Mittwoch, 1. Januar 2014

Frosch und Kröte in der Kunst


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 23-48
Kunstexperten im Elysium
- Kelly Helgeson-
- Teil 1 -

"Damit bin ich mit dem Lurch"
Hat Patroklos danach gelacht,
"In Sachen Wiener Bronzen durch.
Es hat sehr viel Spaß gemacht!"

Die andern dankten mit Applaus.
"Hört einmal her!" rief Menelaus;
Für alle deutlich wahrnehmbar.
Und er fügte dann,
Was er sagen wollte an:

"Als Helena mein Weib noch war
Hat sie, so war es damals Brauch,
Froschbilder gesammelt auch.
Sie hatte 'ne ganze Schachtel voll
Davon, dass die schier überquoll."

Helena, einst viel umstritten,
Ließ sich nicht erst lange bitten.

"Ja" sprach sie, "vor meinem Tode
War das Frösche sammeln Mode."

Während sie sprach, lief sie zum Schrank
Und wühlte zwischen all den Kleidern
Die Paris ihr dereinst ließ schneidern,
Als der sie hat zur Braut erwählt.
"Ich hab die Frösche nicht gezählt"
Lachte Helena. Nicht so ihr Gatte;
Er sah nur zornig hin zu ihr.
Denn er erinnerte spontan
Just in dem Moment sich dran
Dass er an ihrer Sammellust
Damals ziemlich leiden musst.
Die Frösche waren wichtiger
In Ilion damals ihr als er.

***


"Ich hab das Album, seht mal hier,
Es ist noch da, Gott Zeus sei Dank"
Rief sie erfreut und kurz darauf
Schlug sie die erste Seite auf.

Die andern staunten, Ramses zwo
Der Ägypter Pharao
Und die Tochter des Hattusilis
Standen darauf vis-a-vis
Sich als Frösche gegenüber.


"Deren Zeit ist längst vorüber"
Raunte halblaut zu den Ihren
Miora, die Göttin der Moiren.
(Ilias 24/49; Schicksalsgöttin, dem Geschick der Manschen
 zugeteilt, Zeus gleichgestellt, oft begrifflich mit Schicksal übersetzt)
Helena, die es hat gehört
Hat sich nicht daran gestört.
Sie blätterte nun sichtlich heiter,
In ihrer Fröschesammlung weiter.

"Ich will euch", sprach sie zu den Seelen,
"Auch die Quelle nicht verhehlen,
Aus welcher ich die Bilder habe.
Kelly Helgeson, mit Künstlergabe,
Hat sie allesamt gemalt.
Ich hab viel Geld dafür bezahlt,
Das dürft ihr hier ruhig alle wissen.
Doch möcht ich keinen Frosch mehr missen
Der in diesem Album steckt.
Eine jedes Kelly-Fröschlein weckt
In mir heut die Erinnerung
An die Zeit als ich noch jung
In einem Mädchenkörper stak
Und lauschte froh dem Froschgequak'
Das unten in Hellas liebevoll
Damals aus jedem Teiche scholl.

Wie Kelly es im Bild stellt dar,
Hab ich manches Fröschlein küssen
Unten auf der Erde müssen
Auch wenn das nicht sehr schmackhaft war.

Ich hab mir so manchen vorgenommen
Bevor Alexandros ist gekommen,
(Alexandros ist der Zweitname de Paris. Der Sohn des Priamos
 und sein Verhältnis mit Helena war die Kriegsursache)
An den durch Zufall ich geriet.
Paris, der Sohn des Priomos,
Kannte sich aus auf dem Gebiet.
Es war einfach grandios
Was er in Troja mit mir trieb."

"Er hatte mich wohl auch sehr lieb."
Schob dem Verführer sie zur Ehr,
Noch listig lächelnd hinterher.

Und dann begann, anhand von Bildern,
All das nochmals sie zu schildern
Was ihr in ihren Erdenjahren
Als junge Frau ist widerfahren.

"Seht", bat sie lächelnd um Gehör.
"Dieses Bild hier, es zeigt mich
Mit zum Zopf geflocht'nem  Haar
Als ich noch klein und jungfräulich
Ein unschuldiges Fröschlein war.


"Du warst fürwahr ein hübsches Gör!"
Hat Menelaos eingehakt,
Einschmeichlerisch zu ihr gesagt.

Die Schöne danach Blatt für Blatt,
Die Farbdrucke erklärt nun hat.

"Drei Freundinnen, die seinerzeit
Mir halfen bei der Schularbeit,
Seht ihr hier; ach ja die drei
Brachten mir auch manches bei,
Worüber ich nicht reden will."

Die Seelen all mucksmäuschenstill,
Schauten sich die Bilder an.
"Und hier", sprach sie, "der erste Mann
Der mir Blumen hat geschenkt."

Dabei hat sie den Blick gesenkt,
"Er lehrte mich im Pferdestadel,
Hoch oben einst im Heu
Manches was mir ward noch neu.
Ach was war das einst intim
Im Heu und wunderschön mit ihm.
Doch leider war er nicht von Adel,
Sonst hätt' ich ihn genommen.

Nach ihm ist dieser hier gekommen."

Sie zeigte auf das nächste Bild.
"Mit dem Herzen in der Hand,
Verlegen und kein bisschen wild
Fragte er ob ich es wolle.
Ich war völlig von der Rolle
Und nahm es an, ganz aus Versehen.
Zweimal haben wir's probiert.
Dann hab ich ihm ganz ungeniert,
Er stammte übrigens aus Theben,
Das rote Ding zurückgegeben.
Ich hab nie wieder ihn gesehen."

***
wird fortgesetzt

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.