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Montag, 10. Dezember 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 11 - 5
 6. Kriegstag
 - Eine hinterlistige Finte -

"Ich danke dir" sprach Quietscherich,
"Komm schließ dich an, ich führe dich.
Es ist ein kurze Stück nur noch
Bis zu meinem Mauseloch."
Er ging voran, Muckstrat ohn' Speer
Hüpfte fröhlich hinterher.
Während er hüpfte, der Filou
Plante heimlich einen Coup.
Im Loch bei Quietscherich zu Haus
Wollt hinterhältig er der Maus,
So dachte er mit finstrem Lachen,
Mittels Dolch den Garaus machen.
Weib und Kinder ohne zagen,
Werd ich aus dem Hause jagen,
Sie allesamt zum Teufel hetzen,
Und mich im Loch zur Ruhe setzen.
Wenn die Mäus dann alle türmen
Werd ich die Speisekammer stürmen.
Ich setz mich ins gemachte Nest
Und warte ab des Krieges Rest."

So hatte er sich's vorgenommen.
Doch es sollte anders kommen!

"Siehst du" rief da der Quietscherich
Plötzlich erfreut, "im zweiten Haus
Von links, dort vorne wohne ich
Mit meiner süßen kleinen Maus."

Nach diesen Worten wollt er flieh'n.
Zum Glück, Muckstrat erwischte ihn
Bevor im Mausloch er verschwand,
Am Schwanze noch mit seiner Hand.


Er wollt denn Mauser an der Flucht
Hindern und zog mit solcher Wucht
Am Mauseschwanz, dass dieser riss.
In seiner Hand das Ärgernis,
Stand Muckstrat vor dem Mauseloch
Und dachte nur das eine noch:
"Ich muss die Maus daraus vertreiben
Wenn ich dort drin will wohnen bleiben."

Er wollte grad hinein ins Haus,
Da stürmten aus dem Loch daneben,
Sechs Bewaffnete heraus


Und trachteten ihm nach dem Leben.
"Eine Falle" dacht er noch
Und suchte zu entkommen.
Die Feinde schließlich aber doch,
Haben ihn sich vorgenommen.
Er verlor den rechten Arm
Durch einen Maus-Epheben.
Flüchtend in Panik und in Harm
Bat er "Verschont mein Leben."
Da hieb der Gegner ihm gemein
Auch noch sein linkes Hinterbein
Mit einem wucht'gen Schwertstreich ab
Worauf er sich geschlagen gab.


Niemals mehr hat ohne Not
Im Krieg er eine Maus bedroht.

Im Unglück hatte Glück der Lurch.
Als Kriegsversehrter kam er heim.
Heut bringt er seine Rente durch
Und freut sich drüber insgeheim,
Dass er der Maus nicht nachgestiegen,
Sonst würd' er heute gar nichts kriegen.

Doch nicht alle hatten Glück.
Mancher blieb im Feld zurück.
So mancher Frosch wurd in der Schlacht
Von den Mäusen umgebracht
Und manche Maus verlor ihr Leben
Weil sie einem Frosch-Epheben
Am Teiche an das Leder wollte.
So kam es wie es kommen sollte.
Auf beiden Seiten die besten Söhne
Wurden blutjung, im besten Saft,
Das ist am Kriege das Obszöne,
Zu Tausenden dahingerafft.
Des Hasses Moloch, ohne Sinn,
Hatte seit dem Kriegsbeginn,
Den beiden Völkern Schlacht um Schlacht,
Nichts als Tote eingebracht.
Keiner kannte ihre Zahl.
Nicht einmal der General
Wusst' genau wie viele von allen
Seiner Helden schon gefallen
Waren auf dem Feld der Ehr.
Doch Tote zählen eh nicht mehr!

Doch irgendwann am Nachmittag
Traf sich die Generalität
An einem verschwiegnen Wiesenhag
Um über die Perversität
Des Krieges einmal nachzudenken.



"Mein lieber Freund um einzulenken",
Sprach Froschmarschall von Poggewitz
Zum Mausmarschall von Kässtibitz,
"Ist es für mich schon längst zu spät
Denn Pausback seine Majestät,
Verlangt von uns, dass wir nun binnen
Drei Tagen diesen Krieg gewinnen.
Was soll ich tun? Er will es so!"
"Okay, du kennst das Risiko"
Gab Kässtibitz zur Antwort drauf.

"Rex Parteckfresser trug mir auf,
Auf keinen Fall, und kost's mein Leben,
Euch einen Millimeter nachzugeben.
Er gab mir den Befehl dazu,
Dass ich euch Frösch' in diesem Kriege,
Und das wollte er partout,
Noch vor dem Wochenend' besiege,
Weil am Sonntag für das Heer
Bereits die Siegparade wär`,
Und so ließ er mir berichten,
Da möcht er nicht auf uns verzichten."


"Da gibt's nur eins" sprach Poggewitz
Frustriert darauf zu Kässtibitz
Mit zornerfülltem Lachen:
"Wir müssen eben weitermachen!"

Der Mausmarschall, nach Mäuseart,
Zwirbelte sich seinen Bart.
Und es schien als würd' er grübeln.
"Du darfst mir" sprach er, "nicht verübeln,
Dass ich mit allen Mitteln nun,
Was meine Pflicht ist, werde tun.
Ich bin nun einmal eine Maus
Und kann nicht aus meinem Fell heraus.
Und außerdem als Offizier,
Geht es mir genau wie dir.
Gehorsam ist die erste Pflicht.
Ohne diesen geht es nicht.
Loyalität und Konzilianz,
Sind nebst dem eignen Mauseschwanz
Das Wichtigste im Leben mir.
Ich sage es ganz offen hier;
Du kannst mit glauben, ohne ihn,
Könnt ich in den Krieg nicht zieh'n."
"Mein lieber Marschall Poggewitz",
So fuhr die Maus mit großem Wort
In ihrer Red zum Frosche fort
Und fügte an gar scharf und spitz:
"Ein Offizier, ich sag's ohn' Scheu,
In unserm Land ist königstreu.
Auch du kämpfst ja mit Recht und Fug
Bis zum letzten Atemzug,
Für König Pausback; so wie du
Finde ich nicht eher Ruh
Bis ich beendet hab den Krieg
Für meinen König mit 'nem Sieg."

"Okay, dann lass uns neu beginnen"
Sprach der Froschmarschall darauf.
Mögen die Götter es entscheiden.
Wer immer wird am Schluss gewinnen,
Ist der Bess're von uns beiden."

So nahm die Sache ihren Lauf.
So wie vor Tagen sie begann,
Als Troxartes auf Rache sann
Für seinen heiß geliebten Sohn
Und Erben auf dem Mäusethron,
Welcher im Teich ganz offenbar
Ertränkt von Pausback worden war.

So sann die Generalität,
In der acht Tage alten Sache,
Denn dafür ist es nie zu spät,
Am Wiesenhag auf Rache.


Weil keiner wich auch nur ein Stück
In seiner Auffassung zurück,
Begannen sie sich zu beschimpfen.
"Dein hinterhältiger Überfall",
So wetterte der Mausmarschall,
Den andern zu verunglimpfen,
"Werde ich dir nie vergessen.
Du hast die Dreistigkeit besessen,
Uns ohne Warnung anzugreifen.
Ich jag dich mit der Mausarmee
Zurück in deinen Hetschensee,
Dass ihr aus eurem sumpf'gen Moor
Niemals mehr wagt euch hervor."

"Ich lasse eure Löcher schleifen"
Erwiderte der Frosch darauf.
Du wirst es seh'n, nichts hält uns auf.
Ich lass in euren eignen Wänden,
So wie Milosevic es tat,
Die Weiber und die Kinder schänden.
Unter meinem Supremat
Gibt es, glaub mir, kein Pardon.
Ich jag dein ganzes Volk davon.
Auch setz ich, wenn es müsste sein,
Folter, Mord und Todschlag ein."

Der Mausmarschall gar aufgebracht
Schrie zornig: "Wenn ihr solches macht,
Dann brenn ich euch das Schilfrohr nieder,
Dass euer einer kann nie wieder
An Land setzen den breiten Fuß.
Nur Asche, Glut und Rauch und Ruß
Würde es noch am Ufer geben.
Ihr könntet im Teiche nicht mehr leben
Und wäret gezwungen fort zu zieh'n."

"Wir werden niemals feige flieh'n"
Konterte der Froschmarschall
Und fuhr fort im Redeschwall:
"Wenn wir in Mausheim einmarschieren,
Lass ich alles deportieren
Was nicht nach meiner Pfeife tanzt.
Falls einer sich im Loch verschanzt,
Räuchern wir ihn aus und dann
Wird er von meinen Kampfgenossen,
Standrechtlich sofort erschossen,
Damit er's nicht verraten kann.
Wir sagen dann zutiefst bewegt,
Dass er hat Hand an sich gelegt,
Als ihm in seinem Loch wurd' klar,
Dass nichts mehr zu gewinnen war.
Und überhaupt, wenn wir gewinnen,
Wird keiner sich je dran entsinnen,
Wie unser Sieg in Pausbacks Nam'
Gegen euch Mäus zustande kam.
Und keiner wird sich je erfrechen,
Von Gräueltaten gar zu sprechen,
Die mancher Frosch im Siegeswahn
Hat euerm Volke angetan.
Vom Sieger so etwas zu sagen
Wird nach dem Kriege keiner wagen
Denn der hat ja als Gegenpfand
Die Macht im Lande in der Hand.
Da ging es dem Rebellen schlecht.
Der Mächtige ist stets im Recht
Und kann machen was er will!"

"Du feiger Frosch, sei endlich still"
Fuhr da der Mauser stante pede
Dem Froschmarschall in seine Rede.
"Ihr habt" sprach er ruhig und besonnen,
"Den Krieg noch lange nicht gewonnen.
Wir pumpen euch Gülle in den Teich,
Dass euch vergeht die Lust zur Laich.
Wir gießen Öl ins Wasser und dann
Zünden wir das Ganze an.
Ach was wird das Wasser rauchen!
Da müsst ihr alle untertauchen
Und wenn die Luft euch wird dann knapp
Und ihr noch oben kommt ganz schlapp,
Werdet ihr euch arg verbrennen.
Warte ab, du lernst mich kennen.
Ich hab noch manchen Trick parat,
Der zwar ein bisschen rabiat
Erscheinen mag, doch wirksam ist.
Ich kenn im Kriege jede List.
Da macht mir keiner etwas vor,
Kriegstaktik ist mein Ressort;
Da kenn ich alle Finten.
Auch haben wir die bessern Flinten.
Unsre Waffen, all aus Stahl,
Sind den euren überlegen;
Und die Offiziere, erste Wahl,
Sind weit bessere Strategen
Als eure dummen Froschsoldaten.
Bei uns gibt's keine Renegaten
Die das Fähnchen in den Wind
Hängen weil sie feige sind.
Meine Männer unverdrossen
Sind zu siegen fest entschlossen.
Während ihr am Teich noch quakt
Um die Lage zu beraten,
Drängt es sie alle unverzagt
An die Front zu Heldentaten."

"Hochmut" grinste der Froschmarschall,
Kommt immer kurz vorm Fall.
Auch ich bin lange schon Soldat.
Ich hör auf Clausewitzens Rat.
Deshalb ist meine Strategie
Im Kriege die Ökonomie.
Getrennt marschieren, vereint schlagen,
So ließ ich mir von Moltke sagen,
Ist das Rezept für einen Sieg
Der Armee in jedem Krieg.
Ich greif auf die vier "G" zurück.
Geld, Geduld, Genie und Glück,
Sind dann, wenn recht sie angewandt,
Für einen Sieg das Unterpfand!"

"Wer uns Mäus verjagen will"
Erwiderte die Maus darauf,
"Der darf nicht einfach faul und still
Im Pfuhle sich 'ne Pause gönnen.
Ihr müsst verdammt gut laufen können,
Und zwar allsamt im Dauerlauf,
Wenn ihr im weitren Kriegsverlauf,
Nicht allesamt, was ihr ja sollt,
Von uns verfolgt, verrecken wollt.
Wir jagen euch durchs Binsenrohr
Zurück über das Unkenmoor
In einen gift'gen Pfuhl hinein.
Das wird dann euer Ende sein.
Wir deklarieren irgendwie
Den Teich zur Giftmülldeponie.
Wir durchwühlen Eure Deiche
Und graben euch das Wasser ab,
Bis ihr in euerm Modderreiche
Auf den Boden sinkt hinab.
Wenn ihr dann all im Trocknen sitzt
Und in der Sonn zu Tod euch schwitzt,
Falle ich mit meinem Heer
Über eure Reste her.
Wir schneiden Euch den Fluchtweg ab.
Der Teichschlick wird dann euer Grab."

"Die Praxis" sprach drauf Poggewitz
Zum Feldmarschall von Kässtibitz,
"Sieht anders aus meist in der Schlacht.
Ich rate dir, nehmt euch in Acht,
Meine kühnen, glitschig nassen
Krieger sind nicht leicht zu fassen;
Sie werden deinen feigen, dreisten
Nagern Widerstand stets leisten.
Sie sind ständig auf der Hut
Und keinem Frosch fehlt es an Mut.
Auch wenn man sagt im Allgemeinen,
Dass unsre Truppen feig erscheinen,
Trifft das nicht zu. Mit Intellekt
Wurd mancher Plan schon ausgeheckt
Von meinen tapferen Soldaten,
Der eure eignen Ruhmestaten,
Auch wenn euch das nicht sehr gefällt,
Bei weitem in den Schatten stellt."

"Na gut, wir werden es ja sehen"
Sprach Kässtibitz darauf im Gehen.

"Ich wünsche Hals und Beinbruch dir.
Falls nach dem Kriege einmal wir
Uns treffen geb' ich einen aus."

Der Froschmarschall hat salutiert.
"Pass auf dich auf" sprach er zur Maus,
"Dass dir im Felde nicht passiert."

Dann zogen beide in die Schlacht
Und haben weiter Krieg gemacht.


***

 wird fortgesetzt

Dienstag, 22. November 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 66

Carl von Clausewitz

„Vom Kriege“


as ist

Krieg“ so fängt er an.

Zweck und Mittel folgen. Dann

Wird der Genius erklärt

Der im Kriege sich bewährt.

Von Anstrengung und von Gefahr

Weiter auch die Rede war.

Friktion im Krieg, Fernmeldewesen.

Kein Grund um weiter dort zu lesen.

Die erster hundertfünfzig Seiten

Nur Theorie, um einzuleiten.

Im ersten Teil, vom dritten Buch

Macht der Autor den Versuch

Das große Schlagwort Strategie

Zu erläutern irgendwie.

Kühnheit, Tugend und Moral,

List, Überraschung, Kräftewahl;

Dynamik und Beharrlichkeit;

Vereinigung von Kraft und Zeit

Sind and‘re Kapitel überschrieben.

Meist hat der Autor übertrieben.

Auf Seite zweihundert schließlich dann

Fängt das Buch erst richtig an.

Unter der Überschrift Gefecht

Steht mancherlei geradebrecht

Was nur der Genius versteht

Um den es weiter vorne geht.

Dann beginnt der Zweite Teil.

Dort bietet Clausewitz das feil

Was jeder Frontsoldat verschmäht.

Für die Generalität

Mag es wichtig sein; wer weiß?

Gräulich blätternd kam in Schweiß.

Er verlor die Übersicht.

Was er suchte fand er nicht.

Feldzug, Schlachtordnung, Quartier,

Avantgarde und Kriegstheater;

Alles fand sich im Brevier.

Doch als Kampf-und Frontberater

War das Werk von Clausewitz

Ungeeignet. Sein Besitz,

Das stellte sich nun schnell heraus

War keine Hilfe für `ne Maus,

Um ihr, dass sie nicht verreckte,

Weil sie im Schlamassel steckte

Eine Ausweg aufzuzeigen.

Das Buch das dem Major war eigen,

Diente lediglich dem Offizier

Als Renommee wie das Rapier

Um damit ein wenig anzugeben.

Als Hilfe für das Überleben

Kann man dieses Werk vergessen.

Kaum ein Wort darin vom Essen.

Im ganzen Werk die Überschriften

Taugen nicht zum Frieden stiften.

Angriff und Verteidigung,

Flankenschutz und Marschordnung,

Sukzessiver Widerstand,

Rückzug aus dem Feindesland;

Diversion und Offensive,

Invasion und Defensive,

Verlagerung des Angriffszieles,

Politischer Zweck des ganzen Spieles;

Wie man einen Feind bezwingt,

Wie ein Überfall gelingt,

Wie man Flüsse überquert,

Wie man sich vor Schlägen wehrt;

Wie man Festungen angreift,

Wie man ganze Städte schleift;

Wie man geschickt den Boden nutzt,

Wie man dem Feind die Klingen stutzt;

Angriff des Feindes im Quartier;

An alles hat der Offizier

Carl von Clausewitz gedacht.

Rückzug nach verlor’ner Schlacht;

Überlegenheit nach Zahl,

Angriffstaktik, Waffenwahl,

Handhabung der Kriegsdienstkunst,

Nutzung von Nebel, Nacht und Dunst;

Bau von Festungen und Schanzen,

Sicherung von Allianzen,

Volksbewaffnung und Kordon,

Beschrieben im Offiziers-Jargon;

Jeden kriegerischen Akt

Erklärt vom General exakt.

Führungsprinzip und Reglement,

Das ganze Feldzugs-Repertoire;

Wo der Führer hat zu steh’n,

Dass es alles gut kann seh’n;

Gebrauch von physischer Gewalt

Ohne Schonung kraftgeballt;

Wald-, Gebirgs-; Vernichtungskampf,

Und all den andern Kriegsdienst-Krampf

Hat der General gediegen

In seinem Werk „Vom Krieg“ beschrieben.

Mit bonapartistischem Verstande

Erklärt uns Carl von Clausewitz

Wie man Krieg führt hierzulande.

Hingegen keinerlei Notiz

Darüber was man im Kriege in der Schlacht

Wenn man im Sumpfe festsitzt, macht.

Gräulich schlug das Machwerk zu

Und reichte es dem Korporal.

Der blätterte in aller Ruh

Sich durch den Wälzer noch einmal.

Die Mäus‘ indessen rings umher

Sanken tiefer mehr und mehr.

Die ersten im tiefen Sumpfgelände

Falteten verschämt die Hände.

Andere hingegen fluchten.

Was immer auch die Mäus‘ versuchten

Sich aus der Falle zu befrei’n,

Sie sanken immer tiefer ein!

Das war die Lage: Vorklugbeiß

Auf seines Anführers Geheiß,

Wühlte sich durchs Buch „Vom Kriege“.

Soldatentum ihm in die Wiege

Gelegt, schrieb Clausewitz der General

Ein Werk welches fundamental

Sich mit dem dummen Krieg befasst

Der allen Klugen ist verhasst.

Bellum iustum! Pax Romana!

Gleich nach der Prolegomena,

Die ihm seine Gattin schrieb,

Auf Lichtenberg ein Seitenhieb.

Er hänselte gar als Strategen

Seine Offizierskollegen

Die mit dem Thema ohne Frucht

Sich hatten vor ihm schon versucht.

„Salbadereien aller Art

Hätten sie ihm nicht erspart“

Schrieb er. Als Intellektueller eigen

Wollt den Stümpern er es zeigen.

Er kannte sich aus in dem Milieu.

In einer Art wie Montesquieu

Der vom Geiste der Gesetze schrieb

Damit sein Buch auch zeitlos blieb,

Ging er zu Werke. Was er dacht‘

Hat er zu Papier gebracht.

Wie man einen Vorteil nutzt

Und wie den Gegner man verdutzt;

Wie man verhindert intelligent

Dass man in Bajonette rennt;

Wie einen Feind man im Gefecht

Aussticht schnell und kunstgerecht;

Wann man zur Attacke bläst,

Den Gegner ins Leere laufen lässt,

Wie und wo und wann man ficht

Oder angreift besser nicht.

Wie, ohne dass man sich groß schindet

Man ein Bollwerk überwindet;

Wie man den Gegner in der Schlacht

Niederwirft und wehrlos macht;

Wie man tarnt sich so geschickt

Dass man selbst vor sich erschrickt;

Wie man den Feind zum Handeln zwingt

Auf dass der Angriff ihm misslingt;

Wie man umgeht mit der Flinte,

Wie man ansetzt eine Finte;

Wie man der Kühnheit edle Tugend

Im Kriege abverlangt der Jugend;

Wie man `nen Knecht in Anbetracht

Des Untergangs zum Feldherrn macht;

Wie man die Truppe motiviert

Dass sie durchhält und marschiert

Und immer wieder neu beginnt

Solange bis sie einmal gewinnt.

Wie man Reserven führt heran

Und wo man die bekommen kann;

Wie man des Feindes Kräfte bindet

Und wo man dessen Truppen findet;

Wann man an Aufgabe muss denken

Und das Panier sollt lieber senken

Als mit Ehrgeiz im Betragen

Eine Schlacht erneut zu wagen.

All das schrieb Clausewitz auf Ehr

In sein Buch und noch viel mehr.

Vorklugbeiß der Korporal

Blätterte irrational

Im Werk „Vom Kriege“ hastig weiter.

Neben ihm ein Hauptgefreiter

Schrie ihn plötzlich unwirsch an:

„Beeil dich doch du Blödian;

Mir steht der Schlick schon bis zum Kinn;

In zehn Minuten bin ich hin“:

Auch von der anderen im Moor

Sah’n nur die Köpfe noch hervor.

Der Verzweiflung nah im Grimm

Fluchten manche ziemlich schlimm.

Einer rief in Ungeduld:

„Die Offiziere haben Schuld;

Erst jagen sie zum Kriegsdienstzweck

Uns dümmlich rein in diesen Dreck

Und wenn wir im Schlamassel stecken

Lassen sie uns all verrecken.

Das größte Schimpfwort, glaubt es mir,

Welches ich kenn ist Offizier“!

Sogar der König nicht grad glimpflich

Wurde beschuldigt dreist und schimpflich.

„Troxartes“ schrie von hinten einer,

„Ist ein Schuft ein hundsgemeiner.

Nur weil sein Bankert Bröseldieb

Im Schilfe bei den Fröschen blieb

Riskieren wir hier Kopf und Kragen.

Uns’re Haut zu Markte tragen

Müssen wir für Parteckfresser.

Warum gab er Acht nicht besser,

Samt Lychomyle auf den Kleinen?

Ich kümmere auch mich um die Meinen

Und wenn ich nicht zu Haus kann sein,

Wie jetzt im Krieg, sperr‘ ich sie ein.

Leckmülle und dem Potentaten

Eine Extrawurst zu braten

War dumm von uns. Nie wieder zieh

Ich in die Schlacht für ihn und sie“!

Während die Truppe lauthals fluchte

Der Korporal noch immer suchte.

Er wühlte sich, dem Tode nah

Durch die Kriegs-Scholastica

Die der Major zum Rettungszweck

Hatte mit im Kampfgepäck.

Bot Clausewitz, das war die Frage

Einen Ausweg aus der Lage

In welcher sie sich just befanden?

Jedes Stichwort war vorhanden

In dem dicken Buch “Vom Kriege“.

Was man macht nach einem Siege

Am Ende einer Kanonade.

Wer wo marschiert bei der Parade.

An alles hatte Carl gedacht.

Was man bei Ungehorsam macht;

Doch kein einziges Kapitel

Mit „Rettung bei Gefahr“ im Titel.

Wie Widerspenstige man zähmt,

Wie man des Feindes Vormarsch lähmt;

Wie man den Geist der Krieger lenkt,

Dass jeder nur an Rache denkt;

Wie Tollkühnheit bei einem Mann

Erwecken man und fördern kann;

Wie man mit Beharrlichkeit

Dem Gegner zufügt großes Leid;

Wie man dem Feind den Schneid abkauft,

Wie man am besten mit ihm rauft,

Und wie man ihn in die Zange nimmt

Und ihn ordentlich vertrimmt;

Wie man die Truppen im Gefecht

Nach vorne führt so kunstgerecht,

Dass keinem auf dem Weg dorthin

Kommt zu flüchten in den Sinn;

Wann Trossknechte und den Tambour

Man nach hinten schickt retour

Dass sie nicht verloren gehen.

Wie man sich im Kampfgeschehen

Den besten Überblick verschafft

Und wie man sich erneut aufrafft,

Falls eine Schlacht verloren ging.

Über jede Lage und jedes Ding

Hat Clausewitz sich ausgelassen.

„Verflucht, das ist doch nicht zu fassen“

Schrie Vorklugbeiß der Korporal,

„Ich glaube, Carl der General

Wusste selbst nicht was man macht

Wenn so wie wir just in der Schlacht

Das Heer vom Feind angelockt

Plötzlich im Schlamassel hockt.

Mit sarkastischem Humor

Las laut er aus dem Buche vor:

Wie man den Gegner überrascht

Und ihn im eignen Lager hascht.

Wie man die Stellung so bezieht,

Dass der Gegner es nicht sieht.

Wie durch Stellungswechsel man

Seinen Gegner foppen kann.

Wie man in Virtuosität

Hass auf den Feind im Lager sät.

Wie man die Kanonen richtet

Damit man möglichst viel vernichtet;

Wie man Lufthiebe vermeidet

Und die Schlacht für sich entscheidet;

Mit allem war der Mann vertraut;

Selbst wie man `ne Latrine baut

Kann man nach so vielen Jahren

Noch aus seinem Werk erfahren.

An alles hat mit Geistesblitz

Gedacht der gute Clausewitz.

Doch was man, wenn man ohne Mut

In einer Klemme sitzt, dann tut,

Hat, so scheint es, genial,

Vergessen wohl der General.

Kein Wort davon was einer macht

Bevor er umkommt in der Schlacht.

Der Korporal gar ungezogen

Warf Clausewitz im hohen Bogen

In den Sumpf. Mit dumpfem „Patsch“

Landete das Buch im Matsch.

Ein paar Sekunden lag es dort;

Dann sank es unter und war fort.

Das Standartwerk „Vom Kriege“ war,

Das war allen Mäusen klar

Gegen die Batrachomyomachie

Nichts als graue Theorie.

Vorklugbeiß noch wutgeladen

Sprach zu seinen Kameraden:

„Bevor wir hier im Dreck versinken

Lasst uns die Frösch‘ zu Hilfe winken.

Dann droht uns zwar Gefangenschaft;

Doch besser lebend in der Haft

Als im Schlick den Heldentod

Zu sterben unter Atemnot“!

Wie vom Korporal erdacht

Hat man schließlich es gemacht.

Keiner wollt im Moor versinken.

Alle begannen sie zu winken

Und der ganze Mausverein

Begann laut dazu zu schrei’n.

„Zu Hilfe, bitte helft uns doch

Sonst sterben wir hier alle noch.

Ihr edlen Herrn und stolzen Ritter

Ihr wisst es doch der Tod schmeckt bitter.

Errettet uns und euer Lohn

Wird unsre lebenslange Fron

Für Pausback euern König sein“.

Da ertönte ganz weit vorn,

Den Mäusen ging‘s durch Mark und Bein,

Des Oberst Pärres Angriffshorn.

Wie vorbesprachen so getan.

Die Frösche griffen sofort an!

Im Sturmschritte auf Flossenfüßen.

Patschten alle sie heran

Und haben ihre Pflicht getan.

„Ihr müsst nun alle dafür büßen“

Schrie der Oberst zorngenährt,

„Dass ihr uns habt den Krieg erklärt“!

Grauenhaft war das Massaker,

Welches die grünen Froschteich-Quaker

Anrichteten nun im Moor.

Maus um Maus den Kopf verlor.

Allen ging es an den Kragen.

Allesamt wurden erschlagen.

Die ganze Kompanie musst‘ sterben

Und allen von ihnen war es klar

Wer an ihrer schlimmen Qual

Und schuldig an ihrem Tode war.

Carl von Clausewitz der General!

Oberst Pärre, die Kanaille

Erhielt die Tapferkeitsmedaille.

In der Begründung für den Orden

Ist bestätigt schriftlich worden

Dass kein einziger Frosch versehrt

Aus der Schlacht ist heimgekehrt.

Alle waren sie gesund.

Das war dafür der Grund.

Die Tat, so stand’s im Protokoll,

War mutig und gar ehrenvoll.

Und weiter stand da noch zu lesen

Wie es tatsächlich ist gewesen.

„Tausend Mäus‘ aus höchster Not

Errettet vor dem Erstickungstod“.

-----

Wie der Mäusegeneral

Bewertet hat den Zwischenfall

Und wie er reagierte drauf

Das zeige demnächst ich hier auf.

wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.