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Donnerstag, 17. Januar 2013


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 12-16
- Die Musen berichten -
- Fortsetzung -

Der Pelide Achilles, Gott sei Dank,
Saß ohne noch zu flennen bieder,
Als wäre nicht geschehen, wieder
Im Elysium auf der Bank
In der ersten Reih, wie eh und je.
Neben ihm saß Helena
Und hinter ihm Polymèle.
(Ilias 16/180, Tochter des Pylas, von Hermes
Mutter des Eudoros, Gattin des Echekles)
Die flüsterte von ebenda,
Obwohl man das als Seel nicht tut,
Dem Helden vor ihr leis' ins Ohr:
"Ach Achilles sei so gut
Besorg mir einen iPod doch.
Die Musen haben sicher noch
Ein paar von diesen Dingern mit.

Als Achill noch vorne schritt,
Kam ihm Klio, die er kannte,
Und die ihn einst nur Häschen nannte,
Vom Podium herab entgegen.
"Weißt du noch" sprach er verlegen
Wie Du mich einst beflügelt hast
Und wie du mich mal hättest fast,
Was sich für Musen nicht gebührt,
Beim Harfeunterricht verführt.

"Ja" erwiderte sie ihm gefasst;
"Doch die Betonung liegt auf fast."
Da lief dem großen tapfren Mann
Sein Kopf ganz plötzlich tiefrot an.
"Popo, popoly, Popolymele meint
Dada, dass es i, ih ihr so scheint
Als ob du einen iPopo...pot übrig hast."
So stotterte Achilles nun
Und konnte nichts dagegen tun
Damit das Blut im Kopfe wich
Und er wieder fand zu sich.

"Dein Stottern nicht recht zu dir passt,"
Erwiderte sie drauf intim
Museneigen flüsternd ihm;
Doch sie lächelte dabei
Und sagte "Ja ich hab noch zwei".
Einen und zwar diesen hier
Mach ich zum Geschenke Dir
Und dieser hier ist für die Seele
Die hinter dir hockt, für Polymèle."

Wie ein Held, der in der Schlacht
Seinem Land hat Ehr gemacht,
Schritt Achill im Heldenglück
Zu seinem Sitzplatze zurück
Um Polymèle als Freundschaftszeichen
Den iPod sogleich zuzureichen.

Weil die Bedienung einfach war.
Kamen beide damit klar.

Polymèle kunstbeflissen
Wollte ganz genau es wissen.
Sie tippte ein in Sachen Frosch
Über jenen hatte sie erfahren,
Dass er vor vielen, vielen Jahren,
Frösche, getarnt als Kunstobjekt,
In seinen Werken hat versteckt.

Kaum hatte Bosch sie eingetippt
Da kamen sie schon angehippt.
Weit über hundert garantiert.
Frösche hier und Frösche da
Versteckt in allen Ecken
Sie auf seinen Bildern sah.
Was sollt das nur bezwecken?

Auf der Suche viele Stunden
Hatte Aristoquakes sie gefunden
Und für sein Machwerk nachskizziert.

"Mein Gott" dacht sie, "das kann nicht sein"
Und gab das nächste Suchwort ein.
Nach Bosch kommt Busch so dachte sie.
Auch bei ihm fand sie das Vieh.
Der Frosch, so schien es ihr just eben,
Hatte dem Dichter viel gegeben,
Neben Ideen auch viel Glück
Denn sie fand fast fünfzig Stück.

Auf der Suche nach dem Lurch
Klickte sie sich weiter durch.

Ganz der Kunst sich hingegeben,
So wie einst im Erdenleben,
Versunken tief in Kunstgedanken,
Tippte sie nun Franze Francken,
Den Namen des nächsten Künstlers ein
Der ihr in den Sinn kam grad.
Und tatsächlich in der Tat,
Hüpften wieder gar verwegen
Ihr Frösche aus dem Ding entgegen
Welches die ihr anverwandten
Musen schlicht nur iPod nannten.

Das ist doch nicht die Möglichkeit
Hat die Gute da gedacht
Und bereits nach kurzer Zeit
Den nächste Froschversuch gemacht.

Doch auch beim alten Breughel Pieter
Was es sofort das gleiche wieder.

Frösche in allen Farben
Für seine Bilder warben.

Da gab in ihrer Neugier sie
Die gesamte Hierarchie
Stellte sich auf dem iPod ein
Und die Frösche sowieso.
Das wusste sie, dass in der Kunst
Seit Isis und Osiris dem Pharao
Den die Ägypter Gott auch nannten,
Der Frosch stand immer in der Gunst,
Bei allen Klugen die ihn kannten.

Weil sie gehört hatte mal schon,
Dass Frösche in Sachen Religion
Noch viel, viel populärer waren
Als es bei Künstlern war der Fall,
Wollte sie mehr drob noch erfahren.
Deshalb klickte sie spontan
Das Label Religion fix an.
Und tatsächlich überall,
In allen Konfessionen,
Sah sie die Frösche thronen.
Selbst bei den Katholen
Saß einer auf dem Thron
Als Vertreter für den Sohn,
Des alten Gottes Jahwe, der
Populär schon lang nicht mehr,
Hatte sein Amt längst aufgegeben....

.... So dachte im Elysium
Hinter Achill die schöne Seele,
Die Tochter Pylas, Polymèle
Und darum
Klickte sie spontan
Den nächsten Suchbegriff gleich an.

Vor ihr an seinem iPod still
Saß grübelnd indessen Achill.
Sein Bildschirm war noch immer leer.
"Was soll ich suchen" dachte er.

Dann gab Kriegsalltag er ein.
So wie er hoffte, sollt es sein.
Sofort sah er die Krieger morden.
Beinah wäre ihm schlecht geworden.

Drum wandte er sich schnell,
Ja Achill war ein Filou,
Einem andern Suchwort zu
Und klickte drauf, es hieß Bordell.

Das hat ihn interessiert.
Da hat er hingestiert.

"Du bist ein Schwein" schrie da die Seele
Hinter ihm von Polymèle,
Die über seine Flügel sah
Was er tat und was geschah.

Da wurde Achilles wieder rot.
Das Bild das sich den andern bot,
Vom gefürchteten und mutig rohen,
Und allergrößten der Heroen,
War zwar ein nicht alltägliches
 Doch dafür ein ziemlich klägliches.

Denn in einem Bild versteckt
Hatte er sich selbst entdeckt.

Das Foto, es hing linkerhand
Im Bordell wo er einst war
Im Trojakrieg im ersten Jahr
Noch immer groß dort an der Wand,
Und jemand hatte seinen Namen,

Neben dem von Patroklos
In roter Farbe, ziemlich groß,
Draufgekritzelt unterm Rahmen.

Er ärgerte sich fürchterlich.
"Nie wieder lass ich sehn dort mich"

Fluchte er  "verdammter Dreck
Und warf den iPod ganz schnell weg.

Die andern Helden schadenfroh,
Haben lauthals losgelacht
Und sich  `nen Jux darob gemacht
Und die zehn Musen ebenso.


***

Ob der iPod ist zerschellt,
Den Zeus, der Göttin Heras Gatte,
 Erst kürzlich bei Amazon bestellt
Für seine Töchter, die Musen hatte,
Berichte ich hier in Journal
Für Euch bestimmt das nächste Mal.

wird fortgesetzt


Dienstag, 8. Januar 2013


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 11 - 24
 6. Kriegstag
 - Moorgeckers Rache  -

Käslochschnitzer, ein Mäuseheld
Hatte draußen just im Feld,
Im Streite, ohne lang zu zagen,
Moorgecker den Schenkel abgeschlagen.
Er säuberte des Schwertes Schneide
Und stieß zurück es in die Scheide.
"Du verfluchter Schwanzloslurch
Ich schneide dir die Kehle durch"
Schrie er den Grünen dabei an,
"Wenn du mir nochmal irgendwann
In die Quere kommst, bring ich dich um."

  
Der Frosch saß vor ihm blutend stumm.
Er sah sein abgeschlag'nes Bein
Vor sich im Blute liegen
Er dacht. "Was ist die Maus gemein,
Nun werd ich wohl ein Holzbein kriegen.
Dann wurd ihm schlecht. Besinnungslos
Sank er zu Boden. Rigoros
Wurd er der Waffen dann beraubt.
Alles hat man abgestaubt.
Als er wieder zu sich kam
Ein Stück Schilfrohr er sich nahm
Das er anspitzte zum Speer.
Mit diesem in der Diebstahlssache,
Ohn' seinen Schild zur Feindabwehr,
Nahm er an den Mäusen Rache.


Auf einem Beine hüpfte er
Den grauen Halunken hinterher.
Hundert hat er in der Schlacht
Sicherlich noch umgebracht
Und Dutzenden brach er die Knochen,
Dass siechend sie sind heimgekrochen.
Er wütete im Rachewahn
Durch das ganze, weite Land
Vom Teiche bis zum Schilfrohrrand.
So wie dereinst Dschingis Khan
Mähte er die Feinde nieder
Und brach ihnen alle Glieder.
Es war Mord und Todschlag pur
Auf die fürchterlichste Weise.
Hinter ihm die Todesspur
Glich einer Vernichtungsschneise
Wie ein Orkan sie hinterlässt.


Was übrig blieb als roter Rest
Ward ein Strom von Mäuseblut.
Auf einem Bein, mit Todesmut
Kämpfte er bis nah am Bach
Er erschöpft zusammenbrach.
Der Kreislauf war ihm kollabiert.
Beinahe wäre er krepiert.
Er hatte Glück, dass man ihn fand.
Pfrösch schleppte ihn zum Rinnsalrand,
Und hat zwecks Überleben
Zu trinken ihm gegeben.


Als er endlich zu sich kam
Der Retter ihn beiseite nahm.

"Du musst" sprach er zum Kameraden
"Den Schenkel in Kamille baden,
Sonst kommt der Wundbrand noch hinein
Und das könnt dann dein Ende sein."

"Wie soll den Schenkel ich zum Bade
Bringen" hat Moorgecker darauf gelacht:
"Den hab samt Flossen und der Wade
Ich doch verloren in der Schlacht!"

Da musste auch der andre grinsen.
"Ich mach" sprach er, "aus ein paar Binsen
Dir zwei Krücken, du wirst seh'n,
Damit kannst du wieder geh'n.


Gesagt, getan, um kurz vor acht
Verabschiedeten sich die zwei.
Pfrösch musst hinaus erneut zur Schlacht.
Für Moorgecker war sie vorbei.
Der starb später dann im Bett
Am Wundbrande im Lazarett.
Die Krücken bekam sein Nachtbar; der
Hatte gar keine Schenkel und Beine mehr.

Wie es Pfrösch im Krieg erging,
Ob er sich einen Speer einfing
Oder anderswie gefallen ist
Weiß keiner. Doch er wird vermisst!

Als sicher gilt indes hingegen
Dass Quäker fiel, der gar verwegen
Sich im Kampfe hat geschlagen.
Doch keiner konnte später sagen,
Als man ihn tot am Froschpfuhlrand
Auf der Kieselsteinbank fand,
Wie er zu Tod gekommen war.
Womöglich hat der Adebar,
Der Frösche manchmal gerne neckt
Den tapfern Kerl zu Tod erschreckt.

Krotsch schloss den toten Kameraden
In seine Arme. Schuldbeladen
Weinte eine Träne er.


Doch das half nun auch nichts mehr!
"An der Front im Waffenstreite
Stand Quäker stets mir treu zur Seite."
So dachte er, drum lud er sich
Den Kumpel auf. Gar ritterlich
Trug er ihn heim zu seinem Weib.
Wie Aias seinen Freund Achill
Auf dem Rücken heim trug still,
So trug zum weiteren Verbleib,
Er Quäker, ach es war ein Graus,
Nach Froschbachau heim in sein Haus,
Ach, es war ein schwerer Gang,
Wo der Freund gewohnt hatte bislang.


Dort wurde er dann aufgebahrt
Und so lange noch aufbewahrt,
Bis all die lieben Anverwandten,
Kinder, Onkeln, Enkel und Tanten,


Die von weither sind gekommen
Hatten Abschied all genommen.

Danach gab es im Trauerhaus,
Wie's üblich war den Leichenschmaus

Bei dem, nach alter Tradition
Wie kürzlich erst beim Moorbaron,
Die Trauergemeinde stundenlang
Die Heldentaten all besang
Welche Witwe Krötis Gatte
Sich in der Schlacht geleistet hatte.

Danach am späten Abend dann
Die Erbschaftsstreiterei begann.

Der Bruder wollt das Buckelschwert,
Der Schwager Quäkers Degen.
Der Erstgebor'ne ehrenwert,
Hatte nichts dagegen.
Onkel Marsgäggert der Schelm,
Dem Verblichenen bislang wenig hold,
Bestand darauf, dass ihm der Helm
Des Toten zugesprochen wurd,
Denn er wusst' der ist aus Gold.
Tante Prooz, es war absurd
Bekam am End den Lederschild
Mit Apollos Jugendbild
Das drauf ganz fein ziseliert,
Ins Metall war eingraviert.
Die lieben Enkel, all noch Quappen
Durften die Schulden dann berappen
Die der Kriegsheld Nacht für Nacht
In der Kantine hatt' gemacht.
Die Witwe hat das Bett bekommen.
In das hat Krotsch sie mitgenommen.

Als Dank dafür, dass er den toten
Gatten hatt' nach Haus gebracht,
Hat sie sich ihm nun angeboten.
Er hat nicht lange nachgedacht
Und den Dank gern angenommen.
So ist auch er zu was gekommen.

Sie dacht dabei an ihren Mann
Mit dem sie immer glücklich war.
"Mit mir bist du viel besser dran"
Machte indessen Krotsch ihr klar.
Sie räkelte sich in den Laken
Und ließ den Frosch im Bette quaken
Und dacht bei sich. "Ach war ich dumm.
Ich werd mich wohl in ihn verlieben!"
Jetzt war sie schlau. Sie wusst' warum.
Krotsch kam die Sache sehr gelegen.
Er warf den Speer weg und den Degen
Und ist bei ihr geblieben!

Während die zwei im Bette lagen
Haben andre sich geschlagen.
Im Osten an der Frosch-Maus-Front
Schlug sich Langschwänzer gekonnt
Mit zwei grünen, feisten, fiesen
Fröschen die Protz und Dätsche hießen.


Der erste lag am Boden schon.
Der andre, offenbar sein Sohn,
Hat ihn wie Aias einst den Patroklos
Tapfer verteidigt. Furios
Stieß er mit der Lanze zu.

"Du verdammter Mauser du,
Hast meinen Vater grad erschlagen"
Hörte Langschwänzer ihn klagen.
Dann drang der Stahl ihm durch die Stirn
Tief ein ins morsche Zwischenhirn.
"Ojemine" dachte die Maus.
Dann war es mit dem Denken aus.
Die Sinne schwanden ihr und dann
Kam ihre Seel' im Hades an.
Dort traf am Ufer sie den Lurch
Den sie grad erschlagen hatte.
Jener sprach zu ihr: "Gestatte
Dass ich dich den Styx hindurch
Ins Elysium führe, dort
Ist für uns der rechte Ort."
Er hat sie bei der Hand genommen
Und dann sind sie los geschwommen.

Gemeinsam klopften sie ans Tor.
Von drinnen her, vom Korridor,
Rief Rhadamanthys: "Kommt herein
Ihr sollt bei uns willkommen sein."
"Kommt mit" sprach er, "hier durchs Portal,
Dann geradeaus, der Nase lang,
Durch den langen dunklen Gang,
Dort wo es hell wird ist ein Loch.
Dann zwei Kilometer noch
Und ihr kommt in den großen Saal."
"Dort steht einer" sprach traurig er sonor
"Der stellt euch dann den andern vor.
Ich kann euch leider nicht begleiten
Denn drüben auf der andern Seiten
Sind nur Seelen zugelassen
Die zu Heldenseelen  passen."

Die zwei sind sogleich los gekrochen.
Wie angekündigt und versprochen
Stand eine Seele an der Pforte
Die sprach mit Diensteifer im Worte:
"Ihr beide seid bei all den frommen
Helden hier uns sehr willkommen.
Zum Einstand, das muss ich erklären,
Müsst ihr euch jedoch erst bewähren
Und uns, ohn' lang erst nachzufragen,
Ein neues Froschgedicht aufsagen.
Wenn ihr das schafft ist Zeus bereit
Zu schenken euch die Ewigkeit!"

***

Wie die beiden tapfren Seelen
Ohn' ihre Herkunft zu verhehlen,
Den Eintritt ins Elysium sich
Erdienten bericht' in Kürze ich.

wird fortgesetzt

Montag, 7. Januar 2013

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 11 - 23
 6. Kriegstag
 - Beim und nach dem Leichenschmaus  -

Am Festmahle sich labend
Im Trauerhaus
Beim Leichenschmaus
Blieb mancher bis zum Abend.

Es wurde getanzt und auch gesungen.
Manch alte Weise ist erklungen
Die lang in dieser schönen Art
Im Haus nicht mehr gesungen ward.

Ein jeder sang im reinsten Ton
`Nen heitren Vers auf den Baron
Um ihn ein letztes Mal zu ehren.
Der Arme konnt' sich nicht mehr wehren.
Er lag im kalten feuchten Grab
Längst zugedeckt mit Erde tief
Wo er nun für immer schlief.

Das Fest, das ihm zur Ehr man gab,
Samt dem exquisiten Mahl
Ward ihm längst schon schnupp' egal.
Selbst der üble Sachverhalt,
Dass man auf ihn Reime machte
Und jauchzend sie zum Klingen brachte,
Ließ den Moorbaron nun kalt.

Ach was hat es schön geklungen,
Was die Alten und die Jungen
Für ihn, der eben ward begraben,
Scherzend nun zum Besten gaben.

Nach Vogelhochzeit's Melodie
Wurd Vers um Vers als Parodie
Dem Verstorbenen zur Ehr,
Und ohne dessen Gegenwehr
Beim Festmahle nun dargebracht.
Selten wurde so gelacht
Zuvor wie jetzt im Trauerhaus.
Wer grad nicht sang, klatschte Applaus.

Ein jeder Gast war mehrmals dran.
Moorgraf von Perlenlaich fing an:

- "Dem Moorgrafen von Quakehold
Versaufen wir den letzten Sold."

Die andern Gäste ganz spontan
Sangen den Kehrreim drauf sodann.

"Fidi quak quak qua,
  Fidi quak quak qua,
Fifi quak quak quak quak qua."

Nach diesem Muster froh und heiter,
Ging es im Rundgesang nun weiter.

Frosch Schorrepork aus Rügen
Sang lauthals mit Vergnügen

- "Der Moorbaron, nun ist er tot
Doch seine Witwe leidet Not"

- "Die Arme liegt nun nachts im Bett
Und denkt an das was sie gern hätt"

- "Ach je, was ist sie arm jetzt dran
Zum Glück fehlt ihr der Ehemann"

- "Mal seh'n wie lang sie es hält aus,
Die Freier schleichen schon ums Haus"

- "Für diese Witwe, hübsch und jung
Riskier selbst ich `nen Seitensprung"

- "Die Witwenrente bringt ein Lurch
Wie ich ganz sicher mit ihr durch"

So sang Frosch Schorrepork beim Wein
So lang bis ihm fiel nichts mehr ein.

Als nächster war Frosch Dreckpatz dran.
Er griff ein andres Thema auf
Und spann es aus im Singverlauf.
Er nahm den Priester, Gott erbarm,
In seinen Reimen auf den Arm.


- "Der Pfarrer ist ein kluger Mann"

So fing er seinen Singsang an
Und die Gemeinde schloss spontan
sich jeweils mit dem Kehrreim an.

"Fidi quak quak qua,
  Fidi quak quak qua,
Fifi quak quak quak quak qua."

- Hochwürden der lebt ganz allein,
Ins Pfarrhaus lädt er Witwen ein"

- "Er ist zu trösten gern bereit.
Der Pfarrer der hat immer Zeit"

- "Er weiß genau wie man das macht
Und hat schon viel zu Stand gebracht"

- "Acht Kinder hat er sicher schon,
Der Bischof weiß noch nichts davon"

- "Der Pfarrer kennt zwar seine Pflicht,
Doch Alimente zahlt er nicht"

- " Er lässt gern fünfe grade sein
Steckt die Kollekte lieber ein"

- "Er lebt im Pfarrhaus ganz famos;
Und hat dort alles kostenlos"

- "Und wenn er einmal Liebe will
Dann hält die Köchin gerne still"

- " Danach predigt er ihr Moral.
Das tun wir morgen noch zwei Mal"

- "Der Pfarrer, der weiß immer Rat,
Drum pfeift er auf das Zölibat"

- "Er hat dort schon so mancher Frommen,
Im Bett die Beichte abgenommen"

Der nächste Sänger in der Runde
War Hopskröter vom Froschteichgrunde.
Er sang mit aufgeblähtem Schmer
Der Gastgeberin nun zur Ehr,
Wie auch der Köchin hinterm Ofen
Ein paar Dankeshymnen-Strophen.

- "Wir kamen all, so wie es Brauch,
Ins Trauerhaus mit leerem Bauch"

- "Auch waren wir all durstig sehr,
Die Weinkrüge sind schon fast leer"

- "Wir hoffen heimlich alle doch,
Dass du im Keller mehr hast noch"

- "Wir sagen hiermit herzlich Dank
Für Gastfreundschaft und Speis und Trank"

- "Die Schabensupp' war exzellent,
Der Wurmauflauf gar opulent"

- "Die Ameis'beinchen hausmannsart,
Waren saftig und schön zart
Und auch der Fliegenbraten
Ist der Köchin gut geraten"

- "Die Grillmückchen haben geschmeckt;
Ich hab die Finger mir geleckt;
Die Weiber kneift ihr Mieder;
Wir kommen gern mal wieder"


"Fidi quak quak qua,
  Fidi quak quak qua,
Fifi quak quak quak quak qua."

So ging es weiter stundenlang.
Solch Spaß bei einem Rundgesang
Hatte es bis eben
Im Haus noch nie gegeben.
Dabei wurd viel getrunken!
"Ihr wollt mich wohl verunken"
Warf die Witwe traurig ein.

"Auch du wirst wieder glücklich sein"
Sprach Puspuck da, der Trunkenbold
Im Suff zur Witwe Quakehold,
Und griff in wilder Lust
Ihr an die grüne Brust.

Die Witwe nahm kurz Maß.
Die Ohrfeige sie saß!

Puspuck ist im hohen Bogen
Vom Moosstuhl in den Sumpf geflogen.
Die Lust und sein Verlangen
Waren ihm vergangen.
Er nahm abseits im Grase Platz
Uns aß `ne Raupe als Ersatz
Die besser ihm bekommen sollte
Als das was er zuvor grad wollte.

Der Oheim Brouz indes frivol,
Animiert vom Alkohol,
Griff unterm Tisch der Schwiegermutter
Heimlich unters Warzenfutter.
Die mochte das wohl leiden.
Später dann die beiden
Ins nahe Schilf verschwanden
Wo sie, was sie suchten fanden.

Der Pfaffe alkoholisiert,
Hat es schließlich auch probiert.
Er sprach zur Witwe: "Mach schon, komm,
Du bist doch sonst auch nicht so fromm.
Dein Gatte kommt nicht mehr zurück.
Gönn dir ruhig ein bisschen Glück.
Ich geb' auch Acht, lass es geschehen,
Er macht uns Spaß, du wirst es sehen!
Komm gib mir einen Kuss.

"Nun machen sie mal endlich Schluss
Mit ihrer Anmache sie geiler Bock"
Hat ihn die Witwe angeschrie'n .
Doch später, nach dem ersten Schock,
Hat nachträglich sie ihm verzieh'n,
Ihm noch ein Gläschen eingeschenkt
Und die Sache eingelenkt.

Doch was man sich hatt' vorgenommen
Ist nicht zu Stande recht gekommen.
Der Alkohol war wohl dran Schuld.
Weder Spucke noch Geduld
Konnt" den Hochwürden retten.
Drum musst er mit ihr petten.

Nachdem es ihr dann reichte
Sprach sie "Ich komm zur Beichte
Ins Pfarrhaus morgen in der Früh.
Für die vergebne Liebesmüh
Sei dir gedankt. Doch morgen
Werd ich es Dir besorgen.
Wenn die Sache wieder steht,
Dass Hören und Sehen dir vergeht."
"Und du" hat sie ihn angelacht,
"Wenn ich, was du willst, hab gemacht,
Gibst mir danach als Lohn,
Deine Absolution.

Der Pfaffe grinste. Arg frustriert
Hat er es zwar erneut probiert.
""Verflucht" dacht er, "der Geist ist wach
Weshalb ist denn das Fleisch so schwach?
Warum oh Gott, gerade jetzt?"
Hielt Zwiesprach' er mit seinem Herrn
Wie alle Priester es tun gern.
Sein ganzer Stolz ward  nun verletzt.
"Was ist nur los, mein Gott wieso,"
So fragte er gar inniglich,
"Lässt Du mich grade jetzt im Stich,
Und auch meine Libido."

Was er auch tat, das olle Ding
Funktionierte nicht es hing.

Das schüttelte der arme Tropf
Resignierend seinen Kopf
Und sprach: "Bis morgen dann;
Da steht er wieder seinen Mann."

Auf dem Weg zum Pfarrhaus hin
Traf er im Schilf die Hitschfröschin.
Die sprach ihn an: "Schau was ich hab.
Ein Manntier mit verwirrtem Sinn
 Warf es gestern in den Teich
Und ich nahm es zu mir gleich.
Es ist noch eine Pille drin.
Die Aufschrift sagt, dass für den Mann
Die Sache hilft damit er kann.
Es ist für die Erotika
Gedacht und nennt sich Viagra.
Das Manntier hatt' es in Gebrauch.
Vielleicht hilft es ja Pfaffen auch.
Ich steh zwar nicht auf solchen Plunder
Doch das Zeug wirkt wahre Wunder
Das konnt' ich mit eignen Augen sehen.
Also mach schon, sei kein Frosch
Steck das Ding dir in die Gosch
Dann wird was du willst, wieder gehen.

Mutig nahm es der Pfarrer ein.
Es sollt zu seinem Besten sein.

Er hatte es noch nicht geschluckt
Da haben die Schenkel schon gezuckt.
Die Kraft kam wieder. Wie noch nie
Federten ihm seine Knie.
Oh, wie fühlte er sich gut.

Er hüpfte froh im Übermut
Dreimal um den Teich und dann
Nahm er sich der Fröschin an.
Die ließ sich auch nicht lange bitten.
Gemeinsam sind sie ausgeritten.
Erst im Trab und dann hopp hopp,
Durch das Rohr im Froschgalopp.

"Was ist denn los" sprach sie intim
Am Teichufer danach zu ihm;
"Du bist ja wilder als ein Stier."

"Komm her" hat er zu ihr gequakt;
"Ich möchte noch dreimal mit dir."
Doch diesmal hat sie nein gesagt.

Da kam ihm etwas in den Sinn.
Schnell hüpfte er zum Pfarrhaus hin.
Dort standen die Witwen bereits Schlange.
"Auf geht's" sprach er im Überschwange,
Seiner neuen Manneskraft.
Wer ist die erste? Komm herein.
Du wirst mit mir zufrieden sein.
Es wurde eine lange Nacht,
Denn er stand im besten Saft.

Draußen im Felde, in der Schlacht
Ging es nicht so lustig zu.
***

Was Käslochschnitzer ein Filou
Der Mausarmee dort grade tat
Das nächste Mal ich Euch verrat.

wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.