Freitag, 21. Januar 2011

Machwerk R.W. Aristoquakes

Teil 1-12

Fortsetzung

Der Mauskönig, der immer war

Da, wo am größten die Gefahr,

Wird von den Seinen abgeschnitten

Und sieht sich plötzlich in der Mitten

Von Feinden, die ihn rasch umgeben.

Zwar ficht er, wie ein starker Leu,

Und mancher Frosch, von seinem Eisen

Getötet in das Gras muss beißen;

Doch kommt nicht Hilfe schnell herbei.

So geht es an des Königs Leben.

Schon hebt sich an dem Ufer dicht,

Mit freudestrahlendem Gesicht

Empor durchs Schilfgras aus dem See

Eine grüne Wasserfee

Und triumphiert „Viktoria“.

Nun ist des Kampfes Ende nah!

Schon grölen die Frösche fern und nah

„Quakquak, Queckqueck, Viktoria“

Doch plötzlich kommt, zur rechten Zeit,

Fürst Friedlieb an mit seiner Schaar,

Die der Armee gefolget war

Und von dem Treffen stand nicht weit.

Es musste diesem nur noch glücken,

Den siegestrunk’nen Fröschen die

Solcherlei Ding erwartet nie,

Mit fürchterlichem lauten Schreien

Und Wut zu fallen in den Rücken.

Nun kommt Verwirrung in die Reihen

Der Frösche, während sich aufs Neue

Die Mäuse ermannen, welche schon

Umzingelt waren, teil, teils floh’n .

So kommt der König wieder frei,

Stößt auf den edlen Greis Friedlieb ,

Umarmt ihn zärtlich, spricht „Vergib“

Dass ich beleidigt dich so schwer.

Ohn‘ dich, da wär‘s um uns gescheh’n.

Du rächst dich edel, rächst dich schön.

Dein ist der Sieg, des Tages Ehr‘.

Spricht Friedlieb drauf; „Zu jeder Zeit

Nach Kraft zu dienen meinem Herrn,

Eracht‘ ich als meine Schuldigkeit;

Drum Preis und Lob, das bleibe fern.“

Bei diesen Worten nähert sich

Der König Pausback fürchterlich

Und ruft dem Mäusekönig zu:

„Ha! Treff ich dich, du Unhold du!

Du sinnest meinem Reich Verderben.

Dafür du büßen sollst und sterben!“

Und wirft nach ihm den Speer, so wild,

Der wäre sicher in die Brust

Des Mäusekönigs tief gegangen,

Hätt‘ Friedlieb nicht mit seinem Schild

Zur rechten Zeit ihn abgefangen.

Speckfresser rief: „Du scheinst mir Lust

Zu haben, mich dem lieben Sohn,

Den Falscher Du, gemordet schon

Mit deiner Waffe nachzusenden.

Doch wart, es wird das Blatt sich wenden.

Du stirbst nunmehr von meinen Händen!“

So dringt er auf den König ein.

Es haut und stößt mit wildem Mut

Das Schwert auf beiden Seiten gut.

Lang schwankt der Sieg. Doch endlich ward

Pausback durch seines Gegners Wehr:

In seinem Arm, verwundet schwer.

Er fühlt sich schwach, es fließt sein Blut.

Frommkind , sein Sohn, der dies gewahrt,

Dazwischen springt, mit jähem Schrecken,

Den Vater, den er liebt, zu decken;

Und ruft: „Halt ein! Halt ein! Verschone

Den Vater; lieber nimm dem Sohne

Das Leben!“ --- Und Speckfresser sticht

Ihn nieder, dass er sterbend sinkt.

Pausback stößt einen Angstschrei aus,

Der weithin durch die Lüfte dringt;

Doch leider war er zu geschwächt,

Sonst hätt er Frommkinds Tod gerächt.

Die Seinen eilen ihn dem Eisen

Des wilden Gegners zu entreißen,

Das schon, auch ihn hinwegzuraffen,

Zum Stoß sich richtet. Schnell sie schaffen

Den König weg aus dem Getümmel.

Indessen schaut vom Abendhimmel

Die Sonne auf den grausen Ort,

Wo noch das Morden dauert fort.

Die Mäus‘ in ihrer blut‘gen Gier,

Den Feinden geben kein Quartier.

Der Frösche Hauf in ihrer Mitten,

Mutlos, verwirrt, gedrängt gewürgt,

Sucht einen Rückzug nach dem See,

Der Sicherheit ihnen verbürgt.

Doch jeder Ausweg war, oh weh

Von allen Seiten abgeschnitten.

Doch im Getümmel, in der Mitten

Im Heer der Frösche war ein Mann,

Man traf nicht seinesgleichen an,

Genannt der Edle Patz vom Teich,

Ganz ungeschlacht und riesengleich.

Er überragt des Volkes Menge

Um eines ganzen Froschmanns Länge,

An seinen Bauch, man glaubt es kaum,

War schier noch für drei andre Raum.

Das Maul klaffte von Ohr zu Ohr

Noch breiter als ein Scheunentor.

Vom Helme schüttelt fürchterlich,

Den Grasschweif er wild hinter sich

Und aus dem Aug das Ungeheuer,

Unheimlich sprühte gelbes Feuer.

Freifrosch Edler Patz vom Teich

Nach seinem Spieße greift sogleich,

Langschaftig, schwer mit Rohr beschlagen,

Drei Krieger konnten ihn kaum tragen,

Und hebt ihn hoch mit leichtem Schwunge

Und setzt sich fertig hin zum Sprunge.

Dann nimmt er einen langen Satz

Auf Wurstlieb los, der Edle Patz,

Und stiert ihn an mit dreistem Blicke,

Die gelben Augen leuchten Tücke.

Das breite Maul geöffnet weit,

Mit Donnerstimme er jetzt schreit:

„Komm her, komm her, du Lumpenhund,

Ich werf‘ dich nieder auf den Grund!“

Held Wurstlieb wollte ganz verzagen,

Als hätt‘ der Donner ihn geschlagen.

„Ich hol mir einen neuen Spieß!“

So rief er zitternd und verließ

Das Schlachtfeld. Doch der Edle Patz

Tat wieder einen langen Satz

Und schrie den Mäusen zu mit Hohn:

„Wer wagt’s, sei’s Vater oder Sohn,

Mit mir den Zweikampf zu besteh‘n?

Er komme her, ich will ihn seh’n,

Ich blas ihn weg, dem Mäusewicht,

Werf‘ in den Staub das Bartgesicht.“

Und schleuderte den Binsenspeer

Schwirrend in der Mäuse Heer

Und blies die Schalltrompete auf

Und schrie: „Ihr Mannen dran und drauf!“

Sein Kriegsgeschrei mit Donnerschall

Dröhnt wie der Brandung Wogenschwall.

Und voller Schrecken ihn hören und schauen

Die Mäuse und weichen zurück mit Grauen.

Da stellt sich Friedlieb ihnen entgegen

Und ruft: „Ha, Mäuse, tapf’re Degen,

Wollt ihr vor eines Breitmauls Schnaufen

Wie Memmen feige fliehn und laufen?

Was soll ich euren Kindern sagen,

Wenn sie nach euren Taten fragen?

Vergesst nicht unsres Volkes Ruhm,

Vergesst ihr unser Heldentum?

Ihr habt dem Manntier widerstanden,

Dem Murner und den Räuberbanden

Der Füchse und dem Hermelin

Wollt ihr vor Wasserpanschern flieh’n?

Nein, das sei nicht von uns gesagt.

Mir nach, denn ich will unverzagt

Dem Riesenpatz entgegenreiten,

Ihn ritterlich allein bestreiten!“

Er sprengt voran, der Mäusehaufen

Kam pfeifend hinterher gelaufen.

„O böser Goliath“, rief mit Züchten

Der edle Friedlieb, “ du pochst mitnichten

Auf die geschwoll’nen Schalltrompeten

Und auf den Bauch; in Kriegesnöten

Ein breites Maul es auch nicht tut,

Das lern von mir, pass auf nun gut.“

Und warf schnurstracks und ohne Tadel

Auf Patzen seine spitze Nadel

Und hätte ihn getroffen klar

Und gebracht den Tod sogar,

Wenn Patz nicht aufgesprungen wär,

Dass unter ihm fortflog der Speer

Und in den Sand sich bohrte tief.

„Ha Bartgesicht“, Held Patz nun rief,

“Für dich ist meine Kling‘ geschliffen,

Du hast Dein letztes Lied gepfiffen.

Brauch nur die Faust und spar den Wind,

Denn du bist jetzt des Todes Kind.“

Doch Friedlieb ehrenwert nicht faul,

Zur Erde steigt von seinem Gaul

Und richtet sein zweischneidiges Schwert

Auf Patz, die Spitze vorgekehrt.

Der zieht das Muschelschwert vom Leder

Und hüpft hoch gleich einer Feder.

Doch springt er in des Kampfes Hitze

Zu weit, dass sich die Nadelspitze

Des Gegners, und das wollt der auch,

Bohrt in seinen feisten Bauch.

Dahin er sinkt mit Todesstöhnen,

Im Sturz die Waffen klirrend dröhnen.

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Die Frösche sich entsetzen sehr,

Die Mäuse drängen mehr und mehr.

Voran der kühne Springinsfeld

Mit seinem Schwert den Quacker fällt,

Und Wasserteufel muss verenden,

Erwürgt von Brotmanns Krallenhänden.

Im Heldenkampf sieht man erliegen

Barfuß im Moor und Schnapp die Fliegen,

Und neben ihnen im Tode vereint

Hartzahn von Beißt und Pfefferfeind,

Schrotmüller und auch Küchendieb.

Auch Speckschütz, Moortanz, Wasserlieb

Und Sumpfner, Taucher, Abendschreier,

Von Knickebruch und Käsemeyer,

Und viele Helden beiderseits

Opfer wurden des harten Streits.

Sie starben von des Feindes Hand

Für ein bessres Vaterland.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-12


Beginn der blutigen Schlacht

Der Kampf begann- welch schrecklich Toben!
Es mischte grauses Kriegsgeschrei
Sich mit des Donners Wüten droben
Und zornigen Flüchen mancherlei.
Es hagelt Seine, Pfeile, Speer,
Von jeder Größe, jeder Art.
Mit Blitzesschnelle hin und her,
So dass die Luft verfinstert ward.
Vom Erdgeist angeregt erhoben
Staubwolken wirbelnd sich gar dicht
Und zieh’n den Fröschen ins Gesicht.
Dagegen braust mit lautem Toben
Durch den Wassergott erregt die See,
So dass die Mäuse sehen kaum
Bespritzt von Blut und Wellenschaum.
Gar grausig ist fürwahr das Streiten
Mit Schwert und Spieß auf beiden Seiten
Und es tut auch furchtbar weh.

Was soll zuerst ich singen und sagen
Von dem was sich nun zugetragen?
Verkünd ich der Frösche List und Ruhm?
Preis ich der Mäuse Heldentum?

Fürst Friedlieb oder Patz vom Teich,
Ganz ungeschlacht und riesengleich?
Rühm ich den Junker von dem Teller,
Der listig wie Odysseus im Keller
Sich vor den Feinden tat salvieren,
Um sie schelmisch naszuführen?
Doch lässt sich Fischer von der Mücken,
Der Schlichekund’ge, nicht bestricken,
Fasst rückwärts Posto an den See;
Das bracht den Mäusen Ach und Weh!
Achilles-Schinkenklauber herrlich
Durch die Reihen sprengt begehrlich,
Ob er nicht Hector Pausback fände
Und in die Unterwelt ihn sende;
Doch dieser hält zur linken Hand
Im Rohr mit seiner Garde Stand
Und wartet ab die rechte Zeit,
Wann wenden werde sich der Streit,
Die Seinen tapfer einzusetzen,
Sein Schwert indessen scharf zu wetzen
Um es dem Feind, der kluge Mann,
In den Rücken zu stechen dann,
Wenn dieser denkt der Krieg sei aus.

„Ich bring sie um die dreiste Maus“
Denkt er und an seiner rechten Hand,
Fürst Rana, Padderan genannt,
Denkt ähnlich, nämlich wie er bald
Die Mäus’ lockt in den Hinterhalt,
Um im See sie zu ertränken,
Dass Kind und Kindeskind dran denken.

So dachten die Führer, unterdessen,
Es ist heut schwer nur zu ermessen,
Haben die Tiere in der Schlacht
Sich gegenseitig umgebracht.
Todbringende Lanzen schwirrten,
Blut floss in Strömen, Schwerter klirrten.
Krieger, zum Töten angeworben,
Sind zu Tausenden gestorben,
Die besten Frösche und Mäus von allen,
Sind in der Schlacht zuerst gefallen.
Durchbohrt von Speeren, Lanzen, Spießen
Sie auf dem Feld ihr Leben ließen.
Und wo mit Waffen nichts gelungen,
Wurd’ männlich Leib an Leib gerungen.
Verwundete im Jammertönen
Und Sterbende hörte man stöhnen;
Die mutigsten der tapfern Leute
Wurde des dummen Krieges Beute,
Auf dem Feld der Ehr beim Streiten
Der Heere nun auf beiden Seiten.

Manch Fürst und edler Ritter musst’
Jetzt büßen seine Kampfeslust
Und manchem Jüngling, hoffnungsvoll,
Das Leben mit dem Blut entquoll.
Schon hört man das „nach Mama Flehen“
Und konnt’ geschundne Leiber sehen;
An denen nichts mehr lebenswert,
Von innen nach außen ward gekehrt.
Auch Hilferufe und Wehgeschrei
War vielerorts gar laut dabei.
Gar mancher, in Gefangenschaft
Geraten, wurde weggeschafft,
Für Tote, die im Wege lagen
Blieb keine Zeit, sie zu beklagen.

So wogte der Kampf nun hin und her;
Der Sieg schwankte nach beiden Seiten.
Doch Junker Milchrahmlecker, der
Der Mäuse Vortrab sollte leiten;
Drang mit der Jugend Übermut
Schnell weiter vor, als klug und gut;
Denn plötzlich brachen mit Gewalt
Die Feinde aus dem Hinterhalt
Und hieben auf die Mäuse ein;
Unordnung kam in deren Reih’n;
Drob sah man überall den Schrecken
Sich übers ganze Heer erstrecken.
Das war ein Toben und ein Schrei’n.
Es büßten ihren Übermut
Der Mäuse viel mit ihrem Blut,
Gar manche sprang in größter Not
Ins Wasser und fand dort den Tod.

wird fortgesetzt

Dienstag, 11. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-11
Aufmarsch zur Schlacht

Am dritten Tag, wie angesagt,
Die Mäuse standen unverzagt
Zu Füßen des Olymp nicht weit,
Vom Reich der Frösche kampfbereit.

Sie beugten sich zur Erde nieder
Und sangen dabei fromme Lieder
Und beteten zum höchsten Gott,
Er wollt’ ihnen beisteh’n in der Not.


Worauf Feldprediger Zuckermund
Im Namen Gottes ihnen kund
Gab, dass dem Gott der Rache
Gefalle die gerechte Sache.
Er werde mit die Mörder schlagen
Und mit Blitzen sie verjagen.


Die Frösche taten desgleichen auch.
Sie streckten lang sich auf den Bauch


Und beteten demütiger Weise:
„Die bösen rachsüchtigen Mäuse
Bedrohen uns mit blut’ger Schlacht.
So hilf uns Herr, mit Deiner Macht,
Bewahre uns vor allem Schaden,
Du bist ein Gott der Huld und Gnaden,
Wirst unsre Unschuld nicht verlassen
Und jene Schurken auf den Straßen,
Die nächtlichen Diebe, schrecken und jagen
Mit Blitz und Donner sie erschlagen.“

Ihr Priester Laubfrosch im grünen Kleide
Von seiner Kanzel auf hoher Weide
Verkündete des Himmels Segen
Den tapfern Streiten allerwegen.
Wollt mit Gebet und Seelenmessen
Der armen Seelen nicht vergessen,
Kroch in den hohlen Stamm hernach
Und seine Fürbitt’ eifrig sprach.
Dann trat er mit dem Wasserfass
Zur Truppe, spritzte alle nass
Und gab den Recken Gottes Segen
Mit auf den Weg wie dessen Degen.

Als Formel fügte laut er an,
Dass jeder es auch hören kann:
„Kämpft wacker, denkt daran ihr Christen,
Bringt alle um die Atheisten.“
Der König Pausback ritt vorbei
Mit seiner starken Leibgardei,
Geworben in der Schweizer Land,
Als treu und tapfer wohl bekannt.

Er redete die Seinen an:
„Frisch auf, ihr Leute, drauf und dran!
Habt nur auf die Ordnung Acht,
Dass ihr’s, was ich befehle macht:
Wenn ihr der Spieße und der Flossen
Genug habt auf den Feind verschossen,
Denn lockt ihn fein in unsern See.
Da soll ihm werden bang und weh,
Wir wollen ihm ein Bad bereiten,
Dass er vergisst, mit uns zu streiten;
Wir wollen sie im See ertränken,
Dass Kind und Kindeskind dran denken.
Feldmarschall Rana wird zur Rechten
Voran im Vordertreffen fechten;
Ich aber will zu linken Hand
Mit meiner Garde nehmen Stand
Um zu des Mäuseheers Entsetzen,
Mein Schwert an Ihren Rücken wetzen.
Schon ziehen in Haufen sie daher,
Nun setzt mutig euch zur Wehr!“

Die Frösch riefen: „Ja, quax, quer,
Wir setzen mutig uns zur Wehr!“

Man sieht mit blutig roten Fahnen
Die Herolde den Weg sich bahnen,
Und näher rücken sie und näher
Die Troer und die Frosch-Achäer.

Am Morgenhimmel blutig rot
Die Sonne stand, verkündend Tod
Und einen unheilschwangeren Tag.
Da rückte, Staubeswolken regend
Und finstre Mordgedanken hegend,
Der Mäuse Heer im schnellen Trab
Kampfgierig in das Tal herab
Worin der See der Frösche lag.
Der Himmel deckte weit umher
Mit Wolken sich, gewitterschwer;
Oft flammte hell des Blitzes Schein;
Der Donner grollte hinterdrein,
Dass vom Getöse aufgescheucht
Ein jedes andr’e Tier entfleucht.

Wie wenn zwei Stiere sich erbosen
Und wütend aufeinander stoßen-
Den Kopf gesenkt, am Maule schäumend,
Den Schwanz gar zornig brummend bäumend,
Ein Gegner noch des andern harrt,
Und grimmen Blicks das Auge starrt,
Ob’s eine Blöße könnt erspähen;
Man sieht sie hin und wieder gehen,
Die Erde scharren, die Hörner wetzen,
Und sich zum Sprunge fertig setzen,
Die Augen sprühen Feuerflammen-
Mit einem male krach! Zusammen
Die Schädel schlagen und es ringen,
Indem die Hörner sich verschlingen,
Die Stiere brüllend, dass mit Grauen
Die Kinder auf das Schauspiel schauen.

So stützen aufeinander los
Die beiden Heere mit einem Stoß.
Die Mäuse pfeifen und zischen alle,
Die Frösche quaken mit lautem Schalle,
Die Schützen und Reiter mit Springen und Laufen
Aufeinander stoßen in riesigen Haufen,
Sie stechen, schlagen, ringen, schießen,
Viel edles Heldenblut muss fließen.

wird fortgesetzt

Sonntag, 9. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-10
Rüstung zum Kriege

Nachdem die Jungen wie die Alten
Den Kriegsrat hatten abgehalten,
Fingen die Frösche an und Mäuse
Zu rüsten sich auf beste Weise,
Zu ordnen ihre Heeresreihen,
Die Fahnen festlich auch zu weihen
Und sich allesamt zur Schlacht
Klar zu machen über Nacht.

Die Mäuse sich zu Waffen machten,
Was alles sie zusammenbrachten.
Aus Bohnenschoten für Brust und Bein
Bereitet ward der Harnisch fein,
Mit langen Riemen fest verbunden,
Die von toten Katzen sie geschunden.
Die Schilde waren von Horn gebissen,
Von alten Laternen abgerissen.
Die schönen Katzenrippenbogen
Mit Riemen stramm ganz fest gezogen.
Von schneidigem Glase die Schwerter all,
Die Spieße von Nadeln, spitz und schmal.
Nussschalenhelme auf das Beste
Kinnriemen hielten am Kopfe feste.
Und wer verloren einen Finger,
Und wessen Hand vielleicht im Zwinger
Der Mausefalle war zerschlagen,
Der musste einen Reiter tragen,
Mit Sattel wie bei einem Ross.
Es war ein stattlich langer Tross.

---

Der König aber in Sonderheit
Ließ antun sich ein Wunderkleid
Von eines Maulwurfs schwarzer Haut,
Davor den Mäusen selber graut;
Das Maul ganz schrecklich aufgesperrt,
Als ob vor Todesmut es plerrt,
Dass man die scharfen weißen Zähn’
Sah drohend beieinander steh’n.


Dann legt er an den Harnisch klar,
Der wie Kristall, durchsichtig war,
Von einem Federkiel gedreht,
Daran des Maulwurfs Schuh genäht.
Am goldnen Gürtel Glöcklein hingen,
Die hörte man von Weitem klingen.
Die königliche Krone zuletzt
Er auf des Maulwurfs Haupthaar setzt,
Von Golde glänzend, mit viel Strahlen,
Wie man die Sonne pflegt zu malen.
Dann steckt das Schwert er an die Seit’,
Ein Federmesser mit scharfer Schneid’
Und einem Heft von Elfenbein.
Die Scheide zierlich auch und fein
Mit Gold und Seide überzogen,
War nach der Klinge krumm gebogen.
Mit der Linken fasste er den Schild,
Darauf ein wunderliches Bild.
Dreiköpfig eine Fledermaus
Die Klauen und Flügel breitet aus;
Des Reiches Apfel ist zu schauen,
Das Zepter auch in ihren Klauen,
Ein Katzenschwanz ihr hängt herunter.
Von Farbe schwarz, die Ohren munter
Gespitzt zu lauschen und ganz weiß,
So schaut sie horchend aus mit Fleiß.
Der reiches Wappen offenbar,
Das ziemlich leicht zu deuten war.

Der Mäuse ruhmvoll Regiment
Umfasst den ganzen Kontinent,
Europa, Asien, Afrika,
Hat Anrecht auf Amerika.
Es freuet sich der Finsternis
Und endigt durch den Katzenbiss.
Ihr bester Rat sind wackre Ohren,
Wer die nicht braucht, der ist verloren.

Mit dieser Rüstung, Schild und Schwert,
Sprang Schinkenklauber auf das Pferd,
Warf ritterlich es hin und her,
Zur Rechten, Linken, kreuz und quer,
Und sprach: „Es walt der liebe Gott!
Ich räche meines Sohnes Tod.“

Drauf auf dem Felde wird die Schlacht-
Ordnung mit Bedacht gemacht.
Bestimmt, wer soll den Vortrab führen,
Wer´s Hintertreffen, wer den Flügel,
Im Zentrum wer, wie auf dem Hügel
Und in dem Tale soll agieren.

Der König hielt noch eine Rede,
Anfeuernd aller Krieger Mut;
Wer brav sich hielt und kämpfte gut,
Gegen die Frösche sich zu wehren
Sollt´ sicher sein der höchsten Ehren,
Und wer da stürb´ in seinem Blut,
Dess´ Frau und Kinder würd´ man rühmen
Mehr noch als Aphrodites Hymen.

Dann beim Schalle der Trompeten
Die Armee stand angetreten,
Und bei der Trommel Rassellschalle,
Schnettreng teng teng rataplan plan plan,
Frisch vorwärts da marschierten alle,
Mehr denn zehnhunderttausend Mann.

Als alles auf dem Marsche war,
Kam Friedlieb an mit seiner Schar,
Der Fürst, der in dem Rat gewollt,
Dass man den Frieden wählen sollt´.
War auch sein Rat zurückgewiesen,
So ließ er dies sich nicht verdrießen;
Er dacht´: „Ist unklug auch der Krieg,
So will ich Tod doch oder Sieg,
Für unser Reich mit andern teilen.“
Darum marschiert er ohne Weilen
Und ließ den König höflich bitten,
Dass er ihn in der Andern Mitten
Auch ziehen ließe. Rau antwortet
Der König: „Wo man kämpft und mordet,
Ist Friedlieb´s Stelle nicht. Er bleib´
Daheim und pflege seinen Leib
Gleich einem zarten Mägdelein;
Das möcht` ihm besser wohl gedeih´n!“

Friedlieb und seine ganze Rotte
Ward von dem Heere drauf mit Spotte
Begrüßt. Gar sehr verdross es ihn;
Er musste sich zurück nun zieh’n,
Sprach aber dann zu seinen Leuten
Um seine Haltung anzudeuten:
„Wenn gleich ein unverdienter Hohn
Dem guten Willen wird zum Lohn,
So halte dies nicht ab in Zeiten
Der Not fürs Vaterland zu streiten.
Es kann dem Heer ein Unfall kommen;
Dann unsre Hilfe ist willkommen,
Wir können dann den Sieg entscheiden.
Drum folgen wir dem Heer vom weiten!“


Die Frösche gleicher Art und Macht
Sich bewaffneten zur Schlacht
Mit Muschelschwertern, Binsenspießen,
Den Feinden in das Herz zu schießen.
Sie putzten grimmig sich heraus
Mit einem Helm vom Schneckenhaus,
Mit einer Fisch- oder Schlangenhaut,
Wovor den Fröschen selber graut,
Mit großen Mummelschilden prächtig
Und langen Kolbenkeulen mächtig.
Von ihren Grätenbögen schossen
Sie in das Ziel mit spitzen Flossen
Und jagten beritten kreuz und quer
Auf ihren Rossen all daher.


Auf König Pausback sah’n vor allen
Die Krieger hin mit Wohlgefallen.


Er war vor Hieb und Schuss bewehrt
Vom Kopf herab bis auf die Erd’
Durch eine grüne Eidechsenhaut.
Von seinem Haupte niederschaut
Mit Funkeln eine Schlangenkrone,
Karbunkeln waren’s zweifelsohne.
Den Hals umschließt ein Perlenkragen,
Ein Muschelgürtel schützt den Magen;
Ein langes Schwert von Perlenmutter
Zur Seite hing im Schneckenfutter.
Der Schild von Perlenmutterschalen
Erglänzte hell in Silberstrahlen;
Darin war künstlich eingegraben,
Mit Farben noch verziert, erhaben,
Ein Wappentier gar wunderlich,
Halb Hund, halb Frosch und Fisch. Es glich
An Vorderfüßen, Kopf und Mund
An Augen und Zähnen ganz dem Hund.
Die Hinterbeine Zunge und Schwanz
Sich Frosch und Fisch verglichen ganz.
Am Kopfe blähend bis zur Nasen
Bauschten seitlich sich zwei Blasen,
Die lange Zunge gierig klappte
Heraus und eine Mücke schnappte.
Darunter las man eingraviert
In kunstvoller Weise ziseliert:
„Ich bin bekannt als Mückenfänger
Und Musikant je mehr, je länger;
Ich bell und hüpf zu Lande frisch
Und schwimm im Wasser wie ein Fisch.“

Man brachte Pausback auch sein Ross,
Bekleidet schön mit goldnem Moos,
Das hing in Streifen lang umher
Und rauschte laut, wie Seide schwer.
Drauf schwang sich der Rex mit einem Satz
Und tat drei Sprünge auf dem Platz,
Nahm seinen langen Binsenspieß,
Den er vom Herold bringen ließ
Und rief: „Treff ich den Mausekönig,
Er bitte viel mich oder wenig,
Ich will ihn mit dem Speer durchstechen,
Die Spitz im Herzen ihm abbrechen.“

Und weiter fügte er noch an:
"Getreue, Tapfre! Nun wohlan!
Jetzt gilt’s zu zeigen, dass ihr wert
Des Namens „Frosch“ und eurer Ahnen.
Gedenkt, es geht um euren Herd,
Ihr kämpft für Freiheit, Weib und Kind
Und die, die sonst noch lieb euch sind.
Drum haltet treu euch bei den Fahnen!“

Neben ihm, als Adjutant
Sein erster Sohn, Frommkind genannt,
Im vornehm höfischen Gewand
Zur Seite seines Vaters stand,
Ein tapfrer Jüngling: All die Scharen,
Die aus dem See gesprungen waren,
Sie stellten sich am Ufer drauf
In wohlbedachter Ordnung auf.

„Ich selbst“, so sprach er zu dem Sohn
Und einstigen Erben seiner Kron’,
„Will ein gutes Beispiel geben,
Wie man für seine Sache gut
Zu streiten hat mit kühnem Mut.
Ich will, und koste es mein Leben,
Die tollen Mäuse Mores lehren;
Sie sollen nimmer wiederkehren;
Und kommt der Mäusekönig hier
In meinen Weg im Kampfgewühl,
So ist sein Herz, das glaube mir
Meines ersten Speeres Ziel.“
Und zu den andern schrie er laut:
"Verteidigt tapfer eure Haut.
Stellt sicher, dass nicht eine Maus
Kehrt aus diesem Krieg nach Haus
Zu melden ihre Niederlage.
Drum schwört, ihr wollet eure Pflicht
Als treues Heer vergessen nicht.
Wir siegen, das steht außer Frage!“

Sie riefen: „Jeck, keck quak, ja, ja,
Dazu sind wir alle da!“
Und wären gern aus Kriegsverlangen,
Dem Feind entgegen gleich gegangen,
Statt selbigen abzuwarten hier;
Vor Ungeduld sie starben schier.



Samstag, 8. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-9
Kriegsrat der Frösche

Auch Pausback, der es schon erfahren,
Dass die Mäuse all gerüstet waren,
Die Frösche ließ zusammen geh’n
Aus Flüssen, Teichen, Pfützen und Seen,
Ob etwa hielt zu guter Zeit
Ein Schwert des andre in der Scheid’!

Da rückte an des Ufers Rand
Der Herold, Kriechetopf genannt,
In der Hand den Heroldsstab,
Aus dem Mäuseland herab.
Geleitet von einem Mausschwadron
Und der Trompeten hellen Ton,
Rief er die Frösche all heran,
Worauf zu reden er begann:

Herold Kriechetopf beim König

„Schinkenklauber, König aller Mäuse,
Mein gnädiger Herr, gerecht und weise;
Hegt, König Pausback, gegen dich
Gerechten Zorn gar fürchterlich,
Dieweil du ermordet seinen Sohn,
Den einzigen Erben seiner Kron’.
Drum macht er dir durch meinen Mund
Den Krieg nach alter Sitte kund,
Ruft dir und deinen Leuten zu:
Am dritten tag des Morgens fruh
Da will er an demselben Ort,
Wo geschah an seinem Sohn der Mord,
Dir liefern eine große Schlacht;
Dessen sollst du sein bedacht.“

Schießt in den See dann einen Pfeil
Und kehret heim in großer Eil’.

Die Frösche aber sehr erschraken
Und fingen ängstlich an zu quaken.
Sie taten friedlich und gemütlich
Sich gern in ihrem Wasser gütlich
Und liebten nicht durch Krieg und Schlacht
Zu sein aus ihrer Ruh gebracht.

Der König aber rief sofort
Die Männer zum Versammlungsort

Der König spricht

Und sprach: „Ihr Herrn und liebe Leute!
Was seid so unmutig ihr heute?
Was schaut ihr mich so trübe an,
Als wenn ich wäre schuld daran?
Dass sterben musste Bröseldieb,
War nicht mein Will’, ich hatt’ ihn lieb;
Ihr wisst ja, wie ich unbeschwert
Dem Mäuseprinzen hab geehrt
Und freundlich bei mir aufgenommen.
Er wollte übers Wasser kommen
Und hat von Schwimmkunst nichts gewusst.
Die Jugend hat zur Torheit Lust.
Was meinem Kind ich böte kaum,
Ich gab ihm auf dem Rücken Raum
Und hab ihn sorglich dort getragen.
Hätte er nicht in Angst und Zagen
Mich fahren lassen oder offen
Das Maul gelassen und gesoffen
Zu viel des Wassers, sicherlich
Noch lebte er, wie ihr und ich.
Weiß nicht, ob ihn die Schlange fraß,
Oder er ertrank im Nass,
Als wir zusammen vor dem Springen
Der Wasserschlange untergingen.
Was hielt er sich an mir nicht feste
Bis ich ihn auf des Allerbeste
An meines Schlosses Obertor
Geleitet? Der vorwitzige Tor,
Der hoch sich rühmte allermeist,
Er habe gar Prophetengeist!

Genug, es ist die Schuld nicht mein;
Drum könnt ihr guten Mutes sein.
Wer sich gerechter Sache freut,
Hat wohl den Sieg auf seiner Seit;
Wer ungerecht den Frieden bricht,
Entgeht verdienter Strafe nicht.

Wenn sie unschuldig uns verklagen,
So mögen sie die Folgen tragen,
Denn oft schon hab ich hören sagen:
Wer andern eine Grube gräbt,
Fällt selbst hinein. Wer sich bestrebt,
Dem Nächsten Unheil zu bereiten,
Muss wider Gottes Allmacht streiten
Und wird mit Blindheit gar geschlagen.
Da sie das Wasser nicht vertragen,
Wir aber sind zu See und Land
Gleichermaßen gut bekannt.
Sie müssen jämmerlich ertrinken
Wenn sie im Wasser untersinken.
Lasst uns denn heldenhaft die Toren
Ergreifen bei den grauen Ohren
Sie in den See hinunter zwingen
Um dort sie alle umzubringen.
Dann wollen wir die Toten henken,
Dass unsre Feinde dran gedenken
Und auf der Insel uns zu Ehren
Ein Schloss bauen mit Turm und Wehren,
„Grün Wasserlöwen“ zubenannt,
Dass aller Welt es werd bekannt,
Wie wir den Mäusen haben gut
Es heimgezahlt mit Löwenmut.“

„Das wollen wir“ sprach jedermann
Und schloss sich der Red des Königs an.

„Recht so“ – quakte der ganze Hauf’.
Fürst Ehrenwert jedoch stand auf
Und sprach: „Nicht ungefährlich scheint
Der Krieg mit einem solchen Feind.
Es sehen und kennen wohl die Mäuse
Gar sehr des Menschen Art und Weise,
Von der ihr noch so wenig wisst,

Und lernten ab gar manche List,
Vom Manntier welches, wie man weiß
Gerne Krieg führt mit viel Fleiß.
Deshalb und ihrer Zähne wegen
Sind uns die Mäuse überlegen.
Und auch mit ihren scharfen Tatzen
Können hauen sie und kratzen.
Es wird ein gewagtes Ringen,
Eh eine wir ins Wasser bringen.
Auch ficht mich mancher Zweifel an,
Ob nicht die Maus doch schwimmen kann.
Drum ist mein wohlgemeinter Rat
Zu senden erst mal ein Legat,
Der, eh man sich mit Waffen wehre,
Erst unsre Unschuld laut erkläre
Und bittet um Frieden und Vertrag.
Auch ein Geschenk oft viel vermag.
Denn besser Friede jederzeit.
Als Krieg, auch mit Gerechtigkeit.“

Fürst Waterax, der Kluge spricht:

Froschfürst Waterax

„Zu freier Feldschlacht rat ich nicht;
Denn bleiben wir in unserm See,
So tun sie uns wohl auch nicht weh.
Drum lasst sie lieber wie die Narren,
So lang sie woll’n, am Ufer harren;
Sobald der Regen und der Wind
Durch ihre zarten Pelze rinnt,
Da wird ihr wilder Mut sich legen.
Sie werden bitter es bereuen
So unbedacht und so verwegen
Ohne das Risiko zu scheuen
Weil sie dachten es wär’ klein,
Gezogen in den Kampf zu sein.

Auch sollten wir Geschenke senden
An ihre Feinde aller Enden,
An Katze, Iltis, Wiesel, Weih’,
Dass uns dieselben stehen bei,
Mit ihren schlimmsten Feinden allen
Gemeinsam sie zu überfallen
Wäre eine Möglichkeit
Die uns Geld spart und auch Zeit.
Tun solches wir, dann sind wir frei.
Ich wüsste nicht was besser sei.“

Fürst Mordax sprach: „Wenn wir uns feig
Belagern lassen all im Teich
Und der Freiheit uns berauben,
Wer würd’ an unsern Mut noch glauben?

Fürst Mordax spricht

Wir müssten uns wahrhaftig schämen.
Auch misslich ist es alle Male,
Von Fremden Hilfe anzunehmen.
Wer fremde Truppen bringt der zahle,
Und unser Reichsschatz , wie ihr wisst,
Just nicht im besten Zustand ist.
Die Katz will haben Speck allzeit,
Das Wiesel frische Milch bereit,
Der Weihe Hühner auch vollauf;
Sonst fressen sie uns selber auf.
Drum rat ich, rücken wir hinaus,
Dem Mäusekönig selbst vors Haus.
Dort essen wir des Feindes Brot
Und unser Land kommt nicht in Not.
Lasst uns nicht zögern, sondern gehen
Wie Helden zu einander stehen
Und mit Stechen, Hauen, Schlagen
Wills Gott, den Sieg davon zu tragen!“

Dann kam Herr Fischer von der Mücken
Ließ von der Red sich nicht bestricken
Und sprach also mit vielem Fleiß:
„Mit Gunst! Wie Majestät wohl weiß
Die Sach’ mit Herrn von Quak im Bruch.
Der hatte nie des Steits genug
Und fing mit Junker Friss von Korn
Eine Streit an voller Zorn,
Dass der von einem Haselblatt
Ihn unversehens geschmissen hat.
Er wollt sich nicht zufrieden geben,
Es kostete der Maus das Leben.
Denn als sie so im Kampfe lagen,
Erwischte alle zwei beim Kragen
Greifzu, die Weihe und flog davon.
Und ich bin mir sicher dessen,
Die hat die beiden aufgefressen.
Das war der Streitsucht böser Lohn.
Wie, wenn es uns morgen auch so ging!
Es ist ein gar gefährlich Ding,
Dass wir die Mäuse woll’n bekriegen,
Die immer nah beim Manntier liegen
Und lernen von ihm jede List,
Wovon ihr noch sehr wenig wisst.
Wie, wenn die bösen tück’schen Seelen
All unsre Teiche unterhöhlen,
Und alles Wasser läuft uns fort!
Wo finden wir dann Schutz und Hort?
Wie, wenn sie füllen den See mit Sand!
Wie jene Krähe, als sie stand
Mit Wasser kaum in engen Krug.
Da sie nicht reichte tief genug,
Mit Kieseln das Gefäß sie füllte,
Gemächlich ihren Durst denn stillte,
So könnte es uns all ergehen,
Wenn wir auf dem Trocknen stehen.
Doch werden uns die Feinde kriegen
Denn wir können ja nicht fliegen.
Die Mäuse haben scharfe Klauen
Und scharfe Zähne auch zum kauen.
Sie würden uns den Tod all bringen
Wenn wir im Feld mit ihnen ringen.
Man sagt, dass eine weiße Maus
Viel Unglück bringe in das Haus.
Das mag wohl wahr sein, denn ihr seht,
In welcher Kriegsnot ihr jetzt steht.
Bevor die Mäus’ wir all ertränken
Sollten eines wir bedenken,
Dass wir nicht all mit Weib und Kind
Zunichte gehen so geschwind
Wie es geschah im Sachsenland
Zu Hameln an der Weser Strand.

Dort konnte man vor Mäusen und Ratzen
Trotz Gift, Fallen und tausend Katzen,
Nicht bleiben bis ein Wundermann,
Mit bunten Kleidern angetan,
Die Nager anno dazumal
Pfiff zusammen spielend all,
Um die Plage einzuschränken
Und sie im Strome zu ertränken.
Doch zahlte man ihm nicht in bar
Was in der Not versprochen war.
Wie hart er auch gerechter Sache
Den Bürgern drohte mit der Rache.
Als die nun in der Kirche saßen
Der Wundermann trieb von den Straßen
Mit seiner Zauberpfeife fort
Die Kinder alle an einen Ort.
Die lieben Kleinen hundertdreißig,
Der Zauberflöte folgten fleißig
Zum Tor hinaus in jener Stund’
Durch den Kuppelberg bis in den Grund,
Der wie Wasser von einander floss
Und über ihnen sich verschloss.
Die letzten, die zu spät ankamen,
Das Schreckenswunder wahr noch nahmen
Und sahen die Freunde all versinken
Im Grunde jämmerlich ertrinken.
Die weinenden armen Eltern gruben
Nach ihrenMädchen und den Buben,
Sie beteten und fluchten sehr.
Die Kinder fand man nimmermehr.
Und das geschah als die Zahl im Jahr
Zwölfhundert ein und achtzig war.


Zudem ist noch ein Zweifel dran,
Ob nicht die Maus auch schwimmen kann.
Als Bischof Hatto in Mainz regierte
Und viel Korn zusammenführte
Kamen die Leute angelaufen
Mit Geld das Korn ihm abzukaufen.
Doch er sperrte sie in seine Scheuer
Und ließ verbrennen sie im Feuer.
Er hörte ihr Klagen und Geschrei
Und lachte gottlos nur dabei:
„Wie schön die Mäus’ im Korn doch singen!
Kommt, kommt, will Korn noch mehr euch bringen!“
Doch auf der Stelle, welch Abenteuer!
Die Mäuse sprangen aus dem Feuer
Und wollten den Bischof gar verzehren,
Kaum konnt’ er ihrer sich erwehren.

Drum baute er mitten in den Rhein
Einen Turm aus Sandgestein,
Der noch heute ist zu sehen,

Der Mäuseturm im Rhein

Darin den Mäusen zu entgehen.
Doch war umsonst die viele Müh!
Die Mäuse schwammen in der Früh
In Großen Horden zu dem Turm,
Erstiegen mutig ihn im Sturm
Und fraßen bei lebend’gem Leibe
Den Bischof auf. Darum betreibe
Die Sache jeder mir Bedacht
Und hab vor eignem Schaden Acht.
Wir leben auch in Zwist und Steit,
Voll Eiversucht und Hass und Neid,
Wir morden auch und unterdrücken
Die Fliegen, Bienen, Würmer, Mücken;
Das Recht der Faust regiert allein.
Am See kann niemand sicher sein
Vor unsern Kindern; wenn sie sehen
Vorüber einen Fremden gehen,
So schimpfen sie: „Mohr, Tor, Farr, Narr!
Ein Heckerekekeck für wahr!
Da tut es uns vor allem Not,
Dass wir versöhnen uns mit Gott
Und senden Botschaft zu den Mäusen
Um unsere Unschuld zu erweisen,
Und bitten um Frieden heute noch
Den Mauskönig in seinem Loch.
Besser wir zahlen mit Geld als mit Blut!
Der Rat scheint nützlich mir und gut.“

„Ja, ja, so schrieen die Frösche danach,
So leben wir friedlich ohn’ Ungemach
Und zahlen lieber mit Geld als mit Blut.
Der Rat scheint nützlich uns und gut.“

Doch Fürst Quickquacker vom See
Von seinem Sitz sprang in die Höh’

Fürst Quickquacker vom See

Und schrie mit Zorn: „Was wollt ihr schaffen,
Ihr Toren und großmäuligen Affen!
Ihr seid zu Wasser wie zu Land
Als Schwimmer und Hüpfer gleich gewandt,
Und in Kriegskünsten wohl erfahren,
Der Jüngling wie der Mann von Jahren.
Ihr könnt den Feind im Sprunge fangen,
Im Nu den roten Wurm erhangen,
Ganz aufrecht auf den Füßen gehen
Und so jeden Kampf im Krieg bestehen;
Ihr habet Wehr und Waffen bereit,
Das Muschelschwert in schilfiger Scheid’,
Zweischneidig und so scharf wie Stahl,
Flitzbogen auch in großer Zahl,
Von starken Gräten krumm gebogen,
Mit Mummelstängeln wohl bezogen,
Und Flossenpfeile, gleich den Spießen
Von Binsen spitz und scharf zum Schießen
Den Brockenfressern in die Brust;
Und rund und groß, es ist ´ne Lust-
Vom Seerosenblatt den mächt’gen Schild,
In den der ganze Frosch sich hüllt;
Feste Helme von Schneckenhäusern,
Vom Rohr den Harnisch, fast wie eisern,
Und manche Fisch- und Schlangenhaut,
Wovor der Maus entsetzlich graut.
Seht doch der Frösche große Macht,
Die ungestraft kein Feind verlacht!
Und sollten von den Tellerleckern,
Den Höhlenbewohnern, Käseschleckern
Uns nicht beschämen lassen vor der Welt
Und zudem verlieren Gut und Geld?
Wir wollen sie klopfen auf die Schwarten,
Am sicheren Ufer sie erwarten
Und jämmerlich im See ertränken,
Dass Kind und Kindeskind dran denken.
Drum folgt dem König, eurem Herrn,
Er führt zu Ruhm und Sieg uns gern.
Stimmt ein mit mir, ruft „Gloria“:
Quickquak, quickquak, quictotia!“

Da schrie der Hafen: „Unserm Herrn
Zu Ruhm und Sieg wir folgen gern;
Drum rufen wir in gloria:
Quickquak, quickquak, quictoria!“

Fürst Rana fügte dann im Nu
Seinen Kommentar hinzu:
„Kameraden, hier im eignen Land,
An unseres Teiches klaren Quellen,
Für einen Kampf der beste Ort,
Werden wir die Mäuse stellen,
Den Vorteil nimmt uns keiner fort.
Klugheit ist unser Unterpfand.
Ein Krieg der so schlau wird begonnen
So glaubt es mir, ist schon gewonnen.
Wir folgen dem König und Quickquakers Rat
Den der uns just gegeben hat.
Den Mäusen hier am Ufer mutig
Schlagen wir die Köpfe blutig
Um sie danach all zu ertränken.
Die Nachwelt soll daran stets denken,
Aus welchem Holze wir geschnitzt
Und wie tapfer und gewitzt
Wir jedem Feind ins Auge sehen.
So soll man es schreiben, so soll es geschehen!“


Der König dacht: „Das ist ein Mann,
Der guten Zuspruch geben kann“
Und fügte selbst sogleich im Nu
Sein königliches Wort hinzu:

„Bei Tagesanbruch morgen kommt
Gut gerüstet alle her
Zu tun was jedem Manne frommt,
Zu kämpfen auf dem Feld der Ehr,
Mit gutem Mut und ohne Zagen
Um das Froschvolk zu erschlagen.
Wenn die Armee steht kampfbereit
Ergeht der weitere Bescheid.

Da riefen alle noch einmal
Mit großem Maul und lautem Schall:
„Der König lebe hoch, hurra.
Quickquak, quickquak, quictoria.“

Und wie sie unter Lobliedsingen
Gar tapfer auseinander gingen,
Schwor mancher Frosch mit kühnem Wagen
Wohl hundert Mäuse tot zu schlagen.

Doch es sollte anders kommen,
Als man es sich vorgenommen.

Sonntag, 2. August 2009

Machwerk R.W. Aristoquakes
Teil 1-8
Die Mausvolkversammlung tagt


So ging denn jeder schnell nach Haus
Und sandte schleunigst Boten aus,
Hin durch das ganze Königreich,
Es sollten alle Mäuse gleich
Zur Hauptstadt kommen, sich besprechen
Wie Pausbacks Frevel sei zu rächen.

Nun ging es an das Mäusewandern!
Aus Mausland, Spanien, Frankreich, Flandern,
Und aus dem großen Deutschen Reich
Eilten sie herbei sogleich.
Da zogen sie in Scharen groß
Bei Tag und Nacht zur Hauptstadt los,
So dass die Menschheit Wunder nahm,
Wo nur der große Zug herkam;
Die meinten, dass das böse Zeiten
Wie Krieg und Elend wird bereiten.

Als die unzähligen Massen nun,
Ankamen, ließ der Tage zwei
Der König rasten sie und ruh’n
Und königlich bewirten frei.

Am dritten Tage aber waren
All die herbeigeeilten Scharen
Versammelt um des Königs Thron.


Der saß mit Zepter und mit Kron’
Umstanden nach dem Rang von allen
Den Herrschern, Fürsten und Vasallen.

Zu ihnen sprach der König so:


„Des Lebens werd ich nicht mehr froh,
Ihr wisst, ihr Herrn und edle Leute
Weshalb ich euch versammelt heute,
So brauch ich nicht der Worte viele.
Ihr wisset, nah dem Lebensziele
Bin ich, das ist keine Frag.
Bis heut so mancher bittre Tag
Ward meinem Hause schon beschieden.
Es sind von mir, der Reihe nach,
Glaubt mir, das ist eine schlimme Sach,
Die lieben Kinder all geschieden:
Den Prinzen, der zuerst mir kam,
Das Wiesel aus der Wiege nahm;
Den andern, dass es Gott erbarm!
Riss die Katz mir aus dem Arm;
Der dritte musste unter Leiden
In einer Mausefalle scheiden.
Der vierte, der noch übrig war,
Fast ein Kind an Leib und Jahr,
Bestimmt zum Erben für das Reich,
Der mir in Allem war so gleich.
Den ich und mein betrübtes Weib
Mehr liebten, als das Herz im Leib,
Auch der ist, leider nun dahin
Durch König Pausback’s falschen Sinn.
Der Froschherrscher gar trügerisch
Stieß auf See ihn mörderisch
Von seinem Rücken feig hinab
Hinein ins Unterwassergrab.

Nun ist zwar mein allein der Schmerz,
Doch trifft der Schlag auch euer Herz.
Die Ehre unserer Nation
Und unser Anseh’n, Reich und Thron
Hat König Pausback tief schimpfiert.
Wer unter euch bleibt ungerührt
Von solchem Schimpf und solcher Schmach?
Was sagen uns die Nachbarn nach,
Wenn wir die Tat nicht blutig rächen?
Die Frösche werden Hohn uns sprechen,
Verlachen uns und unsre Söhn’,
Wenn wir forthin zum Wasser geh’n.
Des Mausgeschlechtes Ritterruhm
Schlägt dann in Spott und Schande um.“

Die Ehre und die Rache wollen;
Dass wir den bösen Missetäter,
Den falschen Gastfreund und Verräter,
Mit einem Krieg heimzahlen sollen,
Was unserm Volk in seinem Wahn
Der feige Schurke angetan.

Ich hoff, ihr steht mir treulich bei,
Damit der Ausgang glücklich sei.
Mein Herz erst Frieden sich erwirbt,
Wenn Pausback von meinen Händen stirbt!“

Er legt dabei die Faust ans Schwert,
„Den Tod, nicht Bessres ist er wert“.

Die Mäusefürsten gaben kaum
Dem König zu mehr Worten Raum.
Mit Pfeifen, Zischen, Knirschen, Schreien
Und zornigem Vermaledeien.
„Sie müssen“, riefen sie „verderben“,
Und Pausback mit den Seinen sterben.
Wir wollen sie schlagen, stoßen, stechen
Und blutig uns an ihnen rächen.
Auf! Alle auf! Den Fröschen Krieg,
Führ König uns zu Schlacht und Sieg.“

So riefen sie in großem Zorn,
Zähnefletschend, schwingend ihren Spieß;
Ein Jeder sich bedünken ließ,
Er wollt die Frösch’ allein verjagen,
Wenn nicht gar sämtliche erschlagen.
Ein wildes Lärmen scholl verworr’n,
Doch legt’ sich’s als nach einer Weile
Fürst Rathilf nahm das Wort und sprach:
„Langsam Freunde, lasst die Eile,
Was ihr beginnt, bedenkt gemach.
Besser wär’ ins Ratzenland
Nach Beistand erst einmal gesandt,
Weil die all starke Riesen sind
Und selbst ein Schwein angreifen kühn.
Die Wassermäuse auch geschwind,
Lasst uns auf unsre Seite zieh’n.
Sie können in das Wasser springen,
Um feldflüchtige Frösche umzubringen.
Auch rat ich euch, dass bittend ihr
Schickt Boten zu dem Murmeltier,
Dem Hamster auch, dem Herrn Baron,
Des Nagetiergeschlechtes Kron’.
Vor allem ihm gebührt die Ehre,
Zu ziehen vor dem ganzen Heere.
Die Fledermaus von oben rein
Kann auf den Feind in aller Eile
Herunterwerfen manchen Stein
Zerschmetternd so wie Donnerkeile
Von Gott Zeus auf diese Erde,
Damit der Krieg gewonnen werde.
Auch können wir die Störche bitten,
Zu fechten mit in unsrer Mitten.
Je mehr der Hilfe, glaubet mir,
Je eher und sichrer siegen wir“.

Fürst Mehlsack aber sprach: „O nein,
Es dünket mich das Allerbeste,
Wir Mäuse bleiben ganz allein.
Verjagt wird oft aus eignem Neste,
Wer eingeladen solche Gäste.
Ungleiche Freundschaft, wie ihr wisst,
Dem Klein’ren stets von Schaden ist,
Wenn Ruhm ein Kampf und Vorteil bringt,
Den der Verbündete verschlingt.
Und sind wir, wenn ich’s recht betracht,
Nicht selber eine große Macht,
Die mutig wehrhaft unverzagt
Hat oft gar Menschen schon verjagt
Aus ganzen Ländern, ohn’ dass wir
Die Hilfe bräuchten andrer Tier?
Kein Volk so schlecht ist in der Welt,
Dass nicht, wenn es zusammen hält
In brüderlicher Einigkeit
Auf dem Feld der Ehr im Streit,
Und keiner vor dem Gegner weicht,
Es überlegene Feinde leicht
Geschlagen hätt’. Auch wenn allein
Wir sind, der Sieg wird unser sein,
Es wollt denn Gott das Glück nicht geben;
Denn wider Gott ist nicht zu streben.“

Nunmehr trat Friedlieb auf, im Land
Ob seiner Tugend wohlbekannt;


Er war geboren edler Art;
Vor Alter graute ihm der Bart;
Er war Hofmeister einst gewesen,
Verstand gut zu schreiben und zu lesen,
Ward unter allen weisen Alten,
Wohl für den weisesten gehalten.
Im Fürstenrat, gar wohl erfahren
Und tapfer auch in Kriegsgefahren.
Der Jahre zählte er fast dreißig,
Hielt doch sich wie ein Ritter reisig.
Allzeit gewappnet mit Spieß und Schwert.
Der altre Recke ehrenwert.
Er winkte ihnen mit der Hand,
Gebot dem Lärmen Stillestand,
Bis allesamt mit offnem Mund
Zur Stelle sahen, wo er stund.
Da strich am Barte er den Knebel,
Fasst mit der linken Hand zum Säbel
Und räuspert sich noch kurz ein Mal,
Sprach laut dann, dass es scholl im Saal:
„Männer, was wir beginnen wollen
Wir reiflich überlegen sollen;
Denn vorgetan und nachbedacht
Hat manchem schon viel Leid gebracht,
Doch vorbedacht, was nach kann kommen,
Gereicht uns oft zu Nutz und Frommen.
Ich hört’ einmal vor vielen Jahren,
Als wir noch junge Mäuslein waren,
Die Manntierfürsten lang beraten
Und handeln von großen Kriegestaten.
Wir lagen wohlverwahrt und fest
Hinter der Ofenbank im Nest.
Die Einen wollten Truppen werben,
Die Andern den Feind mit List verderben,
Die Schanzen graben, Festen stürmen,
Und kämpfen hinter Wall und Türmen.
Der eine verlegte jeden Pass,
Der sagte dies, der andre das,
Bis endlich der König scherzend fragte,
Was denn der Narr zu all dem sagte.
--
„Was ist der Krieg?“, so fragte der,
„Erklär es mir doch bitte sehr!“


Drauf lacht der König und erklärt:
„Wenn man zuhauf mit Mann und Pferd
Mit Harnisch, Bogen, Spieß und Schwert
Zu Felde zieht, den Feind abwehrt.“

„Was weiter dann?“ fragt abermals
Der Narr und lacht in seinem Hals.

Der Fürst erwidert: „Mann an Mann
Im blutigen Kampfe ringen dann,
Viel tausend werden so erschlagen,
Die Verwundeten davongetragen.“

„Was dann? Was ist das Ende?“ fragt
Der Schalk. Der König sagt:
„Man verträgt sich endlich in der Sachen.“
„Wie muss ich solcher Torheit lachen!“
Der Narr drauf spricht. „Was wollt ihr Affen
Euch nicht alsbald den Frieden schaffen,
Und nicht euch vorher schon vertragen,
Ehe ihr werdet totgeschlagen?“

Des Narren Red’ missfiel dem König,
Verspottet ihn darob nicht wenig.
Und als er schmählich ward geschlagen,
Musst er zum Schaden Spott noch tragen.

---
Nun geb’ ich hier denselben Rat,
Den jener Narr gegeben hat.
Lasst uns zuvor Legaten senden,
Pausback verklagen vor den Ständen
Und Buße fordern ernstiglich.
Will aber er nicht stellen sich,
So schickt man heimlich eine Wacht,
Die auf ihn passt mit guter Acht,
Den Übeltäter zu erwischen
Beim Mückenjagen oder Fischen.
Dann soll er mit dem Leben zahlen,
Er trägt die Schuld allein von allen.
Wenn wir jedoch den Krieg ansagen,
Dann wird der Untertan geschlagen.
Seit Troja’s Fall der Könige Wahn
Büßt immer nur der Untertan;
Die Junker raufen sich und prassen,
Die Bauern müssen Haare lassen.
Drum sehet wohl, wenn ihr es tut,
Um Rache schreit unschuld’ges Blut.
Der Krieg bringt beiden Seiten Leid.
Wenn ihr nicht alle Narren seid,
Dann solltet ihr was klug ist, sehen
Und ihm aus dem Wege gehen“.

Gar ungehalten fuhr darauf
Der Junker Milchrahmlecker auf,
Ein junges, adeliges Blut,
Doch pochend sehr auf seinen Mut:
„Wer ungestraft hier über sich
Beleidigungen lässt ergehen,
Nicht hält auf Ehre ritterlich,
Der wird nie Walhalla sehen.
Drum rat ich Krieg. Wohl freilich hat
Gefahren jede tapfre Tat;
Doch rühmlich ist es, trotz Gefahren
Des Vaterlandes Ehr zu wahren,
Ihm Macht und Anseh’n zu erwerben
Und tapfer dafür auch zu sterben.“

Und weiter hörte man ihn fauchen:
„Lasst euch von Friedlieb nicht missbrauchen.
Es wäre wahrlich Schand’ und Sünde
Wenn unter uns ein Feind hier stünde
Und hörte sein verzagtes Reden,
Die Frösche müssen wir befehden
Bis in den Tod. Sind wir denn Hasen,
Die sich von Hunden jagen lassen
Und sich zur Gegenwehr nicht stellen?
Entweder fallen oder fällen!
Wer sich nicht wehrt ist schon geschlagen,
Wer feige flieht, ist leicht zu jagen.
Die Schlange macht sich freien Pass,
Den Aal frisst man ohn’ Unterlass.
Wer durch den Stachel lässt sich schrecken,
Bekommt den Honig nicht zu schmecken;
Doch frisches Wagen heißt gewinnen.
Die Alten mögen sich besinnen,
Wo denn die Vögel bleiben alle,
Wenn `mal der Himmel runterfalle.
Wir Jungen aber wollen streiten
Und mit dem König zu Felde reiten
Und die breitmäuligen Wasserpatzen
Durch Stechen,, Schießen, Stoßen, Kratzen
Vernichten oder so lang jagen
Bis am Leben sie verzagen
Und sie sich, jenes zu verkürzen
Allesamt in die Fluten stürzen.“

Der König sah den alten Mann
Mit starrem Blicke grimmig an.
„Du sorgst um Deine alte Haut“
So sprach er spöttisch, „wer dir traut,
Hat sicher schon zum Schaden Spott;
Doch deiner Weisheit tut’s nicht Not.
Bleib daheim und bet derweil,
Wer meiner Gnad’ will haben Teil,
Der rüste sich zur Gegenwehr
Und stelle morgen sich zum Heer.


Ein jeder mache sich gefasst
Zum Krieg und rüste sich mit Hast
Und finde sich am Rüstplatz ein,
Wo aufstellen wir dann unsre Reih’n.
Das Heer soll seine Führer wählen
Die was geschehen soll befehlen.

Trompeter du, und Herold du,
Ihr eilt mit vier der Reiter schnell
Ohne zu rasten dem Schilfland zu,
Zum See, wo Hof der König hält,
Und saget ihm im freien Feld:
Am dritten Tag, wenn es wird hell,
Dann wollen an derselben Stelle,
Am steilen Seeufergefälle,
Wo er in seiner Freveltat
Meinen Sohn verraten hat,
Dessen soll er sein bedacht,
Wir ihm liefern eine Schlacht,
Die er, ich bin mir sicher dessen,
Sein Lebtag nimmer wird vergessen.
Da jubelte die graue Schar:
„Wir wollen ihnen zahlen bar,
Wir wollen rüsten uns und rächen,
Den Fröschen Hals und Beine brechen.“
Und jeder ging an seinen Ort
Zu bewaffnen sich drauf fort.

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Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.