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Donnerstag, 11. April 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-22
- Lyriker im Himmel -

Nach Melchisedek Enosch
(1 Mose 4,26; 5,6)
Trug etwas vor vom Storch und Frosch

Frosch und Storch

***

wird fortgesetzt

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-21
- Sagenerzähler im Himmel -

"Ich dank dir Markus," gleich danach
Der Herr zum Synoptiker sprach
Und hielt als spendete er Segen
Ihm den Branntweinkrug entgegen.

Der nahm den Krug und zum Applaus
Der andern trank er ihn fast aus.
Genüsslich wischte er die Lippen
Und grinste: "Daran nur zu nippen
Wär' eine Unterlassungssünde.

"Weil er grad so günstig stünde"
Hat der nächste sich als Grund genommen
Um auch an ein Glas Schnaps zu kommen.
Melchisedek ergriff das Wort
Und fuhr mit einer Sage fort,
Die bislang im Himmel keiner kannte,
Die sich "Kröte vom Heubühl nannte".


Die Kröte vom Heubühl

    Wir alle kennen das Märchen vom Froschkönig. Wer aber weiß schon, dass es im Steigerwald noch immer eine unglückliche Schwester des schönen Prinzen gibt, die bis heute darauf wartet, von ihrem Fluch erlöst zu werden? Nur die Ältesten aus der Gegend um Grafenrheinfeld wissen noch zu erzählen, was sich einst zugetragen hat.

 Vor langer, langer Zeit kam eine fromme Magd in die Kapelle beim "Heubühl" um zu beten. Aber sie spürte, dass sie nicht allein im Raume war, wandte sich um und sah die flehenden Augen einer dicken, braunen Kröte. Das Tier blähte sich auf und sprach mit menschlicher Stimme: "Ach Jungfer, bitte, bitte küsst mich, dann werde ich erlöst sein!"

Dem Mädchen aber, das die Geschichte vom Froschkönig nie gehört hatte, grauste es vor dem hässlichen Tier und es ergriff angstvoll die Flucht. Verzweifelt versuchte die Kröte hinterher zu hüpfen, doch das Mädchen rannte, ohne sich noch einmal umzublicken, so schnell es konnte nach Hause. Schon bald gab die Kröte den ungleichen Wettlauf auf und begann, den Tieren des Waldes ihr Leid zu klagen.

"Oh weh, nun kann ich erst wieder erlöst werden und im mein Schloss zurückkehren, wenn eines von euch Vöglein einen Kirschkern vor der Kapelle fallen lässt und daraus ein Baum erwächst. Das erste Menschenkind, das dann die Kirsche von diesem Baume kostet, wird mich küssen und mein Erlöser sein."


Den Leuten von Grafenrheinfeld ist dies Geschichte wohlbekannt. Deshalb wandern viele seit alters her jeden Sonntag nach dem Kirchgang zur kleinen Kapelle beim "Heubühl", um nachzuschauen, ob dort endlich ein Kirschbaum wachse - bis heute allerdings vergeblich.

Auch die dicke, braune Kröte ward bis heute noch nicht wieder gesehen.


***

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Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-20
- Lyriker im Himmel -

"Hier," sprach Jesus, "lass dir's schmecken"
Und reichte an ihr den Likör,
Nicht ohne sie dabei zu necken;
"Es ist mir wahrlich ein Honneur,
Dich im Himmel hier zu haben.
Dich mit Spelingbrand zu laben,
Macht mir Spaß, das tu ich gern."

Während Rahel hat den Herrn
Froh und dankbar angelacht,
Hat Markus sich darangemacht
Vorzutragen auf die Schnelle
Den Poem von Kröte und Libelle.


Kröte und Libelle
-Hanns Ewers -




***
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Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-19
- Lyriker im Himmel -

"Das Gedicht hat hundert Strophen"
Lachte Andreas und brach ab.
"Es ist was für alle Doofen."
Dass es trotzdem Beifall gab
Wunderte ihn sehr.
Aber nicht darum
Sah er sich fragend um !!!

Jesus kannte sein Begehr.
Er sah es am Gebaren
Und hat ihn angegrient.
"Hier hast du deinen Klaren,
Den hast du dir verdient."

Als Andreas noch genüsslich trank,
Trat Rahel vor, so rank und schlank
Und schön, wie sie im Leben war.
"Lea hat bei einem Antiquar,"
Begann sie unumwunden,
"Das Gedicht dereinst gefunden."

"Hör zu Jesus, mein Bester;
Zur Ehre meiner Schwester,
Trage ich euch nun von einem Autor,
Der Burkard Waldis hieß, was vor,
Das der vor fünfhundert Jahren schrieb,
Von einem Frosch, der übertrieb!"

"Damit ihr, um was es dabei geht,
Auch allesamt versteht,"
Ergänzte er noch dann,
"Füg ich euch ein paar Bilder an,
Die die Sache gut erklären
Und einen Einblick euch gewähren,
Auf des alten Äsop's Spur
In die Fabelliteratur."

Dann, als alle waren Ohr
Trug sie die alte Story vor.


Vom Frosch und dem Ochsen





 ***

wird fortgesetzt


Mittwoch, 10. April 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-18
- Lyriker im Himmel -

Wieder gab es Spelingbrand.
Ein großes Glas, voll bis zum Rand
Hat der Erleuchtete bekommen.
(Beiname für den Apostel Lukas)
Und er hat es gern genommen.

Es ging derweil recht locker zu,
Denn Matthias, der Filou
Hatte heimlich, unter der Hand,
Rosa 'nen Krug Spelingbrand,
Indem er sie flüchtig hat geschmatzt,
Und ihr schöne Augen machte
Just als sie den Nachschub brachte,
Gar hinterhältig abgeschwatzt.

Jener Krug von Rosamunde
Kreiste nun im Seelenrunde
Und wurde dabei immer leerer.
Die Ausgelassenheit all derer
Die den Schnaps nun hatten frei,
Wurd immer lockerer dabei.

"Jesus", rief Andreas laut
Und hat dem Meister anvertraut,
Dass er 'nen weitren Poem noch wüsste
Den er zum Besten geben müsste.

"Nur zu", rief da der Herr sofort
Und erteilte ihm das Wort.

Andreas erhob sich, trat in den Kreis
Und gab, was er noch wusste, preis.
Der Titel war ein halber Satz.
Er lautete schlicht "Fehl am Platz".
Es war ein Nonsens - Froschgedicht.
Das selbst der Herr kannte noch nicht.


Fehl am Platz
R. W. A.

Findest du in meiner Tasche
Einen Frosch mal einen roten,
Sag nicht gleich "Wirf das zur Asche,
Rote Frösche sind verboten!"
Findest du in meinem Rock
Ein Fröschlein das laut quakt,
Bekomm drob nicht gleich einen Schock.
Hör zu was es dir sagt!

  
Findest du im Bad beim Waschen,
Kaulquappen im Zahnputzglas,
Lass dich von ihnen überraschen.
Denn aus denen wird noch was.

Findest du in meiner Tasche
Gar ein Laubfroschbein,
Ist das von mir eine Masche.
Steck es schnellstens wieder rein.


Findest du in meiner Hose
Einen Frosch der glitschig glatt,
Stell nicht gleich die Diagnose,
Dass er die Schweinegrippe hat.

Findest du in meinem Hemde
Einen Frosch und der bleibt kalt,
Dann bist du für ihn eine Fremde
Oder aber schon zu alt.

Findest du in meinem Frack
Einen Frosch, mehr grau als grün,
Ist ab bei ihm bereits der Lack,
Da lohnen sich nicht deine Müh'n.

 
Findest du in meiner Weste
Einen Frosch der wirkt gar cool,
Küss ihn schnell, das ist das Beste
Und wirf ihn in den Pfuhl.


Findest Du an deinen Strapsen
Frösche welche nur noch japsen,
Dann zieh, was du noch an hast aus
Und mach 'ne Nacktparty zu Haus.


Findest du in deinem Höschen
Einen Frosch der schelmisch lacht,
Verjag ihn nicht von deinem Schößchen,
Solang nichts Unrechtes er macht.


Findest im Büstenhalterkörbchen du
Einen Frosch mit Widerwillen,
 Lass den armen Frosch in Ruh
Erst mal seinen Hunger stillen.


Findest du zu deinem Leide
Einen Frosch im Unterkleide,
Musst schnell du aus der Seide schlüpfen
Bevor er anfängt erst zu hüpfen.


Findest unter deinem Röckchen
Du einen Frosch mit grünen Söckchen
Bekomme nicht gleich einen Schreck
Denn das ist nur ein Modegeck.


 Findest du im Schlafanzug
Einen Frosch 'nen glitschig glatten,
Jag ihn weg mit Recht und Fug
Das solltest du ihm nicht gestatten.


Findest du in deiner Mütze
Einen Frosch, jag ihn nicht fort
Trag ihn zu einer Regenpfütze
Oder aber lass ihn dort.

Findest zu allem Überfluss
Du einen Frosch im Mantel gar,
Mach schnell zu den Reißverschluss
Denn so was ist im Winter rar.


Findest du in deinem Socken
Einen Frosch ganz unten hocken,
Erlöse ihn, zieh ihn heraus,
Denn das hält selbst ein Frosch nicht aus.


Findest du in deinem Mieder
Einen Frosch der nur noch keucht,
Dann löse schnell die Bänder wieder,
Damit er wieder kreucht.


Findest du in deiner Bluse
Einen Frosch im Ärmelloch,
Dann nimm dir Zeit für ihn und Muse,
Und  lass ihn zappeln  etwas noch.


Findest Du in deinem Schuh
Einen Frosch ganz ungebeten,
Stell den zweiten Schuh dazu
Dann schaut er bald betreten.

Findest Du in meiner Tasche
'Nen Frosch der wirkt als wär' er tot,
Versuch es mir der Weinbrandflasche.
Das lindert seine Not.


Findest Du im meinen Taschen
Nichts, weil einfach nichts ist drin,
Kannst du den Frosch auch nicht vernaschen
Nach dem dir steht der Sinn.

***

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Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-17
- Lyriker im Himmel -

Dem Markus folgte Lukas nach.
Er war ein Mann vom Sprachenfach
Und trug, die andern waren all ganz Ohr,
"Die Kröten" nun in Plattdeutsch vor.
Diese, so begann er trocken,
Nennt man im Dialekt schlicht "Poggen".


De Poggen
- Ingeborg Schumann -





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Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-16
- Lyriker im Himmel -

Als Debora's Vortrag war beendet
Hat Jesus ihr Likör gespendet.
Zwei Gläser schenkte er ihr ein.

"Es könnt noch gern ein drittes sein,"
Strahlte sie ihn an dabei,
Und ergänzte "oder zwei".

Aber der Herr sprach "nein, nein, nein,
 Spelingbrand ist doch kein Wein.
Das ist nichts schwache Frauen.
Das Zeug ist gut zwar zu verdauen,
Doch das sag ich ohn' zu unken,
Man wird davon auch schnell betrunken.
Das wollen wir lieber nicht riskieren
Denn du könntest dich blamieren."


Jetzt ging es weiter ohne Pause.
Auch Markus, oben längst zu Hause,
Hat ein Gedicht gar routiniert
Vom Krötenkasper rezitiert,
In welchem es dem Dichterling
 Um das Krötenschlucken ging.


Die Geschichte vom Krötenkasper
- F. K. Waechter -



1.
Der Kasper, der war kerngesund,
Ein schöner Bub und kugelrund,
Mit fettem Bauch zu guter Letzt,
Bis sich 'ne Kröte zu ihm setzt.
Da fing er plötzlich an zu schrei'n:
"Ich schlucke keine Kröte! Nein!
Ich schlucke diese Kröte nicht!
Denn diese Kröte gibt es nicht!"

2.
Am nächsten Tag - ja, sieh nur her!
Da war er schon viel magerer.
Da fing er wieder an zu schrei'n:
"Ich schlucke keine Kröte! Nein!
Ich schlucke diese Kröte nicht!
Denn diese Kröte gibt es nicht!"

3.
Am dritten Tag, o weh und ach!
Wie ist der Kasper dünn und schwach!
Doch als die Kröte kommt herein,
Gleich fing er wieder an zu schrei'n:
"Ich schlucke keine Kröte! Nein!
Ich schluck' die blöde Kröte nicht!
Denn diese gibt es wirklich nicht!"

4.
Am vierten Tage endlich gar
Der Kasper wie ein Fädchen war
Er wog vielleicht ein halbes Lot -
Und war am fünften Tage tot.

***

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Dienstag, 9. April 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 17-15
- Lyriker im Himmel -

"Debora, süße kleine Biene,"
Sprach der Herr mit froher Miene,
"Bring uns doch noch was zu Gehör.
Rosa bringt gleich den Likör!"

"Ja gerne" gab Debora ihm
Zur Antwort drauf beinah intim.
Und sie fügte gleich spontan
Gar clever noch ein Nachwort an:
"Ja aber dann am Spelingtrunk
Möchte ich mich zwei Mal laben."

"Okay" sprach er, "das sollst du haben."

"Mein Gedicht heißt Unk, unk, unk,"
Strahlte sie den Meister an,
Worauf den Vortrag sie begann.


Unk, Unk, Unk !
Volksgut

Unk, unk, unk!
Vor Zeiten war ich jung.
Hätt' ich einen Mann genommen,
Wär' ich ich nicht in den Teich gekommen.
Unk, Unk, Unk,
Vor Zeiten war ich jung. 

  
***

wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.