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Montag, 10. Dezember 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 11 - 5
 6. Kriegstag
 - Eine hinterlistige Finte -

"Ich danke dir" sprach Quietscherich,
"Komm schließ dich an, ich führe dich.
Es ist ein kurze Stück nur noch
Bis zu meinem Mauseloch."
Er ging voran, Muckstrat ohn' Speer
Hüpfte fröhlich hinterher.
Während er hüpfte, der Filou
Plante heimlich einen Coup.
Im Loch bei Quietscherich zu Haus
Wollt hinterhältig er der Maus,
So dachte er mit finstrem Lachen,
Mittels Dolch den Garaus machen.
Weib und Kinder ohne zagen,
Werd ich aus dem Hause jagen,
Sie allesamt zum Teufel hetzen,
Und mich im Loch zur Ruhe setzen.
Wenn die Mäus dann alle türmen
Werd ich die Speisekammer stürmen.
Ich setz mich ins gemachte Nest
Und warte ab des Krieges Rest."

So hatte er sich's vorgenommen.
Doch es sollte anders kommen!

"Siehst du" rief da der Quietscherich
Plötzlich erfreut, "im zweiten Haus
Von links, dort vorne wohne ich
Mit meiner süßen kleinen Maus."

Nach diesen Worten wollt er flieh'n.
Zum Glück, Muckstrat erwischte ihn
Bevor im Mausloch er verschwand,
Am Schwanze noch mit seiner Hand.


Er wollt denn Mauser an der Flucht
Hindern und zog mit solcher Wucht
Am Mauseschwanz, dass dieser riss.
In seiner Hand das Ärgernis,
Stand Muckstrat vor dem Mauseloch
Und dachte nur das eine noch:
"Ich muss die Maus daraus vertreiben
Wenn ich dort drin will wohnen bleiben."

Er wollte grad hinein ins Haus,
Da stürmten aus dem Loch daneben,
Sechs Bewaffnete heraus


Und trachteten ihm nach dem Leben.
"Eine Falle" dacht er noch
Und suchte zu entkommen.
Die Feinde schließlich aber doch,
Haben ihn sich vorgenommen.
Er verlor den rechten Arm
Durch einen Maus-Epheben.
Flüchtend in Panik und in Harm
Bat er "Verschont mein Leben."
Da hieb der Gegner ihm gemein
Auch noch sein linkes Hinterbein
Mit einem wucht'gen Schwertstreich ab
Worauf er sich geschlagen gab.


Niemals mehr hat ohne Not
Im Krieg er eine Maus bedroht.

Im Unglück hatte Glück der Lurch.
Als Kriegsversehrter kam er heim.
Heut bringt er seine Rente durch
Und freut sich drüber insgeheim,
Dass er der Maus nicht nachgestiegen,
Sonst würd' er heute gar nichts kriegen.

Doch nicht alle hatten Glück.
Mancher blieb im Feld zurück.
So mancher Frosch wurd in der Schlacht
Von den Mäusen umgebracht
Und manche Maus verlor ihr Leben
Weil sie einem Frosch-Epheben
Am Teiche an das Leder wollte.
So kam es wie es kommen sollte.
Auf beiden Seiten die besten Söhne
Wurden blutjung, im besten Saft,
Das ist am Kriege das Obszöne,
Zu Tausenden dahingerafft.
Des Hasses Moloch, ohne Sinn,
Hatte seit dem Kriegsbeginn,
Den beiden Völkern Schlacht um Schlacht,
Nichts als Tote eingebracht.
Keiner kannte ihre Zahl.
Nicht einmal der General
Wusst' genau wie viele von allen
Seiner Helden schon gefallen
Waren auf dem Feld der Ehr.
Doch Tote zählen eh nicht mehr!

Doch irgendwann am Nachmittag
Traf sich die Generalität
An einem verschwiegnen Wiesenhag
Um über die Perversität
Des Krieges einmal nachzudenken.



"Mein lieber Freund um einzulenken",
Sprach Froschmarschall von Poggewitz
Zum Mausmarschall von Kässtibitz,
"Ist es für mich schon längst zu spät
Denn Pausback seine Majestät,
Verlangt von uns, dass wir nun binnen
Drei Tagen diesen Krieg gewinnen.
Was soll ich tun? Er will es so!"
"Okay, du kennst das Risiko"
Gab Kässtibitz zur Antwort drauf.

"Rex Parteckfresser trug mir auf,
Auf keinen Fall, und kost's mein Leben,
Euch einen Millimeter nachzugeben.
Er gab mir den Befehl dazu,
Dass ich euch Frösch' in diesem Kriege,
Und das wollte er partout,
Noch vor dem Wochenend' besiege,
Weil am Sonntag für das Heer
Bereits die Siegparade wär`,
Und so ließ er mir berichten,
Da möcht er nicht auf uns verzichten."


"Da gibt's nur eins" sprach Poggewitz
Frustriert darauf zu Kässtibitz
Mit zornerfülltem Lachen:
"Wir müssen eben weitermachen!"

Der Mausmarschall, nach Mäuseart,
Zwirbelte sich seinen Bart.
Und es schien als würd' er grübeln.
"Du darfst mir" sprach er, "nicht verübeln,
Dass ich mit allen Mitteln nun,
Was meine Pflicht ist, werde tun.
Ich bin nun einmal eine Maus
Und kann nicht aus meinem Fell heraus.
Und außerdem als Offizier,
Geht es mir genau wie dir.
Gehorsam ist die erste Pflicht.
Ohne diesen geht es nicht.
Loyalität und Konzilianz,
Sind nebst dem eignen Mauseschwanz
Das Wichtigste im Leben mir.
Ich sage es ganz offen hier;
Du kannst mit glauben, ohne ihn,
Könnt ich in den Krieg nicht zieh'n."
"Mein lieber Marschall Poggewitz",
So fuhr die Maus mit großem Wort
In ihrer Red zum Frosche fort
Und fügte an gar scharf und spitz:
"Ein Offizier, ich sag's ohn' Scheu,
In unserm Land ist königstreu.
Auch du kämpfst ja mit Recht und Fug
Bis zum letzten Atemzug,
Für König Pausback; so wie du
Finde ich nicht eher Ruh
Bis ich beendet hab den Krieg
Für meinen König mit 'nem Sieg."

"Okay, dann lass uns neu beginnen"
Sprach der Froschmarschall darauf.
Mögen die Götter es entscheiden.
Wer immer wird am Schluss gewinnen,
Ist der Bess're von uns beiden."

So nahm die Sache ihren Lauf.
So wie vor Tagen sie begann,
Als Troxartes auf Rache sann
Für seinen heiß geliebten Sohn
Und Erben auf dem Mäusethron,
Welcher im Teich ganz offenbar
Ertränkt von Pausback worden war.

So sann die Generalität,
In der acht Tage alten Sache,
Denn dafür ist es nie zu spät,
Am Wiesenhag auf Rache.


Weil keiner wich auch nur ein Stück
In seiner Auffassung zurück,
Begannen sie sich zu beschimpfen.
"Dein hinterhältiger Überfall",
So wetterte der Mausmarschall,
Den andern zu verunglimpfen,
"Werde ich dir nie vergessen.
Du hast die Dreistigkeit besessen,
Uns ohne Warnung anzugreifen.
Ich jag dich mit der Mausarmee
Zurück in deinen Hetschensee,
Dass ihr aus eurem sumpf'gen Moor
Niemals mehr wagt euch hervor."

"Ich lasse eure Löcher schleifen"
Erwiderte der Frosch darauf.
Du wirst es seh'n, nichts hält uns auf.
Ich lass in euren eignen Wänden,
So wie Milosevic es tat,
Die Weiber und die Kinder schänden.
Unter meinem Supremat
Gibt es, glaub mir, kein Pardon.
Ich jag dein ganzes Volk davon.
Auch setz ich, wenn es müsste sein,
Folter, Mord und Todschlag ein."

Der Mausmarschall gar aufgebracht
Schrie zornig: "Wenn ihr solches macht,
Dann brenn ich euch das Schilfrohr nieder,
Dass euer einer kann nie wieder
An Land setzen den breiten Fuß.
Nur Asche, Glut und Rauch und Ruß
Würde es noch am Ufer geben.
Ihr könntet im Teiche nicht mehr leben
Und wäret gezwungen fort zu zieh'n."

"Wir werden niemals feige flieh'n"
Konterte der Froschmarschall
Und fuhr fort im Redeschwall:
"Wenn wir in Mausheim einmarschieren,
Lass ich alles deportieren
Was nicht nach meiner Pfeife tanzt.
Falls einer sich im Loch verschanzt,
Räuchern wir ihn aus und dann
Wird er von meinen Kampfgenossen,
Standrechtlich sofort erschossen,
Damit er's nicht verraten kann.
Wir sagen dann zutiefst bewegt,
Dass er hat Hand an sich gelegt,
Als ihm in seinem Loch wurd' klar,
Dass nichts mehr zu gewinnen war.
Und überhaupt, wenn wir gewinnen,
Wird keiner sich je dran entsinnen,
Wie unser Sieg in Pausbacks Nam'
Gegen euch Mäus zustande kam.
Und keiner wird sich je erfrechen,
Von Gräueltaten gar zu sprechen,
Die mancher Frosch im Siegeswahn
Hat euerm Volke angetan.
Vom Sieger so etwas zu sagen
Wird nach dem Kriege keiner wagen
Denn der hat ja als Gegenpfand
Die Macht im Lande in der Hand.
Da ging es dem Rebellen schlecht.
Der Mächtige ist stets im Recht
Und kann machen was er will!"

"Du feiger Frosch, sei endlich still"
Fuhr da der Mauser stante pede
Dem Froschmarschall in seine Rede.
"Ihr habt" sprach er ruhig und besonnen,
"Den Krieg noch lange nicht gewonnen.
Wir pumpen euch Gülle in den Teich,
Dass euch vergeht die Lust zur Laich.
Wir gießen Öl ins Wasser und dann
Zünden wir das Ganze an.
Ach was wird das Wasser rauchen!
Da müsst ihr alle untertauchen
Und wenn die Luft euch wird dann knapp
Und ihr noch oben kommt ganz schlapp,
Werdet ihr euch arg verbrennen.
Warte ab, du lernst mich kennen.
Ich hab noch manchen Trick parat,
Der zwar ein bisschen rabiat
Erscheinen mag, doch wirksam ist.
Ich kenn im Kriege jede List.
Da macht mir keiner etwas vor,
Kriegstaktik ist mein Ressort;
Da kenn ich alle Finten.
Auch haben wir die bessern Flinten.
Unsre Waffen, all aus Stahl,
Sind den euren überlegen;
Und die Offiziere, erste Wahl,
Sind weit bessere Strategen
Als eure dummen Froschsoldaten.
Bei uns gibt's keine Renegaten
Die das Fähnchen in den Wind
Hängen weil sie feige sind.
Meine Männer unverdrossen
Sind zu siegen fest entschlossen.
Während ihr am Teich noch quakt
Um die Lage zu beraten,
Drängt es sie alle unverzagt
An die Front zu Heldentaten."

"Hochmut" grinste der Froschmarschall,
Kommt immer kurz vorm Fall.
Auch ich bin lange schon Soldat.
Ich hör auf Clausewitzens Rat.
Deshalb ist meine Strategie
Im Kriege die Ökonomie.
Getrennt marschieren, vereint schlagen,
So ließ ich mir von Moltke sagen,
Ist das Rezept für einen Sieg
Der Armee in jedem Krieg.
Ich greif auf die vier "G" zurück.
Geld, Geduld, Genie und Glück,
Sind dann, wenn recht sie angewandt,
Für einen Sieg das Unterpfand!"

"Wer uns Mäus verjagen will"
Erwiderte die Maus darauf,
"Der darf nicht einfach faul und still
Im Pfuhle sich 'ne Pause gönnen.
Ihr müsst verdammt gut laufen können,
Und zwar allsamt im Dauerlauf,
Wenn ihr im weitren Kriegsverlauf,
Nicht allesamt, was ihr ja sollt,
Von uns verfolgt, verrecken wollt.
Wir jagen euch durchs Binsenrohr
Zurück über das Unkenmoor
In einen gift'gen Pfuhl hinein.
Das wird dann euer Ende sein.
Wir deklarieren irgendwie
Den Teich zur Giftmülldeponie.
Wir durchwühlen Eure Deiche
Und graben euch das Wasser ab,
Bis ihr in euerm Modderreiche
Auf den Boden sinkt hinab.
Wenn ihr dann all im Trocknen sitzt
Und in der Sonn zu Tod euch schwitzt,
Falle ich mit meinem Heer
Über eure Reste her.
Wir schneiden Euch den Fluchtweg ab.
Der Teichschlick wird dann euer Grab."

"Die Praxis" sprach drauf Poggewitz
Zum Feldmarschall von Kässtibitz,
"Sieht anders aus meist in der Schlacht.
Ich rate dir, nehmt euch in Acht,
Meine kühnen, glitschig nassen
Krieger sind nicht leicht zu fassen;
Sie werden deinen feigen, dreisten
Nagern Widerstand stets leisten.
Sie sind ständig auf der Hut
Und keinem Frosch fehlt es an Mut.
Auch wenn man sagt im Allgemeinen,
Dass unsre Truppen feig erscheinen,
Trifft das nicht zu. Mit Intellekt
Wurd mancher Plan schon ausgeheckt
Von meinen tapferen Soldaten,
Der eure eignen Ruhmestaten,
Auch wenn euch das nicht sehr gefällt,
Bei weitem in den Schatten stellt."

"Na gut, wir werden es ja sehen"
Sprach Kässtibitz darauf im Gehen.

"Ich wünsche Hals und Beinbruch dir.
Falls nach dem Kriege einmal wir
Uns treffen geb' ich einen aus."

Der Froschmarschall hat salutiert.
"Pass auf dich auf" sprach er zur Maus,
"Dass dir im Felde nicht passiert."

Dann zogen beide in die Schlacht
Und haben weiter Krieg gemacht.


***

 wird fortgesetzt

Sonntag, 9. Dezember 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 11 - 4
 6. Kriegstag
 - Die Frösche schlagen zurück -


Draußen vor dem Mauseloch
Tobte die Schlacht indessen noch
Viel heftiger als je zuvor.
Die Frösche stürmten durch das Moor
Zu beenden den Konflikt,
Geschlossen mit dem ganzen Heer
Nun hinter den Mäusetruppen her.
Militärisch höchst geschickt
Wählten den Angriff sie mit Schwung
An Stelle von Verteidigung.
Maus um Maus wurd in der Schlacht
Nun von den Fröschen umgebracht.
Wie einst vor Troja die Epheben
Verloren reihenweis' ihr Leben,
Erging es nun den Maussoldaten.
In den Hinterhalt geraten,
Blieb ihnen oft der Zweikampf nur.
Sie schlugen sich zwar mit Bravour,
Doch die Frösche, die glitschig nassen,
Waren einfach nicht zu fassen.
Im Nahkampfe, im fairen Ringen
Ließ sich ein Frosch nur schwer bezwingen.

Das musst auch Schnüffelnas erfahren
Der mit seinen dreißig Jahren
So manche Schlacht hatt' schon geschlagen.
Nun ging's ihm selber an den Kragen.
Häppan Hutscheunke griff ihn sich
Und nahm ihn, es war fürchterlich,
In den Schwitzkasten mit Wucht.


Die Maus hat alles zwar versucht,
Dem grünen Unhold zu entkommen.
Doch der hatte sich vorgenommen,
Ihr das Leben auszublasen.
Er warf den Mauser auf den Rasen.
Danach stürzte der nasse Hüne
Sich auf ihn. Obwohl die kühne
Maus zu entkommen noch versuchte,
Hat der Frosch, der Gott verfluchte,
Außer Gefecht sie schnell gesetzt.


Dann drückte er in aller Ruh
Der armen Maus die Kehle zu.
Als diese ruhiger wurd zuletzt,
Wechselte mit einem Kniff
Er blitzschnell seinen Würgegriff

Und setzte den Nackenhebel an.
Danach mit einem Ruck spontan,
Brach er dem Mauser mit Geschick
Und ohne Skrupel das Genick.

Die Sitten waren rau im Krieg!
Nach dem hart erkämpften Sieg,
Der, das war dem Krieger klar,
 Nichts andres als `ne Mordtat war,
Wandte sich der Froschfilou
Gleich dem nächsten Gegner zu.

Es war Schnüffelnases Sohn.
Der kannt' sich aus im Pankration.
(Zweikampf im einstigen Olympia; Boxen und Ringen)
Er schlug Häppan roh zu Boden
Und rammte das Knie ihm in die Hoden,
Dass dem beinah die Sinne schwanden
Und ihm ganz anders wurd im Liegen.
Doch sein Mut war noch vorhanden!
"Ich muss die Maus auf mir besiegen",
So dachte er und dann, oh Graus,
Riss er der Maus ein Auge aus.


Wie die Serben, so brutal
Und ohne jegliche Moral
Wüteten einst im Kosovo,
Tat es der Frosch nun ebenso.
Er dacht als Pausbacks treuer Knecht:
"Ich pfeife auf das Tierkriegsrecht;
Wenn die Serben nicht drauf achten
Und statt fair zu kämpfen, feige schlachten,
Was soll als Frosch ich an die alten
Fairness-Regeln mich hier halten.
Die Thraker, auch wenn sie's nicht sollen,
(Datum der Niederschrift 9. 4. 99.)
Machen doch auch grad was sie wollen.
Des Serbenführers Meuchelscharen
Vertreiben alle Kosovoaren
Und wer nicht flieht, dem geht es schlecht.
Entgegen Tier- und Menschenrecht
Foltern, plündern, brandschatzen und morden
Die feigen Brüder aus dem Norden."
So dacht der Frosch und massakrierte
Den Mauser bis er dran krepierte.

Nebenan, ein Stückchen weiter,
Brach der Krieger Huckepeiter,
Einem Mauser mit Geschick
Per Ohren-Schwanz-Griff das Genick.


Sieben Mäus in Perfektion
Hatte er so getötet schon.
Das Schöne an dieser Kampfart war,
Dass kein Blut floss. Manchmal zwar
Hat eine Maus, so überrissen,
Einen Ködel noch geschissen.
Doch dieses Mal ging alles glatt;
Sie war dazu wohl schon zu matt!

Überall in Pausbacks Reich
Wurd gekämpft nun. Rund den Teich
Stellten die Mäus zum Zweikampf sich.
Hieb um Hieb und Stich auf Stich
Wurd ausgeteilt und eingesteckt.
Die Frösche hatten Blut geleckt
Und gingen gar respektlos vor.
Rapätschke schlug 'ner Maus das Ohr
Mit einem flinken Schwerthieb ab,
Worauf die Maus ihm kontra gab.
Als Antwort rammte sie den Speer
Ihm dorthin wo es schmerzte sehr.


Das Eisen mit gezieltem Stoß
Traf Rapätschke in die Scham.
Was er dort hatte, war er los.
Vor Schmerz und auch aus tiefem Gram
Und hasserfüllt sah er nun rot.
Er schlug den Gegner vor sich tot.
Er selbst starb später dann im Bett
Bei Doktor Murks im Lazarett.

Am Wiesenhain bei Moosbachau,
Vorm Schilfsaume im Hetschengau
Trafen zwei Krieger aufeinander.
Wie Dareios und Alexander
Schlugen sie aufeinander ein.
"Du verdammtes graues Schwein,
Ich bring dich um" Schrie Korlhux laut
Und hat dabei auf Gott vertraut,
Dass der ihm beisteh'n wür'd im Krieg.
"Gott mit uns, Pausback der Sieg",


So stand ins Stahlblech es getrieben
Auf seinem Kampfschilde geschrieben.
Den gleichen Spruch auf sich bezogen
Trug der Mauser auf dem Schilde.
Gott war den Fröschen mehr gewogen
Als Schwänzner aus der Mäuse-Gilde.
Die Frösche Nacht für Nacht im Moor
Lobpriesen singend ihn im Chor.
Die Mäuse hatten solch Konzert
Ihm zur Ehr noch nie gegeben
Sondern laut nur dann geplärrt,
Wenn Kneiper ihnen wollt ans Leben.
(Kneiper ist bei Rollenhagen der Falke)
Aus diesem Grund stand Gott im Streite
Dem grünen Korlhux nun zur Seite.
Er lenkte dessen Schwert, verlieh ihm Kraft.
Die Schneide traf den Lanzenschaft
Seines Gegners und sie schnitt ihn durch.
Nun hatte leichtes Spiel der Lurch.
Sein nächster Schwertstreich bracht das Aus.
Kopflos sank die arme Maus
Ins Gras vor ihrem Gegner nieder.
Gekämpft hat sie im Krieg nie wieder.

So manche Maus ward in der Schlacht
Beim Kampf ins Jenseits nun gebracht.
Frosch Utzeporch mit seinem Speer
War hinter dem Mauser Wühler her.
Der stolperte über sein Schwert.
Er wollte aufsteh'n, das fiel schwer
Weil ihn die Angst die Kräfte nahm.
Bevor er auf die Beine kam
Traf ihn Utzeporches Speer
Und hat am Halse ihn versehrt.
Er wurde so genau getroffen,
Dass jedes Überlebenshoffen
Umsonst gewesen wäre, weil
Nichts mehr war im Halse heil.


Schlagader, Luft- und Speiseröhre,
Die Geschmacksnerven der Zunge,
Kehlkopf, Stimmbänder und Wirbelsäule
Waren durchtrennt. "Junge, Junge"
Und dass man nun den Krieg verlöre"
Dacht er sterbend. Ohne Geheule
Und ohne jeden Schmerzensschrei
Brach ihm das Aug; es war vorbei;
Verflucht noch mal und sapperlot,
Bevor er noch dem Mäusegott
Ein letztes Grußwort konnte senden.

Dass sein Leben in der Schlacht
So gar plötzlich würde enden,
Hatte zuvor er nicht gedacht.
Noch gestern wollt er an die Front
Das hat er nun nicht mehr gekonnt.

Doch auch nach Maus Wühlers Tode,
Ging das Morden wie es Mode
Seit Kain und Abel ist in Kriegen,
Sinnlos weiter um zu siegen
In einem Streit, das war längst klar,
Der nicht mehr zu gewinnen war.

Auch Zwiebackknuspler hatte Pech.
Nachdem er Paddenquäker frech
Sein Schwert hatt' in den Bauch gedrückt,
Hat der die Lanze schnell gezückt
Und sie in ihn hineingebohrt,
Dass sie ihm durch die Nieren stach
Und krachend dann am Schafte brach.


Der Tod riss beide mit sich fort
Als er mit festem Schritt und Tritt
Herrschend übers Schlachtfeld schritt.
Und hat ihnen den Krieg verdorben.
Überall wurd nun gestorben.
Dem Mäusen in der Unterzahl,
Blieb am Ende nur die Wahl
Zu sterben oder um zu leben,
Sich dem Feinde zu ergeben.

Maus Qietscherich in ihrer Not
Machte Muckestrat ein Angebot.
Als der sich wollte grad erfrechen
Um den Mauser zu erstechen,
Und seine Lanze hob zum Stoß,
War ihre Todesangst so groß,
Dass mit lauter Stimme sie
Panisch "Hilfe, Hilfe" schrie
"Tu es nicht" hat sie gefleht.


"Lass mich leben wenn es geht."
Bettelnd sank sie vor ihm nieder.
"Ich geb' dir alles was ich habe
Wenn du mich schonst, als Dankesgabe."
"Bitte, bitte", immer wieder
Bat sie "Ich bitt dich lass mich leben.
Was du willst werd ich dir geben.
Ich habe Frau und Kind zu Haus.
Was soll denn meine kleine Maus
Daheim im Mausloch ohne mich?
Ach lieber Freund, ich bitte dich,
Schone mein Leben. Glaube mir,
Was du willst, das geb' ich dir.
Wenn du anstatt nun zuzustechen
Würdest die Lanze für mich brechen,
Würd' ich dir sehr dankbar sein.
Ich lad' dich in mein Mausloch ein.
Selbst mein Weib biet ich dir an.
Also sei ein Ehrenmann
Und vergiss den dummen Streit.
Komm mit mir, es ist nicht sehr weit.
Ich hab noch ein Stück Speck im Haus.
Auch geb' ich was zu trinken aus.
Alles was so feine Herrn
Wie du zum Essen mögen gern,
Sollst du, den Gaumen dran zu laben,
Als Gast bei mir zu Hause haben.
Mandeln, Nüsse, Käs und Brot.
Bei mir daheim herrscht keine Not.
Frischen Rahm mit Butterkuchen;
Alles das kannst du versuchen.
Mein Weib wird dir das Beste geben.
Eiswein von gefror'nen Reben
Gibt statt Wasser es zu trinken.
Griebenschmalz, gekochter Schinken,
Pasteten, Muscheln, Kaviar.
Nichts ist bei uns zu Hause rar.
Trüffel, Kekse und Pralinen,
Eiscreme, Pudding mit Rosinen,
Sirup, Honig, Marmelade,
Für dich wäre uns nichts zu schade.
Selbst Hummerschwanz mit Marzipan,
Was ich selbst am liebsten mag,
Und schnabulier' so manchen Tag,
Biet ich dir zum Essen an.
Mein Weib würde dich gern verwöhnen.
Du könntest deiner Fresslust frönen,
Um wie es für dich angemessen,
Dich einmal richtig satt zu fressen.
Zum Nachtisch gibt es Schokofliegen.
All das könntest du bei uns kriegen!
Wenn du versprichst, mich zu verschonen
Werd ich gar fürstlich dich belohnen.
Ich habe ein paar Mücken noch
Daheim in meinem Mauseloch.
Wenn du das Leben schenkst mir hier,
Schenk ich ein paar Kröten dir,
Welche ich hab angespart
Zu haus im Strohsack aufbewahrt."

Da ließ der Frosch die Lanze sinken.
"Den Eiswein kannst du selber trinken.
Auf ein paar Fliegen komm ich mit.
Auf die hab ich grad Appetit.
Vielleicht kann ich auch ein paar Mücken
Im Anschluss daran noch verdrücken
Und falls Gelegenheit sich böte
Nähm' ich danach noch eine Kröte."
So hat der Frosch zur Maus gesprochen
Und seine Lanze drauf zerbrochen.
***
Wie die Sache weiter geht
In der nächsten Folge steht

 wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.