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Freitag, 18. Januar 2013


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 12-17
- Die Musen im Olymp -
- Fortsetzung -

Das Erstaunliche an der Sache war!
Der iPod war noch einsatzklar!
Gelandet auf einem Wolkenkissen
War nur der Henkel abgerissen.

 Maxi, die Muse raffiniert
Hatte den Schaden repariert.
Sie stand am Pulte damit nun
Und sprach, "Verzeiht, ich hab zu tun."
Dann tippte sie auf "Skype" und schon,
Nach einem kurzen Anwahl-Ton,
Hatte sie Aristoquakes dran.

"Was ist los, oh Mann oh Mann,
Was siehst du noch zerknittert aus"
Sprach sie zu ihm im hohen Haus.
Da gab der andere zur Antwort ihr:
"Aber Maxi, mein Mädchen, bei uns hier
Auf der Erde ist es zehn nach drei
Nun rat mal, warum ich dir das sag?"
Dann fuhr er fort, "nicht Nachmittag,
Bei uns hier ist die halbe Nacht
Noch nicht einmal vorbei.
Da hat die Muse arg verdutzt
Am iPod- Mikrophon gestutzt,
Doch sich sofort wieder gefasst.
"OK, dann schlaf weiter, tut mir leid,
Und nutz zum Pennen dort die Zeit
Dass du träumend nichts verpasst,
Ich ruf dich an dann kurz nach acht."

Nach dieser Videotelephonie
Gab den iPod an Erato sie.

Die fuhr sogleich mit forschem Wort
Mit der Berichterstattung fort,
Die am Anfang der Debatte
Maxima begonnen hatte.

"Wir helfen unten einem Mann"
So in freier Rede sie begann,
Und ohne Luft zu holen heiter
 Lachend, sprach sie weiter:
"Der ist zwar ein arger Thor
Doch er hat was Großes vor.

Er schreibt zurzeit an einem Poem
Über Euch alle und den Krieg.
Zwar ist sein Machwerk nicht so schön
Wie die Ilias, des Homers Gesang,
Aber dafür gut zehn- elfmal so lang.
Er parodiert das Werk des Blinden
Dichters um herauszufinden
Wem gebührte einst der Sieg
Als ihr, Helena sei's gedankt,
Zehn Jahre habt um sie gezankt,
Und welcher Held der größte war."

"Ja aber, das ist wohl doch klar"
Hat Achilles aufbegehrt
Und bei Erato sich beschwert.

Wütend und mit Zorn im Wort
Setzte er seinen Einwand fort:

"Fürwahr, Aristoquakes ist ein Penner
  Weil er die Fakten gar nicht kennt."
So bracht er es auf seinen Nenner.
Und fügte fluchend gleich spontan,
Den nächsten Fakt verärgert an.

"Ein Mann der bis um acht Uhr pennt,
Kann nicht wissen wie bei Nacht,
Ich, von Mama eingeschworen,
(Thetis, Achills Mutter, Gemahlin des Peleus, hat ihren
 Sohn im Krieg mit den neuesten Waffen ausgestattet und
 den Kroniden Zeus im Sinne ihres Sohnes bestochen)
Mich dereinst vor Trojas Toren,
Ein Jahrzehnt lang in der Schlacht,
 Hab im Krieg verdient gemacht.
Und wer den Krieg gewonnen hat
Um Helena und um die Stadt,
Das wird selbst er, dein dichtkunstfroher,
Schreiber nach über gut dreitausend Jahren,
Ganz bestimmt nicht mehr erfahren.
Wobei es ihm auch nicht viel nützt,
Dass ihr von hier ihn unterstützt.
Fest steht, es waren nicht die Troer
Die dank unsrer Schnitzkunstgaben
Aus Holz den Krieg gewonnen haben.
(Anspielung auf das hölzerne Pferd)
Und wer der größte Held einst war,
Das ist hier oben allen klar."

 Er sprach's und sah auf aller Munde
Der Seelen sogleich in der Runde.
Doch wider Erwarten blieb es still.
Keine von ihnen schrie Achill!

Da erhob der Pelid' beleidigt sich 
Müde, mit Beinen schwer wie Blei,
Und mit lautem Kriegsgeschrei,
Im Frust mit aufgestautem Groll,
Plärrte er dreimal zornig "Ich".


Doch weil er keine Waffen trug
Und nur mit den Flügeln schlug,
Nahm ihn keiner nun für voll.

Wäre nicht Homer gewesen,
Welcher Trost ihm hat gespendet,
Wäre das astrale Wesen
Des Achills wohl verendet.

***
Achilles im Elysium
Kam Dank Homer nun doch nicht um.
Als Seele flattert er zwar weiter;
Doch ob er wurde auch gescheiter,
Das kann ich heute noch nicht sagen.
Doch ich werd den Autor fragen,
Und es weiter Euch berichten
Falls der nicht hängen bleibt beim Dichten.

wird fortgesetzt


Mittwoch, 16. Januar 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 12-15
- Die Musen berichten -
- Fortsetzung -

Das Gelächter im Elysium
War diesmal nur von kurzer Dauer.
Amphimachos, ein ziemlich schlauer
(Ilias 2/870ff; Sohn des Nomion, Führer der Karer)
Karer sprang aufs Podium
Und ließ sich neugierig und eigen
Am Pulte Maxis iPod zeigen.
Er konnt' kaum glauben was er sah.
Mit offnen Munde stand er da
Und er staunte nicht gering
Über das seltsame, neue Ding.

"Alles was man wissen muss"
"Kann dir dieses Teil hier sagen.
Probier es aus, du kannst es fragen
Was immer dich grad interessiert."

Da hat es der Karer ausprobiert.
Er gab das Suchwort Helden ein
Denn solch einer wollt er ja sein.

Was denkt ihr wohl was da geschah?
Er konnt' kaum glauben was er sah.

Sofort erschienen ein paar Krieger.
Es waren jene tapferen und kühnen
Helden welche von den Grünen
Im Froschmäusekrieg als Sieger
Wollten aus dem Krieg heimkommen.
Doch davon leider unbenommen,
Und so erging es beinah allen,
Sind sie in der Schlacht gefallen.

Der Karerführer hat gestaunt.
"Helden" sprach er schlecht gelaunt,
Gar traurig und im Ton devot
"Das ist sehr schad, sind meist schon tot
Bevor sie es auf Erden,
So wie sie es sich wünschen, werden.

Das war im Krieg vor Ilion
Das weißt du sicher, ähnlich schon!
Weil die Götter auf der falsches Seite
Standen einst im Trojastreite
Hat es ein schlimmes End genommen.
Drum bin auch ich zu Tod gekommen.
Zeus mit dem Feinden alliiert,
Ist damals gegen uns marschiert.
Die Götter, das wird mir nun klar,
Meiden im Kriege die Gefahr
Und schlagen sich im Streite
Stets auf des mächtigeren Seite."

Während er so sprach probierte
Er am Pult in hohen Haus,
Auf Maxis iPod etwas aus.
A, ell, ell, i, buchstabierte
Er und tippte "ierte dann hinzu.
(Gemeint ist das Label "Die Alliierten"
Auf dieser Internet-Seite)
Es war wie ein Wunder, denn im Nu
Waren Fotos zu seh'n von allen
Alliierten Soldaten die gefallen,
Er konnt es ihnen nicht ersparen,
Im Krieg auf Pausbacks Seite waren.

"Mein Gott, das ist ja fürchterlich"
Äußerte der Karer sich
Und drehte den iPod nach vorne so
Dass er auch von unten sogleich wo,
Neugierig über alle Maßen,
All die andern Helden saßen,
Und sich im Heldentume sonnten,
Die grünen Helden sehen konnten,
Die all am Eridanosstrome,
Im Frosch- und Mäuse- Kriegspogrome
Auf  Seiten der Frösche gefallen waren.

Achill, darüber sich im Klaren
Dass in der Batrachomyomachia
So mancher feige Mord geschah
So wie vor Trojas Mauern auch,
Ergriff das Wort indem er sprach:
"Ihr kennt mich", so hörten es die Seelen,
"Und wisst dass als Soldat vom Fach,
Ich keine Schandtat will verhehlen,
Die ich, weil's so im Krieg ist Brauch,
In und außerhalb der Mauern
Von Troja einst verbrochen hab."
"Doch," so fuhr er sogleich fort:
"Zum Trauern nun und zum Bedauern
Als stünden wir an einem Grab,
Ist hier bestimmt der falsch Ort.
Soll ich etwa Tränen weinen
Um König Pausback und die Seinen?
Glaubt es mir, das kann ich nicht.
Ein Soldat, aus meiner Sicht,
Der wegen ein paar toten Fröschen
Seine Fassung gleich verliert,"
So hörten die andern ihn vermelden
"Wird nie wie ich, zu einem Helden.
Und wenn die Feinde mich verdröschen,
Dass Hören und Sehen mir verging,
Würde und könnte ich nicht flennen,
Den Heulen das ist nicht mein Ding!"

"Um die Wahrheit zu benennen"
Fuhr Homer ihm da ins Wort
Und fügte im selben Atemzug sofort,
Aus dem Stehgreif ganz spontan
Gleich eine Frage auch noch an:
"Und wie war das einst bei Patroklos"?
(Ilias 23/65ff  Achills Totenklage um den gefallenen Freund)
"Ich sah die Träne, wie sie floss
Als seine Seele zu dir kam
Und nachts im Traume Abschied nahm!"
Die Seele des Freundes Patroklos
 nimmt Abschied von Achill

Da erinnerte Achilles sich
An das, was vor dreitausend Jahren
Im Kriege ihm ward widerfahren.
Schnell schlug den Arm er vors Gesicht
Dass man es sehen konnte nicht.
Und weinte schluchzend bitterlich.

Er erinnerte sich dran
Wie mit dem Freunde ab und an
Er daheim die Leier schlug.

Und wie Patroklos im Felde klug
Ihm stets im Kampf zur Seite stand
Und seinen Schild zur rechten Zeit,
Immer hielt gar schnell bereit,
Um zu schützen ihn vor Speeren
Und diese vor ihn abzuwehren.
Auch, dass er oftmals ihn verband

Als er vor Troja  manchen Tag,
Schwer verletzt im Drecke lag,
Fiel ihm plötzlich wieder ein.
So wie ein guter Freund sollt sein
 Der es immer gut nur meint;
So war es dereinst Patroklos
Der Sohn des Menoitios.

Ach, was hat er da geweint!



Wäre des Freundes Seele nicht gekommen,
Um ihren Freund den größten
Helden seit Homer zu trösten,
Hätt' es ein böses End genommen.
Doch die mit weichem Flügelschlag
Gab zärtlich sich ihm zu erkennen,
Denn sonst würde seit jenem Tag
Der Pelide heut noch flennen.

***

Wie die Sache weitergeht
Und ob Achill noch immer flennt
In der nächsten Folge steht,
An der, welcher R.W. A. sich nennt
Ohne dass er übertreibt,
Gleich morgen für Euch weiter schreibt.

wird fortgesetzt

Donnerstag, 10. Mai 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 10 – 80
Lyriker im Olymp

Beifall gab es nicht sehr viel.
Obwohl der Dialekt gefiel
Hatte keiner was verstanden.
„Auch wenn wir hier in unsern Landen
Die Barbaren nicht verstehen“,
Sprach Antiphates ohne Scheu
(Ilias 12/191ff; Troer der im Nahkampf fällt)
„Sollten wir neue Wege gehen.
Es ist euch sicher doch nicht neu,
Dass Trojas Macht ist längst zu Ende.
Die Welt geriet zur Zeitenwende
Nach uns in der Barbaren Hand.
Wir hätten heut `nen schweren Stand
Wenn wir noch unten leben müssten“.
Wie sie es alle sicher wüssten
Fügte er traurig werdend dann
Schweren Herzens weiter an.
„Troja liegt in Schutt begraben.
Selbst die Götter sind entthront.
Die neuen Machthaber dort haben,
Wie sie es von zu Haus gewohnt
Und wie den Siegern es gebührt,
Längst ihre eignen eingeführt.
Zeus ist zwar nicht weggelaufen
Und auch seine Söhne nicht,
Doch sie ließen sich all kaufen.
Ein neuer steht im Rampenlicht.
Er ist urplötzlich aufgetaucht
Nach seines Vaters Götterplan.
Der alte Zeus schon arg verbraucht,
Sagt man, wär jetzt sein Untertan.
Man hört, es soll ein Grüner sein
Der im Olymp den heil‘gen Schrein
Übernahm und auch den Thron.
Sie nennen ihn den Gottessohn.
Mit des Kroniden Kron‘ geziert
Sagt man, soll er das Zepter schwingen
Und wenn er lang genug regiert,
Der ganzen Welt den Frieden bringen
Welchen sie bislang vermisst.
Er hat sich nicht zur Macht gedrängt;
Jahwe hat sie ihm aufgezwängt.
Er nennt sich Friedensaktivist
Und hat noch keinen Heilgenschein.
Mit unsern Göttern im Verein,
Will er, so sagt man ohne Waffen,
Nur mittels Worten Frieden schaffen“.
„Das ist doch Unsinn“ schrie Achill;
„Wie will er denn das machen“?
Seine Stimme überschlug sich. Schrill
Begann verächtlich er zu lachen.
Die Seelen im Elysium all
Steckte an sein Lachanfall.
Sie konnten nicht anders, lachten mit.
Achill der größte aller Schlächter
Schlug im Homerischen Gelächter
Sich auf die Knie. „Igitt, igitt“
„Ein Frosch“ so fluchte er im Spott,
„Sitzt auf dem Throne nun als Gott
Und will nach Zeus nun ausprobieren
Was der nicht konnt‘, die Welt regieren“.
Wild fluchend und gar aufgebraust
Ballte die Hände er zur Faust.
Wär Antiphonos nicht gekommen
(Ilias 24/250; Sohn des Priamos)
Hätt es ein schlimmes End genommen.
„Was ist“ sprach der, „mit euch nur los?
Ich als der Sohn des Priamos
Frage euch warum ihr hier
Froschgeschichten all erzählt.
Achilles, du erkläre mir,
Weshalb ein Mann, so kampfgestählt
Wie du auf so was lässt sich ein“?
„Da muss `ne Kraft im Spiele sein“
Sprach Achill „die wir nicht kennen“.
„Ich werd dir diese Kraft benennen“
Erwiderte ihm Antiphonos.
„Sie ist als Mythos uns bekannt
Und mit der Wahrheit eng verwandt.
Sie ward vererbt von Uranos
An seine Kinder die Titanen.
Wir haben sie von unsern Ahnen
Sukzessive übernommen.
So ist sie bis hierhergekommen.
Die Kraft des Wortes ist es die
Uns alle hier, hat angeregt
Und uns zu unserm Tun bewegt.
Ohne das Erbe der Mythologie
Stünd‘ es auch schlecht um unsre Götter“.
„Ach halt das Maul du dreister Spötter“
Schrie Achilles da in Wut.
Der andre ließ nicht locker und
Sprach zu Achill mit schiefem Mund:
„An deiner Stelle wär es gut,
Wenn du anstatt hier Mist zu reden
Und über die Götter herzuziehen
Um sie mit Worten zu befehden,
Dich mal ins Zeug würdest dich knien
Um uns, so wie’s dir aufgetragen,
Dein Froschgedicht hier aufzusagen“.
Achilles, derart nett gebeten
Trug von Söhle, einem Platt-Poeten
Eine reizende probate
Altbekannte Froschkantate
Im Singsang-Tone mit Humor
Darauf sogleich den Seelen vor.



wird fortgesetzt

Sonntag, 19. Februar 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 10 – 11

Achilles als Poet


hr kennt

mich alle“, schrie Achill

Und wer mich kennt, weiß lieber will

Ich tausend Schlachten nochmal schlagen

Als ein Gedicht hier vorzutragen.

Ich bin ein Krieger, kein Poet

Und denke dass ihr es versteht,

Dass ich, was mit dem Schwert ich schuf,

Mir erhalten will. Mein Ruf

Steht auf dem Spiel. Ich kann doch nicht

Über die Frösche ein Gedicht

Aufsagen hier: Mein Name wär

Nichts mehr wert beim Militär.

Wenn ich, der Göttin Thetis Sohn

Vor euch hier im Elysion

Von euch mich zwingen dazu ließe

Es nachher überall doch hieße

Der ist nicht besser als die Frösche!

Ihr könnt mir glauben lieber drösche

Ich nochmal tausend Gegner nieder

Als vor euch redend mich zu plagen

Um ein Gedicht hier aufzusagen.

Grad weil die Frösche mir zuwider

Sind seit meiner frühsten Kindheit an

Ich, was ihr da verlangt, nicht kann.

Ließ ich schultern mir die Bürde

Einen Poem hier vorzutragen,

Verlöre ich meine Soldatenwürde.

Was würde die Welt dann von mir sagen?

Ganz Griechenland würd mich verlachen

Und Witze über mich nur machen.

Selbst die Frösche, gerade jene

Würden meine pfeildurchtrennte Sehne

Nicht mehr Achillesferse nennen“!

„Die Welt würd Deine Verse kennen“

Konterte der andre da.

“Achilles ist dran, Heureka“

Skandierte lauthals nun im Chor

Das gesamte Seelen-Korps.

„Ihr könnt mich allesamt einmal“

Wetterte Achill im Zorn.

„Nehmt einen andern euch aufs Korn“:

Doch Helenas dreister Ex-Gemahl

Gab keine Ruh. „Du feiger Hund

Mach uns dein Gedicht nun kund.

Wenn nicht dann sollst du dafür blechen.

Ich werde dir die Knochen brechen

Wenn du denkst du wärest hier

Etwas Besseres als wir.

Also mach, tu deine Pflicht

Und trag uns vor dein Froschgedicht“.

Da hatte Achill die Faxen dick:

„Ich brech‘, du Schwein dir das Genick.“

Schrie er und wollte sich den andern greifen.

Da begann der Mob wütend zu pfeifen.

„Auch Du solltest hier endlich nun

Was unser aller Pflicht ist tun“

Raunte währenddessen weise

Homer ihm fordernd zu und leise

Fügte er an. „Nun mach es doch

Sonst nennt man dich gar Feigling noch“!

Da hat Achill trocken geschluckt

Und mit den Schultern kurz gezuckt.

Wäre Helena nicht gewesen

Hätt ohne langes Federlesen

Er sich auf alle dort gestürzt

Und ihnen die Ewigkeit verkürzt.

Doch Helena, die gute Haut

Hat sich vor ihnen aufgebaut.

Sie hob die Hand. „Seid endlich still“.

Und dann sprach sie zu ihm. „Achill

Liebling, stell dich nicht so an.

Jeder ist von uns mal dran.

Auch Menelaos gibt nachher,

Du wirst es hören, uns die Ehr.

Er kennt ein geiles Frosch-Gedicht.

Er hat, als wir waren vermählt

Vertraulich es mir einst erzählt.

Also mein Liebling streng dich an:

Nach Dir ist dann mein Ex-Mann dran“.

„Ach mein geliebter Augenstern,

Du schönste Frau von allen“

Hat Achill bei sich gedacht

Und es dann schließlich doch gemacht.

Er trug vom Frosche Hüpfegern

Nun vor, Helena zum Gefallen.


Hüpfegern


Hüpfegern, ein ziemlich schlauer

Frosch lag auf der Fliegenlauer

Denn sein Portemonnaie war leer.

Er hatte keine Mücken mehr

Da erregte Krötchens Stimme

Und ihre Kurven ihn zur Minne.

Doch die quakte zu ihm stur:

„Ich mache das für Mücken nur“!

Obwohl der Frosch war mittellos

War seine Liebe ziemlich groß.

So musste er für ihr Verlangen

Die Mücken sich erst einmal fangen.

Von Lust getrieben jagte er

Gleich der ersten hinterher,

Denn es musste ihm gelingen

Zwanzig davon ihr zu bringen.

Zwanzig Mücken, so der Preis

Für das Krötchen das er heiß

Begehrte und auch haben wollte.

Manch Mücke deshalb sterben sollte.

Der ersten gab er eine Watsche

Mit seiner nassen Fliegenklatsche.

Als nächster Summ, der Mückenjunge

Bekam `nen Nackenschlag per Zunge.

Doch wollte er das Krötchen drücken

Musste es ihm weiter glücken

Achtzehn Stück der Liebe wegen

Zuvor erst mal noch erlegen.

Die nächste Mücke ließ ihr Leben

Als sie wollt‘ Muck sich hin grad geben.

Und auch der geile Mückenmann

Erfuhr wie ein Frosch killen kann.

Als er grad um Muck wollt werben

Traf es ihn und er musst sterben

Weil der Frosch sich keine Schlappe

Gab und traf mit seiner Klappe.

Vier Mücken waren schon gejagt;

Doch es waren mehr gefragt

Denn bis zwanzig war‘s noch weit.

Hüpfegern blieb wenig Zeit.

Wollte er das Krötchen klammern

Half kein Zagen und kein Jammern;

Erst mal mussten fürs Begehr

Sechzehn weitere noch her.

Nummer fünf wurde ganz sacht

Mittels Faustschlag umgebracht.

Danach, nach langer Rauferei

Erlagen kämpfend weit’re zwei

Hüpfegern mit viel Geschick

Brach ihnen den Rückgrat am Genick.

Sieben Mücken schon erlegt;

Frosch Hüpfegern war aufgeregt.

Er dacht bei sich: „Nur dreizehn noch“

Als er schon die nächste roch.

Nummer acht endete im Flug

Als er `nen Knüppel auf sie schlug

Und Nummer neune die verschied

In seinem Würgegriff rapid.

Elf Mücken musste er noch töten

Und er tat was war vonnöten

Und jagte weiter liebesblind

Mücken für das schöne Kind

Die sich Krötchen Krotte nannte

Und kein Erbarmen mit ihm kannte

Und nur für Liebe gegen bar

Für den Frosch zu haben war.

Der kleine Muck ist jäh verstummt.

Als er hat gerad gesummt

Traf ihn jäh ein Zungenschlag.

Für Muck war es der jüngste Tag.

Und das Krötchen Krott sah zu

Wie Hüpfgern landete den Cup.

Sie verfolgte das Gescheh’n gespannt

Und dacht bei sich „wie interessant

Was Frösche auf der Jagd in Sachen

Punkto Liebe alles machen“.

Die Hälfte vom gewünschten Soll

War inzwischen bereits voll.

Zwanzig Mücken, so der Preis;

Da lohnte Mühe sich und Fleiß.

Als nächstes an der Reihe war

Ein eng umschlung’nes Mückenpaar

Das zur Vermehrung war gewillt.

Es wurde mittleidlos gekillt

Und dem Frosch in seiner Lust

War dabei nicht mal bewusst

Dass auch den Kleinen ab und zu

Was er so gern wollt‘ stand mal zu.

Ein Dutzend war bereits geschafft;

Von Hüpfegern dahingerafft

Um das Krötchen zu bekommen.

Zwölf Mückenleben schon genommen.

Muck dreizehn ist im Schlaf gestorben.

Der Frosch, er war ja so verdorben.

Sie nahm den Mord ganz still in Kauf

Doch sie wachte nie mehr auf.

Frosch Hüpfegern, der Lumpenhund

Dachte nur „Ach was, na und

Ich werde heut das Krötchen lieben.

Jetzt fehlen mir ja nur noch sieben“!

So jagte er gar wild entschlossen

Und hat die nächste abgeschossen.

Nach gezieltem Zungenkuss

War mit Mücke vierzehn Schluss.

„Sechs Tiere noch, dann ist‘s so weit,

Dann ist das Krötchen auch bereit,

Sich mir für zwanzig Mückenleben

Im Sumpfe endlich hinzugeben“.

So dacht der Frosch in seinem Wahn.

Ihm ging’s wie auf der Reeperbahn

Es manchem Froschmann schon erging

Bevor er rankam an das Ding

Nach welchem trachtend er

Rannte den Mücken hinterher.

Dem Frosche war’s schon ziemlich heiß.

Von seiner Froschstirn perlte Schweiß

Denn die Mückenjagd strengt an

Wenn man die Muck nicht kriegen kann.

Sechs Mücken noch; "verflucht nochmal".

Schimpfte der Jäger und radikal,

Schlug jagend er zwei weit'r tot.

Vom Blut bespritzt war er ganz rot.

Doch er quakte gar verwegen:

„Nur noch vier sind zu erlegen,

Dann wird das Krötchen, oh wie fein,

Mir zu Willen endlich sein.

Doch die Mückenjagd ist schwer

Wenn die Luft ist mückenleer.

Alle hatten sich verkrochen

Weil sie die Gefahr all rochen

Die von diesem Frosch ausging

Welcher alle Mucken fing.

Der Jäger indes auf ihrer Spur

Dachte an das Eine nur

Und er fand für diesen Zweck

Eine Mücke im Versteck.

Klein Mucki war’s, die so geendet.

Als sich hat das Blatt gewendet

Unter dem sie saß versteckt

Wurde sie vom Frosch entdeckt.

Nur die Kröte hat gesehen,

Was aus Sehnsucht ist geschehen

Und was Hüpfgern mit ihr machte.

Drei Mücken noch! „Gequakt, getan“

So dachte sich der Jägersmann.

„Dann grade recht zur Abendröte

Halt ich im Arme meine Kröte“!

So hat er es sich vorgenommen

Doch es sollte anders kommen.

Die Jagd war arg beschwerlich jetzt

Denn er war sehr abgehetzt

Und alle Mücken vorgewarnt

Hatten bestens sich getarnt

Und hielten beim Nachmittagstanz

Respektvoll allesamt Distanz

Zum Verliebten auf der Jagd.

Der Frosch, obgleich schon arg betagt,

Pirschte weiter hopp, hopp, hopp,

Fährtenlesend Froschgalopp

Und entdeckte auf der Pirsch

Im tiefen Gras den Mückenhirsch.

Jenen hat er dann beherzt

Als Herdenleittier ausgemerzt.

Nach einem Boxhieb ins Gesicht,

Ausgeführt vom grünen Wicht

Ist das Tier im hohen Bogen

Auf den Hauf sogleich geflogen

Auf welchem siebzehn Mückenleiber

Tot lagen, Männer wie auch Weiber.

Mit Ihnen wollte Hüpfegern

Ohne sich dann noch zu zieren

Seinem holden Augenstern

Der Kröt‘, die Liebe honorieren.

Doch für solche Liebelei

Fehlten Mücken ihm noch zwei.

Der geile Frosch, schon halb benommen

Versuchte sie noch zu bekommen.

Unten dann am Schilfrohrrand

Erwischte er mit flinker Hand

Klein Muckse die am Wasser saß.

Er drückte sie ganz fest zum Spaß.

Die Kleine wurd vor Schmerz ganz rot.

Er ließ sie los, da war sie tot.

Sein Nachruf: „Es tut leid mir Kleine“.

Jetzt brauch zu Glück ich nur noch eine“!

Das Mückenjagen ward ihm nun

Ziemlich beschwerlich. Er wollt ruh’n

Denn beim Jagen, leicht zu fassen,

Hatte er viel Kraft gelassen.

Er spürte es mit Weh und Ach

Wie ihm die Beine wurden schwach.

Doch sein Trieb der sagte ihm:

„Bald wirst du mit ihr intim.

Eine musst du noch erjagen

Dann kannst du das Krötchen fragen

Ob du sie für zwanzig Mücken

Herzen darfst und innig drücken“.

„Eine Mücke noch zu haschen

Dann kannst du am Glücke naschen“

So dacht der Jäger auf der Jagd.

Verloschen war bereits die Glut.

Von Stress und Müdigkeit geplagt

War ihm inzwischen flau zumut.

Immer schneller schwand die Kraft

Und mit ihr die Leidenschaft

Aus seinen grünen Lenden.

Mit dem letzten Rest von Mumm

Um die Sache zu beenden,

Brachte er Mück Summse um

Die am Teiche altersschwach

Ihren letzten Stich grad stach.

Erschöpft sank Hüpfergern ins Gras

Wo er all die geilen Sachen

Während er einschlief schnell vergaß

Die mit dem Krötchen er wollt machen.

Kräftesparend träumte er

Was real er konnt“ nicht mehr.

Dem Krötchen jedoch unterdessen

Kam seine Müdigkeit gelegen;

Sie hat die Mücken aufgefressen

Die er gejagt der Liebe wegen

Und hat sich aus dem Staub gemacht

Bevor er wieder ist erwacht.

Als sich dann beim Morgenrot

Eine andere Kröte laichbereit

Kostenlos zur Laich anbot

Hat er nach verträumter Nacht

Nicht mehr lang erst nachgedacht

Sondern sie sogleich gefreit.

So die Moral von dem Gedicht

Gesehen aus des Frosches Sicht:

Selbst einem, wenn er mittellos

Öffnet die Liebe ihren Schoß

So meine ich erzählerisch

Wenn er ist nicht wählerisch.

( R.W. Aristoquakes )

***

Als nächster in der Reihe dann

Kommt Helenas Gatte dran.

Was vorträgt der im Heldensaal

Berichte ich das nächste Mal


wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.