Sonntag, 7. August 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 29

Der totale Krieg


o ward

Frosch Pfützner hintergangen

Den im Schilf man hat gefangen

Und dem die Freiheit man versprach.

Zu rächen dessen Ungemach

War Frosch Fürchtepogg gekommen.

Der hatte im Versteck gesehen

Was mit dem Kumpel war geschehen.

Mit dem Kriegsbeil, ohn‘ Getu‘

Schlug der Rächer zweimal zu.

Beide starben! Transzendent

Sprach der Hauptmann zum Major:

„Ich dacht wir wären resistent“!

Da tat sich auf das Hades-Tor.

Persephone kam heraus,

An der Leine Kerberos.

„Hi“ sprach sie zu Rattimaus,

„Ab mit dir zum Tartaros“.

Dem Hauptmann zugewandt „und jetzt zu dir,

Du dienst Hekate nun und mir.

Fortan soll dein Mauseschwanz

Verbinden uns in Allianz“.

Der Hauptmann grinste, so genommen,

War er noch gut davongekommen.

Was die drei dort unten trieben

Ist bislang noch geheim geblieben.

Was oben einst im Krieg geschah,

Hat einer, so wie er es sah,

Der Kriegsberichter in der Schlacht,

Genau uns zu Papier gebracht.

Weil namentlich ihn niemand kennt

Man ihn Pseudo einfach nennt.

Pseudo, Punkt, Punkt, Punkt. Wer das auch sei,

Auf jeden Fall war er dabei

Und ist ganz vorne mitgeritten

Als sich Frösch‘ und Mäuse stritten.

Lassen wir den namenlosen

Schreiberling, den so famosen,

Ohne was hinzuzudichten,

Vom Kriege weiter nun berichten.

Wir sind, ich mach das nochmal klar,

Bereits im zehnten Kriegszeit-Jahr,

In einer Feldschlacht deren Lage,

Beschissen ist, gar keine Frage.

Es ist die Kriegs-Entscheidungsschlacht

Die nun zu Ende wird gebracht.

Der Kampf ist auf dem Höhepunkt

Obgleich es ist erst kurz nach vier.

Die Frösche haben laut geunkt:

„Hurra, heute gewinnen wir“!

Da schlug hinterhältig und gemein

Der nächste Bombenhagel ein.

Mit Kichererbsen, gut sortiert,

Wurden die Frösche bombardiert.

Den Oberst Quarx von Poggenstädel

Traf es hart am Poggenschädel.

Er hörte sofort auf zu unken;

Dann sank er weg und ist ertrunken.

Der nächste, den es treffen sollte

War Leutnant Quack von Kaulenbach.

Als er die andern warnen wollte

Erwischte es ihn: „Welch ein Krach“,

Dachte er: Da schlug es ein.

Es sollte das letzte Krachen sein,

Dass er auf Erden hat gehört.

Die andern hat es auch gestört.

So mancher der nicht untertauchte

Lebenslang am Stocke krauchte.

Furchtbar hat es eingeschlagen.

Allen ging es an den Kragen.

Die Frösche suchten schnell zu Hauf

Die Unterwasserbunker auf

Wo sie vor dem feindlichen Gebaren

Ihrer Gegner sicher waren.

Schließlich hat man sich besonnen

Und unter Wasser neu begonnen.

Der Hauptmann Hüpf von Höpper sprach:

„Wir müssen uns formieren;

Dann fällt leichter uns die Sach‘

Die Mäus zu attackieren“!

Gequakt, getan, nun neu formiert,

Ist unter Wasser man marschiert

Bis ans Ufer, wo am Rand

Bereits die erste Maus schon stand.

Mit einer Fliege, ziemlich trocken

Wollt in den Tod `nen Frosch sie locken.

Doch es sollte anders kommen

Als sie es sich vorgenommen.

Fähnrich Krott von Krötenstuhl,

Wie immer tapfer, blieb ganz cool.

Klug ahnte er genau voraus,

Was vor hatte die dreiste Maus.

Schnell brach aus Rohr er einen Speer

Und setzte damit sich zur Wehr.

Ein Schritt zur Seite hin als Finte;

Schon spritzte Blut wie rote Tinte.

Er traf den Mauser in die Scham,

Was sterbend der zur Kenntnis nahm.

„Si vis pacem para bellum”

Hatte das graue Unikum

Am Koppel, nicht zu übersehen

Fein säuberlich geschrieben, stehen.

Als Krott die Koppelinschrift las

Fragte er sich heimlich „was

Hilft ein Spruch dir in Latein

Wenn der Speer dringt in dich ein“?

„Wenn du rüstest dich zum Kriege,

Dann plan besser deine Siege

Sonst geht der Frieden dir daneben

Und du verlierst dabei das Leben“!

Als die andern Frösche nun

Erkannten, was es galt zu tun

Tauchen sie zuhauf

Aus der Tiefe auf

Und griffen, so wie es sollt sein

Ins Schlachtgeschehen wieder ein.

Teichhops Toad, ein Korporal,

In allerbester Kampfmoral,

Griff ohne langen Firlefanz

Einen Mauser sich am Schwanz,

Wie ein Hammerwerfer dann,

Setzte er zum Wurfe an.

Der Mauser ist im hohen Bogen

Quer durch das halbe Reich geflogen.

Er landete, oje, oje,

Im Dornenstrauch und tat sich weh.

Er zog den Waffenrock schnell aus

Und schleppte jammernd sich nach Haus.

Die Front sah er nicht wieder;

Zu lang lag er darnieder.

Indes Teichhops, draußen in der Schlacht,

Hat manche Maus noch umgebracht.

Die nächste, die dran glauben musste,

War Süßholzraspler `ne robuste

Aber dumme Maus mit Portepee.

Sie wurd erwürgt, herrjemine.

Auf ihrem Bauchriemen die Story

„Ranana necesse est mori“

Nahm der tapfere Frosch ihr krumm

Und so kam es anders rum.

„Alle Mäuse müssen sterben,

Dann werden wir das Maus-Reich erben“.

So dachte Teichhops. Der Erblasser

Lag mausetot bereits im Wasser.

Toad Teichhops als Krieger pflichtbewusst

Hüpfte mit purer Mordeslust

Durch das Dickicht mit Gefluche.

Auf der Mäuse-Gegner-Suche

Hatte, obgleich dort geboren,

Die Orientierung er verloren.

Gott Hermes, der am Wegesrand

In Stein gemeißelt vor ihm stand

Wies dem Frosch-Hero den Weg

Hinab zum alten morschen Steg,

Der, wohin Teichhops ja wollte,

Nach Mausheim rüber führen sollte.

Die Brücke brach, darauf im Zorne

Schlug mit dem Schwerte Tauchhops vorne

Der Herme so wie einst Alkibiades

Den Phallus ab im Wut-Exzess.

„Hermes sieht wie ein Spanner aus“

Dacht versteckt im Schilf die Maus;

„Nachdem den Phallus er ist los

Wirkt er nur noch halb so groß.

Doch Gott sei Dank der andre Pfeil,

Der den Irrweg weist, blieb heil.

Der Säulengott wird götzeneigen

Manchem den falschen Weg noch zeigen“.

So dacht die Maus grad im Verstecke.

Da brachte Teichhops sie zur Strecke.

„Du dumme Maus“, sprach er im Spott,

„Verbündest dich mit einem Gott

Den das Manntier auf dem Feld

Als Wegweiser hat aufgestellt“.

Was brachte dir das Götzenbild

Mit dem falschen Richtungsschild?

Es führte mich zurück nach hier,

Und zeigt den Weg zum Hades dir“!

Da seufzte traurig drauf die Maus

Und hauchte leis ihr Leben aus.

Er sah die Tote vor sich liegen

Und ihre Seele aus ihr fliegen.

Er war fürwahr ein Bild zum Grausen

Als er sie aus ihrem Hintern sausen

Verschmutz mit Mäusekötteln sah.

„O Gott“ dachte der Mörder da,

Sich abwendend mit Widerwillen,

„Nie wieder will `ne Maus ich killen!

Was hat der Krieg aus mir gemacht“?

Just als der Frosch hat dies gedacht

Traf ihn von hinterrücks ein Schlag.

Als er auf dem Boden lag

Wurde es ihm langsam klar

Wie es dazu gekommen war.

Nachdem sein Kamerad verblichen

Hat Speedy sich durchs Schilf geschlichen

Und nahm nun in der Kriegs-Mord-Sache

An seinem Freunde furchtbar Rache.

Er stach dem Feind der Lurchen-Sippe

Den Dolch durch seine grüne Lippe

Dass Teichhupf lauthals schmerzverzerrt

Zu Zeus um Hilfe hat geplärrt.

„Zeus, mein Gott, so hilf mir doch

In diesem Leben einmal noch“

Hat zum Parnassos per Gebet

Der Froschsoldat hinaufgefleht.

Der Kronide nahm den Schrei

Im Olymp zwar deutlich wahr

Doch es war ihm einerlei

Weil er unparteiisch war.

Da niemand ihm zur Seite stand

Teichhops schließlich sein Ende fand.

Die Götter sahen in aller Ruh

Von oben dem Gemetzel zu

Das unten zwischen beiden Reichen

Zum Völkermord wurd ohnegleichen.

Speedy, die graue Killermaus

Tobte sich nun weiter aus.

Mit dem Schwerte, Gott erbarm,

Trennte Korrex sie den Arm

Vom Körper. Der bot ihr die Stirn.

Da stach sie zu. Genau ins Hirn

Drang ihm der blanke scharfe Stahl.

Dem Frosch schwand jede Kampfmoral.

Er fiel nach vorn, ins Gras kopfüber.

Da war der Krieg für ihn vorüber.

Das letzte was er sterbend dacht

War „jetzt verlieren wir die Schlacht“!

Speedy indessen höchst verwegen

Trat Frosch um Frosch im Kampf entgegen.

Mancher Grüne konnt‘s kaum fassen,

Wie schnell er musst‘ sein Leben lassen.

Mit dem Schwert hat routiniert

Der Mäus‘rich Hetsch um Hetsch lädiert.

(Hetsch = Synonym für Frosch)

Die Fröschelbrüder hatten Schwein.

Beiden hieb Speedy ab ein Bein.

Hinkend und arg mitgenommen

Sind lebend sie davongekommen.

Schlechter war Frosch Lorker dran

Der sich mit Speedy legte an.

Die Maus nach kurzem Kandgemenge

Trieb den Grünen in die Enge.

Dann zog sie ihm die Beine weg.

Der Frosch fiel rücklings in den Dreck.

Er hatte Glück, blieb unversehrt.

Doch verlor beim Sturze er sein Schwert

Und Ohne Waffe in der Hand

Es nicht grad günstig um ihn stand.

Der Mauser biss ihn in den Zeh.

Das tat dem Lorkner ziemlich weh.

Wutentbrannt sprang er empor

Und nahm den Mäuserich sich vor.

Speedy erstaunt gar ängstlich pfiff

Als sich des Frosches Würgegriff

Am Halse zuzog und die Klammer

Wurde langsam eng und strammer.

Wie Tyson Holyfield einst biss,

Als in Las Vegas er verlor,

So biss zu Speedy’s Ärgernis

Der Frosch sie nun ins Ohr.

Schmerzgequält mit schrillem Schrei

Schlug sie um sich und kam frei.

Sie griff zum Dolch nach alter Sitte,

Zwei schnelle, kurze, scharfe Schnitte,

Auf dass der nasskalt grüne Mann

Hinkend nur noch laufen kann,

Nahm sie dem Gegner Arm und Bein.

„Das werde ich dir nie verzeih’n“

Schrie der und hat sich sehr gesputet

Zum Verbandsplatz schnell zu kommen,

Denn sonst wäre er verblutet.

Dort hat man ihn gleich dran genommen.

Mit Krücken steht er nun im Osten

Fürs Quakerland auf Posten.

Speedy war mit sich zufrieden.

Er hatte den Kampf für sich entschieden.

Er rieb die Hände sich und dacht

„Ha, ha, das hab ich gut gemacht“.

Noch während er zufrieden rieb

Traf ihn am Kinn ein wucht’ger Hieb.

Quax Quappe, ein ziemlich feister

Kröter welcher Boxweltmeister

War mit einem Uppercut

Schlug Speedy nieder, dass der platt

Auf den Rücken fiel und KO

Dachte es wär Ultimo.

Bewusstlos schnaufend monoton

Hatte die Maus eine Vision.

Sie sah im Traume einen Frosch

Mit unsäglich breiter Gosch,

Der auf einem Berge stand

Mit einem Zepter in der Hand.

Harmagedon nannte sich der Ort.

Der Frosch formte gerad ein Wort.

Ganz klar, jedoch imaginär

Sprach er zum Mäuse-Visionär:

"Das Tier, du kennst es lange schon,

Ist die Hure Babylon.

Hiermit mach ich dir bekannt

Dass sie wird frinos auch genannt“!

(frinos = griechisch für Kröte: Offb 16,16 ff im Zusammenhang mit

dem römischen Kaiser Nero zu sehen, der auch so genannt wurde und der

immer wieder im Zusammenhang mit dem Zahlenwert des Tieres gem.

Offb. 13,17 genannt wird)

Speedy im Koma hörte hin.

Plötzlich roch‘s im Traum nach Gin.

Durstig leckte er die Lippen

Um an dem was roch zu nippen.

„Oh“ dachte er, “das riecht real“

Und dann trank er erst einmal.

Da hörte er die Kameraden;

„Alkohol kann niemals schaden“

Sprach der erste zu dem zweiten

Von den beiden Hilfsbereiten.

Gierig trank er gluck, gluck, gluck

Noch einen zweiten kleinen Schluck.

Dann, er nahm das Risiko in Kauf,

Schlug er seine Äug‘lein auf.

„Hi“ sprach er nun zum ersten Retter.

Der grinste froh „ich bin dein Vetter“.

Speedy sah die beiden Nager.

Der andre war sein lieber Schwager.

„Ich freue mich“, sprach glücklich der.

„Doch nun gib schnell die Buddel her“.

Um ihre Freude zu beweisen

Dass Speedy noch am Leben

Ließen sie die Flasche kreisen

Und wohl auch in dem Bestreben

Sich ein bisschen Mut zu machen

Für all den Streit den mannigfachen,

Den sie im weit’ren Kriegsgeschehen

Vor sich hatten zu bestehen.

Als die Flasche dann war leer

Gab‘s keinerlei Bedenken mehr!

Speedy rief mit neuem Mut:

„Wo ist der grüne Tunichtgut,

Der mich getötet hätte bald

Gar feig aus einem Hinterhalt.

Sollt ich ihn je wiederseh’n

Wird es ihm gar schlecht ergeh’n.

Ich schlag ihm alle Zähne aus.

So wahr ich Speedy bin und Maus

Werd ich die Frösche all erschlagen

Die sich an mich heran noch wagen“!

Da raschelte es kurz im Rohr.

Quax Quappe kam erneut hervor.

Er schlug dem grauen Prahle-Wicht

Die rechte Grade ins Gesicht.

Das hat dem Mauser weh getan.

Er verlor den Schneidezahn

Und die Besinnung. Dieses Mal

War die Schlag-Wucht so total

Dass er niemals mehr erwachte.

Was er sterbend bei sich dachte,

Und ob er so wie vorher schon

Hatte erneut eine Vision

Und wem seine Gedanken galten

Hat diesmal er für sich behalten.

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Wie die Sache weitergeht

In der nächsten Folge steht

wird fortgesetzt

Samstag, 6. August 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 8 – 28

Der totale Krieg


achdem

er ein Gebet gesprochen

Hat er sich im Schilf verkrochen

Um ein Nickerchen zu machen.

Gar fürchterlich war das Erwachen.

Zwei Mäus rissen ihn aus seinem Traum

Welchen er träumte grad vom Heimatteiche

Und von seiner nächsten Laiche.

Sie zerrten ihn zum Riedgrassaum.

Dort haben sie den Frosch belehrt.

„Diesmal ist es umgekehrt.

Nun bist du’s, der sterben muss.

So wie im Hades Tantalus,“

Fluchte die eine von den beiden,

„Sollst du Höllenqualen leiden“.

„Doch vorher“, sprach die andre Maus,

Spuckst du all dein Wissen aus.

Erzählst uns alles was du weißt

Über euch Frösch‘ und wie du heißt“.

„Mein Nam‘ ist Bogrill“ log der Grüne.

„Mein Vater Goliath ist ein Hüne“.

Wenn Papa euch am Teich erwischt

Er euch derart das Fell verdrischt,

Dass ihr im Leben niemals wieder

Mir verrenkt, wie jetzt die Glieder.

Mein Alter ist in unserm Teich

Der stärkste Frosch im ganzen Reich

Und mit dem König gut bekannt,

Welcher Pausback wird genannt.

Der General von Unkenschluder

Ist mein hochverehrter Bruder.

Er ist neben meinem Vater

Pausbacks treuster Kriegsberater.

Von ihm stammt auch der Aufmarschplan

Nach welchem das Frosch-Heer momentan

Von Westen vorrückt, kampfgesinnt.

Bevor die Invasion beginnt,

Lasst mich noch ein letztes sagen.

Wir werden alle Euch erschlagen.

Bevor die Sonne sinkt ins Meer

Ist vernichtet euer Heer.

Nie wieder wagt ihr aufzumucken;

Auf ewig tragt ihr unser Joch“;

Pfützner hörte beide schlucken,

„Wenn ihr mir die Freiheit gebt,

Versprech‘ ich, dass ihr überlebt.

Ich red‘, bevor‘s für euch zu spät,

Mit Pausback. Seine Majestät

Hört auf mich. Ich könnt mir denken,

Dass er das Leben würd euch schenken“.

„Halts Maul du blöder, nasser Frosch“

Fluchte da die eine Maus,

„Sonst stopf ich dir die breite Gosch

Und schlage Dir die Zähne aus“.

Und die andre fügte an:

„Du blöder Hetsch, du Missgestalt,

Denk dran du grüner Hampelmann,

Du bist in unserer Gewalt.

Bevor du stirbst noch eine Frage:

Wie ist bei euch die Nachschublage“?

Pfützner überlegte; dann,

Nachdem er lange sich besann

Sprach er: „Danke die Verpflegungslage

Ist gut dank einer Mückenplage.

Wir haben alle satt zu essen!

Bei euch, so scheint mir unterdessen,

Wird die Verpflegung langsam knapp.

Am Ende macht ihr alle schlapp.

Unser Volk hat Fleisch stets frisch

Auch im Kriege auf den Tisch.

Im Tornister für den Sturm

Hat jeder von uns einen Wurm“.

Die beiden Mäuse waren platt.

Der Frosch ergänzte: „Ich bin satt,

Schau“, sprach er, „dort jene Mücken

Würd‘, hätte Hunger ich, verdrücken.

Wir mussten uns noch nie beklagen,

Haben stets `nen vollen Magen,

Denn Falter, Spinnen wie auch Bienen

Sind fett und reich an Vitaminen.

Übers Essen gibt’s kein Murren.

Wir haben alles was wir wollen“.

Er hörte ihren Magen knurren

Und sah sie mit den Augen rollen.

Deshalb führte er schnell weiter aus:

In unserem Kühl-und Speicherhaus

All die leck‘ren Sachen liegen

Wie Asseln, Maden, Käfer, Fliegen.

Selbst Mäuse in Gefangenschaft

Bekommen Reisbrei, Speck und Gerstensaft“.

„Euren Kriegern“, fuhr er fort,

„Geht es weitaus besser dort

Als Kriegsgefangener im Lager

Als Euch; Keiner ist, wie ihr so mager“.

„Wenn ihr also Hunger habt“,

So hat er weiter dann gesagt,

„Dann lasst mich frei und kommt mit mir.

„Was wollte ihr weiter darben hier?

Bei uns, in Froschheim um die Ecke

Lebt wie die Maden ihr im Specke.

Heute Abend euer Land

Ist sowieso in unsrer Hand.

Also beeilt euch, lasst mich frei

Sonst endet ihr in Sklaverei“!

„Du gerissener grüner Hund

Machst uns wässrig hier den Mund“

Schrie die eine von den beiden:

„Lieber will ich Hunger leiden

Als dich hier wieder frei zu lassen“.

Die andre drauf: „Das könnt dir passen,

Uns mit Worten zu verhöhnen.

Das werden wir dir abgewöhnen“.

Dann bogen beide sie durch Drücken

Ihm die Arme auf den Rücken

Dass er wie am Spieße schrie.

„Wir bringen dich zur Kompanie

Und stellen dich dem Hauptmann vor

Oder Rattimauser dem Major“.

Gesagt, getan, so wurd‘s gemacht.

Gefesselt ward er hingebracht.

Der Hauptmann sprach zum Frosch: „Dein Bruder,

Der General von Unkenschluder

Hat den Plan für diese Schlacht,

Wie du berichtet hast, gemacht

Und wie ich hör, warst du dabei.

So bitt ich dich, geh ins Detail

Doch ein kleines bisschen mehr

Und berichte mir beizeiten

Daraus nun die Einzelheiten.

Wie viel Mann hat euer Heer“?

Rattimauser der Major

Setzte das Messer ihm ans Ohr

Und quietschte sichtlich mit Vergnügen

„Wage nicht uns zu belügen.“

Frosch Pfützner, trotz der schlimmen Lage,

Mit Feingefühl und viel Gespür

Setzte an zur Gegenfrage:

„Und was bekomme ich dafür“?

Rattimauser, der Major

Setzte erneut den Dolch ans Ohr;

Indes der Hauptmann mehr bedacht,

Versprach, „die Freiheit nach der Schlacht“.

Pfützner dachte, „In der Patsche

Ist es besser wenn ich quatsche“!

Da fiel ihm Santoianni ein.

„Das“ dacht er, „könnt die Lösung sein“!

Begeistert war er einst gewesen

Als Francesco er gelesen.

Plötzlich erinnerte er sich

Und lachte schelmisch innerlich.

Was in dessen Buch beschrieben

Hat den Mäusen nun spontan

Er unter ihre Nas‘ gerieben

Als des Bruders Angriffsplan.

Dass in Wirklichkeit der Bruder,

Wie auch der Name Unkenschluder

War in der Not nur ausgedacht

Er ihnen nicht zur Kenntnis bracht‘.

Stattdessen, damit die Mäus erschrecken

Und in den Löchern sich verstecken,

Erzählte er den beiden was

Von Giften, Wasser, Feuer und von Gas.

„Wie die Menschen ihre Motten

Durch Pülverchen im Schrank ausrotten,

So plant General von Unkenschluder

`Nen Giftangriff mit Mäusepuder

Um euch alle zu vernichten“.

So hörten sie den Frosch berichten.

„Auch will er, aus den gleichen Gründen

Euer ganzes Land anzünden

Damit ihr allesamt verbrennt

Oder aus dem Lande rennt“.

Auch von Giftgas war die Rede.

Um zu siegen in der Fehde

Ist Pausback jedes Mittel Recht.

Strychnin-Häppchen gar kunstgerecht

Will eures großen Hungers wegen,

Man vor eure Löcher legen.

An dem was wir Euch da servieren

Wird euer ganzes Volk krepieren.

So manches was euch unbekannt

Wird noch im Angriffsplan genannt.

Jener in seinem ersten Drittel

Setzt ganz auf Maus-Vernichtungsmittel.

In seinem zweiten Drittel dann

Steht was man mit Feuer machen kann.

Ganz nebenbei erfährt man auch

Wie man umgeht mit dem Rauch,

Dass er durch eure Straßen zieht

Und keiner mehr von euch was sieht

Und ihr, weil euch die Augen brennen,

Hastig beginnt davon zu rennen,

Weil ihr sonst am Ende noch

Geräuchtert sterben würdet doch.

Im letzten Teil ist neben Gas

Auch Wasser aufgeführt und was

Damit ein kluger Mann

Im Kriege alles machen kann.

Die Mäuse standen wie gelähmt!

„Dass ihr Frösche euch nicht schämt

Solche Mittel anzuwenden“

Rügte Rattimauser der Major.

„Kommt ihr euch nicht schäbig vor“?

Pfützner erwiderte: „Verzeih,

Gas ist heut der letzte Schrei

Und Gift im Krieg gegen die Maus

Legten schon die Ägypter aus.

Im Papyrus Ebers steht

Genau beschrieben wie es geht.

Die Mäuse hörten zu ganz Ohr.

Da trug er Einzelheiten vor.

„man nehme von Nux vomica

Oder Scilla marittima,

Einer giftigen Zwiebelpflanze

Den Saft und koche auf das Ganze

Und setze es den Mäusen vor“.

Der Hauptmann spitze wach sein Ohr

Und während Major von Rattimauser

Legte seine Stirn noch krauser

Als sie ohnehin schon war

Fuhr Pfützner, innerlich gar heiter,

Äußerlich ernst, im Texte weiter

Und legte in Einzelheiten dar,

Was er im Band zu Maus und Ratte

Vor langer Zeit gelesen hatte.

„Auch Eberwurz, wenn es uns frommt

Als Gift gen euch zum Einsatz kommt.

In Öl mit Mehl schön angerührt

Es zum Essen euch verführt.

Den Magen sollt ihr euch verderben

Und wenn ihr satt seid alle sterben.

Auch Poleiminze, Mäusedorn

Mischt man unter euch ins Korn.

Mit Springwolfmilch und Rizinus

Vor euern Löchern zum Genuss

Ausgelegt wird man euch locken.

Ihr werdet auf dem Lokus hocken,

Mit Dünnschiss all und mehr Toxin

Als Ihr verkraftet, im Urin.

Ihr werdet in Euren Löchern sitzen

Und Blut anstatt von Wasser schwitzen.

Schwefel, ungelöschter Kalk, Arsen

Wird vor euren Türen steh‘n.

Mit all den netten, gift’gen Dingen

Wird man euch ums Leben bringen“.

Den Mäusen noch mehr Angst zu machen,

Erzählte Pfützner all die Sachen

Weiter nun aus zweiter Hand

Die er beim Italiener fand.

„Die Räude werdet ihr bekommen

Wenn ihr die Asche eingenommen

Von Eichenholz, die ungescheut

Man in eure Gänge streut.

Zinkphosphat und Warfarin

Wirft man euch zum fressen hin.

Damit ihr allesamt krepiert

Wird jedes Pulver ausprobiert.

Irgendwie wird es gelingen

Mit Gift euch alle umzubringen.

Aus unserm Giftmischer-Labor

Ging manche Mischung schon hervor,

Die für den Krieg als Waffe dann

Pausbacks Heer gut brauchen kann.

Eudrin- und Strychnin-Sulfat,

Castrix , Barium-Karbonat,

Schimmelpilze, Bockshornklee,

All das hat die Frosch-Armee

Um den Garaus euch zu machen

Und noch weitaus schlimm’re Sachen.

Tomorin und Dikumarol,

Kumchlorin und Kumaphenol,

Trioxyd, Natriumchlorat,

Sowie ein Wurzelpräparat,

Von einem Rhododendronstrauch,

Ist einsatzreif zum Kriegsgebrauch

Um das Mausvolk zu vernichten.

Ich könnt noch manches euch berichten

Jedoch will die Lust aufs Sterben

Ich euch nicht noch mehr verderben.

Doch eines muss ich noch erwähnen.

Die Augen werden euch all tränen“,

Fügte er an. „seit ein paar Tagen,

Ihr werdet es wohl nicht ertragen,

Wird Senfgas an die Front gebracht.

Um zu gewinnen diese Schlacht

Und auszumerzen euer Geschlecht

Ist Pausback jedes Mittel recht.

Senfgas, vom König hochgelobt

Hat der Gröfaz schon erprobt.

Doch unsere gar ehrenwerten

ABC-Waffen-Experten

Haben“, so sprach er zu Major,

„Mit euch noch weitaus Schlimm‘res vor.

Mit Phosphorwasserstoff `nem Gas,

Will man, nach allem was ich las,

Euer Volk zur Einsicht bringen

Und die Kapitulation erzwingen.

Falls das nicht klappt folgt ein Pogrom

Durch Bio-Waffen und Atom.

Wir haben all das einsatzreif“.

So endete der Redner steif

Und wartete, im Blicke Hohn,

Nun auf der beiden Reaktion.

Den beiden Mäuseoffizieren

War Pfützners Rede an die Nieren

Das konnte man deutlich seh’n, gegangen.

Mit zittriger Stimme und mit Bangen

Sprach der Hauptmann: „Die Froschnation

Hat die Genfer Konvention

Zum Scheine scheinbar und fingiert

Wie es sich zeigt nur ratifiziert.

Doch das wird euch schlecht bekommen.

Brotnager hat sich vorgenommen,

Krümeldieb den Sohn zu rächen.

Er wird seinen Schwur nicht brechen.

Nein, das wird er niemals tun!

Keine Maus wird eher ruh’n,

Kämpfend zum Äußersten beherzt

Bis euer Volk ist ausgemerzt“!

Von Rattimauser, der Major

Ergänzte: „Als Antwort werden Chlor

Wir in alle Flüsse gießen

Die zu euerm Froschteich fließen“

Und weiter fluchend und stupide:

„Gülle, Müll und Pestizide

Schleppen wir an euern Strand

Und vergiften euer Land.

Wie Smitheus in der Iliade

Schickte die Pest ins Griechenlager,

So wird die elfte Maus-Brigade

Unter Leutnant von Pestbeulennager

Den schwarzen Tod ins Land euch bringen

Um Pausback zur Aufgabe zu zwingen.

Ihr werdet allesamt verrecken.

Ihr könnt euch noch so gut verstecken,

Der schwarze Tod, die Beulenpest,

Rafft euch dahin, gibt euch den Rest.

Keiner von euch wird überleben.

Bald wird es keinen Frosch mehr geben

Der uns so wie du hier droht“!

Er fuhr fort gar renitent:

„Für unser Volk herrscht keine Not

Denn wir sind längst schon resistent.

Über eure Hinterlist in Sachen

Kriegsplanung können wir nur lachen.

All euer Gift, selbst wenn wir‘s schlucken

Kann uns heute nicht mehr jucken.

E 605 und Warfarin,

Raffte zwar viele von uns hin,

Doch jetzt und heute, Gott sei Dank,

Macht uns kein Gift so schnell mehr krank.

Ihr werdet es bald sehen;

Uns kann nichts mehr geschehen“!

Das war zwar reichlich übertrieben.

Doch ähnliches stand aufgeschrieben

Als Halbwahrheit in Hypothesen

In Buche, das der Frosch gelesen.

„Ihr blöden Mäus“ schrie Pfützner nun,

„Wenn ihr glaubt, ich seid immun

Gegen unsern Angriffsplan,

Habt ihr gewaltig euch vertan.

Wenn ihr es auf die Spitze treibt

Kein Mausschwanz von euch übrig bleibt.

Dann geht es euch wie jener Art

Die als des Katers Widerpart,

Welchen Art Spiegelman verspottet,

Wurde beinah ausgerottet“!

Das war zu viel! Der Mausmajor

Holte erneut den Dolch hervor.

Der Hauptmann hielt den Gegner fest.

Ein schneller Stich gab dem den Rest.

Frosch Pfützner ging es an die Nieren.

Elendiglich musst‘ er krepieren.

Was weiter in der Schlacht passiert

Demnächst hier berichtet wird.

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wird fortgesetzt

Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.