,
Die der Bärkrott anverwandt
 Blähkröten wurden einst  genannt.

Weil gegen Verdauungsbeschwerden sie
Halfen war die Blähkrott-Therapie
Dereinst oft im Alpenland
Von den Bauern angewandt.
Und die Wirkung war famos.
Ein jeder wurd die Blähung los
Nachdem der Gottesmutter er
`Ne Kröte opferte zur Ehr".
"Mit andern Worten, schlicht und kurz"
Lachte die Seele  von Astyalos
(Ilias 6/29; Troer, von Polypoites getötet)
In der dritten Reihe los,
"Als Dank für einen kräft'gen Furz
Den der Votant ist losgeworden,
Ist eine Krott geopfert worden".
Die Seelen im Elysium
Lachten alle lauthals auf.
Äskulap auf dem Podium
Lächelte und sprach darauf:
"So ähnlich war es damals wohl.
  Doch nicht nur in Bayern und Tirol
Gab es diesen schönen Brauch
Sondern bei uns und an der Ostsee auch".
.
***


wird fortgesetzt

Freitag, 15. Juni 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 10 – 106

Froschmedizin und Krötengift
Teil XI Votivkröten

Gesichtskröten aus Österreich
Waren verziert gar einfallsreich.
Sie trugen, so wollt es der Brauch
Eine Vulva auf dem Bauch


Und um christlich sich zu schmücken,
Ein großes Kreuz auf ihrem Rücken.
Das Ur-Symbol der Fruchtbarkeit
Mit dem Symbol der Christenheit
Auf dem Votivbild angebracht
Hat die Krott zu dem gemacht
Was sie am Nil ganz offenbar
Zu Isis Zeiten bereits war.
Als Zeichen für Reinkarnation,
Schon damals auf dem Götterthron,
Wie erinnern all uns noch,
Schätzte man die Kröte hoch!
Die gute Isis einst am Nil
Hatte dank der Kröte leichtes Spiel.
(gemeint ist Heket, die Frösch/Kröten-Göttin)
Sie ließ von ihr Osiris klonen.

Das Original



Um ihre Vagina zu schonen
Musste Heket die Kröte ran;
Und sie hat es gut getan.
Wie Isis und Hekt den Horus-Knaben
(Hekt = andere Name / Kurzform für Heket)
Am Nil-Strom einst das Leben gaben


Auf gar sonderbare Weise,
Geschah es noch oft im Altertum.
In manchem Tempelheiligtum
Fand man Kröten als Beweise
Dafür dass der Schwanzloslurch
Ein Schöpfergott war durch und durch.
Durchstöbert auf des Lurchen Spur
Man heut die alte Literatur
Stößt man auf den Arzt Aurelianus
Und den Dichter Petronius.
Der erste schreibt von `ner Geburt
Bei der ein Frosch geboren wurd‘.
Der zweite schreibt, der Satz steht fest:
„Qui fuit rana nunc rex est“!
Wenn Dichtung und Wahrheit sich befruchten
Entstehen Mythen und Geschichten.
Forscher die nach der Wahrheit suchten
Unglaubliches deshalb berichten.
„Aus dem Frosche wurd‘ ein Rex“,
Gezeugt vermutlich ohn‘ dass Sex
Die Mutter mit `nem Manne hatte.
Vermutlich gab dem Weib ihr Gatte,
Wie es Gesner später schrieb,
Froschlaich zu trinken versehentlich,
Was nicht ohne Folgen blieb.
Dass Frauen heut gelegentlich
Frösche und Kröten noch gebären
Ließ ich von Wilkes mir erklären,
Der im Buch von Hirschberg schrieb
Was mir im Gedächtnis blieb.
Dort steht und er hat es beschworen,
Dass von `ner Frau `ne Krott geboren
Ward an der Unstrut wundersam
Und dass gesund zur Welt sie kam.
Weiter steht bei ihm zu lesen
Dass Vierlinge als Krötenwesen
Hätt ein Weib zur Welt gebracht.
Doch wer die Kröten ihr gemacht
Erwähnt G. Wilkes im Bericht,
Obgleich es interessant wär, nicht.
Ich gebe hier, das sag es leis,
Zur Bibel einen Querverweis
Welcher in dem Zusammenhang,
So denke ich, ist von Belang!

„Auch Maria, ganz gediegen,
Als man sie fragte, wer es war
 Hat nur verschämt drauf geschwiegen.
Für mich steht fest es klipp und klar“,
So fügte Äskulap spontan
Zu alten Bibel-Story an,
„Dass Krötenlaich im Spiele war“.
Und  glaubhaft fuhr er dann sofort
Weiter zu erzählen fort:
„Wie mit Jesus es den Anfang nahm
Und wie Maria zu dem Kinde kam,
Ist falsch erzählt. Aus meiner Sicht
Ergibt sich, das steht außer Frage,
Betrachtet man’s im rechten Licht,
Eine gänzlich andre Lage
Als die, von der Matthäus dreist
Sagte es war der Heil‘g Geist.
Die Dichter, die dem Mythos schufen
Haben aus Ägypten Ihn gerufen
(Matthäus 2,15;)
Und Aristoquakes den ich fragte,
Mir wie es wirklich einst war sagte.
Er erzählte mir, dass er als Christ,
So wie es in der Bibel steht,
Seit langem schon der Ansicht ist
Dass Amun es war, den der Prophet
Als Gottheit an den Jordan rief.
Er wies mich deutlich hin darauf
Und zeigt die Parallelen auf,
Und er lag bestimmt nicht schief,
Die, so wie er es hat gesehen,
Zum Pharaonenreich bestehen.
Würd‘ ich, was er meint, hier skizzieren
Würde ich manchen provozieren,
Der von euch, das sei erlaubt,
Noch an die alte Fassung glaubt
Und an die Jungfrauen-Geburt
So wie sie einst gepredigt wurd.
Doch ich will hier keinen Streit
Und außerdem fehlt mir die Zeit.
Darum empfehl’l ich Eduard Norden
(Eduard Norden, „Die Geburt des Kindes“,
 Geschichte einer religiösen Idee, Berlin 1924)
Zu lesen dem der’s lesen will!
„Aus dem bin ich nicht schlau geworden“
Meckerte erneut Achill.
Aineias lachte nur spontan:
„Was bist du für ein Dummerjan.
Die Eklogen von Vergil
(Gemeint sind hier 1. Aeneas / 2.Bucolia)
Sind für deinen Geist zu viel.
Du bist zwar stark und hast auch Mumm
Doch ansonsten bist du dumm“.
Und lauthals fügte er sodann
Noch ein paar weitre Sätze an:
„Wahrlich Freund, ich sage dir
Du bist fehl am Platze hier.
So wie auch den grünen Seelen
Möcht ich dir dringend anempfehlen“,
So hörte man ihn giftig zischen,
Dich nicht in alles einzumischen.
Verstünd‘ ich nicht was uns die alten
Dichter haben aufgeschrieben,
Würde ich meine Klappe halten
Und nicht wie du so dreist durchtrieben,
Als Heros im Elysium
Zu präsentieren mich als dumm“.
Und als Nachwort ähnlich spröde:
„Mann Achill, wie bist du blöde“!
Wäre nicht Asklepius gewesen,
Der weiter laut hat vorgelesen,
Hätt es einen Tumult gegeben.
Das ward verhindert grad noch eben
Weil jener hat nun forsch gesprochen:
„Du hast mich schon wieder unterbrochen.
Hör doch lieber zu Achill
Sonst blamierst du dich, sei still.
Lass die reden die Geistesgaben
Und Ahnung von der Sache haben.
Was ich sagen will ist dies:
Ein Mann der Rollenhagen hieß
Wies vor langer Zeit drauf hin
(Rollenhagen: Zu Buch II. Anm. 266)
Dass manch verkrotteter Kretin
In Salerno einst mit breiter Gosch
Zur Welt kam, ähnlich sehr dem Frosch.

Auf die Geburtsstätte der Medizin
Weis‘ ich ausdrücklich nochmal hin.
Dort dachte manches dreiste Luder
Dass die Kröte wär ihr Bruder.
Um von den beiden loszukommen
Hat Eppich man und Lauch genommen.
*
Doch nun zurück ins Alpenland
Wo man die Wachskröten erfand.
Die wurden dort in alter Zeit
Der Gottesmutter meist geweht.
Die sollte dafür Sorge tragen,
Dass in den schweren Kindsbetttagen
Alles glatt und gut verlief
Und beim Gebären ging nichts schief.
Als himmlische Gynäkologen
Den Schwangeren gar wohl gewogen,
Standen der Gottesmutter drei
Kröten-Heilige noch bei
Die Leonhard, Rasso und Rochus hießen
Und sich als Geburtshelfer erwiesen
Und in den Alpen-Wachskrott-Landen
Den Weibern gern zur Seite standen.
Wie es in Franken ist gewesen
Steht bei P. Assion zu lesen
Und was in Schwaben man einst trieb
Erwin Richter uns beschrieb.
Hirschberg und Nikui schrieben auch
Über den Krötenopferbrauch.
Ein andrer Forscher überdies,
Den man auch erwähnen muss,
Schrieb über die Krott als Uterus.
Er trug den Namen Karl von Spieß.
Noch viele wären hier zu nennen.
Ihr müsst ja nicht gleich alle kennen.
Nur ein paar noch ganz geschwind
Weil sie alle wichtig sind:
„Bernfeld, Sartori, Höfler, Hein
Ließen sich auf Kröten ein.
Auch Andree, Blind, Tilenius
Schrieben drüber. Doch zum Schluss
Erwähn ich einen der gewiss
Am meisten wusste. Rudolph Kriss.
(Siehe auch Kriss Rettenbeck)
Wie Heket einst im Nilstromland
Man mit der Niederkunft verband,
Wurd‘, so sprach der Sanitäter,
(gemeint ist Äskulap die vortragende Seele im Elysium)
Das hat die Forschung rausgefunden,
Drei Jahrtausende noch später,
Die Krott mit der Geburt verbunden.
So wie die Froschlampen am Nil
Vom Papste wurden einst verboten,
Machte jener nun mobil,
Da sie die Christenheit bedrohten,
Gegen die Dank-und Opferkröten.
Ohne dabei zu erröten
Ließ er sie über Nacht verschwinden.
So wie dem Tairona-Frosch aus Gold

Die spanische Krone war nicht hold,
Hat um den Glauben zu entholzen
Der Klerus alles eingeschmolzen,
Was als Kernholz so probat
Dem Volksglauben gedient gut hat.
Die paar, die dennoch übrig blieben
Wurden all bereits beschrieben.
Es wäre schön noch mehr zu finden,
Denn manch Votiv-Krott zweifelsfrei
Könnt erzählen mancherlei
Was für die Forschung wäre interessant.
So bleibt vieles unbekannt
Was den Päpsten nicht genehm
War und dem Klerus unbequem“.
„Eines im Zusammenhang
Ist auch für uns hier von Belang“
So erklärte Äskulap
Und schwang dabei den Schlangenstab:
„Schau’n wir die Kröten näher an
Finden Schwänze wir daran.
Dies zu erklären ist vonnöten.
Was außer mir noch keiner weiß
Das gebe ich euch hier nun preis.
Das dicke Ende von den Kröten
Stellt, übertrieben vergrößert zwar,
Die geschwollenen Kloake dar,

Aus welcher, wie dargestellt im Bild
Der Stoff des Lebens just grad quillt.
Ein Satz dazu sei mir gestattet:
Außerhalb des Leib‘s begattet
Werden aus dem Stoffe Kröten.
Auch dies zu erklären ist vonnöten.
Bei Zwitterlurchen hermaphrodit,
Was viele Forscher untersuchten,
 Es heute noch recht oft geschieht,
Dass Krott und Frosch sich selbst befruchten.
Vater und Mutter in Person
Sind in der Lurchen-Population
Auch heut noch keine Seltenheit“!
„Ich nutze die Gelegenheit“
 So fuhr Asklepios heiter
Im Kreis der Seelen vor ihm weiter,
„Und spann noch weiter jetzt den Bogen.
Im Nilstromland die Theologen
Wussten dies im Altertum.
Das ist der Grund dafür warum
Der Frosch ward dort als Gott verehrt.
Was Aristoquakes uns gelehrt
Hat zur Dritt-Jahrtausendwende,
Gestattet, dass zurück ich blende,
Hat durchaus seine Richtigkeit.
Noch mehr! Es ist von Wichtigkeit
Was im Olympus unverzagt
Der neue Chef zum alten sagt.

 Denkpause

Es ist ein wichtiger Querverweis
Zu dem was Norden gibt uns preis:
(Eduard Norden: Die Geburt des Kindes“)
Was der Gelehrte dort berichtet
Zu dem was Vergilus gedichtet
Hat gemäß dem Werke-Kataloge
In der vierten bukolischen Ekloge
Stimmt mit Aristoquakes überein.
Dass dieses kann kein Zufall sein
Gilt es später zu beweisen.
Doch nun zurück zur Krott! Aus Eisen
Wurden Kröten auch gemacht“.
„Ich hab euch ein paar mitgebracht“
 So sprach er und zog aus seiner Tasche
Sechs eiserne Krotten dazu heraus.






„Bei mir in Griechenland zu Haus“
Ergänzte er, „zog diese Masche
Bei den Göttern nicht so recht.
Unsere Götter damals schon
Bevorzugten Kröten mehr aus Ton
Gebrannt oder aber echte
Die zum Dank man ihnen brächte.
Doch diese hier sind auch nicht schlecht“!
Dabei breitete im hohen Haus
Er die Kröten vor sich aus.
„Schaut sie euch an, sie stammen wohl
Aus Bayern, dem Elsass und Tirol“
„Die Kröte galt als Wegbereiter“
Fuhr er in seinem Vortrag weiter
„Für das Leben. Wie einst am Nil
Den Ägyptern es gefiel
Hekt die Geburtskrott zu lobpreisen,
Zu widmen für ihr Tun als Lohn,
Opferten diese Kröten hier aus Eisen
Die Schwangeren im Alpenraum,
So wie es sich auch dort gebot,
Ihren Helfern in der Not.
Man kann es glauben heute kaum.
Als Motivgeschenke sie
Nach uralter Mythologie,
Der Mutter Gottes dargebracht,
(Gemeint sind Maria die christliche Jungfrau
und Isis ihr ägyptisches Vorbild)
Hat diese dann darob gewacht,
Uns scheint das heute gar absurd,
Dass glatt ablief die Kindsgeburt.
In den Alpenländern wurd die Krott
Als Geburtshelferin bigott,
Wie in Ägypten seinerzeit
Der Gottesmutter schon geweiht.
Daraus schließen heut und hier
Als Seelen im Elysium wir,
Dass ein Zusammenhang bestand
Zwischen Isis und Maria der
Wie bereits Eduard Norden fand,
Sich vom Frosche leitet her“!
***
Was die Seel von Äskulap
Im Heroen-Seelen-Saal
Noch weiter dann so von sich gab,
Berichten wir das nächste Mal.
---
 wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.