Samstag, 1. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-7
Kriegsrat der Mäuse

Der Jägermeister Tellerlecker
Und sein Gesell, der Butterwecker,
Zwei Mäuse von der Diener Schar,
Die auf die Jagd gezogen war
Mit Bröseldieb, und diesen nun
Aufsuchten ohne Rast und Ruh’n,
Die kamen eben zu dem See,
Als Bröseldieb auf Pausback ritt,
Und sah’n wie in des Wassers Mitt’
Er kläglich sank. Mir großem Weh
Vernahmen sie sein Abschiedswort.

Verzweifelnd liefen sie am Rand,
Besah’n das Wasser und das Land,
Versuchten ob durch Schwimmen, Waten
Die Rettung ihnen mocht’ geraten,
Versuchten hier, versuchten dort;
Doch ach! Vergebens war ihr Wagen;
Sie mussten, wollten sie ihr Leben
Für nichts und wieder nichts nicht geben,
Ans Land zurück. Sie heulen, klagen
Und ringen ihre Hände sehr
Und rufen laut der Frösche Heer,
Vor allem deren Könige,
Drohworte zu nicht wenige
Und Flüche, schrecklich anzuhören.
Was aber half’s, sie mussten ohne
Den jungen Fürsten nun zum Throne
Des hoch betagten Vaters kehren.
Und einem Frosche, der im Schrecken,
Sich vor der Schlange zu verstecken,
Am Rand gekrochen war ins Gras,
Verlegten sie behänd den Paß;
Der musste nun, da er gefangen,
Erzählen wie es zugegangen.

Sie kamen heim. Wer malt den Schmerz!
Der nun zerreist der Eltern Herz!
Die Königin insonderheit
Starb fast vor bittrem Herzeleid
Um ihren einz’gen, letzten Sohn
Und den Erben von des Königs Thron.
An Schönheit kam im ganzen Reich
Und Tugend ihm wohl keiner gleich.
Vor Allem hörte man sie klagen,
Dass man nicht konnt’ zu Grab ihn tragen.
Und dass er tief im See vergessen,
Sich sollt von Schlangen lassen fressen.
Es klagt der Diener ganze Schar,
Und jeder treue Untertan,
Der des Geschehens kundig war,
Zog seine Trauerkleider an.

Im Schloss zu Mausulina war
So Alt wie Jung der Freude bar;
Die Wände wurden schwarz beschlagen,
Man hörte Jammern nur und Klagen.
Die Königin in Ihrem Saal
In Ohnmacht viel gut zwanzig Mal,
Und ihre Tränen flossen bitter;
Die Prinzen weinten und die Ritter.
Die Damen rangen ihre Hände
Da war des Weinens gar kein Ende.
Das ganze Land versank in Trauer,
Waldmaus und Städter, selbst der Bauer:
Denn Maus und Mäusin hatten lieb
Den toten Prinzen Bröseldieb.

Am meisten brannt’ in Wut und Schmerz
Schinkenklaubers Vaterherz,
Als er des Sohnes Tod vernahm,
Der durch den Frosch ums Leben kam,
Und wie er noch zuletzt gesprochen:
„Lasst meinen Tod nicht ungerochen!“
Er hob gen Himmel gleich die Hand
Und rief: „Verwünscht sei all mein Land,
Mein Schloss soll Feuer mir zerstören,
Der Storch die Kinder mir verzehren,
Der Iltis soll mein Weib genießen,
Der Igel mag mich selber spießen,
Wenn ich nicht halte mein Versprechen,
Ihn an dem Mördervolk zu rächen!“

So schwor der König und entbot
Ins Schloss die Räte seiner Krone.

Von Walde kam Fürst Eicheltod,
Der war der Nächste bei dem Throne;
Fürst Wurzelkratzer war der Zweite.
Der brachte mit ein groß Geleite
Von Kriegsvolk wie zu einer Schlacht;
Er prahlte gern mit seiner Macht.
Zu diesen Waldherren kamen noch
Zwei Feldherrn; einer Hupfinsloch,
War Herr im offnem Felde drüben;
Wo in Kartoffeln, Kraut und Rüben
Die Mäuse wohnten weit getrennt,
Führt’ er sein friedlich Regiment.
Sein Nachbar war Fürst Tennenmauser;
Er galt für einen argen Knauser,
Und jede Kornmaus weit und breit
War ihm zu Dienst und Zins bereit.
Von Mausherrn traten ihnen bei
Fürst Semmelzahn, ein guter Degen,
Und Mauerwühler, diese Zwei,
Der Letztere stark und auch verwegen.
Die standen um den König her,
Dess’ Herz von Groll und Kummer schwer,
Und also hub er an zu reden:

Der Kriegsrat der Mäuse

Wir fochten schon so manche Fehden
Mit Feinden aus, ihr edlen Herrn,
Und immer halft ihr gut und gern;
Doch lieber war mir Kampf und Streit
Noch niemals als zu dieser Zeit,
Da Pausback solchen Gruß mir bot
Und Bröseldieb ertränkt zu Tod.

Jetzt gebt mir Rat in Zorn und Qualen,
Wie wir dem Quakfrosch das bezahlen.“

Da sprach nun jeder das und dies.
Fürst Eicheltod schlug an den Spieß
Und sprach zuerst: „Es werde Krieg,
Denn unerhört ist solch Erkühnen;
Blut lässt sich nur mit Blute sühnen;
Gerechter Sache folgt der Sieg!“

Es stimmte seiner Meinung bei
Fürst Wurzelkratzer mit Geschrei;
„Den Sieg schafft unser Durst nach Rache!“
So rief er aus mit großem Grimme;
„Was nützt uns eine gute Sache?“


Auch Semmelzahn gab seine Stimme
Für Krieg; nur riet er, gut zu rüsten,
Statt sich mit Zuversicht zu brüsten.
Fürst Mauerwühler sprach: „Mein König,
Nur los! – Das andre liegt mir wenig:“

Da trat Fürst Tennenmauser vor;
Der griff bedenklich hinters Ohr
Und sprach: „ Wir haben Schild und Lanzen,
Allein wie steht’s mit den Finanzen?
Der Krieg verschlingt 'ne Menge Geld;
Wenn uns der Würfel günstig fällt,
So gibt es gute Beute doch;
Wie aber, wenn wir unterliegen?“

Zum Frieden riet auch Hüpfinsloch;
Er sprach: „Was haben wir vom Siegen?
Vergossen wird viel schuldlos Blut;
Kommt unserm Prinzen das zu gut?
Mein Rat ist, dass man gleich beordert
`Nen Boten und zum Zweikampf fordert
Den König Pausback. Das ist nötig.
Zum Zweikampf bin ich selbst erbötig.

„Ihr seid sehr gütig“, sprach voll Hohn
Der König drauf, „für meinen Sohn
Das teure Leben dran zu wagen;
Doch wozu wollt ihr selbst euch plagen?

"Vielleicht ist Tennenmauser willig;
Gebt ihm nur Geld, er macht es billig!"

Ich will’s in meinen Händen halten;
Krieg gibt’s ihr Herrn, und Schädelspalten!
Wir sammeln unsre ganze Macht
Und bieten dem Gezücht die Schlacht,
Und sollten sie uns die versagen,
Soll sich kein Frosch an Land mehr wagen,
Es sei denn lebensüberdrüssig.
Bis morgen Abend seid bereit;
Ich schmied noch heut den Plan zum Streit;
Ein andrer Rat ist überflüssig.“

wird fortgesetzt

Freitag, 24. Juli 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-6

Der Tod des Mäuseprinzen


Der König hört den kleinen Mann
Und sieht ihn mit Erstaunen an,
Verwundert der Großherzigkeit
Und höflichen Bescheidenheit.

„Ich bin“, so spricht er, „hocherfreut,
Dass du zu uns gekommen heut,
Bist an den Hof, uns zu berichten
Vom Mausgeschlecht all die Geschichten.
Die unserm Volk vom Hörensagen
Von Fremden wurden zugetragen.
Ich lobe deinen tapfern Mut.
Drob bin ich dir von Herzen gut
Und acht’ dich meiner Freundschaft wert
Wie keinen sonst auf dieser Erd.
In Sonderheit mir wohl gefällt,
Wer seinen Stand in Ehren hält
Und trägt desselben Last und Plage
Standhaftens Sinn und ohne Klage.
Dein edler Mut und dein Vertrau’n
Auf eigne Kraft, so ist es würdig,
Dein eignes Leben aufzubau“n.
Du scheinst mir für den Thron gebürtig.
Auch ist gar klug und schön und wahr,
Was wohlbedacht ihr sonst so sagt.
Wir Frösche auch sind viel geplagt
Und leiden Schaden und Gefahr.
Die Feinde über die ihr klagt,
Sind größtenteils die unsren auch.
Wie kennen schon der Katze Brauch,
Des Falken auch, in Hungersnot
Da beißt er oft die unsern tot.
Die schlimme Weihe holt uns oft
Von Ufer weg ganz unverhofft.
Der Mensch ist auch nicht zu vergessen,
Der für ein delikates Essen
Stets nach unsern Schenkeln trachtet
Die er als Leckerbissen achtet.
Die Keulen grausam er entreißt.
Den Rest er in das Wasser schmeißt,
Anstatt die Teile zu begraben,
Dass Fische sich daran nicht laben.

Das Manntier, da geb’ ich dir Recht,
Ist feige, einfältig und schlecht.
Obgleich man sagt, das Tier hätt’ Geist,
Es uns das Gegenteil beweist.
Es mordet, so erzähl man mir,
Sogar im eigenen Revier.
Nicht wie wir der Nahrung wegen,
Jagen sie. Wenn Groll sie hegen,
Bringen unbedacht und dumm,
Sie sich einander selber um.

Die Mordlust, die dem Tier ist eigen,
Sonst nur Basilisken zeigen.
Damit das Töten leicht sie schaffen,
Entwickeln stets sie neue Waffen.
Ich hab in einem Buch gelesen,
Was in Europa ist gewesen.
Ein Feldherr, der sich Gröfaz nannte,
Die mächtigste Schlacht der Welt entbrannte
Und alle, alle machten mit.
Am Ende, anstelle von Profit,
Stand eine Zahl, ein Weltrekord.
Noch nie gab’s solchen Massenmord
Auf der Welt wie damals hier
Verursacht durch das Mordgetier.
Fünfundfünfzig Millionen Tote.
Ich erzähl die Anekdote
Vom Weltkrieg heute deshalb dir
Weil aufzeigt sie, welch Art von Tier
Der Mensch in seinem Wahne ist.
Heimtückisch, voller Hinterlist,
Ach es ist fürwahr zum Weinen,
Bewerfen sie uns oft mit Steinen.
Das Tier, von dem die Gottheit sagt,
Es wäre sehr vernunftbegabt,
Ist stattlich zwar von Körperbau,
Doch, so denk ich, nicht sehr schlau.
Ich hab da meine eigne Sicht.
Der Mensch, er ist ein Bösewicht.
Erst gestern starb ein Untertan.
Heimtückisch auf der Autobahn,
Hat ihn ein Manntier überfahren.
In den letzten hundert Jahren
Mussten Millionen daran glauben.
Was die Menschen sich erlauben
Ist anmaßend und schrecklich dumm.
Sie bringen sich und uns all um.
In meinen Teich in Hüll und Fülle,
Kippen Unrat sie und Gülle,
So dass mit meinem Volk ich fliehen
Demnächst muss und weiterziehen
In einen Pfuhl am Weltenrand
Der dem Tier ist nicht bekannt.

So wie einst es einmal war,
Wird es wohl nie wieder sein.
Die schönsten Pfützen werden rar.
Das Manntier ist ja so gemein,
Es denkt an sich als Erstes nur
Und ganz zuletzt an die Natur.
Die seit Jahrtausenden bewährt
Uns allesamt hat noch ernährt.
Dass er ein Körnchen davon ist,
Das Manntier dabei ganz vergisst.
Doch irgendwann im Lauf der Zeit,
Denn davor ist kein Tier gefeit,
Werden des dummen Tieres Erben
So wie wir vor Hunger sterben.

Der Mensch wird sicher niemals klug.
Noch haben zu essen wir genug!
Doch wenn, was jenes Tier versucht
Die Natur zu ändern mittels Zucht
Und aufgeht was es heute sät
Dann ist es sicherlich zu spät
Für die Erde und uns alle.
Wir sitzen mit in dieser Falle
Die das dumme Tier uns stellt.
Aber noch dreht sich unsre Welt
Und hier und jetzt bis übermorgen
Da haben wir Frösche andre Sorgen.

Weil just von Feinden sprechen wir;
Im Wasser noch so manches Tier,
Wie Hecht und Schlange und der Schwan
Sie greifen all begierig an
Um uns tückisch umzubringen
Und genüsslich zu verschlingen.

Weiter erzählte Pausback drauf,
Des Männleins Wissbegier zu stillen,
Wie einst vor vielen tausend Jahren
Die Frösche ohne König waren,
Frei handelten nach eignem Willen;
Bis endlich alle sahen ein,
Es müsse wohl ein König sein;
Und wie, nachdem man sich beraten,
Sie Gott um einen Herrscher baten;
Wie ihnen drauf vom gnäd’gem Gott
Ein Block ins Wasser wird gesandt;
Wie mit Verachtung sie und Spott
Den Block hin trieben an das Land,
Um einen Andern zu erbitten;
Wie Zeus darauf in ihre Mitten
Den Storch als Herrscher zornig, schickt,
Der Untertanen ohne Zahl
Aufspeist zu einem einz’gen Mahl;
Wie endlich einem Frosch es glückt,
An sich das Regiment zu bringen;
Wie nun die Sachen herrlich gingen
Und wie, vom Vater stets der Sohn
Das Zepter erbte und die Kron’,
Bis diese Herrscherreihe groß“,
Der jetzige König lachend schloss-

„Damit du nun“, fuhr Pausback fort,
„Was ich erzählt mit kurzem Wort,
Auch mögest in Gemälden schön
Und treulich abgebildet sehn
Komm mit in meinen Königsaal,
Wo meine Ahnen viel an Zahl,
Lebensgetreu gemalt all hangen
In Bildern ihre Taten prangen.

Auch kann ich dort in meiner Feste
Bewirten meinen Gast aufs Beste.
Von meines Reichtums großen Gaben
Sollst dort du, was du wünschest haben.
Ich will beim Abschied dich beschenken,
Dass immer mein du sollst gedenken.
Drum fahr mit mir und meinem Tross
Hinunter in mein Wasserschloss.
Scheu nicht den ungewohnten Weg,
Ich bring dich sicher ans den Steg.
Ich will dich sicherlich geleiten,
Auf meinem Rücken sollst Du reiten“

„Herrje“ sprach Bröseldieb, “die Ehr,
Die ihr erweist, erfreut mich sehr.
Doch bin ich keine Wassermaus;
Und durch den See in euer Haus
Zu gehen, auch wenn ihr selbst mich tragt,
Erscheint mir doch etwas gewagt.
Ich bin des Wassers ungewohnt;
Und bleibe gern damit verschont“.

Sprach Pausback: „hast du nicht gesagt,
Du sei’st beherzt und unverzagt?
Nun merk ich wohl, es fehlt an Mut;
Das steht dem Königssohn nicht gut.
Trau nur und spring auf meinen Rücken
Und fürchte nimmer mich zu drücken;
Ich bring zum Schloss dich ohn’ Gefahr
Und netz dir nicht ein einz’ges Haar.
Es mögen deine Diener vier,
Auf den Trabanten reiten hier.
Doch willst du nicht, so mag es sein;
Da wo kein Herz, kommt keines ein“.

Dies Wort, gesagt nicht ohne Hohn,
Verdross den wackren Königssohn;
Er sprach: „Wohlan, ich füge mich,
Sollst sehen, dass kein Prahler ich:“

Der König tat sich nieder bücken.
Der Andre sprang ihm auf den Rücken.
Umschlang den Hals mit beiden Händen,
Mit beiden Füßen auch die Lenden,
Und sprach bei sich: „in Gottes Namen!
Er möge uns behüten! Amen!


Das Froschvolk trat ans Ufer nah
Und rief „Glückauf“ und auch „Hurra“!

Die Mäuse welche gleichermaßen
Auf den Froschtrabanten saßen.

Gar lustig war, schön anzusehn,
Die Kavalkade seewärts gehn,
Geleitet von der Frösche Heer,
Voran, zur Seit und hinterher.
Die Mäuse blickten nach dem Lande,
Behaglich so im Seemannsstande.
Auch Bröseldieb mit Freude sah,
Das Ufer lag noch ziemlich nah.
Das frische Nass, das ihn umspülte,
gar lieblich seine Hitze kühlte.
Die Wellen blinkten streichelnd her
Als ob die Flut von Silber wär’.


Er sah die Fische drunten schwimmen
Und weiße Muschelhäuschen glimmen;
Am Ende schwenkt er mit der Mütze,
Hob lustig auf des Schwänzchens Spitze.

Er spürt beim Reiten eine Lust
Von der er nie zuvor gewusst.
So lieblich süß, so sanft und fein,
Als sollt’ er davon schlafen ein,
So kitzelt ihn der Wassertanz
Vom Haupt und Nacken bis zum Schwanz.
Gleich wie die Kinder sich gebaren,
Und schaukelnd auf und nieder fahren
Auf einem gleich gewognem Holz
Und dünken sich wie Ritter stolz;
So auch der Prinz fuhr auf und nieder
Und neigte sich und hob sich wieder.

Wie aber Pausback schneller sprang
Und tiefer in das Wasser drang,
Sich immer flacher vorwärts bückte
Wobei das Ufer schnell entrückte.
Da schlug die Woge beider Enden
Zusammen über des Reiters Lenden.
Der stolze Mauser wurde blass
Als sein Schwänzchen klitschenass
Im Wasser schleifte hinterher
Als ob’s des Schiffes Ruder wär’.

Vom Lande längst nichts mehr zu seh’n,
Die Wellen immer höher geh’n
Und schlagen ihm in beide Ohren,
Er fürchtet schon, er sei verloren.

Da kommt die Reu’. Er weint, er klagt:
„Ach Gott, dass ich so frevelich
Mein junges Leben hab’ gewagt!
Bestraf’ nicht mit dem Tode mich,
Das brächt’ den Eltern Herzeleid,
Wenn Du mich rettest, drauf mein Eid,
Will künftig fromm und weis’ ich sein
Dir dankbar einen Tempel weih’n,
Und täglich dort mit reinstem Sinn
Zwei drei Stunden beten drin’.“

Er wollte sein Leben nur bewahren,
So jung nicht in die Grube fahren.

Doch dringt das Wasser mehr empor
Und mehr und füllt ihm jedes Ohr,
So dass der Kopf ihm saust und braust
Und ihm in seinem Herzen graust;

Die Höschen werden nass und schwer
Und zieh’n nach unten mehr und mehr.

Mit guten Worten tröstet ihn
Der König als er schwimmt dahin.
Doch dauert dieser Trost nicht lange,
Denn eine große Wasserschlange
Taucht mitten zwischen ihnen auf.
Sie hebt den Hals in ihrem Lauf,
Sie sperrt den Rachen auf und züngelt,
Der lange Leib sich furchtbar kringelt,
Sie lässt sich in ihr Inn’res schauen,
Dass in Pausback fährt das Grauen,
Aus ihren Augen, welche glühen
Die Blicke so wie Funken sprühen.

Vor Schreck erstarrt schließt er den Mund
Und taucht hinunter auf den Grund.
Die Maus, die auf ihm hat gesessen,
Hat er dabei total vergessen.


Umsonst strampelt da Bröseldieb,
Von Pausbacks Rücken abgefallen,
Sich ab; vergebens hört man schallen
Den Hilferuf der Angst. Es trieb
Ihn bald herauf, bald trieb es wieder
Ihn in die dunkle Tiefe nieder.
Aus seinem Mund tritt kalter Schaum;
Es werden kalt und lahm die Glieder;
Er schluckt Wasser, speit es wieder
Hinweg und schluckt’s von Neuem ein;
Schwarz wird für ihn der Sonne Schein;
Der Atem will entgeh’n und kaum
Noch kann die schwache Stimme lallen:
„Ach Gott, so jung und sterben schon!
Fahr hin, du Zepter, hin, du Kron’,
Fahr hin, der Eltern Hoffnungsschimmer
Wohlan denn, da es Gott gefallen
Werd ich tot sein bald für immer.
Dich aber, Pausback, Bösewicht,
Der du mich stürzest in das Grab,
Des Gastes Rechte achtest nicht,
Indem du ließest mich im Stich
Und tauchtest vor der Schlange ab,
Gott soll dich strafen fürchterlich.
An dir und an den Deinen schwer
Wird rächen sich der Mäuse Heer.
Ade, du Welt, du Sonnenlicht.
Ich bitte drum, vergesst mich nicht“

Noch einmal, mit letzter Kraft,
Hat Bröseldieb sich aufgerafft
Und rief hinüber: „Eilet fort!
Sorgt, dass man räche diesen Mord!
Der König Pausback, dass ihr’s wisst,
Warf hier mich ab mit Hinterlist!“
Sprach’s in des Todes Ängsten und
Sank starr hinunter auf den Grund.

wird fortgesetzt

Dienstag, 14. April 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-5

Krümeldieb rühmt seine Männlichkeit,
Stärke und Tapferkeit


Zwar bin ich, fuhr der Prinz fort, von Person
Nur klein, doch biet ich Riesen Hohn;
Mein Herz jedoch ist groß und gut
Und heget unverzagten Mut.
Auch deutet des Körpers Umfang heute
Nicht immer auf den Geist der Leute.
Den Esel jagt die kleine Biene,
Ob gegen sie er ist ein Hüne.
Der Hase läuft, wie ihr wohl wisst,
Vor jedem Frosch, so klein er ist.
Was sollen auch versuchen sich
Maulwurf und Eidechs’ wider mich?
Die Schlange halt ich bei der Kehle,
Bis ich sie ganz zu Tode quäle.
Ein ganzes Regiment Heuschrecken
Mag ich mit einem Sprung erschrecken,
Kann hunderte von Grillen jagen,
Mit Füßen treten und zerschlagen,
Wie ich noch hab erwiesen heute.
Denn wenn ich frühe geh nach Beute
Und einen Kirschbaum hab erstiegen,
Fängt sich ein Zweiglein an zu biegen;
Da flohen rottenweis’ davon
Der Käfer ganzes Bataillon
Und auch die Vögel mancher Art,
Sie spüren meine Gegenwart.
Sogar den Fleischberg Elefant,
Jag ich, wenn’s sein muss, aus dem Land.
Kein Mann war je so dick und lang,
Dass er mich konnte machen bang.
Ich kriech ihm nach ins Bett mit Fleiß,
Wie kühne Flöh, bis in den Steiß;
Such Korn in seines Bettes Stroh,
Und treib mein Wesen keck und froh,
Ob er rumort gleich noch so sehr,
Als wenn’s der Lindwurm selber wär,
Sich umdreht und wie wild sich wehrt,
Und nach mir sticht mit bloßem Schwert;
Vermeint der Tropf, er wird mich schrecken,
Dass ich verängstigt lass das Necken.
Gefehlt! Kaum ich ihn wieder schlafen seh,
Hab ich ihn wieder bei dem Zeh,
Und kneif ihn wacker in die Waden;
Das macht mir Spaß, er hat den Schaden.
Erst neulich begaben sich ähnliche Sachen,
Dass ich noch jetzt muss bei mir lachen.
Der Ochs lag ausgestreckt im Stall,
Und kaute sein Gras zum dritten Mal.
Als ich nun um ihn her so tanze,
Schlägt mich der Flegel mit dem Schwanze.
Da sprach ich: O du fauler Tropf,
Hast wohl kein Hirn in deinem Kopf,
Kein Herz im Leib, noch Mark im Knochen:
So komm einmal hervor gekrochen,
Zum Kampf mit mir; ich will in Ehren
Mich deiner, du Grobian, erwehren.
Der Ochs sprang auf in wildem Zorn,
Sprach: „Elender Wurm, du bist verlor’n!
Ich will dich zerreißen, zerquetschen, zerstampfen,
Dass von deinem Blut die Erde soll dampfen!
Kann auch die Mücke sich so sehr vergessen,
Dass sie des Kampfes sich will ermessen
Mit Elefanten oder mir?
Wart ab, du sollst büßen dafür!
„Ein Narr ist wer den Feind veracht’“,
Sprach ich, und hab dabei gelacht.
Dann fuhr ich wie Davids Schleuderstein
Einst dem Riesen Goliath,
Mit einem Sprunge, er war platt,
Zwischen beide Hörner ihm.
Meine Klauen wie ein Pfriem
Drangen tief in seine Haut.
Er brüllte Zeter mordio laut,
Sprang, stampfte, bäumte sich und stieß
Hart gegen die Mauer, dass Funken und Kies,
Wie Blitz und Hagel, prasselnd fielen.
Allein das machte ihm selbst nur Schwielen,
Nicht mir, drum ließ ich im Beißen nicht nach.
Da wurde vom Toben er endlich ganz schwach,
Hielt ein und gab der Übermacht nach;
Fiel reuig hin vor mir auf die Knie,
Und bat um Schonung; ich gewährte ihm sie.

Dies sei gesagt, nicht mich zu loben,
Nein, sondern nur um ein paar Proben
Von meinem unverzagten Mut
Zu geben, der mein Attribut.

Auch heute, bevor ich zu euch kam,
Ich mich gar heldenhaft benahm.
Den Faltern bin ich nachgezogen;
Doch weil die dauernd weggeflogen
Sind in Panik und in Angst vor mir
Verfolgte ich sie bis nach hier.
Am Ufer sind sie mir entkommen.
Da hab ich einen Trunk genommen
Aus euerm frischen, klaren Born.
Der kühlte mir Gemüt und Zorn.

Weiter was man wissen muss,
Sprach Krümeldieb im Redefluss:
Nun aber hat der Herr der Welt
Sein Regiment hier so bestellt,
Dass jedes Geschöpf auch Feinde hat.
Er fügte es so akkurat,
Dass keines auf der weiten Erde
Zu sehr stolzier und sicher werde.
Wie denn das grüne Gräselein
Hat seinen Feind am Schäfelein,
Das Schaf den Wolf, der Wolf den Hund,
Der Hund des Bären Klau und Mund,
Der Bär den allgewalt’gen Leuen,
Der wieder muss das Manntier scheuen.

Das Manntier aber voller List,
Von allen das allerschlimmste ist.
Eins mordet das andre unbeschwert,
Was man von keinem Tier sonst hört.
Sowohl an Mordlust und an List
Der Mensch ein Ungeheuer ist.

Der leid’ge Habicht und der Falk
Bezwingen mich, der große Schalk
Fuchs Reinecke mit vieler List
So manches Mäuslein fängt und frisst.
Von allem doch, die unsrer Spur
Mordgierig folgen, fürcht ich nur
Drei; erst den Habicht, der geschwind,
Wenn grad am sichersten wir sind,
Mit frohem Tanz beginnt ein Fest,
Sich aus der Luft hernieder lässt,
Mit gieriger Wut uns greift dann an
Und wegführt, was er fressen kann.
Es folgen diesem bösen Brauch
Des Habichts viele Vettern auch,
Die Sperber, Eulen, Weihen;
Den Adler nur wir nimmer scheuen,
Der uns in seinem hohen Mut
Niemals etwas zu Leide tut.
Zum Zweiten fürchte ich die Katze
Mit ihrer mörderischen Tatze.
Wohl gleicht sie einem Jungfräulein;
Die Augen glänzen hell und klar,
Sie leckt und schlichtet sich das Haar,
Putzt ihre Hände, wäscht gar rein
Die netten zarten Wängelein,
So dass, wenn man sie noch nicht kennt,
Das Herz nach ihr gewaltig brennt.
Man sieht an ihr, dass Schmeichelei
Und Freundlichkeit oft Heuchelei;
Doch kaum ein andrer Heuchler ist
Ihr gleich an Mordlust, Tücke, List.
Zum Dritten fürchte ich vor allen
Sehr die verräterischen Fallen,
Die täglich fast auf neue Weise
Der böse Mensch mit großem Fleiße
Uns zu vertilgen stellet aus.
Da steht ein schönes kleines Haus
Mit Tür und Fenster, dass man denkt:
„Hier muss sich’s wohnen recht gemütlich“.
Gebratner Speck am Balken hängt
Und lockt, daran zu tun sich gütlich.
Wenn aber man hinein will gehen,
Sich dort ein wenig umzusehen,
Zu Schmecken ob dem Koch der Braten
Nach seinem Willen sei geraten,
Ob er nicht Mangel hat an Schmalz,
Ob es nicht fehlt daran an Salz,
Ob alles roh sei oder gar, -
Pautz! Fallen Fenster zu und Tor;
Mit Schadenfreude springt hervor
Wild lärmend eine Kinderschar;“
Und jubelt: „Seht, sie ist gefangen!
Wir wollen sie zum Spaße hangen.
Auch macht der Mensch wohl eine Brücke,
Die, wie man meint, ganz feste steht,
Daran jenseits ein lieblich Stücke
Käs hängt. Wenn man hinüber geht,
So bricht die trügerische Brücke,
In Wasser oder einem Kasten
Muss das betrogne Mäuschen fasten.
Auch richten sie wohl einen Stein
Empor mit einem Kreuzelein,
Als wenn’s ein stilles Bethaus wär.
Der Speck am Kreuze lockt gar sehr
Zur Andacht. Doch kaum ist die Maus
Am Kreuz, um mit gefalt’nen Händen
Zum Himmel ein Gebet zu senden,
Oh weh! So bricht das ganze Haus
Samt Kreuz mit großem Lärm hernieder.
Von dem Gebet kommt keiner wieder.
Auch mengen sie ins Zuckermehl,
Das einem schmeckt durch Leib und Seel’,
Ein duftend Pulver fein und rötlich;
Jedoch das Pülverchen ist tödlich.


Seht, Herr, so groß und grausam ist
Der Feinde Schar, die uns mit solchen
Verruchten Mitteln, Macht und List,
Seit ew’gen Zeiten schon verfolgen.
Ein Wunder ist’s, dass unsre Art
Nicht ganz schon ausgerottet ward,
Dass wir im Gegenteil uns mehren,
Dies aber eben gibt uns Mut
Und Kraft, dass wir mit tapfrem Blut,
Uns gegen unsre Feinde wehren;
Und wenn den Mut wir nicht verlieren,
So werden einst wir triumphieren“.

Gar viel hätt’ ich davon zu sagen,
Doch ziemt es sich nicht lang zu klagen.
Euer Gnaden halten mir zu gut,
Wenn meine Jugend Unrecht tut
Und redet mit Weitläufigkeit,
Sonst ist wahrhaftig mein Bescheid.

-
Wird fortgesetzt

Montag, 13. April 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-4

Bröseldieb rühmt sein Geschlecht,
seine Klugheit und seine Tapferkeit


Da hub der König Pausback an
Zu reden mit dem kleinen Mann:

„Mein lieber Gast, da meine Leut’
Mir Kundschaft brachten mittags heut,
Du wärest in mein Reich gekommen,
Hab ich als Freund dich aufgenommen.
Berichte mir nun schlecht und recht
Von deinem Stamme und Geschlecht,
Wen Vater du und Mutter nennst,
Und welchen Glauben Du bekennst.
Und find ich würdig dich der Ehr,
So führ ich ohne all Beschwer
Heim in mein Schloss ich dich mit mir
Und schenk die schönsten Dinge dir,
Denn ich bin reich und weiß sehr wohl,
Wie man den Gastfreund ehren soll.
Wie es sich ziemt für einen Mann
Der es vermag, wie ich und kann,
Würde ich dich nach unsern Sitten
Zu mir auf meine Insel bitten.

Ich selbst bin König, werd Pausback genannt;
Alle Frösche dort drüben in meinem Land
Sind mir in Knechtschaft untertan
Und beten mich als Abgott an.
Ich regiere mein Reich gekonnt!
Von Horizont zu Horizont,
Preist mich mein Volk, das ich behüte,
Voll des Lobes meiner Güte.
Mein Vater, Dreckpatz hochwohlgeboren,
Hat zur Gemahlin sich dereinst erkoren
Die edle Wasserfürstin Moriam
Von der ich selbst zur Welt einst kam.
Kein edleres Königspaar je sah
Die Welt als Papa und Mama.

Doch ihr seid auch ein Königskind
Und ritterlich gewiss gesinnt,
Indem ich jetzt nun euch betrachte,
Und auf Gestalt und Kleidung achte,
Scheint gleichfalls ihr ein feiner Herr
Zu sein von königlicher Ehr.

Denn einer wie ich, insofern er was gilt
Im Krötengeschlecht, trägt Gottes Ebenbild
So unverkennbar doch in allen Zügen,
Dass man in ihm sich kann nicht trügen.

Doch werdet ihr selbst mir nun erklären
Wofür man euer Geschlecht soll ehren.

Dem Mäuseprinz das Herze schwoll.
Die Rede war zu ehrenvoll.
Er schämte sich beinah doch dann
Er eines bessern sich besann.


Antwortete: „Eure hohe Tugend
So huldvoll gegen meine Jugend,
Erkenn ich an mit Dankbarkeit,
Bin euch zu dienen gern bereit
Und will auf alle eure Fragen
Eurer Majestät wohl Antwort sagen.

Er räusperte sich, sinnt nach ein wenig,
Und spricht, wie folgt darauf zum König:
„Dass euer Hoheit, aus angestammter Milde,
Sich so, wies bei der Fürstengilde
Seit alter Zeit es sich bewährt,
Hat gegenüber mir erklärt,
Ist wahrlich mehr als gütiglich
Und äußerst schmeichelhaft für mich.

Zu großen Geschenken, Lieb und Ehr,
Wenn dess würdig ich befunden wär,
Das werd ich, so lang ich Atem habe,
Ja noch dereinst im stillen Grabe
Vergelten euch in Dankbarkeit,
Bis in alle Ewigkeit.

Doch bevor ihr mich beschenkt,
Eines wohlweislich bedenkt,
Auch ich entstamm einem Geschlecht,
Dessen Blut wurd artgerecht,
Seit Jahrtausenden und Tagen,
Bis in die Gegenwart getragen.
Meine Sippe, wie sich’s ziemt
Ist auch heut noch weltberühmt.

Rex Schinkenklauber ist mein Vater.
Er ist noch heute mein Berater.
Frau Leckmüll, meine Mutter Lieb,
Nannte mich Prinz Krümeldieb.
Der erste geruhte mich zu erzeugen,
Die andre, an eigenen Brüsten zu säugen,
Wie die Natur und Ärzte wollen,
Dass Mütter, wenn sie’s können, sollen;
Bis mir, in spätren Knabenjahren,
Eigne Beißerchen gewachsen waren.

Der Vater beschützte vor Gefahr
Mich im Schlosse, das ein Mausloch war.
Die Mutter mit der besten Speise
Verwöhnte mich auf ihre Weise,
Auf dass ich über der Mäuse Heer
Nach meinem Vater König wär,
Erzog man mich nach Fürstenweise
Am Hofe im erlauchten Kreise.

Zwei Brüder hab ich noch daheim,
Topfguckeritz und Leckesheim;
Die einzige Schwester die ich hatte
Biss tot vor Jahren eine Ratte.
Nicht mangelts unserem Geschlechte,
An Ruhm; dem Quieker der Gerechte,
Mein Ahnherr hat vor alter Zeit
Den Löwen aus dem Netz befreit,
Wie die Geschichte weiß zu melden;
Auch nach ihm zählt sie tapfre Helden.
Ich selbst focht manchen guten Strauß
Mit unsres Reiches Feinden aus,
Ihr seht’s an meinen Wundenmalen;
Doch ist’s nicht Heldenart zu prahlen.

So wie nun Fürstensöhne sind,
War ich von Anfang an ein Kind,
Das ausgestattet war mit Gaben
Die andre Kinder selten haben.

Daran ist wirklich nichts gelogen,
Das Anseh’n hat euch nicht betrogen.
So hab auch ich, damit ihrs wisst,
Prophetengeist, der wichtig ist.
Den nutze ich, doch nie frivol,
Zu des gesamten Reiches Wohl.
Will etwa ein Schiff mit Mann und Maus
Versinken oder ein altes Haus
Den Leuten auf die Köpfe fallen
Verschwind ich mit den Freunden allen.
Bevor das Unglück kann gescheh’n
Muss man ihm aus dem Wege geh’n .
Wie einst Johann Evangelist
Furchtbar wütend geworden ist,
Als der Unhold Kerinthos
Im Badehause dubios,
Inmitten seiner Ketzermeute,
Sich der Blasphemie nicht scheute.
Er lehrte, dass die Benedeite
Damals an des Josefs Seite,
Nachdem gebor’n das Kindelein,
Könnt füglich keine Jungfer sein.
Da mahnte Johannes die Brüder, schnell
Vom Tode zu retten den Leib wie die Seel,
Und zu entfliehen dem sündigen Haus,
Eh es niederstürzte in Schutt und in Graus.
Sie waren ihm auch gehorsam gleich alle
Und kamen heraus aus Gott Vaters Falle.
Da stürzte das Haus samt dem Bad in den Grund.
So strafte der Himmel Korinths Lästermund.
Rollenhagen S. 794

Drum war ich auch immer so weise und klug;
Hatte nie an einem Löchlein genug;
Wollt deren zwei zum mindesten haben,
Damit, wenn eins mir würde vergraben,
Ich doch noch wüsste wo ein und wo aus.
Denn in der Tat arm ist die Maus
Die, wenn es einmal bei ihr brennt
Nur den Weg durchs Feuer kennt.
Wenn einem Haus der Einsturz droht;
Dann rett ich zeitig mich aus Not.
Ich wandre aus dem Hause still,
Wo Gott die Menschen strafen will.
So als die Leute zu Helice
In Griechenland, der Stadt am See,
Die Feinde aus dem Jonier Land
Wie Opfertiere einst verbrannt,
Rollenhagen S. 794

Verließen flugs wir Stadt und Land,
Entflohen Gottes rächender Hand.
Die Bürger sahen uns entlaufen
Bei Tag und Nacht in hellen Haufen
Und lachten trotzig dieser Mähr,
Als ob es eitel Schimpf nur wär.
Da öffnet sich der Erde Schlund
Und riss sie alle in den Grund,
Die Wasser stürzten drüber her,
Die Stätte kennt heut keiner mehr.

Mittwoch, 4. März 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-3
Die Ankunft des Mäuseprinzen


Beklatscht vom Volke und geehrt
Ist er zum Thron zurückgekehrt.
Dort wurde er gleich beim Erscheinen
In Pracht umringt von allen seinen


Verwandten und Geschwistern,
Schranzen, Räten und Ministern.

„Ja“, sprach der König, „keine Frage,
Das war der schönste Teil vom Tage.


Spaß macht solch ein Ritterspiel,
Solang die Übungen zivil
Bleiben und das Militär
Im Hintergrunde sekundär,
Nur die Nebenrolle spielt“.
Zum Oberfeldmarschall geschielt
Hat er, als er solches sagte.
Dieser keine Antwort wagte
Sondern stattdessen das vertraute
Offiziersrangmännchen baute
Und dabei zackig, dass es schallte,
Die Hacken aneinander knallte.

Indessen sprach der Herrscher weiter:
„Früher war ich der beste Reiter
Unter der Sonne, glaubt es mir.


Mein grünes Ross, ein treues Tier,
Mit starken Schenkeln voller Pracht,
Trug siegreich mich von Schlacht zu Schlacht.
Wie aus einem Stück gegossen,
Ritten mannhaft und zum Kampf entschlossen
Wir gegen die tapfersten der Ritter.
Für unsre Gegner war es bitter.
Sie gingen leer aus, alle Preise
Erkämpften wir in kühnster Weise.
Ketten, Ehrenzeichen und goldene Spangen
Seither an meinen Kleidern prangen“.
„Schaut her“, sprach er, „das sind die Orden“.
Er schwellte dabei selbstbewusst
Dem Volke zugewandt die Brust.
Allesamt von mir erstritten worden.
Schon damals war das Kampfspiel Brauch.
Zu Wasser wie zu Lande auch,
Da könnt ihr alle fragen,
Konnte keiner mich einst schlagen.
Ja ich war ein doller Hecht.
Siegreich immer im Gefecht
Und gefürchtet weit und breit,
Doch immer fair im Waffenstreit.
Fairness galt im Spiel und Sport
Mir stets als allerhöchster Hort,
Denn mit Mut und Tapferkeit
Allein kam damals keiner weit.

Treue, Ehre, Wahrheit galt
Damals noch mehr als Hinterhalt.
Bescheidenheit war Tugend
Dereinst in meiner Jugend.
Ein Wort das heut gilt als verrucht,
Galt damals. Es hieß Manneszucht.
Auch wurde keiner dazumal
Durch Luftanhalten General
Oder durch Strammsteh’n. Das allein
Brachte zu meiner Zeit nichts ein“.

„Das ist auch heute nicht der Fall“
Sprach der Oberfeldmarschall,
Sichtlich verärgert und fügte an:
„Ich hab mein Bestes stets getan
Und immer wenn ich wurd gefragt
Zu allem stets jawohl gesagt“.


Über diese neue Kunde
Lachten fast alle in der Runde,
Nur der Oberfeldmarschall
Lachte nicht. Ein Wutanfall
Schnürte ihm die Kehle zu
Und so gab er Ruh.

Indes die Musikanten fingen
Zu spielen an und laut zu singen.


„Solfa, ut ut,sol ut, sol fa,
Quak, quak ut Fidirallala”.
Bald sangen alle, Alt und Jung
„Korax, quak quak, klungkerlekunk“
Ein Bass im Kontrapunkt dazu,
Brummte ohn’ jegliches Tabu
Sein Korax, Korax, Korax dumpf.
Es klang so schön und wunderbar
Durch das Schilf an Pausbacks Sumpf
Dass jagend Meister Adebar
Was er nur ganz selten tat,
Aufs Abendmahl verzichtet hat,
Und sich hungrig in die Lüfte schwang.
So schön war dieser Froschgesang.

Der grüne Adel und die Schranzen
Drängten ans Ufer nun zum Tanzen.
Zum Klang der Lauten, Zithern, Geigen,
Tanzten lustig sie den Reigen.

Alle die nun aus dem Schilfrohr traten,
Mit den Sängern sich zusammentaten
Um ihre Stimmen einzubringen
Und lustig tanzend mitzusingen.

Was war das für ein frohes Drängen.
Die Luft war voll von Jubelklängen.
Kein andres Volk nach Musenart
Wie Pausback’s je gefunden ward.

Die Vögelein im reinsten Klang
Stimmten ein in den Gesang
Und ringsum tönte überall
Des Frühlings Wunderfreudenschall.

„Wie selig war die güldne Zeit,
Da in der ganzen Welt die Leut’
Einst lebten voller Fröhlichkeit
Ohne Hass, Hader und Herzeleid.
O schöne Zeit, wo flohst du hin?
Kehr um, und ändre unsern Sinn,
Dass Freundschaft, Lieb und Einigkeit,
Und unsrer Kindheit Seligkeit,
Die einst aus Gottes Himmel kamen,
Noch einmal kommen mögen. Amen.“

So dacht der König voller Kummer,
Halbwach und halb bereits in Schlummer.
Er war, so schien’s, grad eingenickt
Als ihn die Königin gezwickt.
Sie flüsterte, „komm sei kein Frosch,
Indem sie küsste seine Gosch,
„Lass uns auch zum Tanzen gehen.
Lassen wir beim Volk uns sehen,
Denn nur, wer den Untertanen nah,
Ist für sein Volk auch wirklich da“.

„Da hast du Recht, der Satz ist wahr“,
Erwiderte der Gatte ihr.
Kurz drauf erschien das Herrscherpaar
Unten am See im Tanzrevier.
Und die beiden tanzten auch
Genauso wie beim Volk es Brauch.

Während am See die Wasserleute
Musik und Tanz gar sehr erfreute
Und die Sonne immer mehr
Brannte heiß von oben her
Auf das grüne Volk herab,
Wo sie den schönsten Schatten gab,
Dort wo die tanzend lustige Schar
Im schönsten Jubilieren war
Und die allergrößte Hitze
Stieg aus des Himmels Mittelspitze…

Da eilte von des Waldes Höh,
Getrieben von des Durstes Weh,
zum See herab ein kleiner Mann.
Er hatte ein weißes Pelzlein an.
Am Halse ein Korallenband.
Im goldnen Gürtel eine Hand.
Die andre hielt er an der Seit
Nah an seinem Schwert bereit.
Ein Schwänzchen folgte ihm hinterher
Als wär’s ein wurfbereiter Speer.

Er trabt daher, so hat’s den Schein,
Als wär’ er unterwegs allein.
Doch folgen ihm Trabanten vier
In schlichten Pelzen, ohne Zier.
Die wirken gräulich bis aschfahl.
Vermutlich ist’s nur zweite Wahl.

Durstig an des Ufers Rand,
Lehnt sich der Weißpelz auf die Hand.
Neigt das Köpfen, dass sein Bart
Voll Glitzer-Wasserperlen ward.
Als wenn es purer Honig wär,
So leckt sein Zünglein kreuz und quer.
Dann wischt er’s Näslein, schmatzt vor Lust,
Wie’s Kindlein an der Mutterbrust
Und spricht bei sich indem er leckt:
Wie süße Milch das Wasser schmeckt
Wenn man’s mit Durst nur würzen mag,
Wie ich getan hab diesen Tag.

Nun glaube ich, was Darius spricht,
So wohl hab’ ihm geschmecket nicht
Was jemals er sein Leben lang
Zuvor und später aß und trank,
Als trübes Wasser auf der Flucht,
Das für den Durst ihm ward gesucht.


Das sah und hört’ ein Frosch von fern
Und eilt’ zum König seinem Herrn.
Er traf am See ihn, wo beim Tanz,
Der Rex noch mit dem Lorbeerkranz
Mit den Damen seiner Wahl
Schwofte ein ums andre Mal.

Pausback das Tanzen unterbrach.
Der Späher darauf ganz gemach,
Erzählte was geschehen
Und was er hat gesehen.

„Fünf Männlein brachen ein ins Rohr,
So klein als ob es Zwerglein wär’n.
Und drangen bis ans Wasser vor.
Den ersten nannten sie den Herrn.

Der hat ein weißes Hemdchen an.
Ist schön geziert als Rittersmann.
Sie tragen alle Knebelbärt’
Und wirken mutig kampfbewährt.

Ich kenn nicht ihre Namen.
Ich sah nur wie sie kamen
Um unser Wasser wegzulecken.
Sie lassen es sich jetzt noch schmecken.

Der König selbst beim Militär
Dachte, die Sache ist prekär
Und rief nach seinem Leutenant,
Der in der Nähe sich befand.“
„Auf, Grünrock“, sprach er, „schnell,
Nimm zehn Trabanten mit zur Stell.
Wenn’s Feinde sind, sollst du sie fangen.
Falls nicht anders zu erlangen,
Schnappt sie euch beim Kragen
Ohne lang zu fragen.
Fesselt sie und führt sie her.
Doch wenn es Leute sind von Ehr’,
Kannst du sie zu Hofe laden
In guter Freundschaft ohne Schaden.
Dann lass ich zum Gespräch sie bitten.
Sie wären mir dann wohlgelitten.

Drauf Grünrock hüpft zum See in Eil’
Und schießt davon gleich einem Pfeil,
Die Hand am Schwert ob der Gefahr.
Dann wurd’ der Fünfe er gewahr.

Er lachte: „Mäuse wie ich seh’.
Doch eines ist so weiß wie Schnee.
Das ist fürwahr recht ungewohnt.
Schaut wohl, dass ihr denselben schont
Und auch den andern tut kein Leid
Bevor sie geben uns Bescheid.
Lasst mich erst reden mit dem Mann
Damit ich es erfahren kann,
Was sie an unsern See geführt
Wo wir sie haben aufgespürt.

Dem Pelzrock schien recht sonderbar
Im Uferschilf die grüne Schar
Die so mutig schritt daher
Als ob’s ein Häuflein Elend wär’.

Ihr Führer freilich vornean
Trat auf als wär’s ein tapf’rer Mann.
Indes erstarrt und leichenblass
Hinter ihm in seichten Nass
Das tapf’re Grüppchen seiner Leute
Sich vor einem Streite scheute.


Sie wollten grad, wie es ihm schien,
Nach links und rechte ins Rohr entflieh’n.
Der Gruppenführer jedoch sprach:
„Ihr Mannen bleibt! Ich bürg die Sach’.“

Dann trat er an die Maus heran.
Die rief: „Glück zu, mein lieber Mann!


Ich bin an deinen See gekommen,
Weil ich noch durstig war vom Jagen.
Möchte’ auch nach eurem Wohlsein fragen,
Und wundre mich, wie es gekommen,
Dass ich noch nichts von euch vernommen.

Weiter sprach er dann manierlich
Und beugte das Knie dabei gar zierlich.
Ich möchte euch für den kühlen Trank
Aussprechen herzlich meinen Dank.
Das mache ich von Herzen gern
Denn Diebstahl liegt mir wirklich fern
Und Dankbarkeit ist eine Tugend,
Die ziemt dem Alter wie der Jugend.
Ich hätte euch ja erst gefragt
Bevor zu trinken ich gewagt.
Doch als der Durst mir tat so weh
War außer uns niemand am See.
Ich dacht’, ihr hättet Traurigkeit,
Klagt daheim euch euer Leid
Über einen der verstorben.
Glaubt nicht, ich wäre so verdorben
Und würde derart mich verfehlen
Euch das Wasser feig zu stehlen.
Wie bin ich froh, dass euer Kleid
Zeigt keine Spur von Traurigkeit.
So fröhlich frisch, wie ihr hier steht
Es sicherlich nicht schlecht euch geht.
Glaubt allesamt, dass ich mich freue
Und euern Anblick gar nicht scheue.
Und nehmt für den genoss’nen Trank
Was ich euch schulde, meinen Dank.
Und glaubt mir sehr verehrte Herrn,
Ich steh zu Diensten euch auch gern,
Denn wen man dankbar nennen kann,
Dem kleben keine Laster an.

Die Frösch’, ob solcher Höflichkeit
Und feiner Sitten sperrten weit
Die Mäuler und die Augen auf
Und Leutnant Grünrock sprach darauf:

„O edler Junker, feindlich ist
Die Absicht nicht in der wir kommen.
Mein hoher Herr, der König, wisst,
Von eurer Ankunft hat vernommen
Und möcht’ in Gnaden wissen wer
Ihr seid, wie ihr euch nennt, woher
Ich kommt; aus welchem Lande
Aus wessen Stamm und welchem Stande.

Das zu wissen er begehrt.
In Gnaden, dass ihr unbeschwert
Ihm ganz offen all das sagt
Kommt mit zu Hofe unverzagt.
Ich soll euch zum Gespräche laden
In guter Freundschaft ohne Schaden.

Dass aber unser Wassertrunk
Gelabt hat eure Herzen jung,
Das gönnen wir euch jederzeit,
Sind auch zu andrem Dienst bereit,
Denn wie die Sonn’ und Luft gemein,
Sollt auch der Trunk des Wassers sein.
Nur treue Freundschaft woll’n wir hegen
Und gute Nachbarschaft stets pflegen.
Euch ist’s vergönnt, der Majestät,
Die drüben dort am Ufer steht,
Zu nahen euch. Ihr braucht mitnichten
In Furcht zu sein vor den Berichten,
Denn einen solchen noblen Herrn
Empfängt der König immer gern“.

Das Mäuslein sprach: „Ist’s, wie ihr sagt,
Dass euer König nach mir fragt
Und wünscht er selbst mich zu besehen,
So will ich gerne mit euch gehen.
Nur führt mich, bitt ich, hin zu Land;
Mit Wasser bin ich nicht bekannt.
Ich bin des Mäusekönigs Sohn
Und hab vor Wasser Aversion.
Da ihr indes so freundlich seid
Bin ich zu großem Dank bereit.
Erkenntlichkeit will ich euch zeigen
Auf dass wir immer Freunde bleiben.
Nur schade, dass zu dieser Zeit
Ich keine nette Kleinigkeit
Als angenehme Gabe
Euch zu danken, bei mir habe.
Doch dann fiel es ihm noch ein.
Ich hab da ein paar Kirschelein;
Die mach ich euch nun zum Geschenk.
Und dann griff er ungelenk,
Einem der hinter ihm grad stand,
In die Taschen mit der Hand.
„Ich hab sie auf der Jagd erstiegen,
Die abgefall’nen ließ ich liegen“.
„Der Kern taugt an den Kirschen nicht“
Fuhr weiter er dann im Bericht.
Auch ein paar Erdbeer’n sind dabei,
Der Hände voll, zwei oder drei.
Dann greift er nochmals in die Taschen,
Reicht artig ihnen hin zu naschen.
Kaum konnt’ er sich der Frösch’ erwehren,
Die auf die schönen roten Beeren
Mit offnem Maul so gierig tappten,
Dass sie ihm fast die Hand erschnappten.

Dem König ward gemeldet schon,
Es käm’ des Mäusekönigs Sohn;
Drum brach er ab den Tanz zum Zwecke
Dem jungen Prinzen eine Strecke
Entgegen selbst zu geh’n und ihn
Gemäß dem Range zu empfangen.
Und hinter ihm in einem langen
Zug sieht man den ganzen Hofstaat zieh’n.
Dazugesellt die andern Scharen
Der Frösche, die voll Neugier waren.
Zum Schluss kam hinterher gelaufen
Ein bunt gefleckter Quappenhaufen.
Seine Majestät schritt vor
Bis ans grüne Ufertor,
Dort wollt er feierlich empfangen
Den hohen Gast mit vielem Prangen.
Im neuen grünen Frühlingskleid,
Mit Gold verbrämt an jeder Seit’,
Mit Augen wie der Morgenstern
Hell funkelnd schon aus weiter Fern’.
So stand der König an der Pforte
Und dachte sich Begrüßungsworte
Für den Mäuseprinzen aus.
Da kam sie schon die weiße Maus.

Wie nun der junge Fürst ganz nah
Den König Pausback vor sich sah,
Da fühlt er, dass ihm leise graut.
Als er ihm in die Augen schaut
Denkt er bei sich: „Nur ruhig Blut,
Ein Recke darf sich niemals scheuen,
Und trät’ er selbst vor einen Leuen“.
Dann zieht er vornehm seinen Hut,
Und drauf mit höflicher Gebärde
Wandt’ er das Angesicht zur Erde,
Legt auf die Brust die rechte Hand
Und neigt sich wie er’s wohl verstand.

Der König sprach: „Willkommen Gast,
Setz dich zu mir und halte Rast.


Ruh aus von deiner Mattigkeit,
Denn deine Reise war wohl weit,
Da ich dich nie zuvor gekannt“,
Und reicht ihm gnädiglich die Hand
Und setzt sich neben ihm zur Erd’.
Das Männchen sich umständlich wehrt,
Setzt sich doch endlich ihm zur Seit’,
Der Majestät zu Dienst bereit.

Das Hofgesind’ vernähme gern
Das Zwiegespräch und drängt von fern
Und tummelt laut sich hier und dort,
Dass niemand hört sein eigen Wort.
Der König aber gibt ein Zeichen,
Und alle müssen schnell entweichen.
Nur vier Trabanten mit Bedacht
Zur Seite steh’n als Ehrenwacht.


Donnerstag, 26. Februar 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-2

Nicht weit vom Olympos, den ihr kennt,
Den man den Berg der Götter nennt,
Lag einst ein Teich. An seinem Rand
Ehrwürdig eine alte Weide stand.

Oben auf des Berges Spitze,
Direkt unter dem Göttersitze,
Rauschte ein klarer kühler Quell,
Der springend über Felsen schnell
Strebte dem fernen Walde zu.
Dort tränkte er in aller Ruh,
Im warmen Maiensonnenschein
Bäume, Kräuter und Blümelein.
Er hegte Fische, Frösche, Schnecken
Und speiste Büsche, Gräser, Hecken,
Während er zum See hin floss,
In den er sprudelnd sich ergoss.

Dort wo an seinem Ufersaum
Am Schilfrand stand der alte Baum,
Erklang mit süßem reinem Schall,
Das Lied nicht nur der Nachtigall,
Auch Rohrdommel, Amsel, Meise, Star,
Dort im Geäst versammelt war,
Um den Göttern durch ihr Singen
Den Dank fürs Dasein darzubringen.

Allabendlich der Vögel Sang,
Durch die Lüfte froh erklang
Und Antwort gab mit Freudenschall
Der Götterberg im Widerhall.

Nachdem die Nacht den Tag erlöst,
Die Vögel all schon eingedöst,
Begann nicht ganz so hörenswert,
Unterm Baum das Froschkonzert.

Das Loblied welches mit Geduld
Und Inbrunst das Froschvolk nächtelang
Im Frühling hier im Schilfrohr sang,
Galt dem Froschherrscher als Huld.


König Pausback herrsche hier.
Der ganze See war sein Revier.
Die Grenze seines Königreichs
War das Uferband des Teichs,
An dem allabendlich im Rohr
Die Untertanen all im Chor,
Ihn, den sie sich dereinst erkiesen
In den schönsten Tönen priesen.

Eines Tags, im Monat Mai,
Von der Regierungsarbeit frei,
Rief der König die Nation
Mit ihm zu feiern vor dem Thron.

Die Herolde wurden ausgesandt
Um überall im Froschvolkland,
Lautstark und mit vollen Backen
Die Einladungen auszuquaken.

Ein Frühlingsfestspiel aufzuführen,
Sich bei Hof zu amüsieren
Und wieder mal in Saus und Braus
Zu feiern mit dem Königshaus,
War der Sinn und alle kamen
Herbeigeeilt mit ihren Damen.

Zum Auftakt gab’s ein Freudenmahl.
Fliegen satt, nur erste Wahl.
Grillkäfer, Motten- und Wurmkotelett,
Gebraten fein in Spinnenfett,
Asseln, Maden, Schaben,
Alles war zu haben.
Wespen, Läuse, Wanzen,
Als Aufschnitt und im Ganzen.
Zum Nachtisch konnt’ verdrücken
Jeder noch zehn Mücken.

Getrunken wurde Mückensaft.
Den Bauch gefüllt mit purer Kraft,
Folgte nach der Völlerei,
Der Festlichkeit bei Hof Teil zwei.

Ein Turnier war angesetzt.
Das ganze Froschvolk drängte jetzt
Hin zum Schilfrohrdomizil
Wo man mit Spaß am Ritterspiel,
Der Grünen gegen die Braunen
Das Spiel der Ritter konnt’ bestaunen.


Der König saß im Sonnenschein
Auf seinem Throne ganz allein
Während seine Mannen
Mit dem Turnier begannen.

Hüpfen, Klettern, Überspringen,
Griechisch und auch Freistilringen,

Griechisch römisch


Lanzen werfen, Bogenschießen,


Stechen, Hauen, Fliegenspießen,

Fliegen spießen

Schwimmen, tauchen, Wassertreten.
All das zeigten die Athleten.

Reiten, Fechten, Würmerhetzen,

Wettreiten und fechten

Mückenfangen zum Ergetzen.

Mückenfang

Aufrechtsteh’n auf gradem Fuß,
Den anderen am Ohr zum Gruß.

Lustig war das Ritterspiel.
Kurzweil gab es dabei viel.
Schlickweitwurf und Dreckschlammschlacht
Hat man dem Volke vorgemacht.

Mückenfang mit Fliegenklatsche,
Oder mit der Zungenpatsche

Mit Fliegenklatsche

Im Sprunge eine Muck erklappen.
Ein leckres Würmlein so zu schnappen

Würmlein schnappen

Dass es, bevor man es verschluckt,
Mit dem Schwanze nicht erst zuckt.
Aufrecht, wie ein Mensch zu stehen

Aufrecht wie ein Mensch

Mit Glotzaugen um Ecken sehen.
Mit dem Kopf voraus so wie der Hecht,
Steckentauchen kunstgerecht.
Mit offenen Maul ohne zu trinken
Im Wasser auf- und niedersinken.

Das Volk indes im kühlen Schatten,
Saß auf moosbedeckten Matten
Und klatschte Beifall den Soldaten
Die alles gaben und alles taten,
Was sie gelernt beim Militär,
Wenigstens so ungefähr.

Zum Schluss, aus dem Elite-Korps,
Trat ein Einzelkämpfer vor.
Mit Namen hieß er Quacker.
Der Kämpfte wahrlich wacker.

Einzelkämfer "Quacker"

Er kannte jeden Trick.
Wie einer Mücke das Genick
Man bricht ohne dass sie lange summt
Zeigte er. Sie war verstummt
Bevor sie sich noch recht versah,
Was im Zweikampfe geschah,
War der Hebel angesetzt, ruck zuck.
Es schien ganz leicht, ein kurzer Druck,
Schon war die Mücke mühelos
Gekillt und ihre Sorgen los.

Das Publikum geriet ins Staunen.
Durch die Reihen ging ein Raunen,
Als der Einzelkämpfer dort
Mit seiner Vorstellung fuhr fort.

Nun ging es drum `nen Wurm zu fangen
Und zwar einen von den langen.
Mit dem Schwerte und mit Tücke,
Zerschnitt er ihn in Stücke.
Die waren nicht mehr ganz solang,
So dass das Fangen ihm gelang.

Der Jubel rings umher war groß.
„Bravo“, schrie das Volk, „famos“.

Doch für Ovationen war
Keine Zeit: Das wurde klar
Als Pausback nun, der Potentat,
Selbst in die Arena trat.

„Lasst uns um die Wette springen“,
Sprach er. „Wer mich kann bezwingen,
Dem gebührt der Lorbeerkranz
Und beim Ball der erste Tanz“.

Hei, wie sind sie da gesprungen.
Die besten Hüpfer waren die jungen.
Die hatten Kraft noch in den Waden
Und hüpften Energie geladen,
Weit über die Dreimetermarke.
„Prassophagus II, der Starke“
Sprang drei Meter zehn genau.

Drei Meter und zehn Zentimeter

„Hurra“ jubelte da seine Frau,
„Das war der größte Satz von allen“.
„Denkste, auf den Bauch gefallen“
Sprach der König lächelnd heiter
Und sprang gut einen Meter weiter.

Der Jubel kannte keine Grenzen.
Gern ließ Pausback sich bekränzen.
Den Lorbeer trug ganz zweifelsohne
Er lieber noch als seine Krone.

Montag, 23. Februar 2009

Der Froschmäusekrieg

Batrachomyomachia, Ilais post Homerum
- Der Froschmäusekrieg -
Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-1

Als Archäologen jüngst in Rom
Nahe dem Petrusgrab im Dom,
Das Fragment von einem Schriftstück fanden,
Sie es mit Homer sogleich verbanden“.

So begann, wie es gewesen,
Der Buchautor nun vorzulesen.

„Die Frage, die man lösen musste.
Wie kam das Schriftstück, das bewusste,
In die Cloaca Maxima.
Als man es genau besah,
Fand man heraus: Aus einem Codex
Stammte der Fezen und ein Podex
Hatte Spuren hinterlassen.
Doch die Lettern, kaum zu fassen,
Ergaben, so der Fundbericht,
Es ist ein Stück von dem Gedicht,
Welche jene, die es kennen,
Batrachomyomachia nennen.

An dem Poem des Interessante
Ist, dass man es in Rom schon kannte.
Auf das Jahr einhundert unserer Zeit,
Als in Rom die Christenheit
Wurde verfolgt und massakriert,
Hat man das Fragment datiert.

So begab ich mich nach Rom
Und suchte weiter: Autonom
Stieg wissbegierig und putzmunter
Ich in die Unterwelt hinunter.

Ich untersuchte jede Spur
Die von historischer Natur
Stammte oder könnte stammen.
Oft lagen Hunderte dicht beisammen.
So manches habe ich gefischt
Mit dem ein Hintern ward gewischt
Am Tiber einst ums Jahr einhundert.
Ich hab mich nicht darob gewundert
Dass selten ein Abriss war noch schön.
So manches las ich: Homers Poem,
Ich geb’ es zu ganz unumwunden,
Hab ich nicht darauf gefunden.

„Arcem facere e cloaca“,*
Hieß für mich die Problemata.
Aus einem Fragment ein Buch zu schmieden,
So schien es mir damals beschieden.
Ich stöberte noch weiter rum.
Schließlich im Triclinium
Der Mitrassekte in einem Loch,
Wurd Gott sei Dank, ich fündig noch.

Altes Papier in Wachs gehüllt.
Mein Traum, so schien es, war erfüllt.
Im Hotel dann angekommen,
Hab ich die Schrift mir vorgenommen.
Nach Langenscheidt sie übersetzt,
So dass ich euch in Deutsch kann jetzt
Erzählen was dereinst geschah.
Die Batrachomyomachia,
So wie ich sie in Rom einst fand,
Ist dick, so wie ein Brockhausband.

Ich hab daraus euch ausgewählt
Segmente und sie nacherzählt.

Das Proömium lasse ich absichtlich weg,
Denn es dient ja nur dem Zweck
Zu berichten, dass schöpferisch gesinnt,
Vom Tierkrieg zu erzählen man beginnt.

In der Antike unter dem Helikon
Gehörte es zur epischen Konvention.
Doch heute, so find ich, passt es nicht mehr.
Darum lasse ich dafür den Platz hier leer.



Auch die Einladung an all die schönen Musen,
Mit der Bitte herunter zu mir schnell zu kommen,
Kann heute kein Leser mehr so recht verknusen.
Drum hab ich sie nicht übernommen.

Und das antike „Um Zuhörer Flehen“
Muss in meinem Falle nicht erst geschehen
Denn Abermillionen sind längst ja schon dran
Und hören mir zu im Zweiten Programm.
Drum bitt ich die Götter letztendlich nur drum,
„Gebt Acht drauf, dass keiner heut Nacht schaltet um“.

Und dann fuhr er fort: „Meine Damen und Herrn,
Ich lese jetzt vor, und das mache ich gern,
Aus meinem Buch, es wird euch gefallen.
Viel Spaß beim Zuhören wünsche ich allen!

*aus einer Kloake eine Burg bauen oder aus
einer Mücke einen Elefanten machen

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.