Freitag, 30. Oktober 2015

Bei Hofe


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 40 - 17
Bei Hofe


Palast vorm Lagezimmer
Der Wachsoldat der dort stand immer,
Dessen Aufgabe es war
Die drinnen zu schützen vor der Gefahr
Und dass kein andrer nebst ihm,
Belauschen konnt' was gar intim
Hinter der Tür wurd diskutiert,
Hatte nebst seinem Wachjob nun
Reichlich andres noch zu tun.

Er hat stets dort salutiert
Wenn ein Diplomat
Oder ranghoher Soldat
An ihm vorbei nach draußen kam
Oder den Weg drinnen nahm.



Manchmal ist einer auch gekommen
Der sein Tun hat wahrgenommen
Und ihn nicht als Hampelmann
Sah wie all die andern an,
Welche in Wichtigtuerei,
Auf gar großen Füßen
Achtlos gingen nur vorbei,
Ohne ihn zu grüßen.

Korax Frommkind, Peleus Sohn,
(Froschname für einen Königssohn im
Froschmeuseler von Georg Rollenhagen)
Der einst verzichtet hatte auf den Thron,
Damit sein Bruder kam zum Zug
War einer, den mit Recht und Fug,
Ein jeder der ihn kannte,
Einen feinen Mann stets nannte.

Der hatte für den Wächter dort
Stets Zeit für ein Begrüßungswort.

"Grüß dich Quadart Watarachs,
(Im Froschmeuseler von Rollenhagen
einer der königlichen Leibgardisten)
Na wie läuft es drinnen?"
Machte er sich einen Flachs,
Ohne darüber nachzusinnen
Dass jener aus Pausbacks Dienerschar
Nicht wie er selbst, von Adel war.

"Nicht so gut", sprach der darauf,
"Sie halten redend sich mit Floskeln auf
Anstatt endlich einmal nun
Etwas Vernünftiges zu tun,
Um die Problehme anzugehen
Die drinnen so im Raume stehen."

"Na, na", sprach Korax darauf "du
Hast doch nicht wieder mal gelauscht,"
Denn er kannte den Filou
Welcher vor der Lagezimmerwand
Für die Herrschaften auf Wache stand,
Damit ihnen auch nichts passiert.

"Was wird denn drinnen so geplauscht?"
Wollte er dann dienstbeflissen
Von Quadart, dem Wachsoldaten wissen.

"Es wird so wie immer diskutiert.
Anstatt endlich mal in Sachen
Flüchtlingslage was zu machen.
Streiten sich just grad drum
Wie hoch das Zustrommaximum
Der Ebbe in Pausbacks Kasse wegen,
Ist zahlenmäßig festzulegen."

"Das haben wir gestern schon gemacht."
Erwiderte der andre heiter,
"Doch es hat nicht viel gebracht,
Weil jeder Fürst in unserm Reich
Angst davor hat, dass sein eigner Teich,
Von den Flüchtlingen die kommen,
All von Teichhilde eingeladen,
Wird als Trinkwasser genommen,
Oder gar um drin zu baden."

Nach kurzer Pause sprach er weiter:
"Doch lieber Quadart sag mir nun,
Was würdest du zuerst denn tun
An meiner Stelle, in meiner Lage
In der schlimmen Mäuseplage?"


"Als erstes würd' ich Mauselöcher
Bauen lassen, noch und nöcher,
Denn schließlich braucht die graue Zunft
Eine trockene, warme Unterkunft,
Denn der Winter steht bevor."
So sprach er auf dem Korridor.

"Dann würd ich die Straßen reparieren
Damit sie taugen zum Kutschieren,
Die kämen mir durchaus zu passen,
Von den Mäusen sogleich lassen.

Auch Pflüge würde, anstatt von Waffen,
Ich jede Menge gleich beschaffen,
Um zu beseitigen die Brache,
Die keinen Sinn macht hierzulande.
Es ist wahrlich eine Schade
Dass nur jedes zweite Feld
In unserm Lande wird bestellt.

Auch die Sache mit der Sprache
Würde ich sofort forcieren.
Sie müssen ja nicht all studieren
Aber wenn sie, was sie sollen,
Arbeit bei uns finden wollen,
Sollten sie möglichst binnen,
Eines Jahres all so klug quaken können,
Wie die Herrschaften dort drinnen,
Die mit dem was sie so sagen
Anstatt zu helfen uns nur plagen!
Auch sollten wir den Mäusen gönnen..."

"Halt, das reicht, es ist genug!"
Unterbach Korax Quadarts Redeschwall.
Was Du da sagst mit Recht und Fug,
In deiner aufgestauten Wut,
Berichte ich gleich dem Feldmarschall."

"Doch glaub ich nicht, dass man das tut,
Weil's in den Kram ihnen nicht passt,
Was du grad vorgeschlagen hast."

Da knallte Korax seine strammen
Grünen Hacken fix zusammen
Und hat dem andern affektiert,
Rau aber herzlich salutiert.

***

Wie es bei Hofe weitergeht
In der nächsten Folge steht

wird fortgesetzt


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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.