Sonntag, 15. September 2013

Batrachomyomachia

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 21-3
Im Olymp

Als nächster schloss sogleich sich dann
Eros Mamas Rede an.
Er las den Göttern mit Humor
Aus Georg Friebes Froschbuch vor.

Er begann: "Die Sach ist wahr!
Der Frosch ein Sohn von Adam war."


Der Frosch, der ein Sohn Adams war

Quelle: Das Froschbuch

von Julius Georg Friebe, Österreich um 2000

 

Nach jüdischer Überlieferung gebar ein hoch betagter, wenngleich sehr reicher Mann auf dem Sterbebette seinem einzigen Sohn, Jochanan geheißen, auf dem Markte dem ersten Händler, dem er angesichtig werde, abzukaufen, was immer er feilbiete.
Es war aber dies ein überaus schönes Kästelchen. Nachdem er es zu Passah geöffnet hatte, so fand er darinnen einen winzig kleinen Frosch. Dem gab er zu essen, und der Frosch war dankbar. Weil aber der Frosch stark wuchs und daher viel aß, verarmte der vormals reiche Mann. Als er gar nichts mehr hatte, betete er zu Gott, und der Frosch hub an zu sprechen, dass er ihm und seiner Frau ein Wunsch werde erfüllen.



 Jochanan wünschte sich Kenntnis aller Sprachen der Welt und der Tiere auch, seine Frau aber wünschte sich den früheren Reichtum zurück. Beides ward gewährt. Auf die Frage, wer er sei und woher er komme ?, antwortete der Frosch:
Ich bin ein Sohn Adams, des ersten Menschen. Adam hatte, ehe Heva geschaffen ward, allen Tieren und allen Vögeln beigewohnt; als er zu meiner Mutter einging, zeugte er mich. Meine Art ist es, nach tausend Jahren des Wachstums wieder einzuschrumpfen, bis ich ganz klein geworden bin; danach aber fange ich wieder an, groß zu werden, bis das nächste Tausend Jahre voll ist.
[ Micha Josef bin Gorion, 1916 ]

                                                                                                                                                                                     
wird fortgesetzt

Samstag, 14. September 2013

Batrachomyomachia Teil 21

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 21-2
Im Olymp

Wieder gab es viel Applaus.
Hermes machte sich nichts draus.
Er saß längst wieder bei Kyllene.

"Wie wär's mir dir", rief da Athene
Und sah dabei Hephaistos an.

"Ich war doch vorhin grade dran"
Wollte sich der Schmied da drücken.
Doch es sollte ihm nicht glücken.

Alle Götter nun im Rund
Machten Aphrodites Gatten kund,
Dass zum zweiten Mal er nun
Dran war etwas kund zu tun.

"Na gut", sprach er beim sich Erheben,
"Ich will euch was zum Besten geben
Was beim Blasbalg treten ich
Manchmal hinsumme vor mich.

Bia und Kratos alle zwei,
Grölen lauthals mit dabei
Wenn wir in der Schmiede stehen
Und wartend in das Feuer sehen
Bis das Eisen in der Glut
Ist zum Schmieden endlich gut."

Danach trug er mit Humor
Ein paar der Schmiede-Singsangs vor.


Frosch-Sing-Sang Teil 2
- Aristoquakes -

Der Frosch ist feig, das ist bekannt,
Weil ihm fehlt der Mut.
Doch dafür ist er sehr galant
Und er hüpft auch gut.

 ***
                                                        
                                                                   
Der Frosch ist schön
Zwar relativ
Gesehen nicht obszön.
Und wollt ihr das nicht glauben
Dann schaut in aller Ruhe tief
Ihm einmal in die Augen.


***
Der Frosch ist nackt, igitt, igitt,
Und schlüpfrig seine Haut.
Doch so was ist kein Defizit
Weiß manche grüne Braut.

***
Frösche haben keine Ohren
Und leben meist im Pfuhl.
Die Haare kurz geschoren
Wirken sie immer cool.


 
***
Der grüne Frosch ist elegant
Und immer wirkt er schick.
Zur Kröte ist er stets galant
Und sei sie noch so dick.


***

Die Kröte wenn sie Eier legt
Nicht wie ein Huhn zu gackern pflegt.
Und auch ihr Mann in aller Ruh
Umarmt sie schweigend nur dazu.
Der Grund dafür: Er weiß nicht wie
Ankäm' bei ihr ein Kikeriki.

***

In der Liebe mancher Frosch,
Weil er nur leere Phrasen drosch,
Die keine je hat ernst genommen,
Hat keine Frau mehr abbekommen.

Ohne Weib und ohne Erben
Als Junggesellenfrosch zu sterben,
Als einer der nie abgelaicht,
Ist auch für einen Frosch nicht leicht.

***

Der Frosch, das weiß man lange schon,
Lebt ohne jede Religion.
Er gibt den Göttern keine Namen
Und wenn er quakt sagt er nicht amen.

***

Dass Frösche keine Engel sind
Weiß heute hier ein jedes Kind.
Doch dass der Frosch ein Gott einst war
Hat man vergessen offenbar.

*** *** ***

"Dass Frösche dereinst Götter waren
Haben von Jesus wir erfahren.
Ob Götter sie noch heute sind,
Darüber würd' ich gern mein Kind,"
Er sah zu Aphrodite hin
Und fuhr fort mit Hintersinn,
"Von dir etwas erfahren."

Die Schöne darüber sich im Klaren,
Dass Hephaistos sie blamieren wollte,
Mit ihren schönen Augen rollte.
Dann warf sie keck sich in die Brust
Und antwortete selbstbewusst:

"Ich weiß, du spielst darauf jetzt an,
Dass Jesus mir ist zugetan."
Und dann ergänzte sie sogleich:
"Ich mocht' den jungen Mann sofort
Als er aus dem Himmelsreich.,
Zu uns, der allererste Christ,
Gestern heraufgestiegen ist
Um zu verkünden uns sein Wort."

"Er hat die Augen dir verdreht.
Der Rabuni weiß wie so was geht.
Ich sag dazu nur - oh lala -.

Wie Marie aus Magdala
Hast du ihn gestern angeschaut.
Du wärst wohl gerne seine Braut!"

"Hephaistos" fauchte Aphrodite;
"In deiner Red das Explizite,
Wir allesamt, das sollst Du wissen,
Doch ein bisschen sehr vermissen.
Du vergisst wohl deine Zucht.
Mir scheint du sprichst in Eifersucht."

Hephaistos wollte aufbegehren.

Um seinen Angriff abzuwehren
Fuhr sie fort: "Auf deine Frage
Ich das Folgende dir sage:"

Und dann, die Götter all ganz Ohr,
Trug sie aus dem Vimàna vor,
Wo der Frosch als Göttersohn
Sitzt nebst Buddha auf dem Thron.


Der Frosch als Göttersohn

Vimāna Vatthu

Der Frosch als Göttersohn - 1. Maṇḍūkadevaputta Vimānavatthu

Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Campā, am Gestade des Gaggarā-Sees. Als er am Morgen mit dem Buddha-Auge voll Erbarmen über die Welt schaute, um zu sehen, wem er die Wahrheit zeigen könnte, da erkannte er, dass in einem Frosch gutes Karma reif würde. Er ging dann in der Frühe auf den Almosengang und zog sich dann zur Stille der Vertiefung in seine Hütte zurück. Am Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe der Mönche, kamen die vier Versammlungen (Mönche, Nonnen, Laien, Laienanhängerinnen) zusammen, um von ihm in der Lehre unterwiesen zu werden. Der Erwachte setzte sich nahe am Ufer des Sees in der Lehrhalle nieder und begann, die Versammlung zu unterweisen. Zu dieser Zeit hüpfte ein Frosch aus dem See an Land. Er hörte die unendlich beruhigende, wohllautende Stimme des Erwachten, und dieser Ton berührte ihn angenehm. Er wandte sich der Stimme zu, und irgendwie fand er: "Das ist eine gute Sache." So setzte er sich am Rand der Versammlung hin. Da war nun ein Kuhhirt näher gekommen, hörte den Buddha und erblickte die lautlose Schar der Zuhörer. Davon angezogen im Geiste hörte er nun zu. Dabei nahm er seinen Stock und stemmte ihn in den Boden, um sich darauf zu stützen. Dabei zerquetschte er unversehens den Frosch.
Im gleichen Augenblick erschien der Frosch als Gott im Bereich der Götter der Dreiunddreißig. Als ob er vom Schlaf erwache, sah er sich von einer Schar Nymphen umgeben. Als er sich fragte, wie er wohl dorthin gekommen sein mochte, wurde ihm sein voriges Leben als Frosch offenbar. Als er sich weiter fragte, woher ihm solche göttliche Pracht mit einem großen goldenen Vimāna gekommen war, da konnte er sich nur an jene Zuwendung zur Stimme des Erhabenen erinnern. Das war sein letzter und auffälligster und einzig beachtenswerter Eindruck seiner vorigen Existenz als Frosch gewesen. Da ward er von Freude ergriffen und lenkte sein Vimāna zurück zur Erde, zur Menschenwelt, nach Indien, an den Gaggarā-See. Er fand den Erwachten bei der Belehrung, materialisierte sich, verließ sein Vimāna und begrüßte ehrfürchtig den Erhabenen. Dieser wandte sich wie folgt an ihn:


(852)
Buddha:
Wer ist's, der mir zu Füßen fällt,
der machtbegabt in Ruhm erglänzt
der ungewöhnlich schön erscheint
nach allen Richtungen hier strahlt?

(853)
Gott:
Ein Frosch gewesen war ich einst
das Wasser war mein Lebensraum.
Die Lehre hört ich lehren dich -
da brachte mich ein Kuhhirt um.




Bemerkungen:
Das Wirken, das jenes Wesen hinab zur Tierheit geführt hatte, war jetzt abgetragen, und nun konnte wieder früheres gutes Wirken Platz greifen. Auch ohne das Hören der Stimme des Buddha wäre der Frosch wohl ein Gott geworden, wenn er sich früher solches Verdienst erwirkt hatte. Das unsichtbare Herz, das während des Frosch-Daseins nichts Gutes wirken konnte, hatte eben jene neue Existenzform schon lange vorbereitet. Der gewöhnliche Mensch sieht in einem Frosch nur einen Frosch und blickt als "Krone der Schöpfung" auf das unvernünftige Tier herab. Der Buddha aber sah mit seinem Hellblick im Frosch den künftigen Göttersohn. Diesem wollte er eine Erinnerung an ihn verschaffen, und darum war er, von Mitleid bewogen, zum See gegangen. Die Stimme des Buddha war dann zum Frosch gedrungen und hatte sich ins Gedächtnis so eingeprägt, dass dieser letzte Eindruck des Erdenlebens ihm in der Astralwelt sofort einfiel und ihn bewog, den Träger dieser Stimme aufzusuchen.
Das Wichtigste steht nicht in den Versen, sondern nur in der Rahmenerzählung: Der Buddha gab dem Göttersohn nämlich eine Belehrung, die bewirkte, dass er am Ende die Frucht des Stromeintritts erlangte.

wird fortgesetzt

Mittwoch, 11. September 2013

Batrachomyomachia

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 21-1
Im Olymp

Wieder gab's, so wollt's der Brauch
Für die Geschichte Beifall auch.
Doch der hielt nicht sehr lange an
Denn Hermes war als nächster dran
Und drängelte voll Ungeduld
Sich bereits ans Rednerpult.
Er war sich seiner Sache schlüssig.
Von einem der des Lebens überdrüssig
Einst war, las er dem Götterkorps
Nun einen Froschgeschichte vor.


Der lebensmüde Frosch
- aus dem Estnischen von Helga Viira -

Der Frosch hockte mit finsterer Mine am Teich. Wütend vor sich hinmurmelnd, eilte ein Igel vorbei. Statt eines Grußes knurrte er:  "Leb wohl, Frosch! Ich ertränke mich."

"Leb wohl, ich wünsche gutes Gelingen!" quakte der Frosch. Der Igel plumpste ins Wasser, prustete und planschte, hustete eine Weile und kroch wieder ans Ufer.

"Einen schäbigen Teich hast Du" moserte er zornig, "einfach jämmerlich! Das Wasser ist kalt und man verschluckt sich. Versuche einer, sich im Pfuhl zu ertränken. Verboten solche Pfützen!"

Ärgerlich blickte der Frosch den Igel an und sprach: "Hättest mich erst fragen sollen, ob man sich hier überhaupt ertränken kann, du Narr. Ich hätte es dir gesagt. Aber gleich Hals über Kopf ins Wasser stürzen! In diesem Teich kann man sich nicht das Leben nehmen. Ich habe es mehrmals versucht. Meinst du, dass ich mich nicht längst selbst ertränkt hätte wenn es möglich wäre?"

"Aber warum willst du dich denn umbringen?" fragte der Igel.
"Warum, warum! Weil ich niemand gefalle. Jeder sagt "Puh, ein Frosch!"
Was ist das für ein Leben?! Doch sag, weshalb willst du sterben?"

"Weil niemand Angst vor mir hat, Stets heißt es: O was für ein liebes Igelchen, was für ein nettes Igelchen! Ich sträube zwar meine Stacheln und bubbere, aber darüber lacht man nur."

"Das ist schlimm" sagte der Frosch, "aber du musst es ertragen. Wir sollten versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen."

Der Igel überlegte und meinte dann: "Einverstanden. Lass uns miteinander in die weite Welt wandern. Vielleicht findet sich jemand, dem du gefällst und der sich vor mir fürchtet."

Das taten sie dann auch und zogen von dannen. Sie gingen und gingen, bis sie eines Tages auf einer Wiese ein Kalb sahen.

"Hör mal, Kalb, gefalle ich dir?" fragte der Frosch.

Das Kalb ließ die Lefzen hängen, wackelte mit den Ohren und blökte: "Du gefällst mir überhaupt nicht. Mir macht es Spaß, mit anderen Kälbern um die Wette zu laufen, das gefällt mir."

"Hast du vor mir Angst?" fragte der Igel.

"Was sollte ich an dir fürchten?" fragte das Kalb zurück. "Ich habe Angst vor dem neuen Scheunentor, da wage ich mich nicht hinein. Jeden Abend gibt es deshalb Streit."

Enttäuscht gingen die beiden weiter. Nach einer Weile sahen sie unter einem Strauch ein paar nackte Füße. Das waren die Füße eines Faulpelzes, der unter dem Busch lag und schnarchte.

"Hallo, ihr Füße, gefalle ich euch?" fragte der Frosch.

"Was sollte uns an dir gefallen?" antworteten die Füße. "Wir liegen gern in der Sonne und bewegen unsere Zehen. Das ist eine Beschäftigung, die uns gefällt."

Dann fragte der Igel: "Habt ihr Angst vor mir?"

"Warum denn, wir sind an spitze Steine gewöhnt. Doch wenn man uns zwischen den Zehen kitzelt, ja, dann kriegen wir das Gruseln!"

Auf neue enttäuscht, setzten Igel und Frosch ihren Weg fort. Eines Tages erblickten sie eine Sonnenblume mit einem langen Stiel.

"Gefalle ich dir?" fragte der Frosch.

"Nein", antwortete die Sonnenblume und wandte ihm ihr rundes Antlitz zu, "mir gefällt es, der Sonne ins Auge zu schauen."

"Fürchtest du dich vor mir?" fragte der Igel.

"Weshalb?" Die Sonnenblume wunderte sich. "Was kannst du mir schon antun? Ich habe Angst vor den Sperlingen, die picken mir die Kerne aus. Ja vor denen fürchte ich mich sehr!"




Die Verstimmung der beiden Wanderer wuchs. Langsam wurde es Herbst.

"Machen wir den Winter über Pause und warten das Frühjahr ab", schlug der Frosch vor. Dann gehen wir aufs Neue los."

So kroch der Frosch tief in den Teichschlamm, der Igel aber begab sich in sein warmes Nest,
und sie hielten Winterschlaf.

An einem milden Frühlingsabend standen ein Mädchen und ein Bursche am Zaun, sie hüben und er drüben, und unterhielten sich. Die Sonne war untergegangen, rot glühte der Himmel im Westen. In der Luft schwebte der herbe Duft modrigen Laubes, weißer Nebel stieg vom Teich empor, aus dem das gedämpft Quaken der Frösche klang.

"Herrlich ist dieses Froschkonzert", sagte das Mädchen. "Für mich gehört es nun einmal zum Frühling. Gefällt es dir auch?" Der Bursch bejahte. Und beide schwiegen eine Weile.

"Aber was raschelt da?" flüsterte das Mädchen plötzlich erregt. "Mir wird unheimlich, ich fürchte mich. "Das ist ein Igel", entgegnete der Bursche, "Vor ihm braucht du keine Angst zu haben."

"Kann sein", meinte das Mädchen, "aber wenn es im Dunkeln so raschelt, da wird einem doch bange."

Frosch und Igel waren gerade auf der Suche nach einem Nachtlager und krochen im welken Laub umher. Sie hörten die Unterhaltung der jungen Leute und schwiegen. Dann flüsterte der Frosch: ""Leb wohl Igel! Ich habe also eine schöne Stimme, ich gehe zum Teich zurück."

"Geh nur!" antwortete der Igel,. Ich bleibe hier und spaziere abends durch die Büsche. Hier ist es gut zu sein."

Und so trennten sie sich.

Die Frühlingsnacht wurde immer dunkler. Es war warm und still, die Birken dufteten, und vom Teich her ertönte vielstimmiger Froschgesang, mild und beruhigend und zugleich aufregend wie der Frühling selbst. Vom Gartenwinkel her war leises Blätterrascheln zu hören....

wird fortgesetzt

Dienstag, 10. September 2013

Batrachomyomachia

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 21
Im Olymp

Zeus hatte sich das Kriegsgeschehen
Vom Olymp aus angesehen.


Er war vom Kampfe angetan
Und dacht "Was in Afghanistan
Und im Irak kürzlich geschah
Gegen die Taliban und Rex Saddam
Im Kriege mit Amerika,
War der reinste Kinderkram
Gegen das was die Despoten
Pausback und Schinkenklauber boten.

Da kämpfte Mann noch gegen Mann.
Da wusst', bevor die Schlacht begann,
Jeder genau um was es ging.
Da war sich keiner zu gering
Um selbst zu Schwert und Speer zu greifen
Und im fairen Waffenringen
Den Feind im Kampfe zu bezwingen.

"Wer nie den Angstschweiß hat gerochen,
Bevor den Gegner er hat erstochen
Und nie vor Schiss gefurzet hat,
Der taugt im Feld nicht als Soldat."

So dachte der Obergott bei sich.
"Es ist einfach widerlich
Sich auf Raketen zu versteifen
Und Bomben zu werfen in der Nacht.
Das zeugt von Feigheit. Eine Schlacht
Die aus der Ferne ungerührt
Per Knopfdruck nur noch wird geführt,
Ohn' Risiko auf 'ne Blessur,
Ist von schändlicher Natur!

Wer seinem Feind ins Auge schaut,
Und dabei den Kopf riskiert,
Oder ein Loch in seiner Haut,
Und trotzdem tapfer couragiert
Weiterkämpft im Feld der Ehr,
Der gilt den Kriegsgöttern viel mehr
Als einer welcher nur verspielt
Auf einen fernen Gegner zielt,
Und mit virtuellem Spielgeschick,
Aus dem Laptop mit nur einem Klick
Tausenden in einer Nacht,
Anonym den Garaus macht."

"Da lob ich mir die Tiersoldaten!"
Dachte der alte Zeus bei sich.
"Die allesamt nicht zimperlich
Vollbrachten wahre Heldentaten!"

Lauthalls schallend in der Schlacht
Hatte er oft losgelacht,
Wenn einer Maus mitsamt dem Kragen
Der graue Kopf wurd abgeschlagen
Oder ein Frosch in Pausbacks Moor
 Bein, Arm oder Aug verlor.

Da zeigten die Soldaten Mut.
Da spritzte wenigstens noch Blut.
Da bracht man keine Kinder um
So wie kürzlich ohne Mumm
In Syrien es Assads Soldaten
Ohne jeden Skrupel taten.

Bei den Tieren in der Schlacht
Wurde so was nicht gemacht!

Was völkerrechtlich war verboten
Vermieden die tierischen Despoten!
Doch auch ohne Gift und Gas
Hatte Zeus beim Zuseh'n Spaß.

Besonders wenn sich in  der Mitten
Des Schlachtfeldes O'ffziere stritten.
Denn jene, allesamt von Adel
Und aus vornehmsten Geschlecht,
Und im Gehabe ohne Tadel
Vor einem jeglichen Gefecht,
Knallten die Hacken erst zusammen,
Und nannten vornehm mit "gestatten"
Den Dienstgrad den sie inne hatten
Und danach den stolzen Namen
Sowie das Dorf aus dem sie kamen
Und das Geschlecht aus dem sie stammen.

Dann warfen sie mit viel Getu'
Sich den Fehdehandschuh zu,
Machten kehrt nach alter Sitte
Und gingen ein paar hundert Schritte
Soweit bis letztlich die Gefahr
Eines Kampfs vorüber war.

Da lachte Zeus, dass in den Logen
Im Göttersaale nebenan,
Wo die Untergötter saßen,
Zechend und Ambrosia aßen,
Vergnügt vereint der ganze Clan,
Sich knarrend alle Balken bogen
Und Bacchus der schlimmste dort von allen
Von seinem Thron wär' fast gefallen.

Doch auch die andern waren bang
Und zitterten minutenlang
Im aufgewirbelten Wolkenstaub
Schlimmer noch als Espenlaub.

***

Dann war des Bosses Schlachtrückschau
Beendet. Er kam zu Hera seiner Frau.
Die im großen Göttersaal
Begrüßte froh den Herrn Gemahl:

"Mir scheint, Du hast dich amüsiert;"
Sprach sie zum Alten wohlbedacht
Darauf den Ihren
Nicht zu provozieren
Denn sie wusste, dass ihr Gatte
Es nicht so gerne hatte
Wenn sie ihm in Kriegsdienstfragen
Wollte ihre Meinung sagen.

"O ja " sprach er, "in dieser Schlacht
Haben mir alle imponiert!
Die Frösche tapfer, so wie immer
Und die Mäuse noch viel schlimmer
Als sie es schon gestern waren.
Ich will Einzelheiten euch ersparen.
Pauschal gesagt: Es war famos!
Die Tiere kämpften so furios
Auf beiden Seiten um den Sieg
Als wäre es der letzte Krieg
Unten auf der Erde."

"Du musst," sprach Hera drauf zum Gatten,
"Damit es endlich Frieden werde,
Ares und Athene es gestatten,
Dass sie hinunter steigen morgen
Und dem Krieg ein Ende machen."
Und dann fügte sie spontan
Gar mitleidvoll noch an:
"Ich mach mir um die Frösche Sorgen!
Ich sah vorhin beim Raufen
Ein paar im Teich ersaufen."

"Ach Liebste, was sind das für Sachen"
Grinste ihr Ehemann sie an:
"Mitleid mit ihnen ziemt sich nicht.
Es stünde schlecht uns zu Gesicht
Wenn wir uns auf ihre Seite
Schlagen würden all im Streite.
Du denkst doch sicher noch daran
Was dir mit einem Frosch vor Jahren
Ist im Bette widerfahren."

Die Kinder grinsten vor sich hin.
Sie kannten seiner Rede Sinn!
Sie wussten wen er meinte
Und warum er es verneinte.

"Was machen wir denn heute Nacht
Bis unten weitergeht dis Schlacht?"
Wollt Zeus nun von den Seinen wissen.

Athene, wie immer dienstbeflissen,
Erwiderte darauf: "Papa,
Lass uns weitermachen da
Wo wir gestern aufgehört,
Weil Jesus uns hatte gestört."

"Ach ja," sprach Zeus, "von nebenan
Hörte ich den jungen Mann.
Ich hab sein Wort noch jetzt im Ohr.
Er hat zu euch mit viel Humor,
Ziemlich lang, ununterbrochen,
Von den Genen klug gesprochen
Und euch im Ernst erklärt,
Dass ihr alle Frösche wärt!"

"Ganz so war es nicht Papa"
Lachte Aphrodite da
Und fügte einen Nachsatz an:
"Er ist ein wunderbarer Mann!
Du solltest hier in unsrer Mitten
Und zur Freude von uns allen,
Ihn einmal zu Tische bitten.
Er würd' dir sicher auch gefallen!"

"Na gut, ich überleg es mir."
Erwiderte der Vater ihr.
"Aber nun lasst Euch nicht stören;
Ich kann ja drüben alles hören,
Was ihr für neue Froschgeschichten
Werdet hier nun gleich berichten.

Dann ging er zurück nach nebenan
Und setzte sich auf seinen Thron.

Im Großen Saal, indes nach Plan
Hephaistos, der Schmied und Heras Sohn
Ohn' große Vorrede dann
Mit einer Geschichte gleich begann
Die im Olymp noch keiner kannte,
Die schlicht er "Froschkonzert" nur nannte.


Das vergessene Froschkonzert
 - Gritt Küllberger -



wird fortgesetzt


Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.