Freitag, 8. Juli 2016

Die Muse und der Dichterling


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 44 - 23
 Maxima und der Dichterling


elchen 

Sinn haben denn die Götter,
Wenn sie nicht helfen, dann überhaupt?"
Wollte darauf gar gerissen,
Der Dichterling, der Spötter,
Von seiner Muse Maxi wissen!"

"Sie wollen, dass man an sie glaubt!"
Antwortete diese ihm
Darauf feinsinnig sublim
Und fügte sogleich dann
Einschränkend schnell an:

"Mit dem sie meine ich dabei
Die Priester. Deren Klerisei,
Die Geistlichkeit, der Priesterstand
Im Pfaffenpredigergewand,
Sind es, die euch all verleiten."

"Ihr Sterblichen sprach sie im Spott,
So war's bei euch zu allen Zeiten,
Glaubt allesamt an einen Gott,
Und betet ihn an, treudoof mit Amen.
Dazu bildet ihr euch ein
Dass er für euch hat da zu sein.
Ihr ruft ihn an mit einem Namen
Den ihr Euch selbst habt ausgedacht."

Und dann fuhr sie mit klugem Wort,
Erklärend zum Dichter weiter fort:

"Das solltet ihr nicht tun!
Drum hör zu, hab Acht;
Auch nicht mit Amun!"




"Wahrlich mein Freund ich sage dir
Schon im Zweistromland, im alten Ur,
Galt als größter Schöpfer die Natur.
Alle andren geschnitzt und seelenlos,
Geschaffen, weil es so war Brauch,
Waren nichts als Götzen bloß."



"Nummu, Nusku, Ninlil, An und Ki
Nanna, Enhil, Ningal, Dumuzi,
Nergal, Innana, Utu, Ereshkigal
Nannte man sie dazumal."



"Vergangen all wie Schall und Rauch.
Ihre Namen längst Geschichte!"

"Wenn ich dir trotzdem drob berichte,
Dann deshalb, damit du begreifst,
Dass, wenn du dich auf den versteifst,
Welchen in neuer Variante,
Man dir als Kind einst nannte.
Der auch nichts als ein Götze ist."


"Wahrlich mein Freund ich sage dir
Und ich bitt dich, glaub es mir.
Die Götter, so wie ihr sie kennt
Und die ihr all die Größten nennt,
Weil ihr sie euch habt ausgedacht,
Haben längst nicht so viel Macht,
Wie Millionen Jahre schon vor Ur,
Sie hatte bereits die Natur."

"Geh ihnen nicht gleich auf den Leim,
Den Götter die auf Bergen thronen
Oder gar im Himmel wohnen,
Oder im Jenseits irgendwo,
Heimlich und inkognito,
Im Wolkenkuckucksheim."

"Traue jenen Priestern nicht
Die mit ernstem Predigergesicht,
Die Vergebung deiner Sünden
Bereits zu Lebzeiten verkünden
Und zu bekennen von dir verlangen
Was du noch gar nicht hast begangen."

"Glaub nicht, ohn' es zu hinterfragen
 Was all die Brüder dir bigott
Von ihrem eignem Götzen sagen.
Mach dir dein eignes Bild von Gott!"

"Wahrlich mein Freund, ich sage dir,
Das darfst du ruhig glauben mir!
Mutter Natur hat mit Bedacht
Den Frosch und dann erst euch gemacht."

***

"Was willst Du mir denn damit sagen"
Wollte der Sterbliche grad fragen,

Doch da hat es Maxi ihm,
So wie es in der Bibel steht,
Bereits erklärt schon ganz intim.

"Mir scheint Du bist der Sohn des Set
Den die Bibel Setzling nennt.
Der hieß mit Vornamen Enosch.
(Genesis 4,26; Der Name Enosch bedeutet "Mensch")
Er wurde neunhundertfünf Jahre alt.
Man sagt, aus dem wurde ein Frosch
Nachdem im Garten Eden er
Als Mensch durfte nicht bleiben mehr."

Und dann fuhr mit Scherz im Wort
Sie zu ihm flunkernd weiter fort.

"Mir scheint, dass du ein Humorist
Ohne jeden Glauben bist,
 Oder gar der Ketzerfrosch,
Den der phantastische Maler Bosch,
In seine Bilder setzte wie zum Spott
Als wäre dieser selbst ein Gott."

"Was soll denn das schon wieder heißen?"
Hat da der Dichterling gefragt
Und noch ein Wort dazu gesagt.

"Spiel dich hier nicht als Göttin auf."
Hörte ihn mit Unbehagen
Nun ihrerseits die Muse sagen.
Und wollte ihm just grad kontra geben.
Doch das ging daneben
Denn der sterbliche Filou
Fügte noch ein Wort hinzu:

"Du sagst einmal hü und einmal hott.
Und die Antworten auf meine Fragen
Verwirren mich in etwa wie
Im Auto von meinem Navi die!"

"Ich werde dich fortan Siri nennen
Die wir vom iPhone her all kennen!"

"Der glaub ich im Fall des Falles
So wie dir jetzt, auch nicht alles!"

Auch nicht, dass du ne Göttin bist
Wie Homer der Götter schaffende Filou,
 Dichtend mit Phantasie und List,
Es ein wenig übertrieben,
Euch Musen hat einst zugeschrieben."





Danach hat er sie angelacht
Nahm sie in seinen Arm,
Und sprach zu ihr im Übermut:

"Auch wenn du flunkerst ab und zu;
So wie dich Homer hat einst gemacht,
Mit Liebreiz, ausgestattet und mit Charme,
Hübsch und mit Kurven obendrein,
Grad so wie diese sollen sein,
Gefällst du mir wahrhaft sehr, sehr gut!"


Da wurde, seiner Worte wegen
Die hübsche Muse purpurrot.
Und wirkte plötzlich ganz verlegen,
Wobei das schönste Bild sie bot
Das er je betrachtet hatte.

Nach einer Weile fing sie sich
Und ohne jede Vordebatte
Sprach plötzlich sie gar ärgerlich:

"Ich weiß ja, dass du mich gut kennst,
Und auch, obwohl du es nicht sagst,
Dass, weil ich helfe dir beim Dichten,
Du mich als Dank dafür sehr magst."

"Doch für solcherlei Geschichten
Die Du bezweckst mit Deinem Geschmuse ,
Bin ich zu haben nicht als Muse!
Ich bin zum Arbeiten nur hier.
Zu sonst nichts und wehe dir
Falls du mich einmal  Siri nennst."

***

Wie's mit den beiden weitergeht
In unsrer nächsten Folge steht.

wird fortgesetzt




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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.