Mittwoch, 27. Juli 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 25

Ganz normales Kriegsgeschehen


er Andere,

das war Apoll.

Getarnt als Frosch hielt rücksichtsvoll

Und schützend er, höchst originell

Als Schutzschirm hin das Ägis-Fell.

Wie Phoibos Hektors schöner Leiche

(siehe Ilias 24,21)

Vor dem Peliden bot einst Schutz,

Dass der nicht an der Wagenspeiche

Zog im Zorn sie durch den Schmutz,

So stand er nun im Froschgewand,

Mit der Ägis in der Hand

Vor Mausekönigs Kriegs-Vollstrecker

Lychopinax Tellerlecker.

Der sah das Fell. Da stutzte er.

„Wo hast du dieses Ding nur her“?

Dann sah er auch den Heil’genschein.

„Du musst was ganz besond‘res sein

Wenn du es wagst ganz ungebeten,

Mir entgegen hier zu treten.

Du musst ein hohes Tier am Teich

Sein bei euch im Frösche-Reich,

Wenn Du es wagst, einem wie mir

Den Kriegs-Spaß zu verderben hier“!

Der andre grinste mitleidvoll:

„Ich warne dich, ich bin Apoll.

Der Herr der Musen, Drachentöter,

Gott des Lichtes und als Kröter

Sorge ich für manch Spektakel.

Ich spiel in Delphi das Orakel.

Ich bin, ich denk du ahnst es schon,

Des großen Zeus und Letos Sohn“.

Und dann wurde er noch dreister:

„Im Faustkampf bin ich Achäer-Meister.

Auch im Bogenschuss weltweit,

Bin ich der Beste meiner Zeit.

Wer mich und meinen Bogen kennt,

Mich schlichtweg Fernhintreffer nennt.

Mit sanften Pfeilen töt‘ ich jeden

Der sich will mit mir befehden.

Und hiermit geb‘ ich dir bekannt:

Ich werde Sminthios auch genannt,

Was, nur damit du es auch weißt,

Mausfeind und Mausbezwinger heißt.

Ich rate dir, halt dich zurück,

Sonst breche ich dir das Genick“!

Lychopinax staunte zwar.

Doch er liebte die Gefahr.

Deshalb hat er zugeschlagen.

Da hat sich etwas zugetragen

Was er nicht erwartet hatte.

Ohne jegliche Debatte

Schlug Apoll ganz unverfroren,

Der Maus die Ägis um die Ohren.

Der Schreck war groß, der Schreck saß tief.

Die Maus gar laut um Hilfe rief.

Aus Furcht versagten ihr die Glieder.

Bewusstlos sank ins Moos sie nieder,

Wo sie später dann ad hoc

Starb an einem Angstschweiß-Schock.

Zwei Mäuse-Heeres-Sanitäter

Fanden ihren Leichnam später.

Der eine Keck, der andre Kecker,

Schnappten sie sich Tellerlecker

Und schleppten ihn rund um den Teich

Nach Hause in das Mäuse-Reich.

Ach was war die Trauer groß.

Ganz Mausulina ausnahmslos,

Zwecks des Toten Seelenheil,

Nahm am Leichenzuge teil.

Sechs weiße Mäus‘ mit Trauerflor

Trugenden den Sarg. Der Herr Pastor

Sprach bewegt mit Dichtergabe

Zum Volke dann an ihrem Grabe.

Der Hauptteil seiner Trauerrede

Bezog sich auf den Krieg. „Die Fehde

Mit den Fröschen kostet uns Millionen

König Pausback zu entthronen,

Heut in der Entscheidungsschlacht,

Wäre endlich angebracht“.

Maus Lychopinax Tellerlecker,

Des Königs erster Macht-Vollstrecker

Lag nach alter Tradition und Art

Im weißen Sarge aufgebahrt

Und hörte, so schien es in Ruh,

Dem Pastor voller Andacht zu.

Die Hände zu Gebet gefaltet

Hatte man ihn schön gestaltet,

Den grauen Bart ihm frisch gestutzt

Und ihn feierlich herausgeputzt.

Von seiner Adels-Eleganz

Kündete sein Mauseschwanz.

Den hatte man ihm wohlgewogen

Unter der Schulter durchgezogen

Und von tiefem Gram bewegt,

Ihm neben seinen Kopf gelegt.

Seine Orden lagen wie es Brauch

Schön aufgereiht auf seinem Bauch.

Seine Waffen hatte man,

Noch mit den Blut der Feinde dran,

Mit dem Banner dekoriert,

Ihm auf den Sargdeckel platziert.

Während der Priester weitersprach

Lag Tellerlecker ruhig und flach

Und ließ, ohne einmal aufzusehen,

Die Rede über sich ergehen.

„Unser Friedhof quillt schon über.

Die Lage hier wird immer trüber!

Der Platz wird knapp, demnächst bleibt kaum

Zwischen den Gräbern Zwischenraum.

Am Ende fehlt der Raum uns noch

Zu graben uns ein Wohnungsloch.

Wenn der Krieg so weitergeht

Es schlecht um Mausulina steht.

Die besten Mauser sind schon tot.

Die Weiber darben all in Not

Weil sie keinen Mauser haben.

Sie leben all von Bettelgaben

Und knabbern schimmeliges Brot.

Eine Hungersnot uns droht.

Speck und Käs, wie früher frisch,

Kommt nirgendwo mehr auf den Tisch.

Die Kinder, die das Maul aufreißen

Haben schon lang nichts mehr zu beißen.

Wie soll ich euch denn Beistand geben

Wenn ich selbst nichts hab zu leben?

Wie soll der König denn regieren,

Wenn er nichts hat zum Renommieren?

Wie soll der Adel überleben,

Der euch könnt Brot und Arbeit geben,

Wenn er selbst am Hungertuche

Nagen muss auf Futtersuche?

Selbst für den Hofstaat droht Gefahr.

Pralinen, Speck und Kaviar

Werden knapp, auch Buttercrem.

Das Leben, das so angenehm

Früher war bei Hofe,

Artet aus zur Katastrophe.

Durstig sitzt dort manche Maus

Traurig nun. Der Rahm ist aus.

Auch an Nüssen fehlt es und Torte

Gibt es am Wochenend‘ nur noch.

Schlechte Zeiten für den Koch.

Kein Braten will ihm recht geraten

Weil es an Butter fehlt zum Braten.

Käs gibt’s nur noch Magersorte.

Leberpastete, Trüffel gar

Sind bei Hofe auch schon rar.

Selbst der König schränkt sich ein

Und trinkt statt Wasser Moselwein.

Ich frag euch, wo führt das noch hin?

Was hat der Krieg für einen Sinn

Wenn Brotnager anstatt Genuss

Plötzlich Hunger schieben muss?

Und auch die Generalität,

Die planen muss von früh bis spät,

Wie soll sie denn den Krieg gewinnen

Wenn kein Rum im Tee ist drinnen?

Wie soll sie führen, wenn sie muss,

Wenn sie nicht lebt im Überfluss?

Wie soll die Truppe überleben

Wenn wir ihr nichts zu saufen geben“?

Und weiter sprach er zu den Frommen

Die um den Sarg des Toten standen:

„Es wird bei uns noch so weit kommen

Wie in des Ratten-Volkes Landen,

Dass wir hausen wie Vandalen

Und essen wie die Kannibalen.

Der Krieg hat uns’re Vorratsspeicher

Geleert. Ärmer werden wir statt reicher!

Wenn das noch anhält ein paar Tage

Wird aussichtslos noch unsre Lage.

Als Bettelmäuse werden wir

Im Kriege alle sterben hier.

Schon heute ist die Armut groß.

Der Krieg, der so erbarmungslos

Hereinbrach über unser Reich,

Macht unser Land der Wüste gleich.

Schon jetzt sieht es gar schlimm hier aus.

Wo wir gelebt in Saus und Braus

Ist heute nur verbrannte Erde!

Auf dass es so wie früher werde

Bitte ich euch alle nun,

Lasst uns was dagegen tun!

Ihr wisst wie ich, ein leerer Magen

Ist nicht sehr lange zu ertragen“!

Dann ließ er sich noch weiter aus:

„Demnächst verhungert Maus um Maus.

Es wird Zeit, dass wir beginnen

Uns allmählich zu besinnen.

Was soll aus Kunst und Künstlern werden?

Es häufen sich bereits Beschwerden.

Und auch des Königs Dynastie,

Die stolze Maus-Aristokratie

Hat schon mehrmals aufgemuckt.

Dass sie es nicht mehr länger schluckt

Ließ Gräfin Mausi höchst gerissen,

Unlängst den Kriegsminister wissen.

Das Badewasser war ein Grad

Zu kalt in ihrem Mäuse-Bad.

Ja, das Elend greift um sich“,

Sprach der Priester priesterlich

Und fuhr fort: „Die Lehrersfrau

Hat nun bereits seit Wochen“,

Ja er wüsste es ganz genau,

„Für den Mann nichts mehr zu kochen.

Das arme Weib hat nichts im Haus.

Am End‘ fällt noch die Schule aus

Weil der Lehrer viel zu schwach

Ist für das Mathematik-Fach.

Zum Schluss kommt er vor Hunger um

Und unsre Kinder bleiben dumm.

Drum lasst uns sammeln, gebt Almosen

Für all die Armen und Mittellosen,

Damit den Krieg sie überstehen

Und nicht durch ihn zu Grunde gehen.

Also Leute, geht nach Haus

Und quetscht nochmal den Sparstrumpf aus.

Bringt euern Schmuck auch mit vorbei.

Vielleicht ist ja da was dabei

Was der König und sein Clan

Zur Kriegsführung gebrauchen kann.

Und bringt für ihn nicht nur das Kleine.

Am dringendsten braucht er die Scheine.

Gold und Silber spendet mir

Damit den Göttern ich dann hier,

Wie auch den Exzellenz-und Eminenzen

Den Wein kann pflichtgemäß kredenzen.

Und denkt daran ihr lieben Leut‘,

Schenken hat noch nie gereut.

Lasst euch all dazu bequemen;

Geben ist schöner noch als nehmen!

Bringt mir euer Geld en bloc;

Werft es in den Opferstock.

Bringt mir eure milden Gaben

Damit die andern auch was haben“.

Und er fügte an gar keck:

„Notfalls tut es auch ein Scheck.

Die Götter im Parnassos oben

Solcherweis‘ im Krieg zu loben

Ist eine Tat, ließ Zeus verkünden,

Die tilgen wird euch alle Sünden.

Wer alles abgibt was er hat,

So steht’s im göttlichen Traktat,

Wird einst, nach seinem Erdenleben,

Als Engel durch den Himmel schweben“.

Da sprang Pelzner zornig auf:

„Ihr Pfaffen im Geschichtsverlauf

Habt neben Gottes Wort und Pracht

Viel Unheil unserer Welt gebracht.

Was du uns da hast vorgeschlagen

Ist wirklich kaum noch zu ertragen.

Ablasshandel, schlimmster Art

Der uns besser bleibt erspart“!

Dann zu den Trauergästen sprach

Er ruhiger weiter und gemach:

„Fallt nicht auf diesen Lumpen rein;

Wer nur für Gold und Edelstein

Die Hände faltet zum Gebet

Nicht auf der Seite Gottes steht“!

Die Gemeinde, die okkult

Vom Priester vorher eingelullt

Worden war, hörte in Ruh

Nun des Pelzners Rede zu.

Jeder dacht für sich allein,

„Der Pfaffe muss ein Lügner sein.

Er will uns, so scheint es, verprellen

Und uns auf eine Stufe stellen

Mit jenen die im Rachewahn

Den Krieg begannen einst spontan“.

Pelzner sprach, der Priester schwieg.

„Ich habe längst genug vom Krieg.

Seit drei Tagen alle Stunden,

Im Radio nichts als Schreckenskunden.

Unsere Söhne kommen tot

Von der Front zurück und Not

Herrscht überall im weiten Lande.

Nur die reiche Adelsbande

Schlägt Profit aus diesem Kriege.

Das Ganze ist eine Intrige,

Ich sag es euch aus meiner Sicht,

Die Vorteile bringt der Oberschicht.

Eingefädelt von den Aristokraten

Damit die all im Reichtum waten

Während wir vor Hunger darben.

Wie viele Adelige starben

Auf dem Schlachtfeld denn bisher?

Wir all bluten viel, viel mehr

Als jene die sich drüber freuen

Sand in die Augen uns zu streuen.

Wir machen stets die Drecksarbeit.

Der Adel verdient an diesem Streit.

Während wir die Haut zu Markte tragen

Und tapfer uns im Felde schlagen,

Macht man’s sich bei Hofe leicht,

Kassiert uns ab nach Strich und Faden.

Der Pfaffe, der das Geld einstreicht

Tut’s nicht zu seinem Schaden.

Glaubt es mir, die Oberschicht

Ist auf Frieden nicht erpicht.

Ihr geht es gut weil Schlacht um Schlacht

Mit unserm Blut Gewinn sie macht.

Es ist so, auch wenn’s zu bedauern,

Weil klüger sie sind als wir Bauern,

Versuchen sie uns all zu schröpfen.

Mann sollt die ganze Bande köpfen“.

Der Pfaffe wurde plötzlich bleich.

„Die Götter“ begann er einfallsreich,

„Denkt daran um Himmels Willen…“

„Wir wollen Dich nicht killen“

Unterbrach ihn Pelzner, „ja

…Sind nicht nur für die Reichen da“

So führte der mit flinkem Wort

Den Satzanfang des Priesters fort.

„Wenn Zeus der Obergott es duldet,

Dass wir bluten für das was ihr verschuldet,

Dann bitte richte es ihm aus,

Von Pelzner einer grauen Maus,

Dann wird sich der erlauben

Nicht mehr an ihn zu glauben.

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Wie Zeus hat reagiert darauf

Das zeig das nächste Mal ich auf

wird fortgesetzt

Montag, 25. Juli 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 24

Auf dem Schlachtfeld

und im Hades


uch bei

den Mäusen gab es einen

Von jenen Kämpfern den gemeinen,

Die nur Mord und Todschlag kennen

Und sich deshalb Helden nennen.

Wie Hektor, der Sohn des Priamos

Ging er auf seine Feinde los.

Der tapferste der Tapferen

So nannte er sich selber gern,

War ein Riese von Statur

Und suchte stets die stärksten nur

Als Gegner sich zum Kampfe aus.

Lychopinax nannte sich die Maus.

Was schlicht nur Tellerlecker hieß.

Die Maus die sich als Größte pries

War deshalb auch in Pausbacks Heer

Von jedem Frosch gefürchtet sehr.

Sie war der tapferste Soldat

Im gesamten Mäusestaat.

Ihr heldenhafter Kriegs-Kampfstil

Selbst den Göttern sehr gefiel.

Der alte Zeus hat sie beschützt

Und im Kampfe unterstützt.

Sie kämpfte Kriegsgott Ares gleich

Und galt als unschlagbar im Reich.

Keiner sonst auf Feld und Wiese

War so stark wie eben diese.

Wie tapfer diese Feldmaus war

Wurde auch Quax Kokera klar.

Der Grüne, selbst sehr kampferfahren,

Konnte sich nicht davor bewahren,

Dass ihm die Ares-gleiche Maus

Ruckzuck das Leben löschte aus.

Ein geschickter Lanzenstich,

Quax, der sonst nicht zimperlich

Hat es nicht ertragen.

Doch starb er ohn‘ zu klagen.

Er wollte sich nicht blamieren

Vor der sieben Tieren

Die mit brechenden Augen er ganz nah

Vor sich im Todeskampfe sah.

Er hatte sie so gern bis eben.

So schied er schweigend aus dem Leben.

Hingegen seine Liebsten dort

Lebten froh und heiter

Auch nach seinem Tode weiter.

Sie erlebten noch so manchen Mord

Und durften im weit‘ren Kriegsgeschehen

Tausende noch sterben sehen.

Dem nächsten Frosch vom Ufer aus

Schleuderte die starke Maus

Des nassen Wassers wegen,

Welches sie nicht leiden mochte

Ihren Speer zornig entgegen.

Der Wurfspieß riss ein Riesen-Leck

Hinein in Quäkles grünen Speck.

Obwohl sein Herz noch weiter pochte

Drang Wasser in seine Lunge ein.

Das sollt‘ des Frosches Ende sein.

Mit der Lanze im Wanste soff er ab.

Der kühle Teichgrund wurd sein Grab.

In seiner letzten Blähung höchst intim

Eingehüllt entfloh die Seele ihm.

Von einer Luftblase umgeben

Sah man sie Astralleib eigen

Durchs Wasser auf nach oben steigen

Um zum Olymp hinauf zu schweben.

Quakus Hupf in Hysterie,

Sah vom Ufer vis-à-vis

Seinen Kumpel zwar versinken,

Doch besorgt, selbst zu ertrinken

Und aus Angst auch vor der Maus

Tat er nichts sondern riss aus.

Der nächste Frosch der sterben musste

War der körperlich robuste

Phyllobates Vittatus.

Wie einstmals König Tantalus

Schlachtete den eignen Sohn

Um ihn den Göttern vorzusetzen,

Trat Tellerlecker in Aktion

Zu des Froschkriegers Entsetzen.

Eine Fußsichel mit Tücken

Warf den Kampffrosch auf den Rücken.

Dann fuhr der Mord-Stahl ihm in das Herz.

Wie frisch geglühtes Schmiedeerz

Brannte der Speer, es war ein Graus,

Dem Frosch das Herz im Leibe aus.

Es war gerade vier Uhr zwei;

Da war sein Frosch-Dasein vorbei.

Die Seele floh aus seinem Leib

In den Hades zum Verbleib.

Der Mörder brachte nun Punktum

Auch noch den Sohn des Toten um.

Olunx starb um vier Uhr drei.

Nach einer kurzen Schlägerei,

Die Vorteile dem Frosch bescherte,

Griff die Maus plötzlich zum Schwerte.

Das junge Fröschlein waffenlos,

War erstaunt, ja fassungslos

Als des Gegners Schwertes Schneide

Drang ihm in die Eingeweide.

Der zweite Stich traf seine Kehle.

Der Stahl drang durch und hinten aus.

Die junge, grüne Lurchenseele

Floh durch das Einstichloch heraus.

Sie folgte via Hades-Krater

Fliegend der von ihrem Vater,

Im Direktflug rasch nun vom Teich

Hinunter in das Totenreich.

Dort trafen sich die Seelen alle.

Wie in einer Mausefalle

Eingesperrt saßen sie fest

Für lange Zeit dort in Arrest.

Alle Seelen der Verdammten

Die aus Pausbacks Froschteich stammten,

Rotteten von Quax beraten,

Wie Türken es in Kreuzberg taten,

Oder die Deutschen in Italien

Sowie die Engländer in Spanien,

Sich in des Fegefeuers Flammen,

Zu einem grünen Hauf zusammen.

Die Mäuseseelen ihrerseits

Fanden auch am Ghetto Reiz,

In das mit aller Macht sie strebten.

So wie sie einst auf Erden lebten,

Fein säuberlich getrennt nach Art.

„Uns bleibt viel Ungemach erspart“

Sprach Speckbeißers Seel: „Das Mausgeschlecht

Hier haltet rein, sonst geht’s uns schlecht.

Wer mit den Grünen hier verkehrt

Ist seinen Mäuseschwanz nicht wert.

Wer mit denen ungeniert

Spricht oder fraternisiert,

Selbst wenn viel Ehr er hat erworben,

Ist für unser Volk gestorben.

Was würde wohl der König sagen

Wenn wir mit denen uns vertragen,

Die uns die Sache eingebrockt,

Als sie uns in den Krieg gelockt“!

Und dann gab er die Losung aus:

„Frosch bleibt Frosch und Maus bleibt Maus“!

So kam es, dass im Hades gar

Der Krieg noch nicht zu Ende war.

Die unbelehrbarsten der Streiter

Stritten sogar unten weiter

Und einige im Feuerloch

Kämpfen dort sicher heute noch.

Doch die Jungen wie die Schlauen

Wandten sich andern Dingen zu.

Vergnügten sich mit den paar Frauen

Die im Krieg gefallen waren.

Was auf der Erde galt einst als Tabu

Mit artfremden Weibern sich zu paaren,

Macht Spaß und es vertreibt die Zeit“!

So dachte manche Seele, „hier

Ist man besser schlicht nur Tier“!

„Arg lang ist so eine Ewigkeit“

Hat sich auch mancher Frosch gedacht

Und was verboten war, gemacht.

Seit jener Zeit im Hades dort,

Pflanzen sich Frösche mit Mäusen fort.

Es ist zwar oft ein arges Durcheinander

Doch sie sind all glücklich miteinander.

Sie springen, es wirkt kurios,

Als Zwitter durch den Tartaros.

Sie schwimmen im Styx und Acheron.

Dank ihrer neuen Konstruktion

Sind sie zu leben nun im Stande

Im Feuerstrom wie auf dem Lande.

Dort wo der schwarze Pappelhain

Das Ufer säumt der Okeanos,

Lassen sie alle fünfe grade sein.

Ansonsten sind sie anspruchslos.

Und auf den Wiesen vis-à-vis

Füttert Persephone sie.

Speckfliegen mit Käs gemischt

Bekommen sie dort aufgetischt.

Im Hades gibt’s kein Militär.

Gemischtes Blut ist die Gewähr

Dafür, dass Kriege aus dem Hades-Land

Für alle Zeiten sind verbannt.

Schön wär’s, wenn einer mal entkäme

Und die Friedfertigkeit mit sich nähme,

Um uns hier oben all zu lehren

Wie einfach diese lässt sich mehren.

Vor Heimweh sehnen sich ein paar

Der Seelen nach der Erde zwar,

Doch Kerberos der Höllenhund

Hält Wache. Dieses ist der Grund,

Dafür dass bisher auf der Oberwelt

Kein Mausfrosch hat sich eingestellt

Zum Besuch oder für immer gar

Hier wo einst seine Heimat war,

Um uns den Frieden aufzuzeigen

Der allen Seelen längst ist eigen.

Stattdessen tobt mit voller Macht

Weiter die Frosch-Mäuse-Schlacht.

Lychopinax Tellerlecker

Waltete als Kriegsvollstrecker

Seines Amtes. Mit dem Speer

Brach er des Pfuhlfrosch‘s Gegenwehr.

Auf die Warze zwischen seinen

Strammen, grünen Hinterbeinen

Zielte er und traf die Scham,

Was dem Frosch den Atem nahm.

Der Mauser grinste, hatte Spaß,

Wusste, dass die Lanze saß.

Der Frosch verwundet zwar entkam,

Doch ist er seitdem ziemlich lahm.

Als nach Froschheim er zurück

Nach dem Kriege kam, sein Glück

In Sachen Liebe war gestört.

Sein Krötchen drüber sehr empört

Wollte es nicht fassen

Und hat sich scheiden lassen.

Weit schlimmer war Prinz Quakes dran.

Der adelige grüne Edelmann

Wollt‘ sich gerad ein Päuschen gönnen,

Denn er war vom Kampf erschöpft.

Doch das hat er nicht mehr können

Denn plötzlich wurde er geköpft.

Aufrecht stehend griff im Schmerz

Er dorthin wo ihm das scharfe Erz

Von einem Dolche hatt‘ behänd

Seinen Kopf vom Rumpf getrennt.

Sein Schädel lag schon längst im Gras.

Indes der Schmerz ganz oben saß

Wo sein Haupt zuvor gewesen.

Der Arme ist nicht mehr genesen.

Sein Blut, einer Fontäne gleich,

Spritzte weithin nach allen Seiten.

Dann wurde der Prinz urplötzlich bleich.

Sein Herz hat eingestellt das Schlagen.

Ohne ein einziges Wort zu sagen

Ließ sich die Seele heim geleiten

Von Hermes ins Elysium,

Dorthin wo unmittelbar neben

Dem Hades die adeligen Seelen leben.

Sein Mörder indes stumm,

Schnitt in dummer Arroganz

Sich eine Kerbe in den Schwanz,

Als Beweis ganz akkurat

Für seine sechste Heldentat.

Es ist die letzte nicht geblieben.

Ihr folgte bald danach die sieben.

Quack von Quackebruch, der kühle

Recke im sicheren Gefühle,

Dass es ihm würde gelingen

Lychopinax umzubringen,

Trat todesmutig mit dem Degen

Dem Maus-Heroen nun entgegen.

Zornig schrie er laut im Hasse:

„Deine minderwertige Rasse,

Glaub es mir, du wirst es sehen,

Wird ausgetilgt im Schlachtgeschehen.

Komm her du feige, graue Maus,

Dann lösch ich dir das Leben aus.

Stelle dich zum Kampfe mir

Dann mach `nen Torso ich aus dir.

Ich stutz dir deinen Mausschwanz.

Mit deiner dummen Arroganz

Mach ich Schluss. Mit deiner Sorte

Räum ich auf“. Noch schlimm’re Worte

Folgten. Ich will sie mir ersparen

Und mit wichtigerem weiterfahren.

Kurz gesagt, nachdem gesprochen,

Wurde gehauen und gestochen.

Wie in der Iliade Alkathoos

Fiel durch einen Lanzenstoß

Welchen Idomeneus gar gemein

Lenkte ihm ins Herz hinein,

So wurde Quackebruch getroffen.

Die Lanze stak, die Brust war offen,

Mitten im grünen Herzen drin

Und pendelte im Herzschlag-Rhythmus hin

Und her. Der sechs Ellen lange Lanzen-Schaft

Machte deutlich voll welcher Kraft

Ein Froschherz noch selbst dann kann sein

Wenn längst der Hirntod trat schon ein.

Pulsierend eine Stunde lang

Hielt es das Pendel noch in Gang

(siehe Ilias 13, 442 f)

Und ließ das schwere Holz erbeben

Bis sechzig Minuten später dann,

Zu Ende ging des Frosches Leben,

Weil der Tod den Kampf gewann.

Noch heute streiten die Gelehrten

Ob möglich ist, was Homer schrieb.

(siehe Wolf-Hartmut Friedrich:

Verwundung und Tod in der Ilias, Seite 19)

Nicht alles was sie uns bescherten

Der Nachwelt auch erhalten blieb.

Wichtig ist, danach befragt,

Was Doktor Küchenmeister sagt:

Er meint, Homer hätt übertrieben

Als er den Satz hat aufgeschrieben

Von dem jetzt hier die Rede ist,

Welcher bei ihm wie folgt sich liest:

„Es stak der Speer im Herzen, das Ganze

Ließ zuckend erbeben das Ende der Lanze“.

Der praktizierende Arzt aus Zittau meint,

Dass 15 Pfund die Lanze wog

Und ergänzt: „Wie es mir scheint,

Der blinde Mann uns wohl betrog“!

Doktor Körner hat hingegen

Widersprochen dem Kollegen.

Er meint, es könnte durchaus sein,

Dass sich das Phänomen stellt ein

Welche Homer so akkurat

Im Kriegsbericht geschildert hat.

Weiter, so Körner, „einst die Grünen

Vor Troja waren alle Hünen.

Ein großes Herz könnt‘ einen Speer

Gleich einem Pendel hin und her

Bewegen leicht per Muskelkraft.

Es pumpt ja auch den Lebenssaft

Im Frosche kraftvoll literweise

Lebenslang, mühelos im Kreise“.

Ein anderer Arzt hat ausprobiert

Wie eine Nadel reagiert

Die man in ein Froschherz sticht.

Ob sie bewegt sich oder nicht

Und was sonst noch ist gewesen,

Kann man bei M. Tobino lesen.

(siehe: Verwundung und Tod, Seite 19, Anm. 8)

Wann endgültig die Wissenschaft

In dieser Frage Klarheit schafft

Wird die Zukunft wohl ergeben.

Ob wir es allerdings erleben,

Dass Forscher den Beweis erbringen

Bleibt offen wie in vielen Dingen

Die uns bereits von diesen

Wurden schon bewiesen.

Fest steht auf jeden Fall das Eine.

Die Frosch-Mäuse-Schlacht wie keine

Andre Schlacht die man je schlug,

Hatte den Charakterzug

Einer Ilias-Parodie.

Die Batrachomyomachie

Soll uns Menschen heut verklaren,

Dass alle Kriege Unsinn waren

Im Altertum wie heut sie’s sind.

Deshalb eben lasst geschwind,

Was vor Troja ist gewesen

Zur Lehr‘ uns fröhlich weiter lesen.

Nachdem Lychopinax sieben

Frösche getötet hatte, wie beschrieben

Hat sich die Maus gleich daran gemacht,

Hielt Ausschau nach der Nummer acht.

Nach ein paar Sekunden

Hatte sie ihn gefunden.

Mit dem Schwerte in der Hand

Sie über dem Verletzten stand.

Sie wollte ihm den Rest grad geben,

Da trat ein andrer ihr entgegen.

„Was willst du mit dem Schwerte, sprich“

„Dich töten sprach der Wüterich“!

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Wie die Sache weitergeht

In der nächsten Folge steht


wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.