Sonntag, 15. Mai 2016

Maxima und der Dichterling




Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 44 - 1
 Maxima und der Dichterling

mun 

derart von ihr umschmeichelt
Hat übers Haar ihr zart gestreichelt
Indem er lächelnd zu ihr sprach:

"Das ist schön, dass ihr so denkt,
Du und der Sterbliche auf Erden.
Der könnte dank deiner Musengunst,
In Sachen Dicht- und Zeichenkunst,
Wenn er noch hundert Jahre übt,
Fürwahr ein großer Künstler werden."

Über sein Gotteswort betrübt
Hat sie verschämt den Blick gesenkt.
Worauf er fortfuhr ihr zu sagen:

"Ich hab dir ins Musen-Almanach,
Du brauchst darin nur nachzuschlagen,
Säuberlich in Hieroglyphen,
Bereits vor gut fünftausend Jahren,
Als am Nil noch herrschten wir,
(Gemeint sind neben Amun auch die anderen drei
froschköpfigen Schöpfergottheiten  der ägyptische Achtheit)
Es für dich und all die Lieben
Die ich erschuf, einst aufgeschrieben."

"Damit auch unten die erfahren,
Jetzt, wo die Zeit reif ist, von Dir,
Was alles in den Apokryphen,
Wenn es um uns Frösche geht,
Im Siebencode verschlüsselt steht,
Solltest du, wie es gewesen
Und ich's notiert hab, ruhig mal lesen!"

***

Maxi griff zum Almanach
Und schlug unter Frösche nach.
Sie staunte was sie darin fand.
Bauern im alten Griechenland,
Das war dargestellt in Bildern,
Wie sie zu Fröschen wurden, schildern.














































Mit Amun dem Schöpfergott verwandt,
Konnte sie deren Quaken, "quaquaqua",
Als wollten die Lurche sie betören,
Beim Bilderbetrachten förmlich hören.

  








Wie es dazu gekommen war
Machte der Text dazu ihr klar.
Von Ovid einem der großen alten
Dichter das ganze Zetermordio
An einem Froschteich festgehalten,
Und von Meister Voß zuletzt
In deutsche Sprache übersetzt,
Stand es da in etwa so.



Die Frösche
Habet ihr Lust und Weile, so höret mich. Eine Geschichte
Weiß ich aus älterer Zeit: wie in Lycias fruchtbaren Äckern
Nicht ungestraft die Latona verachteten Bauern der Vorwelt.
Zwar ist dunkel die Tat, wie selbst die Männer; allein doch
Wunderbar. Ich sah in Person den sumpfigen Weiher,
Wo das Wunder geschah. Denn mein schon alternder Vater,
Schwach für weitere Wege, befahl mir, ihm die erlesnen
Rinder daher zu holen; und gab mir einen Geleiter
Mit aus dem Lyciervolk. Da zugleich wir die Triften umwandeln;
Denkt doch! mitten im See, von Opferasche geschwärzet,
Stand ein alter Altar, umgrünt von zitterndem Rohre.
Stehen blieb der Gefährt', und: Gnade mir! flüstert' er ängstlich
Gegen den See; und sogleich: o Gnade mir! flüstert' ich selber.
Ist der Altar der Najaden? so fraget' ich; oder des Faunus?
Oder des örtlichen Gottes? Zur Antwort sagte der Fremdling:

Nein, nicht wohnet, o Jüngling, ein Berggott hier im Altare.
Jene nennt ihn den ihren, der einst die Königin Juno
Ganz die Erde verbot, der kaum die irrende Delos
Gab die erbetene Ruh', als leicht noch die Insel umherschwamm.
Dort, an die Palme gelehnt, und den Baum der Pallas, genas sie,
Der Stiefmutter zum Trotz, von Zwillingen endlich, Latona.
Dort auch entfloh, wie man sagt, die Gebärerin ängstlich vor Juno,
Tragend im eigenen Busen die neugeborenen Götter.
Schon in das Land der Chimära, in Lycia kam sie, von langer
Arbeit matt, da die Sonne mit Glut anstrahlte die Fluren;
Und sie lechzte vor Durst in der dörrenden Flamme des Himmels;
Auch war die Brust ihr erschöpft von den gierig saugenden Kindern.

Jetzo traf sie den Teich von besserer Flut in des Tales
Niedrungen: wo Landleute sich staudende Reiser zum Flechten
Sammelten, Binsen zugleich, und klobige Schilfe des Sumpfes.
Näher ging die Titanin, und senkend das Knie auf die Erde,
Neigte sie sich, zu schöpfen den Trunk des kühlen Gewässers.
Aber der ländliche Haufen verbot. Drauf sagte die Göttin:

Warum Wasser verwehrt? Zu aller Gebrauch ist das Wasser!
Eigen erschuf nicht Luft die Natur, noch eigen die Sonne,
Oder die lautere Flut! Am Gemeingut nehm' ich nur Anteil!
Dennoch erfleh' ich solches zur Gabe mir! Nicht ja gedacht' ich
Hier zu baden den Leib, und die abgematteten Glieder;
Sondern den Durst zu kühlen! Mit fehlt schon Feuchte zum Reden;
Trocken ist Zung' und Kehle; ja kaum noch lautet die Stimme!
Wassertrunk wird Nektar mir sein! Ja, das Leben verdank' ich
Euch mit dem Trunke zugleich; ihr gewährt mir Leben im Wasser!
Werdet durch diese gerührt, die hier im Busen die Händchen
Strecken nach euch! Und es traf sich, die Kindelein streckten die Hände.

Wen nicht hätten gerührt die schmeichelnden Worte der Göttin?
Dennoch bestehn sie zu hemmen die Bittende; Drohungen endlich,
Wo nicht fern sie entweiche, mit schmähender Lästerung fügt man.
Noch nicht genug: ihn selber umher mit Händen und Füßen
Machen sie trübe den Teich; und tief aufwühlend vom Grunde,
Regen sie weichen Morast ringsum mit neidischen Sprüngen.

Unmut täubte den Durst; nicht mag die Tochter des Cöus
Noch Unwürdigen flehn; es verdrießt, noch länger zu reden
Worte, der Göttin zu klein; und die Händ' aufhebend zum Himmel:
Lebt denn, sagte sie, ewig hinfort in jenem Gesümpfe!

Schnell war Tat, was die Göttin gewünscht. In die Fluten zu springen,
Freut sie und bald ganz unter den Pfuhl zu tauchen die Glieder,
Bald zu erheben das Haupt, und bald auf der Fläche zu schwimmen;
Oft sich über dem Bord zu sonnen am Sumpf, und hinab dann
Wieder zu plumpen in kühlende Flut. Noch jetzo beständig
Gellt von Zank die schmähliche Zung'; und der Schande nicht achtend,
Ob sie die Flut auch bedeckt, auch bedeckt noch schimpfen sie kecklich.
Selber der Ruf tönt rauh, und es schwillt der geblähete Hals auf,
Und viel weiter noch sperrt den gedehneten Rachen die Schmähung.
Schulter und Haupt sind gesellt, und scheinen den Hals zu verdrängen,
Grünlich gefärbt ist der Rücken, der groß vorragende Bauch weiß.
Jugendlich hüpfen herum im morastigen Sumpfe die Fröschlein.


Wie das Ganze weitergeht
In unsrer nächsten Folge steht.


wird fortgesetzt

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als fünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 10.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.