Mittwoch, 6. Juni 2012


Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 10 – 104
Lyriker im Olymp

Froschmedizin und Krötengift
Teil IX  Votivkröten

In Bayern, im Elsass, in Österreich und in der Schweiz
Gab es einst Kröten von ganz besonderem  Reiz.
Aus Eisen, Ton und Wachs gemacht
Wurden Heiligen sie dargebracht
Als Votivgabe gemäß Versprechen
Wenn man erlöst war vom Gebrechen,
Oder zuvor, auch das war Sitte,
Verbunden mit `ner Beistandsbitte.
„So wie man mir“ sprach Äskulap,
„Auf Kos, in Athen und Pergamon
Vor dreitausend Jahren dankte schon,
Indem man mir Geschenke gab,
Taten es nach altem Brauch,
Deutsche, Österreicher und Schweizer auch.
Um was ging es in der Sache?
Ich will es euch erklären!
Ihr wisst es ja, ich bin vom Fache.
Es ging um das Gebären.
Um Frauenleiden kurz und gut
Und was man gegen Schmerzen  tut
Die ein Weib ertragen muss
Wenn was nicht stimmt im Uterus.
Am besten ist es, denk ich mir,
Ich beginne mit dem Tier
Welches man als Bauchkrott kannte
Bevor man Uterus sie nannte.
Tönerne Bauchkröten-Amulette
Trug man im Altertum im Bette
Als Nachbildung des Uterus.
Das jener eine Krott sein muss
Dacht das Volk schon bei uns Griechen.

Als Krott, die auf und ab würd kriechen
Im Körper von einer schwanger’n Frau
Wurd sie bezeichnet bauernschlau.
Noch vor gut dreihundert Jahren,
Das hab von Nikui ich erfahren,
Ward der Uterus, für mich frappant,
In Deutschland Bärkröte genannt.
Und auch die Vulva nannte bigott
Das Volk in diesem Land die Krott.
Wie in Ägypten als Symbol
Die Kröte für das Leben stand,
Gewann sie nun das Monopol
Fürs Leben auch in Süddeutschland.
Als Sinnbild für Vulva und Uterus
Fertigte man sie als Wachsabguss.


Manch Bärmutter-Krott die blieb erhalten
Ist entsprechend aufgespalten
Und deutet auf das ideale
Lustvoll weiblich genitale
Mutter Göttin Urbild hin.
Gestiftet von der Wöchnerin
Diente die Kröte, die so kecke
Dem Wallfahrts- und dem Opferzwecke.
Man musste keine echten Kröten
Zwecks dem Ex-Voto-Brauch mehr töten
Wie das die Weiber meiner Zeit
Taten all in Dankbarkeit
Wenn endlich sie entbunden
Haben wieder Glück empfunden.
Bei mir zu Haus, ich erwähnte es schon,
In Epidaurus und in Pergamon
Legten die Achäer mir,
Ich geb‘ es zu ganz offen hier,
Eine Krott auf den Altar
Nachdem das Kind geboren war.
Weil die Geier zu oft kamen
Und mir die Opferkröten nahmen,
Hat man später mit Bedacht
Kröten aus Ton für mich gemacht.
Manch Terrakotta-Krötenvieh
Brachten mir die Wöchnerinnen
Dafür, dass ich beschützte sie
Während ihrer schweren Zeit,
Nach dem Spaße beim Besamen,
Bis es endlich war so weit
Und sie niederkamen.

Ich kann mich noch genau entsinnen.
Selbst Hera ist zu mir gekommen
Mit einem solchen Warzentier
Und hat den Ratschlag angenommen
Den ich als Mediziner ihr
Geben konn’t. Ich tat es gern.
Denn sie war das Weib von meinem Herrn.
Zeus hat die Rechnung nie beglichen.
Er ist mir seither ausgewichen
Obwohl von meinem weisen Rat
Profitiert er selbst auch hat.
Artemis ging bei mir zur Lehre.
Es war mir eine große Ehre.
Hätt ich sie nicht eingewiesen
Wär sie wohl eine von den miesen
Kurpfuschern im Land geblieben
Die einst bei uns ihr Unheil trieben.
Um Heras Töchter, die Eileithyien
(Ilias11/270; 16/187; 19/103,119; Geburtsgöttinnen,
Töchter der Hera, fördern die Geburt und helfen dabei)
Durfte ich mich auch bemühen.
Ich brachte ihnen mancherlei
In ihrer Lehrzeit bei mir bei,
So dass die jungen Göttinnen
Als Hebammen den Wöchnerinnen
Helfen konnten in der Not.
Lange noch nach meinem Tod
Opferten die Weiber mir
Nach der Niederkunft ein Ton-Krott-Tier.
Vor gar nicht allzu langer Zeit
Bracht mir sogar die Christenheit,
Weil ich bekannt auch dort ja war,
Solche Opferkröten dar.

Im Walsertal am Hochrheinsaum,
Stand kürzlich noch ein Krötenbaum
An welchem meiner wurd gedacht
Und meine Heilkunst zu lobpreisen.
Der Brauch jedoch in Kirchenkreisen
War Bischöfen ein Dorn im Auge.
Dass ich als Helfer nicht viel tauge
Logen damals die Katholen.
Man hat dem Volke anbefohlen
Zu Dankwallfahrt ab da nur noch
Zu pilgern auf das Lüs‘ner Joch.
Dort baumelte die Kröten dann
Man an einer Wettertanne an
Welche dazu offenbar
Vom Bischof auserkoren war.
Noch vor dreihundert und fünfzig Jahren,
Das hab bei Maschner ich erfahren,
Hat die Kirche das geduldet.
Der Heidenbrauch, von ihr verschuldet,
Weitete, es war ein Graus,
Im ganzen Lande sich nun aus.
Wachskröten wurden nun modern.
Die Frauen opferten sie gern.
War die Schwangerschaft gut überstanden
Und hatte die Beerkrott nicht gebissen
Ging die Frau in deutschen Landen
Von tiefer Gläubigkeit beflissen,
Zur Kirche, von der Not befreit,
Und bracht in ihrer Dankbarkeit
Aus tiefstem Herzen offenbar,
Der Gottesmutter eine Kröte dar.



Manchmal wenn die Beerkrott biss,
So beschrieb es uns einst Kriss,

Und das Weib sich elend fühlte
Weil in ihr die Kröte wühlte
Gar boshaft und mit aller Kraft
Während ihrer Schwangerschaft,
Fasste manche sich ein Herz.
Um loszuwerden ihren Schmerz
Sah man zum Wachszieher sie gehen
Um dort `ne Kröte zu erstehen.

Die wurd als Opfer dargebracht
Damit im Bauch sie drüber wacht‘
Dass die Leibesfrucht gedieh.
Man glaubte dass im Krötenvieh
Eine arme Seele wohnte
Die wenn man deren Tun belohnte,
Während sie wachsam um den Fötus trottete
Verhindernd dass das Kind verkrottete.
Im Aberglauben damals noch
Manch Kröte durch die Betten kroch
Und auch, wie könnt es anders sein,
Den Weibern in den Bauch hinein.
Die Schwang’re konnte dann ihr Rühren
Schmerzhaft im eignen Leibe spüren.
Die Beerkrott wenn sie biss und kratzte
Und im Weibe um sich schlug
Das Wachstum der Leibesfrucht verpatzte
Wurd sie gefüttert nicht genug.
Man musst ihr jeden Wunsch erfüllen
Sonst würde sie mit bösem Brüllen
Den Embryo im Leib verschlingen.
Dies zu verhindern konnt‘ gelingen
Indem ein Kirchenmann vom Fache
Sich angenommen hat der Sache.
Manch Heiliger wurd heilbewährt
Zum Schutzheiligen drum erklärt.
Der Heilige Sankt Leonard
Einer einst von jenen ward.
Als Nothelfer fürs Kinderkriegen
Half er gern. Er war verschwiegen!
Das beste Mittel dabei war
Ein Krötenopfer offenbar
Welches nach der Beterei
Stifteten gar froh die Zwei.
Die Gottesmutter seinerzeit
Und auch der Heilige Sankt Veit
Halfen manchmal dann sogar
Wenn ein Weib war unfruchtbar“.
„Erzähl, wie hat er das gemacht“?
Hat Kastor schelmisch losgelacht.
(Ilias 3/237; Sohn des Zeus und der Leda,
Bruder der schönen Helena)
„Er ging ins Bett wohl mit dem Luder“
Sprach Helena darauf zum Bruder
Der eine Reihe vor ihr saß.
„Sie hatten sicher ihren Spaß;
Du selbst als Helfer in der Not“
Sprach weiter sie zu ihm gerissen,
„Musst das doch am besten wissen“.
Da wurde Kastor plötzlich rot.
„Schweig still“ rief ärgerlich drauf er:
„Das gehört doch nicht hierher“!
Wär nicht Äskulap gewesen
Der weiter fortfuhr vorzulesen,
Hätt Kastor sich gar schlimm blamiert.
Er wirkte sichtlich konsterniert.
Äskulap indessen sprach:
„Ich gehe ein noch drauf danach.
Selbst unfruchtbare Weiber wären
In der Lage zu gebären
Und in einem Falle gar
Eine Jungfer schwanger war
Deutete er an. Dann fuhr er weiter.
„Die Kröte war der Wegbereiter
Für die moderne Medizin.
Besonders die Gynäkologen
Waren ihr stets wohlgewogen.
Sie banden jeder Wöchnerin
Damals schon im Altertum
Krötenamulette um
Und wiesen die Frauen darauf hin,
Dass eine Krott im Wochenbett
Getragen als ein Amulett

Ein gutes Omen dafür war
Dass bei der Geburt ging alles klar
                                                  Und Komplikationen jeder Art
Blieben so dem Weib erspart.
War dann das Kind gesund geboren
Brachte die Mutter wie geschworen
Das Amulett den Göttern dar.
Auch bei mir auf dem Altar,
Ich fand das damals durchaus nett,
Lag öfter mal ein Amulett“.
„In der Gynäkologie
Kannte man das Krötenvieh“
So fuhr Asklepios mit klarem Wort
Und in der Sache sehr erfahren
Zu den Seelen sprechend fort:
„Schon seit vielen tausend Jahren,
Bereits zu Zeiten des Homer
Das ist es was man wissen muss,
Galt die Kröte als Sinnbild für den Uterus.
Doch gibt es keine Frauen mehr
Die man heute könnt befragen
Damit sie es genau uns sagen
Was sie mit den Kröten taten.
Ich selbst hab manchem Weib geraten,
Wenn sie war in Kindesnöten
Dass einen Frosch sie zu sich nahm
Oder ein paar Frauenkröten
Weil sie so leichter niederkam.
Wie Alois Guldner kann bekunden
Ward kürzlich eine erst gefunden.
Bis nach Österreich ist sie gelangt.
Die Frauenkröte von Maissau

Gleicht fürwahr `ner nackten Frau.
Auf ihrer Unterseite prangt,
Wenn wir sie genau betrachten
Und auf die Genitalien achten,
Eine Vulva gar verwegen
Uns Koitus-bereit entgegen.

Auf dass sie den Beschauer reizt
Hat die Schenkel sie gespreizt.
Sie weist ganz offen auf den Sinn
Ihres Krötendaseins hin“.
Die Seelen im Elysium
Hörten wach, hoch interessiert
Zu was Äskulap hat referiert.
Der sprach: „Im Neolithikum,
Das kann bei Hirschberg man heut lesen,
(Walter Hirschberg: Frosch und Kröte S.77/78)
Trug jedes Weib ein Krötenwesen
Im Leib und dem fürs Überleben,
Musst ab und zu man Nahrung geben“!
„Ach wie gern“ lachte Achill
„Würd ich jetzt `ne Kröte füttern“!
***
Was Asklepius drauf hat gesagt
Hat Thetis Sohn nicht sehr behagt!
Was die Antwort ist gewesen
Könnt Ihr das nächste Mal hier lesen.

wird fortgesetzt

Freitag, 1. Juni 2012

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 10 – 103
Lyriker im Olymp

Froschmedizin und Krötengift
Teil VIII Krötenstein

„Seit dem dreizehnten Jahrhundert
Die Welt sich über Steine wundert“
Begann Äskulap zu flachsen,
„Die im Kopf der Kröte wachsen.

Albertus Magnus schrieb davon
Um zwölfhundert und dreißig schon.


Ich selbst dereinst in unserm Land
Solche Steine niemals fand
Und auch Plinius in Latein
Schrieb noch nichts vom Krötenstein.
Albertus nannte Borax ihn.
Er wäre kostbar so wie ein Rubin
 Schrieb auch Tom deCantimpre’
Über ihn als Resümee
In seinem Werk Denatura rerum.
Der Stein in dem Amphibium
Wär magisch und könnt Gift abweisen.
So wie magnetisiertes Eisen
Zieht er an und weist von sich.
Er wär verzaubert innerlich
Führt er dazu freiheraus
In seinem Buche weiter aus.
Ein Jahrhundert später dann
Schloss sich Megenberg dem an.
Im Buche der Natur schrieb der,

Dass Krötenstein sehr kostbar wär.
Äskulap sprach weiter flott:
„Die große und auch die kleine Krott
Hätten nach Megenberg je einen
Entsprechend großen oder kleinen
Stein im Kopf der giftig zwar,
Doch medizinisch hilfreich war“.
„Wer den Stein zum Essen nimmt,
So machte Megenberg es kund,
Er hätt es ausprobiert, es stimmt;
Der wird ziemlich schnell gesund.
Ein Mensch wenn er an Schmerzen leide,
Dem hilft der Stein im Eingeweide“
So hat uns Konrad mitgeteilt,
Denn der Krötenstein der heilt.



Wandernd durch des Dickdarms Schlingen
Würd‘ der Stein schnell Heilung bringen
Und weiter schrieb der Kanonikus,
Würde der Krötenstein am Schluss,
Auch dieses würd genau er wissen,
Am Ende wieder ausgeschissen.
Man könnt den Stein gar oft verwenden,
Ihn mehrmals durch den Körper senden;
Doch sollte man, wenn man dies tut,
Ihn reinigen zuvor recht gut,
Sonst brächt die Krankheiten der Stein
Erneut beim Schlucken mit hinein.
Um an den Krötenstein zu kommen

Hat eine Kröte man genommen
Und sie in einen Topf getan.
Diesen durchlöchert stellte man
In einen Ameis’hauf hinein.
Nach einem Tage lag der Stein
Bei dem Gerippe in dem Topfe
Nebst dem skelettierten Kopfe.
Die Ameisen, weil sie gern essen
Hatten die Kröte aufgefressen
Und den Stein naturbelassen
Zur Anwendung im Topf gelassen.
Es gab in jenen finstern Jahren
Auch noch andere Verfahren
So führte Äskulap nach dem Applaus
Im Seelen-Hörsaal weiter aus:
Neben dem simplen Mordversuch
Jenen mit dem roten Tuch:



Wollt man an den Stein gelangen
Musst‘ man sich `ne Kröte fangen
Und auf ein rotes Tüchlein setzen.
Ohne die Kröte zu verletzen,
Drückte man eine Gabel ihr
Auf den Hals worauf das Tier
Spuckte tatsächlich, ei der Daus,
Hurra, den Krötenstein heraus.
„Am besten Kröten mit vier Augen



Zur Krötenstein-Gewinnung taugen“!
So las ich es in alten Büchern.
Wie viele Steine in roten Tüchern
Landeten ist unbekannt.
„Es wäre freilich interessant“
Fuhr Äskulap im Vortrag fort,
„Heut für uns hier es zu wissen
Wie viele Kröten einst zerrissen
Wurden um an den verborg‘nen Hort
Im Krötenkopf heranzukommen“.
„Wenn einer Krott die Augen glommen
War der Krötenstein in ihr


Besonders wertvoll, glaubt es mir“
Schrieb Konrad Megenberg dazu.
„Ich denk der Mann war ein Filou
Der sich zu schwindeln hat erlaubt“
Sprach Äskulap gar heiter
Zu den Seelen vor sich weiter.
„Doch das Volk hat ihm geglaubt.
Fünf Jahrhunderte hindurch
Starb der arme Krötenlurch
Weil jedermann vom Krötenstein
Beschützt vor Krankheiten wollt sein“.
Der Stein konnt‘ wahre Wunder tun.
Wer ihn besaß der war immun,
So heißt es in manch alter Schrift,
Gegen Krankheiten und Gift.
Auch hat der Stein dazu genützt
Dass man vor Unglück wurd beschützt.
Der Adel fasste manchen Stein,
Wenn er besonders kostbar war,
Zum Krötensteinringe sich ein.

Auf die Krötenring-Sage werden wir später noch eingehen
Ein solcher Ring, ganz offenbar,
Das hab bei Bächthold ich erfahren,
Konnte vor frühem Tod bewahren.
Aus dem sechzehnten Jahrhundert
Wird ein Ring noch heut bewundert
Der in London ausgestellt
Das Mittelalter uns erhellt.
Dass es Shakespeare sich erlaubte
Und er an Krötensteine glaubte
Und auch was er davon hielt,
Berichtet er uns ganz gezielt.
Im Lustspiel „Wie es euch gefällt“
Hat davon er uns erzählt.
„Süß ist die Frucht der Grausamkeit
Die wie die Krott seit Ewigkeit
Ein Juwel im Haupte trägt“.
Manch Kröte ward deshalb zersägt
Oder wüst zu Tod geschunden
Ohn‘ dass den Stein man hat gefunden.
„Vermutlich“, Asklepius grinste,
„Waren es nur Hirngespinste
Die uns Albertus hat einst vorgesetzt
Damit man die garstige Kröte hetzt
Und sich, was der Klerus wollte
Das Tier noch mehr verketzern sollte
Wie man es von Anfang an
Hat mit Krott und Frosch getan“.
So lachte er mit froher Mine,
„Hat es, glaubt mir, nie gegeben“!
„Millionen Kröten hat das Leben
Es gekostet, verdammt noch mal:
Es ist wahrlich ein Skandal
Was die Großen und gemeinen
Tun im Leben mit uns Kleinen“
So fluchte Hückel aus dem Moos
Im Elysium nun los.
„Es ist fürwahr `ne Sauerei“
Fiel Hucke-Itsche ihm ins Wort
Und fuhr wütend schimpfend fort:
„Mich stampfte DellaPort zu Brei

Als er nach dem Steine suchte.
So manche Seele nun laut fluchte.
„Die Menschen unten auf der Erde
Sind schlimmer als `ne Hammelherde“
Mischte Quakkert sich nun ein:
„Sie treten alles kurz und klein
Und wer ihnen nicht pariert
Wird umgebracht und massakriert.
Sie morden wie mir scheint all gern
Und tun als wären sie die Herrn.
Dabei hat lange nach den Affen
Der Schöpfer sie  ja erst geschaffen.
Sie bringen, denn sie sind arg dumm
Die gesamte Schöpfung um.
Und ihre Weiber sind nicht besser.
Mir schnitt eine mit dem Messer
Beide Beine ab, schaut her,

Seitdem hab ich keine mehr“.
„Mich hat zwar keine umgebracht“
Grinste Hepper, doch bei Nacht,
Als ich grade baden wollte,
Eine Kugel vor mich rollte.
Ich konnt‘ noch grad beiseite springen.“
„Kannst du mir die Kugel bringen“
Hat mich darauf ganz unverzagt
Ein Mägdelein  am Teich gefragt.
Ich bracht sie ihr; doch was tat sie?

„Ach du süßes grünes Vieh“
Lachte sie und griff nach mir.
Als ich wach wurd war ich hier.
„Hat sie Dich mit nach Haus genommen“?
Wollte Assarakos höchst gerissen
(Ilias 20/232, 239; Sohn des Tros,  Großvater des Anchises)
Von der grünen Seele wissen
„Und wie bist du umgekommen“.
Die grüne Seele wurde rot.
„Hepper hatte einen schönen Tod;
Dessen bin ich mir ganz sicher“
Mischte sich nun mit Gekicher
Quäckers Seele fröhlich ein.
„Ja, ja, die Weiber, die sind bös.
Werden die erst amourös,
Kann‘s für `nen Frosch das Ende sein“.
„Das wilde Tier, das Mensch sich nennt
Mit Fröschen kein Erbarmen kennt“
Beteiligte sich Hütsche nun
Am Gespräche opportun.
„Sie halten Hunde sich und Katzen,
Sie töten Mäuse, Hasen, Ratzen.
Sie spannen Ochsen in das Joch
Und lassen ihnen das Maul verbinden
Und prügeln obendrein sie noch
Während die für ihn sich schinden.
Sie lassen den Esel Lasten tragen
Ohne vorher ihn zu fragen.
Sie schwingen sich auf Pferderücken.
Sie wollen alle unterdrücken
Die nicht nach ihrer Pfeife tanzen.
Es ist wirklich schwer zu fassen.
Sie vergiften Läus` und Wanzen
Weil die ihnen ins Konzept nicht passen.
Sie schießen ohne jede Not
Den Löwen und den Tiger tot.
„Der Mensch“ hat Hätsch polemisiert,
„Die ganze Welt noch ruiniert“
Und getragen vom Applaus
Ließ er sich noch weiter aus.
„Sie betonieren Flüsse zu.
Das blöde Tier gibt keine Ruh
Bis die Natur zu Grunde geht.
Wie schlecht es um die Kleinen steht
Will das böse Tier nicht sehen.
Was die Starken mit den Schwachen
Unten auf der Erde machen
Ist weit mehr als ein Vergehen.
Es ist Dummheit und zwar pur
Was die Manntier-Kreatur,
So lang bis nichts mehr übrig bleibt
Dort unten auf der Erde treibt.
Sie brennen ganze Wälder nieder.
Ach was ist es mir zuwider
Das dreiste Tier, das Mensch sich nennt
Und denkt es wär intelligent.
Doch ich sag euch, es ist dumm.
Es bringt die eigne Art gar um.
Das Manntier mit der weißen Haut
Dem mit der schwarzen nicht vertraut
Und auch das gelbe und das rote
Die andern beiden schon bedrohte.
Weil sie sich untereinander hassen
Vernichten sie die eignen Rassen
Und überziehen die Welt mit Kriegen
Wohl um sich selbst einst zu besiegen.
Und das Schlimmste; nebenher
Vermehren sie sich viel zu sehr,
So dass die andern Tiere stöhnen:
Denn sie tun’s nicht zielbewusst
Sie machen es aus purer Lust.
Man müsst es ihnen abgewöhnen.
Man müsste sie so kultivieren,
Dass sie den Spaß daran verlieren.
Auch müsste ihren Glauben man
Der Zeit entsprechend reformieren
Und ihre Götter irgendwann
Auf den einen reduzieren
Der die Welt erschaffen hat.
Nur einer kann der Supremat
Unter all den vielen sein.
Heute wo die Welt so klein
Ist wie noch nie sie war,
Das wird selbst dem Dümmsten klar,
Kann nur der mächtigste regieren.
Das Schlagwort heißt globalisieren.
Dem Schöpfer nur gebührt der Thron“.
Ob der hier auf dem Helikon
Steht oder aber anderswo
Ist mir egal ich wäre froh“
So fuhr er fort im Spott
„Für mich zählt Amun nur als Gott



Weil der bereits am Nil regierte
Bevor Homerus Zeus kreierte“!
„Verflucht nochmal du blöder Kaul,
Gleich stopf ich dir dein loses Maul“
Achilles zornig, menschlich stur
Der Frosch-Seel in die Rede fuhr.
„Du miese, feige Schwanzlos-Quappe,
Halt endlich deine große Klappe,
Du gottverdammter Nacktfroschlurch,
Dir geht die Phantasie wohl durch.
Du Fiesling aus der Hetschensippe
Riskierst hier eine große Lippe
Und behauptest lügnerisch sogar
Mit deiner schlüpfrig breiten Gosch,
Dass Amun einer von den euren war.
Sieh dich vor du dreister Frosch“?
Ein Unglück wär bestimmt geschehen
Hätt Äskulap nicht eingegriffen.
„Hört zu, ich muss darauf bestehen“,
Schrie er rhetorisch scharf geschliffen,
„Dass ihr vertragt euch, glaubt es mir,
Wir sind als Seelen gleich all hier.
Die Götter in der Ewigkeit
Hier oben dulden keinen Streit.
Wir sind hier im Elysium.
Da bringt keiner seinen Nächsten um“
Und dann lächelnd selbstzufrieden
An die Adresse des Peliden.
„Wer als Seele noch so fluchen kann
Kommt zur Einsicht irgendwann.
Es spricht für dich Achill, dass Du
Hörst meinem Vortrag hier noch zu.
Nebst der Sehne, die bekannt
Durch dich wurd, weil nach dir benannt
Gibt es noch so mancherlei
Was wissenswert ist auch für dich.
Was einstmals galt als letzter Schrei
Werde gleich berichten ich.
Drum sperr‘ die Ohren ganz weit auf.
Ich geh im weiteren Verlauf
Auf manches ein das fernerhin
In Sachen Krötenmedizin
Aus medizinischem Aspekt,
Als Heilmittel in Lurchen steckt.
Das zu erläutern ist vonnöten
Denn es geht auch hier um Kröten.
***
Wie die Sache weitergeht
In der nächsten Folge steht.

wird fortgesetzt


Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.