Mittwoch, 27. August 2008

Kriegsbericht Folge 3

An Bord bei der Marine

Dann führte die zwei in vornehmer Distanz

Zur Offiziersmesse hin eine Froschordonanz.

Als sie eintraten dort die zwei Passagiere

Standen stramm zum Gruße die Herrn Offiziere.

Der Erste Offizier stellte reihum alle vor:

„Leutnant vom Teich Graf Pogge de Quapp“

„Korvettenquakitän von Moorhold aus Sumpfheim am Cap“


„Quakitänleutnant Sümpfler, Erstling vom Laich“

Oberleutnant zur See Quaks von Schlicktau am Teich“


Das gesamte hochadelige glorreiche Korps.

Und nicht zu übersehen, hier Majestät,

„Quakiral Hops von der Quakiralität“

Zum Schluss noch damit die Reihe komplett

„Quakgern von der Krott, der Seekadett“


Bevor wir uns setzen zum Gala-Diner,

Ich selbst bin der IO, Graf Grünling in Spee

Und auf diesem Schiff nebst dem Quakitän,

und unserem lieben Herrgott der Souverän.


Doch heute, fügte er an, noch mehr aufgebläht,

Übergebe ich die Macht an sie Majestät“.

Blähbauch grinste, was sollte er sagen?

Solche Offiziere muss man ertragen.

Man kann ja nicht alle, die so sind entlassen.

Man muss sie erdulden und zwar ganz gelassen.


Dann trugen die Pantrys die Speisen herein:

Würmer und Asseln, geschnetzelt ganz fein;

Gegrillte Fliegen und Mücken flambiert,

Auf Mangoldblättern mit Seetang serviert;

Eine Suppe gab es mit den Augen vom Aal,

Herzmuschelschleim süß oder sauer nach Wahl.

Schmetterlingsfühler am Spieß fein gebraten,

Mückenohren mit Teichwasserfladen,

Leckere Spinnen in Sumpfschlick getaucht,

Wasserflohbeinchen vom Rauch angehaucht,

Flöhe und Läuse der Güteklasse A,

Alles was teuer und gut ist war da.

Erlesenen Käfer und nackige Schnecken

Ließen die Offiziere in der Messe sich schmecken.

Erlesene Schnecken und Lotussalat,

Engerlinge und Maden, höchst delikat

Lobten die Pantrys im weißblauen Tuch.

Raupenleberpastete der feineren Sorte,

Käslieb machte nicht erst den Versuch.

Und auch zu einem Stück Fliegendrecktorte

Ließ er sich nicht überreden.

Er sah nur belustigt die anderen speisen.

Die ließen die Grillfliegenfleischplatte kreisen.

Er bewunderte im vornehmen Kreise jedweden.

Was müssen die für Mägen nur haben,

Dacht er, wenn sie an Insekten sich laben.

Gar vornehm ging es zu in der elitären Runde.

„Doch vornehm geht die Welt zu Grunde“,

Dachte der Mausprinz mit knurrendem Magen,

Aber er konnte als Gast über das Essen schlecht klagen.

Auch Blähbauch, der König hielt sich sehr zurück,

Aß vom Mückenfilet nur ein winziges Stück

Und flüsterte zu Käslieb, „In deinem Interesse,

Gehen wir gleich hinab in die Oberfeldwebelmesse.


Die einfachen Leute verstehen zu kochen.

Besser als der Adel. Ich hab es gerochen

Das Düftchen das holde gar lieblich süße,

Das unten herausdrang aus der Kombüse.

Also gedulde Dich, warte es ab,

Wir gehen zum Essen zu denen hinab.

Dann kreuzte sein Besteck er diagonal

Auf seinem Teller. Das war das Signal

Für die vornehmen Herrn all erzogen so fein,

Ebenfalls satt nun, wie der König zu sein.

Blähbauch stand auf und sprach „es war nett

Zu dinieren mit euch auf eurem Bankett.

Doch nun muss ich, sonst sagt man ich wäre Partei

Noch kurz bei den Boostleuten und Maaten vorbei.

Heimlich, wie Käslieb dacht er indessen,

„Dort werden wir dann sicher erst mal gut essen.

Dort gibt man sich nicht so gekünstelt wie hier

Aber dennoch hat man Respekt genauso vor mir.

Auch machen Bootsleute, Maate und Matrosen,

Sich nicht gleich wie hier, vor mir in die Hosen.

Dort macht man nicht solche ein Gezeter wie hier,

Dort sitzt man gemütlich beim Wein oder Bier.

Dort macht man nicht um jeden Furz ein Getu’

Und außerdem bin ich dort fast mit jedem perdu.

Während er noch lästerte über die Offiziere im Spott

Standen sie bereits unten im Längsgang vor jenem Schott

Welches galt ihrem ganzen Interesse,

Mit dem Schriftzug darauf „Oberfeldwebelmesse“.

Man klopfte dreimal, so war es hier Sitte.

Von drinnen kam freundlich ein lautes „ja bitte“.

Dann traten sie ein, welch ein „Hallo“.

So wurde man sonst begrüßt nirgendwo.

Der Oberquaksbootsmann quakte, „kommt rein und nehmt Platz

Auf einen Schluck Wein und auf einen Schwatz.

Sie rückten zusammen, sie taten es gern

Für ihren Monarchen und im Mauspelz den Herrn.

Sie hatten für den Frosch aller Frösche im Staat

Und für den Mausprinzen so manches parat.

Die Backschafter kamen und sie backten auf,

Das Beste vom Besten und alles zuhauf.

Hummer, Langusten, Granat, frischen Fisch,

Alles für die Gäste ganz frisch auf den Tisch.

Wurst, Schinken und Fleisch, geräuchert, gegart.

Man ließ sich nicht lumpen und hat nicht gespart.

Käse aus Frankreich und Butterkremtorte,

Alles was gut ist ganz ohne große Worte

Trug man den beiden nun auf Gang um Gang.

Sie aßen weil’s schmeckte, satt war man schon lang.

Der Smut kam herein und sah nach dem Rechten

Und befahl „Kaviar her, alles frisch und vom echten“.

Alles was einem den Mund wässrig macht

Wurde den beiden zum Essen gebracht.

Salate und Soßen alles mit Rahm,

So dass man vom anschauen an Gewicht schon zunahm.

Dazu kredenzte man ihnen den Besten vom Wein

Denn gutes Essen soll schließlich begossen auch sein.

Alles war da und nicht nur in Tropfen,

Branntwein und Schampus und gebrautes vom Hopfen.

Erlesene Früchte, frisch und kandiert

Wurden mit Eiskrem zum Nachtisch serviert.

Schleckereien, Marzipan, Rosinen und Nüsse

Für alle erdenklichen Gaumengenüsse.

Schokolade, Pralinen, Pudding und Krokant,

Pasteten mit Trüffel, frischer Lachs und Fondant.

Ein Schnäpschen dazwischen, was jeder versteht,

Damit des Essen etwas länger noch geht.

Rollladen und Steaks , das Fleisch insgesamt,

Alles aus eigenem Zuchtbestand stammt.

So gehen wir sicher, sprach der Koch, dass kein Wahn

Ausbricht wie in England auch auf unserem Kahn.

Esst Pilze, greift zu, doch esst mit Verstand,

Denn solche gibt’s reichlich in unserem Land.

Wählt aus klug und weise und nicht erst verkehrt.

Ein Champion ist keinen Pfifferling wert.

Die meisten Sorten die wir hier servieren,

Dienen dem Auge, sind nur zum Garnieren.

Doch Bratkartoffeln mit Rührei und Zwiebeln und Speck,

Dienen heute dem schönen und alleinigen Zweck,

Von dir Majestät dem Froschgott auf Erden,

Genüsslich verkasematuckelt zu werden.

Knödel und Kartoffeln die brachte ich nur her,

Dass nicht wie vorher oben, der Tisch wirkt so leer.

Esst langsam und nehmt euch beim Auswählen Zeit.

Probiert auch von jener pikanten Köstlichkeit

Die aus Handkäs mit Öl und Zwiebeln gemacht,

Als kleine Anregung für den Appetit ist gedacht.

Und kostet auch hier, der ist delikat,

Der Ananas-Früchte und Matjes-Salat.

Doch spart eine Lücke im Magen euch aus,

Denn gleich tische ich den Labskaus euch auf.

Den macht, weil von Hamburg her abstammt mein Smut,

Wie kein anderer weltweit in der Marine so gut.

Selbst der Bürgermeister von Schlicktau erblasste vor Neid

Als er bei uns in der Messe einst saß

Und von dieser Köstlichkeit aß.

Er berichtete damals er wäre es leid,

Es mit dem Labskausrekord erneut zu versuchen.

Um einen Guinness-Rekord zu verbuchen

Er wollte, damit sich dort mehr daran laben,

Von unserem Koch das Rezeptbüchlein haben.

Doch der ist nicht dumm, gab nicht ihm das Buch.

So bleibt es wohl weiter Jahr für Jahr beim Versuch

Einen neuen Labskausrekord aufzustellen.

Doch ihr wisst Majestät, ich will euch nicht prellen.

Drum bitt ich euch herzlich, nur nicht so schänant ,

Greift großzügig zu direkt mit der Hand.

Und ihr edler Mausherr, esst nicht so verzagt,

Haut ordentlich rein so viel ihr vertragt.

Auch die Mandeln sind heute besonders pikant,

Ich hab sie für euch just grad frisch gebrannt.

Und meine Herren, rülpst ruhig auch einmal.

Das schafft Platz im Magen. Es wär ein Skandal

Wenn ihr aufhören müsstet obwohl es euch schmeckt

Nur weil euch im Bäuchlein ein Luftpolster neckt.

Rollmops und Herings- sowie Fleischwurstsalat,

Sind wie Oliven und Frikadellen bei uns obligat,

Sie gehören dazu bei jeglichem Mahl,

Beim Käse hingegen da habt ihr die Wahl.

Fünfzig Sorten bestimmt, ich muss es nicht sagen,

Das wisst ihr ja beide, die schließen den Magen.

„Wie macht ihr das bloß“ platzte Käslieb heraus.

Ihr lebt ja im Speck wie in der Stadt eine Maus.


Da antwortete Blähbauch an des Feldwebels Stelle.

„Die sitzen an Bord direkt an der Quelle“.

Er verkniff sich ein Schmunzeln, „das wär ja zum Lachen,

Die Lasten sind voll mit den leckersten Sachen.

Mit Proviantmeister und Smutje in den eigenen Reihen

Muss jedes Diner automatisch gedeihen.

Die anderen hält man dafür etwas knapper.

Ich hoffe, dass niemand hört unser Geplapper.

Sonst könnte es sein, dass der erste Offizier

Mit seinem Gefolge demnächst abheuert hier.


Vier Stunden hatten die beiden in der Messe gespeist.

So angenehm, sprach Käslieb, bin ich noch niemals gereist.

Und auch des Froschkönigs Bäuchlein quoll und schwoll.

Ach Gott stöhnte Blähbauch, ach Gott bin ich voll.

Sieben Mägen müsste man haben, bei euch hier an Bord

Und Appetit wie ein halb verhungerter Lord.

Habt Dank für die Bewirtung. Ich werde euch loben

Wenn ich von Bord geh und er zeigte nach oben.

Es ist bei euch noch so wie in Opas Kasernen.

Von euch kann mancher Offizier noch was lernen.

Ich danke euch nochmals, das war wahrlich ein Schmaus.

Er erntete Beifall dafür von den Chiefs und Applaus.

Und nun, sprach der König erklärend den Zweck

Gehen wir noch hinunter zur Mannschaft ins Deck.

Dort heben wir dann gemeinsam einen Kleinen

Und vielleicht, wenn er schmeckt, auch noch einmal einen.

Gesagt, getan, bald stießen sie an.

„Prost Blähbauch“, „Prost Käslieb“, so klang es spontan.

Hätte nicht der Pantrygast

Auf die beiden aufgepasst

Und unauffällig und diskret

Ihnen den Schnapshahn zugedreht,

Wären die beiden, die betroffen,

Obwohl kein Sturm blies abgesoffen.

So glättete die Zeit die Wogen

Und das Räuschchen war verflogen

Als das Kriegsschiff später dann

An Blähbauchs Insel legte an.


Kriegsbericht Folge 2

Auf Kontrollfahrt

Dann rief er die Wache, „kommt lasset uns gehen,

um unten am See nach dem Fremden zu sehen“.

„Wir nehmen“, sprach er, „das scheint mir kommod,

für die Reise dorthin von der Marine ein Boot“.

Das war der Befehl ! So wurd es gemacht.

Per Sänfte hat man den König zum Hafen gebracht.

Durchs flache Wasser und über das Watt


Zog den Herrscher auf einem Seerosenblatt,

Alle rekrutiert aus dem Kreis der Verwandten,

Die edle Schar seiner treuen Trabanten.

Sie schützten den König nach allen Seiten

Um ihn sicher durchs düsterer Schilf zu geleiten.

Im Hafen stieg man zur Marine an Bord.


Die stach gleich in See, lief aus Richtung Nord

Mit Kurs 360, auf den Froschteich hinaus

An den Klippen vorbei, hin zur schlafenden Maus.

Es war früher Morgen, es wurde schon hell,

Da entdeckte der Ausguck vom Mastkorb das Fell

Unter dem schnarchend am moosgrünen Strand,

Der Fremde ruhte auf verbotenem Land.

Eskortiert von vier Kriegern , es war sein Ressort

Nahm der Herrscher gar mutig sich den Eindringling vor.

Es galt zu entscheiden auf Verderb und Gedeih

Ob jener schuldig oder unschuldig sei.

Der König besah sich den Fremdling genau.

Dann sprach er: „Wenn recht meinen Augen ich trau,

Bist du ein Nachfahr von Maus Krümeldieb,

Deren Tod unsre Völker auf das Schlachtfeld einst trieb,

In den Wahnsinn des Krieges, zu Mord und Verderben.

Die Elite der Frösche und Mäuse musst sterben

Weil dein Ahn Krümeldieb, Gott hab ihn selig,

Vom Schwimmen nichts verstand und vom Tauchen zu wenig.

Er ist in der Antike zu Tode gekommen

Als Pausback ihn mit auf den See hat genommen.

Das Andenken an beide gilt es zu bewahren

Und auch das was geschah vor so vielen Jahren.

Just gestern haben Gelehrte besprochen

Und gar eifrig im Fernsehen life diskutiert

Was sich einst ereignet in jenen Epochen

Als, weil rau waren damals die Sitten,

Sich unsere Völker so heldenhaft stritten,

Um ein Unglück am See das damals passiert.

Noch heute preisen weltweit Literaten

Unserer Ahnen ruhmreiche Taten.

Wir saßen gerade gemütlich beisammen

Als Quakus, Gott möge den Dämlack verdammen

Uns störte beim Fernseh’n. Der dumme Kadett

Platzte mitten hinein ins Literatenquartett.

Er meldete mir, dass mein Volk sei bedroht

Weil ein Fremder missachtet hat das Verbot

Zu betreten unser froscheigenes Land

Und sich niederließ um zu schlafen am Strand.

Ein Feind, der zu solch einer Tat sich erkühnte

Wahrhaftig eine Tracht Prügel verdiente,

So hab ich im Zorne zu Hause gedacht

Und schleunigst hierher auf den Weg mich gemacht

Um den Eindringling eigenhändig zu erschlagen

Oder ihn aus meinem Reiche zu jagen.

Wie bin ich erfreut an eines Feindes Stelle

Euch hier zu finden an unserer Quelle.

Euerm Volk sei das Trinken auf ewig gewährt

So hat es Rex Pausback einst schriftlich erklärt.

So besteht auch kein Grund mit dir mich zu zanken.

Im Gegenteil, lass für den Besuch mich dir danken.

Wahrlich, ich freu mich leibhaftig zu treffen

Von Kümeldieb einen Ur-ur-ur-Neffen.

So tu ich was damals getan hat mein Ahn:

Ich bitt dich komm mit mir auf meinem Kahn.

Die Marine bringt uns zu meinem Palast.

Erweis mir die Ehre und sei dort mein Gast.

Und weil er im Mausblick die Skepsis gesehen

Gab er Krümeldiebs Nachfahren rasch zu verstehen,

Dass Angst vor der Überfahrt unangebracht

Weil die Marine das sicher ohne Risiko macht.

Und außerdem, sprach er, würde es passen,

Wenn wir uns gemeinsam nun einmal befassen

Mit der Entstehungsgeschichte und der Chronologie

Des Krieges von dereinst, der Batrachomyomachie.

„Bestimmt“, fuhr er fort, „ist es hoch interessant

Wie von der Antike zur heutigen Zeit

Für unsere Geschlechter der Bogen sich spannt.

Also komm doch mit, es ist ja nicht weit.

Ich freu mich schon jetzt ganz tierisch darauf

Wenn ich heut zu Haus das Video leg auf,

Was dann die klugen Manntier-Literaten

Uns über unserer Vorväter alles verraten

und ob aus heutiger Sicht von den alten Geschichten

Um Krümeldiebs Tod sie Neues berichten.

Doch bevor wir zur Navy an Bord uns begeben,

Berichte von dir, was machst du im Leben.

Dies zu erfahren hab ich hier das Recht

Denn auch ich bin ein König aus großem Geschlecht.

Adelig, rein, hochwohlgeboren und gut

Mit Edel im Sinne und Rasse im Blut.

Mein Volk nennt mich Blähbauch und begrüßt mich mit „Heil“.

Auch wird mir zu Hause jede Ehre zuteil

So wie es einem König und Herrscher gebührt

Der rechtschaffen ehrlich seine Untertanen führt.

Auch du, das fühl ich, bestimmt hab ich Recht,

Stammst aus edlem Geblüt und bist sicher kein Knecht.

Ein Graf, ein Fürst, vielleicht ein Kronprinz sogar,

So wie es im Altertum einst Maus Krümeldieb war.

So bitt ich dich herzlich, erstatt mit Bericht.

Erzähle mir alles, ich bin drauf erpicht.

Nenn mir deinen Namen und auch deinen Rang

Damit ich bei Hofe beim offiziellen Empfang

Vorstellen dich in gebührender Weise

Im erlauchten hochadeligen Froschhöflingskreise.

Da räusperte vornehm sich erstmals die Maus

Und rückte gesprächig mit der Antwort heraus.

„Großmütiger Blähbauch, ich grüß dich mit „Heil“.

Hab Dank für die Ehre die mir wird zuteil.

Jawohl du hast Recht. Mit scharfem Verstand

Hast du meine Herkunft richtig erkannt.

Mein Vater ist König und sitzt auf dem Thron.

Sein Name ist Käslieb und ich bin sein Sohn.

Meine Mutter stammt ab von Maus Specklerin.

Sie trägt Vaters Namen seit ich bei ihr bin.

Mein Papa trägt die Mauskrone schon

in der einhundertsiebzehnten Generation.

Ich mach ganz bescheiden damit dir nur klar,

Dass Troxartes mein Urahn verwandt mit ihm war.

Geschwister hab ich schon lange nicht mehr.

Meine Schwester kam um im Straßenverkehr.

Ein Bruder starb fliegend in einer Concord.

Alle Welt sprach damals von Überschallmord.

Der Airline mit der er nach Übersee wollte

Mein Vater, der König noch jahrelang grollte.

Der Erstgeborene, welcher Nussknacker hieß

Die Erde nach einem Gewehrschuss verließ.

Meine Mutter sprach weinend oft von Verrat

Und die Zeitungen schrieben von Mausattentat

Der Gute fürwahr, er wurde nicht alt.

Hinterhältig feige abgeknallt

Hat ihn ein Manntier mit geladenem Schrot

Im Schilf mit der Mauser. Er war sofort tot.

Doch was hülfe mein Jammern, was hätt ich davon?

An mir bleibt letztendlich hängen der Thron.

Du siehst edler Blähbauch, du hattest ja Recht,

Auch ich bin bald König im Mäuse-Geschlecht.

Mein Vater ist alt und er macht nicht mehr lang.

Dann erb ich seinen Namen, sein Reich und den Rang.

Käslieb der Zwote werd ich dann genannt.

Zu Hause bin ich heut schon als Kronprinz bekannt.

Mein Spitzname ist Listzahn, das sei dir verraten.

Das Mausvolk rühmt heute bereits meine Taten.

Würdest du einen von den Unsern befragen

Würde er dir manche Geschichte zutragen

Über mich den listigsten und kühnsten der Recken,

Den selbst die Krallen der Katze nicht schrecken.

Den Frosch der interessiert die Rede gehört

Hat zwar die Überheblichkeit etwas gestört

Mit welcher des Mauskönigs Sohn

Sprach über die seinen, sich selbst und den Thron.

Doch wollt er den blaublütigen fremden Gesellen

Nicht gleich mit seiner Antwort verprellen.

So erwiderte er gönnerhaft und gescheit:

„Edler Prinz bitte, mein Schiff steht bereit.

Komm mit mir an Bord, wir fahren zur See.

Die Marine gibt für uns ein Gala-Diner,

Denn Essen und Trinken das weiß jedermann

Ist was die Marine am besten noch kann.

So schippern gemütlich und ganz ohne Hast

Wir sicher hinüber zu meinem Palast.

Dort nehmen wir ab die Truppenparade

Der einundzwanzigsten Sumpfrohrbrigade

Die just gerade heute in Dienst wird gestellt.

Ich hoff dass dir der Programmpunkt gefällt.

Danach erwartet uns das Hofdefilee.

Die Minister mit den Damen und die Frosch-Hautevolee

Habe ich heute zum Tee eingeladen.

Auch stell ich dir vor ein paar Kameraden

Von denen ich einst das Kriegshandwerk lernte

Und ein paar Verwandte nicht allzu entfernte.

Am Nachmittag gehen wir zum Wasserballett.

Als Höhepunkt folgt das Literatenquartett

Das ich für dich, als besondere Gabe

Als Video-Mitschnitt zu Haus bei mir habe.

Den sehen gemeinsam mit den Ministern wir an

Weil man mit denen danach so schön plaudern noch kann.

Du wirst sehen, das wird auch für dich interessant.

Ich selbst bin schon jetzt wie ein Bogen gespannt.

Nach Blähbauchs Erwiderung gingen beide an Bord.

Schon unten am Fallreep salutierte ein Lord.

An Oberdeck stand als besondere Zier


Mit Orden geschmückt der Zeremonienoffizier.

Es wurde gepfiffen und getrillert gekonnt,

Erst Seite, dann Abpfiff und Anpfiff zur Front.


Und parallel zu alldem erfolgte das Glasen.

Die Besatzung stand still, salutierend und stramm.

Dem Froschkönig gefiel das ganze Tamtam.

Am Ende wurd auch noch die Hymne geblasen.

Dann kam der IO mit paradierendem Degen.

Geduldig nahm Blähbauch dessen Meldung entgegen.

Auf den Gast wirkte das maritime Zeremoniell

Irgendwie belustigend doch auch originell.

„Das ganze Schiff ist ziemlich mondän“,

Dachte die Maus. Da kam der Quakitän.


Mit Handschlag begrüßte , ganz ohne Getu’

Der Froschkönig jenen, man war einst vor Jahren

Gemeinsam in ein und derselben Crew

Auf dem Marine-Schulschiff Froschland gefahren.

„Hallo Hein, sprach der König im freundschaftlichen Ton.

„Mein Gast hier zur Rechten ist von Käslieb ein Sohn.

Er begleitet mich heim. Erweis ihm die Ehre

Und steuere einen ruhigen Kurs auf dem Meere.

Und dann fügte mit Blickrichtung zum Schiffssteuermann

Er schelmisch lächelnd der Nachsatz noch an.

Mein Freund ist kein Seemann, wie ihr ja wohl seht,

Der so wie wir Frösche, auf Seebeinen steht.

Also meidet die Wellen steuert so zum Palast

Dass den Prinzen die Seekrankheit nicht erst erfasst.

Doch nun Anker auf und die Segel gesetzt


Auslaufkurs Süd, mit raumen Wind so wie jetzt

Macht das Schiff zehn bis zwölf Knoten bestimmt.

Und wenn man das Mittel berechnet daraus,

Vorausgesetzt, dass der Wind nicht abnimmt,

Dann sind wir so gegen Mittag zu Haus.

Und weiter sprach er zur Maus hin gewandt:

„Der Quakitän ist dafür unser Garant

Dass sicher wir queren an Bord hier den Teich

Und wohlbehalten ankommen in unserem Reich.

Kriegsbericht Folge 1

Nächtliche Störung

Zum Froschteich, wie ihr bereits habt vernommen

War vom Wiesel gehetzt ein Mäuschen gekommen.

Erschöpft und durstig begann es zu trinken

Und ließ sich dann ins Moospolster sinken.

Ohne zuvor, wo sie war, abzuwägen

Begann sie zu schnarchen, so als wolle sie sägen.


Der Frosch der sie sah und das Röcheln gehört

Hat sich an dem Vorfall gar grimmig empört.

Er hüpfte zum König um seinem Monarchen

Zu melden, dass einer am See würde schnarchen,

Der, weil zum Froschland gehörte die Stätte,

Nicht das Geringste verloren dort hätte.

Es war abends, der König lag bereits im Bett

Und verfolgte interessiert das Literatenquartett

Das im Fernsehen lief, im zweiten Programm.

Er sah es gemeinsam mit dem Hofstaat sich an.

Das alte Werk, „Die Batrachomyomachie“

Erhitzte die Gemüter wie vorher noch nie

Im literarischen hoch gebildeten Kreis.

Man stritt sich im Studio wie noch niemals, so heiß.

Der Moderator und auch die anderen Streiter

Kamen bei der entscheidenden Frage nicht weiter

Ob das Gedicht tatsächlich von Homer

Oder von Pigres oder sonst jemand wär.

Auch war die Meinung im Quartett arg gespalten

Darüber was man vom Epillion sollt halten.

Der eine lobte, „die Sprache ist mächtig“

Und fügte hinzu “literaturpreisverdächtig“.

Der andere fand die Verse sehr schön,

Der dritte fluchte, „ein miserabeler Poem“.

So stritten sie sich in erlesener Runde.

Da klopfte der Seefrosch und brachte die Kunde.

„Entschuldige Herr, dass ich störe“, er sprach

„Und eintrete nachts noch in dein Gemach.

Aber das was ich just sah unten am Teich

Ist sehr wichtig, so dass ich es melde dir gleich.

Dort am Schilfrand, am Ufer, auf unserem Land“

So fuhr der Frosch zu melden fort,

„Ich kann exakt dir beschreiben den Ort,

Liegt ein Fremdling schnarchend am Strand,

Und schläft, als wäre er hier bei uns zu Haus

Sich in unserm Reich kostenlos aus“.

Der König, über die nächtliche Störung erbost,

Drückte den Aus-Knopf und quakte „als Trost“

Zu den Seinen die mit ihm am Bett noch so spät,

Gemeinsam gehockt vor dem Fernsehgerät.

„Verzeiht mir ihr lieben, man braucht meinen Rat

In einer besonders verächtlichen Tat.

Ein Fremdling, was ich noch nie hab gelitten,

Hat die Grenze zu meinem Land überschritten

Und heimlich aus unserm Teiche getrunken.

Ich werde mir vorknüpfen diesen Halunken

Der, so meldet mir just mein Kurier,

Sich breit macht im Grenzland in meinem Revier“.

„Ihr seht“, sprach er weiter zur höfischen Runde,

„Mein Rat ist gefragt auch zu nächtlicher Stunde.

Nun wisst ihr, was ich sogar nachts für euch tue,

Euch zu regieren raubt oft mir die Ruhe.

Doch will ich nicht jammern, das läge mir fern,

Denn ihr wisst es ja sicher, ich mache es gern“.

„Ich lade Euch alle dazu herzlich ein

Bei mir morgen Gast noch einmal zu sein.

Ich zeichne die Sendung für euch gerne auf,

So dass den Diskussionsverlauf

Des Quartetts im Studio,

Wir mittels Band als Video

Uns alle als Konserve gönnen

Morgen am helllichten Tage dann können“.

„Kommt alle gemeinsam, so gegen halb drei

Ich bitte darum, doch wieder vorbei.

Dann verfolgen wir weiter, das wird sicher nett

Wie sich die vier stritten im Literatenquartett“.

„Also tschüß dann ihr Frösche, wir sehen uns morgen.

Und macht euch nicht wegen des Eindringlings Sorgen,

Denn dafür habt ihr ja, danket Gott, mich“.

So sprach er lächelnd und verabschiedete sich.

Recherche

Auf Recherche

Wer immer auch die Story schrieb - Einzelheiten bewusst verschwieg
die fürwahr nicht einerlei. - Da wissenswert auch das Detail
hat dies einst Georg Rollenhagen - im Froschmeuseler nachgetragen.

Auch Werner Wolf und Reinhold Glei - fügten noch so manches bei
das bei Homer noch keiner las, - vermutlich weil es der vergas.
Wer wollt verübeln es dem Alten, -dass er dereinst nicht festgehalten
vom Kriegsgeschehen seiner Zeit. - für uns hat jede Kleinigkeit?
Bei Blüthgen Victor und Weber Fritz - fand ich noch so manch Indiz
das andre hatten unterschlagen. - Ich hab es sofort nachgetragen.
Und auch was bei Hesse neu, - übernahm ich wortgetreu.
Bei Mensch und Scheffer Tassilo, - wie bei Leopardi Giacomo
fand ich noch mehr, hoch interessant, - was die andern nicht genannt.

Seidel Friedrich, Barlow Jane, - alle hab ich durchgeseh’n.
Ludwich, Ahlborn, Mai, Eskuche, - las ich auf der Spurensuche,
bestrebt die Wahrheit zu erfahren, - was schwer fiel nach so vielen Jahren.
Auch bei Stolberg manche Seiten, - enthielten manche Neuigkeiten
die ich bemüht bin offen nun, - expressis verbis kund zu tun.
Von Joachim Campe hab vergnügt - ich manche Zeile eingefügt
die ich in seinem ersten Band - von drei geplanten Büchern fand.
Der Tod hat einst sein Werk verdorben. - Viel zu früh ist er verstorben.
Zweihundert Jahre ist das her, - dass den Froschmeuseler er,
das Werk von Georg Rollenhagen, - in lesbares Deutsch wollt übertragen.
Was Campe, weil tot, kann nicht mehr tun, - werd ich vollenden für ihn nun.
All jene, die es wissen wollen, - nun endlich auch erfahren sollen,

mit Bildern reichlich illustriert, - wie man einen Krieg verliert.


Zur Einstimmung

Bei dem hier unter dem Pseudonym R.W. Aristoquakes virtuell zur Veröffentlichung gebrachten, mehr als einhundertfünfzigtausend Doppelverszeilen umfassenden und mit über 15.000 Zeichnungen versehenen Epos handelt es sich um die umfangreichste Nacherzählung des Homer zugeschriebenen Kriegsberichtes, die jemals niedergeschrieben wurde und nach Auffassung des Autors, um das wichtigste literarische Werk der Neuzeit überhaupt.

Unter dem oben abgedruckten Titel veröffentlicht der noch unbekannte Schriftsteller an dieser Stelle in den nächsten fünf Jahren sein als Fortsetzungeerzählung entstandenes Mammutmachwerk über den antiken Tierkrieg und dessen Folgen für die Menschheit.

Das über zweitausend Jahre alte homerische Epillion, das im Original nur etwa 300 Verszeilen umfasst, wurde von R.W. A., der zehn Jahre lang daran gearbeitet hat, zu einem Mammutwerk aufgebläht, das die Batrachomyomachia mit der Ilias und der Bibel verbindet.

Diese Verknüpfung der drei wichtigsten Werke der abendländischen Literatur, die in etwa zur gleichen Zeit entstanden sind, dient dem Autor dazu, seine religionsgeschichtliche These zu untermauern, in der er den Frosch als Ursprungsgottheit darstellt und behauptet, dass die Götter der Neuzeit nichts anderes sind als die konsequente Weiterentwicklung der ägyptischen Froschgötter.